Lebensdaten
1901 - 1981
Geburtsort
Gensingen bei Bingen
Sterbeort
Lorch
Beruf/Funktion
Journalist ; Vertriebenenpolitiker ; Politiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 140171363 | OGND | VIAF: 193227134
Namensvarianten
  • Nahm, Peter Paul
  • Nahm, Peter P.
  • Nahm, Peter-Paul
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Porträt(nachweise)

Orte

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Zitierweise

Nahm, Peter Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd140171363.html [25.06.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Paul (1874–1954), Glasermeister;
    M Margarete Thörle (1875–1950);
    1927 Christine-Anna (1902–94), T d. Weingutsbes. u. Gastwirts Adam Jost (1869-1934) u. d. Katharina Henrich (1876–1965);
    1 T Dorothea ( Dr. Paul Wilhelm Kolb, Präs. d. Bundesamts f. zivilen Bevölkerungsschutz).

  • Leben

    Nach dem Abitur am Alten Gymnasium im Mainz 1921 studierte N. in Innsbruck Philosophie, Geschichte und Kunstgeschichte. 1925 wurde er mit einer Arbeit über „Kultur- und Siedlungsgeschichte der röm.-fränk. Zeit in Bingen und Umgebung“ summa cum laude zum Dr. phil. promoviert. Eigentlich wollte er Beamter in einem Museum werden, hatte aber während des Studiums seine journalistische Neigung entdeckt. 1924 nach Bingen zurückgekehrt, wurde N. bei der „Mittelrhein. Volkszeitung“, einem Blatt der Zentrumspartei, der er 1919 beigetreten war, Redakteur, dann Chefredakteur und Verlagsprokurist. Auch war er 1931 Mitgründer und ständiger Mitarbeiter der Zeitschrift „Der Katholik“. Seit 1928 leitete er das Heimatmuseum in Bingen. Seine entschiedene Gegnerschaft zum Nationalsozialismus trug ihm nach Hitlers Machtergreifung nicht nur einen kurzen Aufenthalt im KZ Osthofen, sondern auch Berufsverbot ein und das Verbot, öffentlich aufzutreten. Bis 1945 lebte er in Lorch vom Weinbau und Weinhandel.

    Mit der Berufung zum Landrat des Rheingau-Kreises durch die Amerikaner im Juni 1945 kam N. mit den Problemen der Vertriebenen in unmittelbare Berührung. Seine Erfolge bei der Beseitigung von Spannungen zwischen Vertriebenen und Einheimischen trugen ihm 1946 das Amt des Beraters des hess. Ministerpräsidenten in Vertriebenenfragen ein. 1947-49 leitete N., inzwischen CDU-Mitglied, das Hess. Landesamt für Vertriebenen- und Flüchtlingsfragen. Nachdrücklich forderte er ein länderübergreifendes einheitliches Vorgehen wie auch die gesetzliche Regelung eines gerechten Lastenausgleichs. Seit 1949 Ministerialdirektor im hess. Innenministerium, wurde er 1951 zu einem der beiden Bundeskommissare bestellt, die die Binnenumsiedlung der Vertriebenen zwischen stark besetzten Aufnahmeländern und solchen mit größeren Arbeitsplatzkapazitäten zu organisieren hatten.

    Als im Februar 1953 der Flüchtlingsstrom nach West-Berlin anschwoll, erhielt N. den Ruf nach Bonn als Leiter der Zentralstelle für Sowjetzonenflüchtlinge. Noch im selben Jahr wurde er Staatssekretär im Bundesvertriebenenministerium. Er blieb in diesem Ministerium bis zum Eintritt in den Ruhestand im November 1967 und überdauerte dabei acht Minister. Im April 1969 wurde er in seine frühere Funktion zurückgeholt, die er auch nach Eingliederung des Ministeriums in das Innenministerium Ende 1969 weiter ausübte. Erst am 15.10.1970 schied er endgültig aus dem Dienst. Sein Amt als Präsident des kath. Flüchtlingsrats (seit 1960) behielt er bei. Intensiv widmete er sich weiterhin der Pflege ostdeutscher Kulturarbeit. – N.s Name ist mit dem Erfolg der ungemein schwierigen Aufgabe der Integration der Vertriebenen in der Bundesrepublik Deutschland eng verbunden.|

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. h. c. (Innsbruck 1975);
    Gr. Bundesverdienstkreuz mit Stern u. Schulterband (1961);
    Lodgman-Plakette (1960) u. Guttenbrunn-Medaille;
    Commandeur de l'ordre de la Santé Publique (1963);
    Ehrenzeichen d. DRK;
    Magistralritter d. Malteserordens (1967);
    päpstl. Sylvesterorden (1968).

  • Werke

    Weitere W u. a. Der kirchl. Mensch in d. Vertreibung, 31961;
    Flüchtlinge u. Vertriebene in Westdtld., in: Hdwb. d. Soz.wiss., 1961, S. 760-76;
    Der Lastenausgleich, 21967;
    Lastenausgleich u. Integration d. Vertriebenen u. Geflüchteten, in: Die zweite Republik. 25 J. Bundesrepublik Dtld. – e. Bilanz, hrsg. v. R. Löwenthal u. H.-P. Schwarz, 1974, S. 817-42.

  • Literatur

    W. Henkels, 111 Bonner Köpfe, 1963, S. 230-32 (P);
    ders., in: FAZ v. 15.5.1964;
    F. Lorenz, in: Publik v. 9.10.1970;
    Völkerwanderung heute, Zum 70. Geb.tag v. P. P. N., 1970 (P);
    Nassau. Biogr., 1992.

  • Autor/in

    Günter Buchstab
  • Empfohlene Zitierweise

    Buchstab, Günter, "Nahm, Peter Paul" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 722 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd140171363.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA