Lebensdaten
1878 bis 1944
Geburtsort
Kolin (Böhmen)
Sterbeort
Auschwitz (Polen)
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Kulturpolitiker ; Redakteur
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 119361973 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hoffmann, Kamil (tschechisch)
  • Hoffmann, Camill
  • Hoffmann, Kamil (tschechisch)
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Zitierweise

Hoffmann, Camill, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119361973.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gasthausbes.;
    M N. N. Doktor;
    9 B (alle Kaufleute);
    2 Schw;
    1904 Irma Oplatka;
    1 S, 1 T, u. a. Edith ( Eliezer Yapou, israel. Diplomat), Kunsthistorikerin (Vf. v. Kokoschka, Life and Work, 1947).

  • Leben

    H. besuchte das deutsche Gymnasium und die Handelsakademie in Prag. Im Elternhaus wurde deutsch, aber auch tschechisch gesprochen, so daß er früh Volkslieder und Poesie der Tschechen schätzen lernte, obwohl er sich mit der deutschen Literatur identifizierte. Schon als Gymnasiast bewunderte er den um drei Jahre älteren Rilke, der sein literarisches Vorbild bleiben sollte. In Wien, wo H. als Journalist arbeitete und „Zeif“-Redakteur war, kam als weiteres Vorbild Hofmannsthal hinzu. 1902 debütierte er mit dem Band „Adagio stiller Abende“, stimmungsvollen Versen, die das ernste Talent eines romantischen jungen Mannes vom Fin de siècle bezeugten. 1910 folgte mit der Gedichtsammlung „Die Vase“ seine zweite und letzte eigenständige Buchveröffentlichung; das sichere Formgefühl und der Mut zu erotischen und sozialen Motiven ließen aufhorchen. Seine Gedichte erschienen immer wieder in repräsentativen Anthologien. H. war selbst bedeutender Anthologist, außerdem legte er Übertragungen von Baudelaire, Balzac und Charles-Louis Philippe sowie von tschechischen Lyrikern vor. 1911 ging er als Feuilleton-Redakteur zu den „Dresdner Neuen Nachrichten“ und kehrte 1918 nach Prag zurück, wo man die Tschechoslowakische Republik ausgerufen hatte. Staatspräsident Masaryk machte H. zum anonymen Direktor der deutschsprachigen Tageszeitung „Prager Presse“, und seit 1920 war der deutsche Schriftsteller Presse- und Kulturattaché an der tschechoslowakischen Vertretung in Berlin. Er verfocht eine Verständigungspolitik zwischen Deutschland und der ČSR, in seinem Haus verkehrten Stefan Zweig, Piscator, George Grosz, Viertel, Toller und zuweilen Brecht. Er übertrug T. G. Masaryks „Weltrevolution“, Edvard Benešs „Aufstand der Nationen“ und Karel Čapeks „Gespräche mit Masaryk“ ins Deutsche. Nach dem Münchener Abkommen pensioniert, plante er eine Geschichte der Tschechoslowakei, kam jedoch über die Vorarbeiten nicht mehr hinaus. 1942 erfolgte seine Deportation ins KZ Theresienstadt, wo er heimlich Gedichte schrieb, und am 28.10.1944 der Weitertransport nach Auschwitz, wo er vergast wurde.

  • Werke

    Weitere W Hrsg.: Dt. Lyrik aus Österreich, 1912 (darin auch eigene Gedichte);
    Briefe d. Liebe, 1913. -
    Aufnahme in Anthologien: Moderne dt. Lyrik, hrsg. v. H. Benzmann, 1903 u. 1924;
    Dt. Lyrik seit Liliencron, hrsg. v. H. Bethge, 1905;
    Saat u. Ernte, hrsg. v. A. Sergel, 1924;
    Kristall d. Zeit, hrsg. v. A. Soergel, 1929;
    Der tausendjährige Rosenstrauch, hrsg. v. F. Braun, 1937 u. 1949;
    An d. Wind geschrieben, hrsg. v. M. Schlosser, 1960.

  • Literatur

    o. p. [O. Pick], C. H., Zu s. 50. Geb.tag, in: Prager Presse v. 31.10.1928, S. 7;
    S. Zweig, Die Welt v. Gestern, Erinnerungen e. Europäers, Stockholm 1944, 1947;
    M. Wurmbrand, in: Aufbau, New York 1947; W
    . Mehring, Die verlorene Bibl., Autobiogr. e. Kultur, 1952;
    M. Brod, Der Prager Kreis, 1966;
    S. Viertel, Das unbelehrbare Herz, Ein Leben in d. Welt d. Theaters, d. Literatur u. d. Films, 1970.

  • Autor/in

    Franz Peter Künzel
  • Empfohlene Zitierweise

    Künzel, Franz Peter, "Hoffmann, Camill" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 403 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119361973.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA