Lebensdaten
1752 bis 1825
Geburtsort
Gut Tanne bei Zollikofen oder bei Ostermundigen Kanton Bern
Sterbeort
Kassel
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 119244845 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Nahl, Johann August der Jüngere
  • Nahl, Johann August
  • Nahl, Johann August der Jüngere
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Zitierweise

Nahl, Johann August, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119244845.html [01.04.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Augustd. Ä. (s. 1);
    M Anna Maria Gütig;
    Kassel 1798 Christiane Emilie West (1766–1835);
    K u. a. Wilhelm (1803–80), Maler, Kopist u. Sammler in K. (s. ADB 23; ThB), Alexander Theodor (1805–75), Priv.gel. in K;
    E Emilie Wepler (1819/26-93), Schriftst. (s. ADB 41; Brümmer).

  • Leben

    N. wuchs in Kassel auf, wo ihn zunächst sein Vater in der Bildhauerei unterrichtete. Seiner Neigung folgend, erlernte er anschließend bei Johann Heinrich Tischbein d. Ä. (1763/64) die Malerei, die er in Straßburg bei Tanesch und Christoph v. Bemmel (1765–67) im Landschafts- und in Bern bei Emanuel Handmann (1767–70) im Porträtfach vervollkommnete. 1771/72 stattete N. in Kassel das väterliche Wohnhaus mit alttestamentarischen, mythologischen und allegorischen Szenen aus, die noch seine barocke Auffassung belegen. 1773 lernte N. in Paris, wo er die Akademie besuchte, die Werke des frühen Klassizisten Eustache Le Sueur kennen. Die folgenden Jahre verbrachte er in Rom; hier war er zunächst mit dem Zeichnen nach den Antiken und dem Kopieren alter Meister beschäftigt. Erst 1781 kehrte er nach Kassel zurück und malte anläßlich der Hochzeit seines Bruders im Jahr darauf das „Brautbild“ (Staatl. Museen, Neue Gal., Kassel) im klassizistischen Stil. Danach fuhr er für 15 Monate nach London. Ein zweiter römischer Aufenthalt seit 1783 währte, unterbrochen von Reisen nach Neapel (1786), London (1787), Kassel (1787/88) und in die Schweiz (1791), bis 1792. Die bis 1786 in Rom gemalten Historienbilder zeigen Einflüsse der römischen Akademie und der Schule Jacques Louis Davids. Auf Anregung Philipp Hackerts in Neapel widmete sich N. dem Studium der Natur. Seit 1788 entstanden in Sepia gezeichnete Landschaften und Gemälde mythologischen Inhalts mit wenigen Figuren vor landschaftlicher Kulisse, wie „Merkur und Diana beim Knöchelspiel“ und „Pyramus und Thisbe“ (beide Staatl. Museen, Neue Gal., Kassel). 1792 lebte er in Basel, wo er Porträtaufträge entgegennahm, die er in der mittlerweile von ihm bevorzugten Sepia-Technik ausführte. Seit 1793 endgültig in Kassel seßhaft, konzentrierte sich N. auf das Zeichnen seltener historischer und mythologischer Themen. Mehrmals nahm er erfolgreich an den von Goethe ausgeschriebenen Weimarer Preisaufgaben teil. Mit seinen Zeichnungen „Hektors Abschied“ (1800) und „Achill auf Skyros“ (1801, beide Kunstslgg., Weimar) gewann er jeweils den ersten Preis. Er erhielt größere Aufträge u. a. für das Weimarer Schloß und seit 1814 vom Erbprinzen Wilhelm von Hessen-Kassel. 1815 nahm N. einen Ruf als Direktor und Professor der Malereiklasse an die Kasseler Akademie an. Sein graphisches Alterswerk seit 1822 unterscheidet sich in der farbmalerischen Wirkung von seinen früheren, in der akademischen Tradition des 18. Jh. stehenden Arbeiten. Neben Johann Erdmann Hummel und Wilhelm Böttner bildet N.s Historienmalerei den Abschluß des Klassizismus in Kassel. In seinem Œuvre verbinden sich antike Thematik, feiner Malstil und klare Komposition mit delikater Farbharmonie und anmutigem, gefühlvollem Pathos der Figuren. Das Gemälde „Orpheus und Eurydike“ (1807, Staatl. Museen, Neue Gal., Kassel) repräsentiert N.s Position innerhalb der idyllischen Richtung des reifen Klassizismus in Deutschland.

  • Werke

    Weitere W u. a. Entstehung d. roten Rose, 1790 (Staatl. Museen, Neue Gal., Kassel);
    Apoll mit d. Pythonschlange, um 1813 (ebd.);
    Ölstudie zu Hektars Abschied, nach 1816 (ebd.);
    Stiche nach N. mit Ansichten v. Wilhelmshöhe, 1795/96 (Staatl. Museen, Graph. Slg., Kassel);
    Odysseus in d. Höhle d. Polyphem, 1803/16 (ebd.).

  • Literatur

    ADB 23;
    Der Schloßpark Wilhelmshöhe in Ansichten d. Romantik, Ausst.kat. Kassel 1993, Kat. Nr. 34-38, Abb. 31-34 u. Kat. Nr. 4 f.;
    U. Schmidt (Hrsg.), Die Künstlerfam. Nahl, Rokoko u. Klassizismus in Kassel, 1994 (Qu., L, P);
    ThB.

  • Portraits

    Selbstbildnis, 1775-80 (Staatl. Museen, Neue Gal., Kassel);
    Gem. v. J. F. A. Tischbein, 1774, Abb. b. E. M. Fallet, Der Bildhauer J. A. Nahld. Ä. , 1970;
    Gem. v. J. W. Tischbein, um 1780 (Staatl. Museen, Neue Gal., Kassel);
    Gem. v. W. Nahl, 1826 (ebd.), Abb. im Bestandskat. d. Gem. d. 19. Jh., bearb. v. M. Heinz, Kat. d. Staatl. Kunstslgg. Kassel, Neue Gal. I, 1991.

  • Autor/in

    Sabine Fett
  • Empfohlene Zitierweise

    Fett, Sabine, "Nahl, Johann August" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 721 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119244845.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Nahl: Johann August N. der Jüngere, Maler, zweiter Sohn des gleichnamigen Bildhauers Johann August N., geb. am 7. Januar 1752 auf einem Landgute seines Vaters bei Bern. Nachdem er bei Heinrich Tischbein d. ä. den ersten Kunstunterricht genossen, begab er sich auf Reisen nach Straßburg und Paris, wo Lesueur's Einfluß auf ihn wirkte. Von 1774—1781 lebte er in Italien, zumeist in Rom, von wo er nach Kassel zog. Im nächstfolgenden Jahre verweilte er in London und hielt sich abermals von 1783—1793 in Italien auf. Nach seiner Rückkehr wurde er Professor an der Akademie zu Kassel und 1815 Director der Classe der Malerei. Er starb daselbst nach vollendetem 72. Lebensjahre in der Nacht vom 30—31. Januar 1825. — Sein künstlerischer Bildungsgang wurde während seines Aufenthaltes in Italien durch Hackert's Vorbild sowie durch das Studium der Natur und der Werke Claude Lorrain's und Salvator Rosa's bestimmt. Goethe gedenkt des Malers in der Monographie über Winckelmann, namentlich der im Geiste Albani's ausgefaßten „erotischen Darstellungen mit ergötzenden Landschaften“ sowie der in Sepia „schr zart und gefällig“ ausgeführten Erfindungen, deren Technik er fortan mit Vorliebe zur Anwendung brachte. N. verdankt seinen zu Lebzeiten angesehenen|Namen der von Goethe begründeten Gesellschaft weimarischer Kunstfreunde, welche ihm 1800 und 1801 für zwei malerische Compositionen: „Hector's Abschied von Andromache“ und „Achilles am Hofe des Lykomedes“ den ersten Preis zuerkannte. Durch weitere Aufträge für den weimarischen Hof geehrt, erhielt er noch im J. 1807 den Preis bei Gelegenheit einer Kunstausstellung in Tübingen. In der Mehrzahl seiner Bilder sind historisch-mythologische Motive in landschaftlicher Umgebung dargestellt. Von den bedeutendsten Werken seiner Hand sind hervorzuheben: „Ein Opfer an die Venus", „Castor und Pollux“, „Amor, der Venus einen Dorn aus dem Fuße ziehend“, „Ariadne auf Naxos“, „Narcissus“ u. a. m. Ueber die nach Nahl's Gemälden von Anderen gestochenen und von ihm selbst radirten Blättern vgl. Nagler's Künstlerlexikon, 10. Bd., S. 106.

    • Literatur

      Goethe, Winckelmann und sein Jahrhundert. Tübingen 1805. — Die Propyläen. 1800, 1801. —
      Kunstblatt. Herausg. v. Dr. L. Schorn, 1625. 6. Jahrg., S. 72. — Jacob Hoffmeister's gesammelte Nachrichten über Künstler und Kunsthandwerker in Hessen seit etwa 300 Jahren. Hrsg. v. G. Prior. Hannover 1885, S. 82—83.

  • Autor/in

    v. Donop.
  • Empfohlene Zitierweise

    Donop, von, "Nahl, Johann August" in: Allgemeine Deutsche Biographie 23 (1886), S. 240-241 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119244845.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA