Lebensdaten
1863 bis 1928
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Zoologe ; Biologe ; Afrikaforscher ; Direktor des Hamburgischen Weltwirtschafts-Archivs ; Kolonialbeamter
Konfession
-
Normdaten
GND: 119365154 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stuhlmann, Franz Ludwig
  • Stuhlmann, Franz
  • Stuhlmann, Franz Ludwig

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Zitierweise

Stuhlmann, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119365154.html [23.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Rudolf, Maurermeister, Architekt;
    M Caroline Maria Krämer.

  • Leben

    S. besuchte in Hamburg das Realgymnasium des Johanneums und studierte anschließend in Hamburg, Tübingen und Freiburg (Br.) Naturwissenschaften mit Schwerpunkt Zoologie. 1886 wurde er mit einer zoolog. Arbeit über die Aalmutter zum Dr. phil. promoviert, ging 1887 zu weiteren Studien an das zoolog. Institut der Univ. Kiel und übernahm im selben Jahr eine Assistentenstelle am zolog.zootom. Institut der Univ. Würzburg bei Karl Semper (1832–93). Während seines Studiums hatte S. im 5. Bad. Infanterieregiment No. 113 seinen Militärdienst geleistet und es dort 1886 zum Seconde-Lieutenant der Reserve gebracht. 1891 wurde er zum Premier-Lieutenant und im folgenden Jahr zum Hauptmann der kolonialen Schutztruppe befördert.

    Im Febr. 1888 brach S. zu einer von der Akademie der Wissenschaften in Berlin geförderten Forschungsreise nach Dt.-Ostafrika auf. An den Küsten von Sansibar erforschte er die „Fauna des süßen Wassers“ und reiste im August mit einer Expedition ins Landesinnere. Als im Sept. 1888 in Dt.-Ostafrika der „Araberaufstand“ ausbrach, setzte S. zunächst seine Forschungen an der Sambesi-Mündung fort, nahm aber als Leutnant der Reserve 1889 an den Kampfhandlungen teil und wurde verwundet. Nach seiner Genesung berief der Arzt und Afrikaforscher Eduard Schnitzer (1840–92, bekannt als Emin Pascha), der im Auftrag der dt. Reichsregierung seit April 1890 eine militärische Expedition zur Festigung der dt. Kolonialmacht in Dt.-Ostafrika leitete, S. als Naturforscher in seine Expeditionsmannschaft. Zugleich trat S. dem „Dt. Kolonialdienst“ bei und vermachte seine bis dahin gesammelten zoolog. und botan. Objekte dem Naturhistorischen Museum Hamburg. Die Expedition von Emin Pascha führte tief ins Innere des Kontinents, in Richtung des heutigen Ruanda, das allerdings nicht erforscht wurde. Statt dessen erreichte die Expedition das Massiv des Ruwenzori, das von S. erstmals naturwissenschaftlich untersucht wurde. Er unternahm auch einen Ersteigungsversuch und errreichte im Juni 1891 eine Höhe von ca. 4000 m. Im Bereich des Albertsees stieß die Expedition auf Pygmäen und das Volk der Lundu. Emin war inzwischen stark geschwächt und blieb mit einem Teil der Expedition in Undussuma zurück (Emin wurde auf seinem Rückweg im Okt. des selben Jahres von Sklavenhändlern ermordet). S. kehrte – nun als alleiniger Leiter der Expedition – im Juli 1892 nach Bagamoyo an der ostafrikan. Küste zurück. S. brachte neben umfangreichem neuen Kartenmaterial auch eine hervorragende zoolog. Sammlung und ethnolog. Beobachtungen zurück nach Deutschland. Mit seinen geographischen, natur- und völkerkundlichen Befunden zählt S. zu den bedeutendsten Erforschern des zentral- und ostafrikanischen Raumes. 1894 veröffentlichte S. sein Monumentalwerk „Mit Emin Pascha ins Herz von Afrika“ ( 21910, Nachdr. 2006) mit einer Fülle von Beobachtungen, v. a. zu Ethnologie, Botanik und Zoologie; auf S.s Befunde stützte sich auch das seinerzeitige Ruanda-Bild als zentralistisches Königreich.

    1893 kehrte S. nach Dt.-Ostafrika zurück, um als Kartograph und landwirtschaftlicher Berater in Diensten der Kolonialverwaltung weitere landeskundliche Forschungen anzustellen. 1895 wurde er Abteilungschef für Landeskultur und Landesvermessung in Dares-Salaam, 1902 Erster Referent und 1903 Direktor des „Biologisch-Landwirtschaftlichen Instituts“ in Amani, das sich in den folgenden Jahren einen hervorragenden Ruf|mit der Förderung der afrikan. Plantagenwirtschaft erwarb (hier wurde u. a. der für Ruanda so wichtige Kaffeeanbau erstmals wissenschaftlich untersucht). 1904 „Stellvertretender Gouverneur“ von Dt.-Ostafrika, kehrte S. 1908 gesundheitlich angeschlagen nach Deutschland zurück, wo er bis zur Pensionierung 1910 den Posten des Generalsekretärs der neu gegründeten Zentralstelle am Hamburger Kolonialinstitut übernahm ( 1917 Tit.- Prof.). 1921 trat S. als Direktor des „Hamburgischen Weltwirtschafts-Archivs“, der Nachfolgeeinrichtung des Kolonialinstituts nach dem 1. Weltkrieg, erneut in den aktiven Dienst und blieb dort bis zu seinem Tod.

  • Auszeichnungen

    A preuß. Kronenorden 4. Kl. mit Schwertern (1892); sächs., württ. u. bad. Orden (1893 /94); Karl-Ritter-Medaille d. Ges. f. Erdkde. zu Berlin (1893 mit O. Baumann); hamburg. Tit.prof. (1917); nach S. benannt u. a. d. Stuhlmann-Pass im Ruwenzorigebirge sowie mehrere Tierarten, z. B. d. Marungunektarvogel (Cinnyris stuhlmanni) u. d. Dunkle Rüsselhündchen (Rhynchocyon stuhlmanni).

  • Werke

    zahlr. zoolog., botan. u. landwirtschaftl. Abhh. sowie Schrr. über Nordafrika u. d. Türkei;
    Zoolog. Ergebnisse einer in d. Küstengebiete v. Ostafrika unternommenen Reise 1888–90, 2 Bde., 1893–1901;
    Btrr. z. Kulturgesch. v. Ostafrika, 1909;
    Handwerk u. Industrie in Ostafrika, 1910;
    Hg.:
    Die Tagebücher v. Dr. Emin Pascha, 4 Bde., 1916–27;
    Qu
    StA Hamburg (Mss., Reisetagbücher).

  • Literatur

    v. Danckelmann, in: Mitt. v. Forsch.reisenden u. Gelehrten aus d. Dt. Schutzgebieten 4, 1891, S. 221–28, ebd. 5, 1892, S. 248–54, ebd. 6, 1893, S. 87–92, ebd. 7, 1894, S. 282–91;
    Mitt. d. Geogr. Ges. Hamburg 40, 1929, S. 4;
    C. Uhlig, in: Geogr. Zs. 35, 1929, S. 521–26;
    C. Essner, Dt. Afrikareisende im 19. Jh., 1985, S. 88–90 u. 168;
    R. Bindseil, in: Btrr. z. dt. Kolonialgesch. 12, 2008, S. 1–75 (P);
    E. Rosenbaum, in: DBJ X, S. 271–79 u. Tl.;
    H. Schnee (Hg.), Dt. Kolonial-Lex. III, 1920, S. 431;
    Ornithologen Mitteleuropas;
    Henze, Entdecker;
    Lex. Bryologen (P).

  • Autor/in

    Markus Tremmel
  • Empfohlene Zitierweise

    Tremmel, Markus, "Stuhlmann, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 642-643 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119365154.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA