Lebensdaten
1685 bis 1744
Geburtsort
Oberwiesenthal
Sterbeort
Lichtenstadt (Böhmen) (auf einer Reise)
Beruf/Funktion
Historiograph ; Publizist ; Schriftsteller
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118686194 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Faßmann, David
  • D. F.
  • Fasmann, David
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Zitierweise

Fassmann, David, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118686194.html [28.03.2017].

CC0

Fassmann, David

Historiograph und Publizist, ~ 20.9.1685 Oberwiesenthal (Erzgebirge), 14.6.1744 Lichtenstadt (Böhmen) (auf einer Reise). (lutherisch)

  • Genealogie

    V Alexander, Bürger u. Handelsmann in O., S d. Bartholomäus ( 1661); M Dorothea (1654–1723), T d. Pfarrers David Rühle in O. ( 1699).

  • Leben

    F. studierte 1703 kurze Zeit in Altdorf, wurde dann Sekretär bei den Deputierten des fränkischen Kreises, speziell Nürnberg. 1705 nahm er an der Seite des Oberstleutnants Tucher an der Belagerung Ingolstadts und an der Eroberung Ulms teil. 1705-09 befand er sich im Dienste verschiedener Gesandtschaften und Kanzleien, vornehmlich in Regensburg. Als Quartiermeister bei der sächsischen Chevalier-Garde 1709 geriet er in Polen in die Hände der Smigielski-Partei, von der er nach Ungarn verschleppt wurde. 1711 gelang es ihm, nach Wien zu entweichen. Nach kurzem Zwischenspiel als Begleiter des sächsischen Kurprinzen zur Kaiserwahl nach Frankfurt trat er die Stelle eines Reisebegleiters bei dem Neffen des englischen Großkanzlers, William Cowper, an. Mit diesem besuchte er 1712-15 nacheinander Holland, England, Irland, Frankreich, Italien. 1716 arbeitete F. in Halle als Schreiber und studierte dort Theologie und Philosophie. 1717 siedelte er nach Leipzig über. Hier begann die wichtigste Epoche seines Lebens, die Tätigkeit als freier Schriftsteller und Journalist. 1725 wurde er von Friedrich Wilhelm I. an den preußischen Hof berufen und trat 1726 seinen Dienst als „Zeitungsreferent“ des Königs an. In mancher Hinsicht teilte er das Schicksal des königlichen Hofnarren, Jacob Paul Freiherr von Gundling, dessen Konkurrent und Nachfolger (1731) in fast allen Ämtern er werden sollte: Präsident der Königlichen Societät der Wissenschaften, Kammerherr, Hofhistoriograph und andere. Kurz nach seiner Amtserhöhung aber verließ F. aus unbekannten Gründen den Hof und kehrte nach Leipzig zurück, wo er wiederum, ganz der Arbeit – und nicht minder dem Wein – ergeben, als freier Schriftsteller tätig war. – F.s historische Arbeiten, unter anderem „Leben und Thaten des … Königs von Preußen Friderici Wilhelmi …“ (I Hamburg und Breslau 1735, II [Ergänzungen] Frankfurt und Hamburg 1741), haben vor allem kulturhistorischen Quellenwert. Sie sind wie später Voltaires Porträts mit Anekdoten, eigenem Erleben und Informationen verschiedenster Herkunft durchsetzt.

    Bis in die Gegenwart hinein wird der Biograph und satirische Publizist F. abwechselnd gelobt oder getadelt. Die Zeitgenossen, Fürsten wie gebildete Bürger, verschlangen seine historischen Porträts und ließen sich von seiner geschickt verkleideten Kritik der herrschenden Zustände faszinieren. Die Breitenwirkung seiner nach dem Vorbild von Lucian, Fénelon und Fontenelle aufgezeichneten „Gespräche in dem Reiche derer Todten“ (Leipzig 1718-40, Auflage jeweils circa 3000), Dialoge verstorbener historischer Persönlichkeiten, war ungewöhnlich, fand auch mehrfache Nachahmung. Der Kirche und der Zensur war seine unangreifbare Schilderungsweise ein ständiger Dorn im Auge. F. gehört mit seinen Raisonnements (Vorstufe des Leitartikels) und Kommentaren zu den ersten bürgerlich-publizistischen Kritikern der absolutistischen Regierungen.

  • Werke

    Weitere W Die entkappten Whigs u. Tories, Leipzig 1717; Die Taten Prinz Eugens, ebd. 1718; Coburgischer Ztg.-Extract auss Jahr 1715 mit gehörigen Anmerkungen, Jg. 1715–30, Coburg 1715-30; Der auf Ordre u. Kosten s. Kaysers reisende Chinese …, 4 Bde. (I-III zu je 28, IV zu 18 Stücken), ebd. 1721-33, Neue Aufl. ebd. 1727-42; Der Staatsmann od. gründliche Erz. alles dessen, was an Höfen großer Herren passiert, T. 1-4, 1 ebd. 1731-39; Das angenehme Passe-Temps, T. 1-6, Frankfurt/M. u. Leipzig 1734-43; Neu-eröffneter Schau-Platz d. Welt, allwo Personen a. allerley Völkern … erscheinen … u. sich entretenieren, Zusammenkunft 1-4, Berlin 1742.

  • Literatur

    ADB VI; K. F. Flögel, Gesch. d. Hofnarren, Liegnitz u. Leipzig 1789, S. 235-40; E. Everth, Die Öffentlichkeit in d. Außenpol. v. Karl V. bis Napoleon I., 1931; J. Kirchner, Die Grundlagen d. dt. Zss.wesens, mit e. Gesamtbibliogr. d. dt. Zss.-wesens bis z. J. 1790, 2. T., 1931; K. Kaschmieder, D. F.s „Gespräche im Reiche d. Todten“ (1718-1740), e. Btr. z. dt. Geistes- u. Kulturgesch. d. 18. Jh., Diss. Breslau 1934 (W-Verz.); L. Lindenberg, Leben u. Schrr. D. F.s (1683-1744) mit bes. Berücksichtigung s. Totengespräche, Diss. Berlin 1937; K. d'Ester, in: Hdb. d. Ztg.wiss. I, 1940, Sp. 973-76; H. Max. Wesen u. Gestalt d. pol. Zs., Pressestud., I, 1942; W. Haacke, Hdb. d. Feuilletons I-III, 1951-53; W. Damberg, Die pol. Aussage in d. Totengesprächen D. F.s („Gespräche in d. Reiche d. Todten“), Ein Btr. z. Frühgesch. d. pol. Zs., Diss. Münster 1952 (W, L; ungedr.); Körner.

  • Autor

    Wilmont Haacke
  • Empfohlene Zitierweise

    Haacke, Wilmont, "Fassmann, David" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 28 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118686194.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Faßmann, David

  • Leben

    Faßmann: David F., geb. 14. Juni 1683, 14. Juni 1744. Aus Wiesenthal im sächsischen Erzgebirge gebürtig, trat er, nachdem er als Schreiber im Dienste verschiedener Behörden, als Reisebegleiter eines jungen Engländers, zu Zeiten auch als Lehrer fremder Sprachen in verschiedenen Ländern und Lebenskreisen sich umgesehen und schließlich sich in Halle auch mit der Theologie beschäftigt hatte, 1717 als Litterat in Leipzig auf und verfertigte auf Bestellung der dortigen Buchhändler allerlei Modeschriften, etwa "Das angenehme Passe-tems" in 6 Octavbänden, "Der Europäischen Höfe Liebes- und Heldengeschichten" u. a.; vor allem versah er bis 1740 die dortige Messe alljährlich mit "Gesprächen aus dem Reiche der Todten", Schriften, in denen er trotz tiefster Devotion gegen die Mächtigen der Welt unter allerlei gelehrten Brocken gemischt Lächerliches und Aergerliches aus ihrem Leben an die Oeffentlichkeit brachte. Im J. 1726 vom Könige Friedrich Wilhelm I. von Preußen nach Berlin berufen, gab er sich hier dazu her, neben Paul Gundling und andern Gelehrten seines Schlages als Spaßmacher und Neuigkeitserzähler im sogenannter Tabakscollegium den König und seine Genossen zu unterhalten, verließ jedoch Berlin 1731, wie es scheint, weil der König nach dem Tode Gundling's ihm zwar dessen Gehalt, nicht aber auch, wie F. verlangte, einige der von ihm verwalteten Aemter bewilligen wollte. Bei wechselndem Aufenthalte in den Nachbarlandschaften verfaßte er neben anderen Arbeiten meist historischen Inhaltes ans Grund eingehender Beschäftigung mit der Tageslitteratur und mit Benutzung eigener Erlebnisse und Erfahrungen nacheinander zwei Aufsehen machende Biographien, von denen er die des Königs August II. von Polen 1734, sein Hauptwerk, "Leben und Thaten — des Königs von Preußen Friderici Wilhelmi" 1735 herausgab, welchem letzteren er 1741 einen zweiten Band, der die wichtigsten gesetzgeberischen Acte des Königs enthielt, hinzufügte, Bücher, welche gerade, weil sie von der Censur verfolgt worden, um so eifriger gekauft und gelesen und in Uebersetzungen verbreitet wurden. Unfähig, die geistige Bedeutung Friedrich Wilhelms I. aufzufassen, bemühte sich F., seine Leser vornehmlich durch detaillirte Mittheilungen der auffälligen Lebensgewohnheiten des Königs zu unterhalten. Unabsichtlich hat er dadurch bewirkt, daß die späteren Schriftsteller, die aus dieser Quelle hauptsächlich schöpften, sich aus jenen Aeußerlichkeiten ein völlig karrikirtes Bild des Königs zusammensetzten. Es gehört nicht zu den geringsten Verdiensten v. Ranke's und Droysen's, diesen Irrthum vernichtet und das Wesen und den Charakter des Fürsten in seiner vollen Originalität zur Anschauung gebracht zu haben. 1744, 14. Juni, ist F. auf dem Wege nach Carlsbad zu Lichtenstädt, in Böhmen, gestorben.

    • Literatur

      Jöcher. — Droysen, Preuß. Politik, Th. IV, Abth. IV.

  • Autor

    Th. Hirsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hirsch, Theodor, "Fassmann, David" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 580-581 unter Faßmann [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118686194.html#adbcontent

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