Lebensdaten
1860 bis 1914
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Literaturhistoriker
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 119034751 | OGND | VIAF: 30338083
Namensvarianten
  • Meyer, Richard Moritz
  • Meyer, Richard M.
  • Meyer, R. M.
  • mehr

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Zitierweise

Meyer, Richard Moritz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119034751.html [10.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Fritz (* 1820), Bankier in B., S d. Eli Joachim (1780–1849), Bankier in B., u. d. Betty Abraham (1788–1839);
    M Elika (1835-n. 1891), T d. Moritz|Jacobsen (1795–1858) u. d. Rebecca Goldschmidt;
    Tante-v Feodora (* 1828, Robert Remak, 1815–65, Prof. d. Med. in B., s. ADB 28);
    Vt Ernst Julius (1849–1911), Prof. d. Neurol. in B.;
    Berlin 1889 Estella Goldsclimidt;
    3 S.

  • Leben

    Nach dem Abitur am Friedrichs-Gymnasium in Berlin studierte M. in Leipzig germanische Philologie bei Rudolf Hildebrand und Friedrich Zarncke, seit 1879/80 in Berlin bei Karl Müllenhoff und Wilhelm Scherer. Im Sommer 1883 wurde er auf der Grundlage der Dissertation „Die Reihenfolge der Lieder Neidharts von Reuenthal“ promoviert. Nach einem Aufenthalt an der Univ. Straßburg 1883/84 ging M. wiederum nach Berlin, wo er sich im Januar 1886 mit der Schrift „Jonathan Swift und Georg Christoph Lichtenberg“ habilitierte. Seit 1901 war er unbesoldeter ao. Professor für deutsche Literaturgeschichte.

    M.s Lehrtätigkeit am Berliner Seminar war sehr vielgestaltig. Er hielt Vorlesungen und Übungen zur deutschen Grammatik und Metrik sowie zur Runenlehre, ebenso zur altgermanischen, neuhochdeutschen und neueren Literaturgeschichte. Dabei war er bestrebt, die Tradition der philologisch und positivistisch orientierten Wissenschaftsmethoden Wilhelm Scherers und seiner Schule zu wahren, wofür auch die von ihm besorgte Herausgabe der Schererschen „Poetik“ 1888 ein Beleg ist. Auch die kaum zu übersehende Fülle der Publikationen M.s war im großen und ganzen dieser wissenschaftlichen Grundhaltung verpflichtet. Einen besonderen Stellenwert in seinem Schaffen hatte jedoch (nicht zuletzt durch den Einfluß von Erich Schmidt) die neuere deutsche Literaturgeschichte. 1895 veröffentlichte er die Preisschrift „Goethe“ und war in den Jahren danach verschiedentlich als Herausgeber von Werken Lessings, Goethes und Heines tätig. Nachhaltige Wirkung in der kulturellen Öffentlichkeit erzielte sein 1900 publiziertes Buch „Die deutsche Literatur des 19. Jh.“, in dem er ganz im positivistischen Sinne den Versuch unternahm, die deutsche Literatur in der zeitlichen Abfolge von Jahrzehnten zu erfassen und sie als Einheit von Schriftstellerbiographie und Werk darzustellen. Auch wenn für M. die Weimarer Klassik nach wie vor als Wertinstanz künstlerischer Höhe fungierte, so würdigte er, u. a. in seinen Untersuchungen zu Heine, Fontane, Keller und Hauptmann, dennoch innovative literarische Leistungen. Aufmerksamkeit verdient ferner die 1913 erschienene Abhandlung „Die Weltliteratur im 20. Jh., Vom deutschen Standpunkt aus betrachtet“, in der M. im Rückgriff auf den Goetheschen Begriff der Weltliteratur und mit der Methode des typologischen Vergleichs vielfältige Wechselwirkungen zwischen den Literaturen der europ., asiat. und afrikan. Völker in Vergangenheit und Gegenwart herausarbeitete, die seiner Meinung nach das Nationalliterarische zum Allgemein-Menschlichen bzw. Allgemein-Nationalen umformen würden.

    M. gehörte ähnlich wie Scherer und Schmidt zu den Germanisten, die regen Anteil am literarischen Leben ihrer Zeit nahmen. Er war nicht nur Mitglied der „Gesellschaft für deutsche Literatur“ seit deren Gründung und Verfasser zahlreicher Rezensionen und Feuilletons in Tageszeitungen und Wochenblättern, sondern suchte auch die Nähe zu Schriftstellern. Nach Meinung von A. Soergel soll es M. gewesen sein, der 1897 durch einen Aufsatz zuerst die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf den Stefan George-Kreis gerichtet hat. Einen ebenso hohen Rang räumte M. der Wirkung Friedrich Nietzsches, den er zum Klassiker erhob und als genialen Denker charakterisierte („Nietzsche, Sein Leben und seine Werke“, 1913), auf Kultur, Kunst und Literatur ein. Trotz der wissenschaftlichen Produktivität blieb die Wirksamkeit M.s in seiner Zeit und danach eingeschränkt: Aufgrund seiner jüdischen Herkunft war er, wie ein Brief Erich Schmidts an Th. F. Althoff aus dem Jahr 1893 bezeugt, in einer Weise behindert, daß er sich „ernstlich mit dem Gedanken“ trug, ohne Aufsehen „aus dem akademischen Leben auszuscheiden“; des öfteren sah er sich auch direkten antisemitischen Angriffen vor allem von Adolf Bartels und dessen Anhängern ausgesetzt.

  • Werke

    Weitere W u. a. Grundlagen d. mhdt. Strophenbaues, 1886;
    Die altgerman. Poesie, nach ihren formelhaften Elementen beschrieben, 1889;
    Dt. Charaktere, 1897;
    Betrieb u. Organisation wiss. Arbeit, 1898;
    Grundriß d. neuern dt. Lit.gesch., 1902;
    Gestalten u. Probleme, 1905;
    Dt. Stilistik, 1906;
    Altgerman. Rel.gesch., 1910;
    Aufsätze literaturhist. u. biogr. Inhalts, 1911;
    Die dt. Lit. bis z. Beginn d. 19. Jh., hrsg. v. O. Pniower, 1916. – Hrsg.: Vierhundert Schlagworte, 1900;
    Goethe u. seine Freunde im Briefwechsel I, 1909/10;
    Dt. Parodien, Dt. Lied im Spottlied v. Gottsched bis auf unsere Zeit, 1913;
    Die hundert besten Gedichte d. dt. Sprache, 2 Bde., 1913/14.

  • Literatur

    A. Holz, Dr. R. M. M., Priv.Doz. d. Univ. Berlin, e. literar. Ehrabschneider, 1900;
    A. Bartels, Ein Berliner Lit.historiker, Dr. R. M. M. u. seine „deutsche Literatur“, 1900;
    ders., Nat. od. universale Lit.-wiss.? Eine Kampfschr. gegen H. M. Elster u. R. M. M., 1915;
    E. Kämpfer, R. M. M., 1913;
    P. Schlenther, in: Berliner Tagebl. 43, 1914, Nr. 513 v. 9.10.1914, Morgen-Ausg., S. 2;
    M. Jacobs, in: Die neue Rdsch., 25. Jg. d. freien Bühne, 1914, S. 1611-12;
    DLZ 1915, Nr. 1, Sp. 32-34;
    Bibl. Prof. R. M. M., Dt. Lit., Mit e. Vorwort v. O. Pniower, Kat. 1-8, 1924;
    B. Tapper,|in: Philological Quarterly 4, 1925, S. 91;
    Goedeke IV, 2.-4. Abt.;
    Wi. 1914;
    Kürschner, Lit.kal., 1914;
    Sigilla Veri., Lex. d. Juden, -Genossen u. -
    Gegner aller Zeiten u. Zonen, insbes. Dtld.s, d. Lehren, Gebräuche, Kunstgriffe u. Statistiken d. Juden sowie ihrer Gaunersprache, Trugnamen, Geheimbünde usw., IV, 1931, S. 504-10;
    Kosch, Lit.-Lex.3. – Eigene Archivstud.

  • Portraits

    F. Behrend, Gesch. d. dt. Philol. in Bildern, 1927, S. 66.

  • Autor/in

    Wolfgang Höppner
  • Empfohlene Zitierweise

    Höppner, Wolfgang, "Meyer, Richard Moritz" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 369-371 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119034751.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA