Lebensdaten
1833 bis 1890
Geburtsort
Düsseldorf
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Kunsthistoriker ; Kunstsammler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119083175 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Münzenberger, Ernst Franz August
  • Münzenberger, Franz
  • Münzenberger, Ernst Franz August
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Münzenberger, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119083175.html [20.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Georg (1804–70), Zeichenlehrer, Immobilien- u. Kunsthändler (s. ThB), S d. Particuliers Jakob in Meckenheim u. d. Marianne Lange;
    M Franziska Wilhelmine (um 1800–49), T d. Franziska Reckum.

  • Leben

    Nach dem Abitur studierte M. in Münster, Tübingen und Bonn Theologie und Philosophie. 1855 trat er in das Priesterseminar in Köln ein und empfing am 30.8.1856 die Priesterweihe. Seine Arbeit als Seelsorger begann er im selben Jahr als Kaplan in Kettwig/Ruhr, wo er in kurzer Zeit für die arme Arbeiterbevölkerung ein blühendes Gemeindeleben schuf. 1858 ging er nach Dernbach (Westerwald) als Hausgeistlicher an das Mutterhaus der dortigen Schwesterngenossenschaft. Durch intensives Studium der theologischen, philosophischen und vor allem kunsthistorischen Literatur erwarb er sich in dieser Zeit u. a. eine genaue Kenntnis der gotischen Kunst, was ihn befähigte, vernachlässigte oder vergessene Stücke in Kellern, auf Dachböden und in Kirchen aufzufinden sowie ihre Herkunft wie auch ihren Wert richtig zu beurteilen.

    1862 kehrte M. als Kaplan an der Hofkirche St. Andreas in seine Heimatstadt Düsseldorf zurück. Er engagierte sich für die Arbeit des Bonifatiusvereins, wobei er besonders die Pflege und Instandsetzung historischer Paramente und die Anfertigung neuer Stücke im gleichen Stil betrieb. Zur Unterstützung seiner Arbeit gründete er 1867 das „Düsseldorfer Sonntagsblatt“. 1868 berief ihn der Limburger Bischof Klein als Referenten für Bausachen und Regens des Priesterseminars und bestellte ihn 1870 zudem als Pfarrverweser der Domgemeinde in Frankfurt/Main. Damit eröffnete sich für M. ein weites und vielseitiges Tätigkeitsfeld. Er organisierte das Gemeindeleben neu, rief die Dernbacher Schwestern, die Franziskanerinnen sowie die Barmherzigen Brüder nach Frankfurt und trat für einen stilgerechten Wiederaufbau des Domes ein. 1871 wurde er zum Stadtpfarrer bestellt. Er gründete eine Sonntagszeitung, aus der binnen eines Jahrzehnts eine Tageszeitung, das „Frankfurter Volksblatt“, hervorging, förderte die soziale Arbeit und trat für Privatschulen sowie im Kulturkampf für die Freiheit der Religionsausübung ein. Als Publizist äußerte er sich zu einer Vielzahl von tagespolitischen, aber auch kulturhistorischen Themen, wobei die Religionsgeschichte Afrikas einen Schwerpunkt bildete. Vor allem wandte er sich immer mehr der kirchlichen Kunst zu. Im ganzen deutschen Sprachgebiet umherreisend, erwarb er gotische Altäre, Figuren, Paramente und Erzeugnisse des Kunsthandwerks, besonders Goldschmiedearbeiten, und versorgte zahlreiche Gemeinden mit Altären.

    In Frankfurt arbeitete M., dem die Innenausstattung des Domes übertragen worden war, eng mit dem Historiker Johannes Janssen und dem Maler Edward v. Steinle zusammen. Seine Begeisterung für die mittelalterliche Sakralkunst teilten der Zentrumspolitiker August Reichensperger, der Archäologe Stephan Beissel – ein Fachmann für die Heiligen- und Marienverehrung – sowie der Kölner Domkapitular Alexander Schnütgen, in dessen „Zeitschrift für christliche Kunst“ M. mehrere Aufsätze veröffentlichte. Die Ergebnisse von M.s unermüdlicher Forscher-, Sammel- und Sichtungsarbeit vereinigt das großangelegte, seit 1885 in Lieferungen erscheinende Werk „Zur Kenntnis und Würdigung der mittelalterlichen Altäre Deutschlands, Ein Beitrag zur Geschichte der vaterländischen Kunst“, mit zahlreichen Abbildungen, Nachweisen und Statistiken (1. Bd., 1890, 2. Bd., hrsg. v. St. Beissel, 1905). M.s Altarwerk, das auch praktische Bedeutung für die kirchliche Denkmalpflege hatte, ist eine unerschöpfliche Fundgrube für die Kunstgeschichte geblieben.|

  • Auszeichnungen

    Wirkl. Geistl. Rat (1872); Ehrendomherr.

  • Werke

    Weitere W Der Kreuzgang am Dom zu Frankfurt, 1876;
    Zur Restauration d. Frankfurter Doms, 1877;
    Die Entstehung d. Frankfurter Schulwesens im letzten J.zehnt, 1880;
    Das Frankfurter u. Magdeburger Beichtbüchlein u. d. „Buch vom sterbenden Menschen“, e. Btr. z. Kenntnis d. ma. religiösen Volkslit., 1888;
    Afrika u. d. Mohamedanismus, 1889;
    Communionbuch f. alle, 21890;
    Abessinien u. seine Bedeutung f. unsere Zeit, 1892.

  • Literatur

    A. M. Benevolus (= A. M. v. Steinle), E. F. A. M., e. Lebensskizze, 1891;
    F. Ranft, E. F. A. M., Stadtpfarrer v. Frankfurt (1870–1890), Stud. z. seinem Wirken u. seiner Persönlichkeit, T. 1, 1926;
    ders., Das kath.-prot. Problem, Stadtpfarrer E. F. A. M. v. Frankfurt a. M. u. d. Glaubenseinheit, 1947;
    E. F. A. M. (1833-1890), Frankfurter Stadtpfarrer u. Kunstsammler, Ausst.kat. Dommus. Frankfurt 1990;
    E. de Weerth, Die Altarslg. d. Frankfurter Stadtpfarrers E. F. A. M. (1833-1890), 1993;
    Kosch, Kath. Dtld.;
    Nassau. Biogr.;
    Frankfurter Biogr. II.

  • Portraits

    Gem. v. H. Nüttgen, 1895 (M. knieend mit Franz v. Assisi), Innenseite d. rechten Flügels d. Annenaltars im Frankfurter Dom (Stiftung v. A. Schnütgen, 1898), Abb. in: Ausst.kat. Dommus. Frankfurt 1990 (s. L).

  • Autor/in

    Franz Lerner
  • Empfohlene Zitierweise

    Lerner, Franz, "Münzenberger, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 554-555 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119083175.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA