Lebensdaten
1718 bis 1791
Geburtsort
Flörsheim/Main
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119015056 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schütz, Christian Georg der Ältere
  • Schüz, Christian Georg I.
  • Schütz, Christian Georg
  • mehr

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Schütz, Christian Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119015056.html [24.01.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes (1681–1759), Acker- u. Weinbauer in Flörsheim, S d. Caspar ( 1707), aus d. Eichsfeld, Acker- u. Weinbauer in Flörsheim, u. d. Anna Henn;
    M Dorothea Breckhammer (1678–1746), aus Flörsheim;
    1) Frankfurt/M. 1744 Anna Maria ( 1757), T d. Servatius Hochecker (1689–1734/35), Bildhauer in Frankfurt/M. (s. Nagler; L), 2) Frankfurt/M. 1759 Maria Barbara Josepha Kittner ( 1791), aus Miltenberg/Main;
    2 K aus 1) Franz (1751–81), Maler in Frankfurt/M. u. Genf (s. ThB; Frankfurter Biogr.), Johann Georg („Römer-Schütz“) (1755-1813, ⚭ Maria Thekla Würdtwein, 1763–1825, aus Walldürn), Maler in Frankfurt/M. u. Rom (s. ThB; Frankfurter Biogr.);
    5 K aus 2) u. a. Heinrich Joseph („der Londoner“) (1760-1822), Maler u. Graphiker in Frankfurt/M. u. London (s. ThB; Frankfurter Biogr.), Philippine (1767–1797), Malerin in Frankfurt/M. (s. ThB; Frankfurter Biogr.); Verwandter Christian Georg II. (s. 2).

  • Leben

    S. trat 1731 (n. Hagedorn) eine vierjährige Lehre bei dem Frankfurter Fassadenmaler Hugo Schlegel an und konnte seine Fertigkeiten anschließend in den Residenzen von Hohenzollern-Hechingen und Nassau-Saarbrücken, zuletzt als Schüler des Hofmalers Giuseppe Appiani, fortbilden. Um 1740/43 ließ er sich wieder in Frankfurt/M. nieder, 1744 erhielt erden Beisassenschutz. Anfangs mit Fassaden- und Dekorationsmalereien beschäftigt, führte S. bald Landschaften und Veduten in Ölmalerei aus. Der Frankfurter Sammler Heinrich Jacob Frhr. v. Häckel (1682–1760) gilt als sein früher Förderer. Häckel erwarb über 40 seiner Gemälde, in seinem Kabinett lernte S. erstmals Flußlandschaften von Herman Saftleven als prägendes Vorbild kennen (n. Hagedorn). Wohl um 1750 bereiste S. das Rheintal bis Koblenz (n. Hüsgen 1780). Topographische Details und die Atmosphäre der Gegend flossen bis zuletzt in seine zwischen Ideal und Wirklichkeit changierenden Flußlandschaften ein. Eine Reise in das Berner Oberland 1762 ist u. a. durch eine in diesem Jahr datierte Schweizerlandschaft belegt (1991 im Kunsthandel).

    1749 hielt sich S. am Hof von Braunschweig auf, um „dem Nicolini an den Schaubühnen-Veränderungen zu helfen“ (n. Hüsgen 1780), daneben entstanden zwei Landschaften für die Galerie Salzdahlum (verloren). Um 1750 durch Vermittlung Häckels in Kassel tätig (Ansicht d. Kasseler Unterneustadt, 1751, Staatl. Museen Kassel), malte S. dort 15 Supraporten für Lgf. Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel (Calden, Schloß Wilhelmsthal). Auch in der Folge arbeitete er in fürstl. Auftrag, u. a. für die Kurfürsten von Mainz (um 1750 Bestellung v. 80 Supraporten durch Johann Friedrich Karl v. Ostein, wohl nur z. T. ausgeführt, verschollen; 1784/86 Folge v. ursprüngl. 14 Mainzer Ansichten für Friedrich Karl v. Erthal, Bayer. Staatsgem.slgg. München), für den Fürsten Wolfgang Ernst v. Isenburg-Birstein (Langenselbold; Birstein) sowie für Gf. François de Thoranc (1759/62 umfangreicher Auftrag mit J. C. Seekatz, J. G. Trautmann u. F. W. Hirt, Grasse u. Frankfurter Goethe-Mus.). Daneben schuf S. Dekorationen für die Stadt- und Gartenhäuser wohlhabender Frankfurter Bürger (nicht in situ erhalten, translozierte Gem. im Hist. Mus. Frankfurt).

    Noch umfangreicher ist die Zahl der Staffeleigemälde, die S. auf Leinwand, Holz- und Kupfertafeln, oft als Pendants, ausführte und die bei Sammlern überaus beliebt waren (Ankäufe durch Johann Goethe 1756, 1760 u. 1768 belegt; die weite Verbreitung in dt. Privatslgg. durch zeitgenössische Auktionskataloge bekannt; erschlossen durch d. Getty Provenance Index). Der lebhaften Nachfrage kam eine Werkstatt nach, in der neben Lehrlingen und Gehilfen auch mehrere Familienangehörige, wie Christian Georg (s. 2), arbeiteten, was die Händescheidung z. T. erheblich erschwert. 1763 ist S. als „jüngerer Vorsteher“, 1764 „älterer Vorsteher“ der Frankfurter „Malergesellschaft“ (Malerzunft) nachweisbar. 1767 erhielten er und weitere Frankfurter Maler vom Rat die Erlaubnis, eine akademische Zeichenschule zu gründen, die jedoch nur kurzen Bestand hatte. Das Frankfurter Bürgerrecht wurde dem|bereits 61jährigen am 28.12.1779 „ex speciali gratia“ und gegen Abgabe des vorgeschriebenen „Probestücks“ (Landschaft mit Hirten, 1780, Hist. Mus. Frankfurt) gewährt.

    In seinen Flußlandschaften und Ruinenstücken, den lebensnahen Stadtansichten, den Kircheninterieurs und vereinzelten Nachtstücken knüpfte S. an niederl. Vorbilder, aber auch an ital. Vedutisten an. Sein Schaffen entsprach dem spezifischen Geschmack zeitgenössischer Sammler sowie der kunsttheoretischen Forderung einer „verbessernden“ Nachahmung älterer Meister. Einige topographisch genaue Stadtansichten in landschaftlicher Umgebung (Mainzer Zyklus v. 1784/86) markieren bereits den Übergang der nachbarocken Stimmungslandschaft zur realistischen Landschaftsauffassung der folgenden Jahrzehnte.

  • Werke

    ein aktueller Werkkat. existiert nicht: zahlr. Werke in Privatbes.;
    zu Werken in öff. Slgg. s. H. F. Schweers, Gem. in dt. Museen, Bd. 2, 1982, S. 902 f.;
    größere Gem.bestände
    u. a. in: Darmstadt, Hess. Landesmus.;
    Dessau, Anhalt. Gcm.gal.;
    Frankfurt/M., Goethe-Mus., Hist. Mus. u. Städelsches Kunstinst.;
    Kassel, Slaatl. Museen;
    Mainz, Landesmus.;
    München, Bayer. Staatsgem.slgg.;
    Wiesbaden, Mus. Wiesbaden;
    kirchl. Auftragsarbb.:
    Flörsheim/Main, Kath. Pfarrkirche St. Gallus: Mariä Himmelfahrt, Christus am Kreuz, Seitenaltarblätter, 1777 (Blatt d. Hauptaltares 1895 verbrannt);
    Seligenstadt, ehem. Benediktinerabtei, Landschaftsmus.: Christus am Kreuz mit Maria Magdalena, 1768: – Gem. als Raumausstattung in situ: Birstein, Schloß, Kabinett;
    Calden, Schloß Wilhelmsthal, Kirchenflügel, Wohnung des Landgrafen;
    Dessau, Schloß Luisium, Gem.kab., Grasse, Hotel de Fontmichel, Salon des Grecs u. Grand Salon;
    Langenselbold, Schloß, Großer Saal, u. Regensburg, Schloß St. Emmeram (aus d. Palais Thurn u. Taxis Frankfurt).

  • Literatur

    ADB 33;
    Ch. L. v. Hagedorn, Lettre à un Amateur de la Peinture (…), 1755, S. 247-51;
    H. S. Hüsgen, Nachrr. v. Franckfurter Künstlern u. Kunst-Sachen (…), 1780, S. 182-87;
    ders., Artistisches Magazin (…), 1790, S. 371-79;
    Ph. F. Gwinner, Kunst u. Künstler in Frankfurt am Main (…), 1862, S. 309-13 (auch zu Servatius Hochecker);
    W. Klötzer, „Also lustig sah es aus, wo der Main vorüberfloß …“, Frankfurt an Main z. Zeit d. jungen Goethe nach e. Gem. v. C. G. S. d. Ä. aus d. J. 1754, 1991;
    C. G. S. d. Ä. 1718-1791, Ein Frankfurter Landschaftsmaler d. Goethezeit, bearb. v. P. Maisak, Ausst.kat. Freies Dt. Hochstift – Frankfurt Goethe-Mus. 1991 (grundlegend, Qu, Bibliogr., P);
    C. G. S. d. Ä., bearb. v. K. Wettengl, Ausst.kat. Heimatmus. Flörsheim/M., Hist. Mus. Frankfurt/M. 1992 (mit Kat. d. Werke im Hist. Mus. Frankfurt, P);
    P. Stahl, Die „Saftleven-Renaissance“, Bürgerl. Kunstgeschmack d. 18. Jh. in Dtld., in: Vom Zauber des Rheins ergriffen …, Zur Entdeckung d. Rheinlandschaft, hg. v. K. Honnef, 1992, S. 195-206;
    K.-H. Dräger, Romant. Ideallandschaften, Die Wiederentdeckung d. Supraporten in Schloß Wilhelmsthal v. C. G. S. d. Ä., 1718-1791, in: Froschkonige u. Dornröschen, Die Pflege d. Staatl. Schlösser u. Gärten Hessen im J. 1997, 1998, S. 126-28;
    B. Mosler, Benedikt Beckenkamp 1747-1828, 2003, S. 49-53 u. 66 f. (P);
    ThB;
    Frankfurter Biogr. (P);
    Nassau. Biogr.;
    zur Fam.:
    W. G. Simmank, Auf den Spuren d. Malerfam. S., in: Geneal. Jb. 16/17, 1977, S. 49-97 (Qu, Bibliogr., P).

  • Portraits

    Selbstbildnis mit d. Bildnis C. G. S. d. Ä. auf e. Staffelei v. J. Ch. Fiedler, Öl/Lwd., um 1755 (Hess. Landesmus. Darmstadt), Abb. in: Ausst.kat. Frankfurt 1991 (s. L), S. 12 u. H. Ludwig, Die Gem. d. 18. Jh. im Hess. Landesmus. Darmstadt, 1997, S. 55;
    Pastell v. E. Handmann, 1762 (Hist. Mus. Frankfurt), Abb. in: Ausst.kat. Frankfurt 1991 (s. L), Nr. 7 u. Ausst.kat. Flörsheim 1992 (s. L), Nr. A 34;
    Porträtmedaillon v. J. P. Melchior, ovales Tonrelief, 1773 (Mus. f. Angewandte Kunst Frankfurt/M.), Abb. in: Ausst.kat. Frankfurt 1991 (s. L), S. 86;
    Radierung nach d. Pastell v. E. Handmann v. J. F. Beer, 1774, Abb. in: Simmank (s. L), S. 87;
    Ölgem. v. K. B. Beckenkamp, um 1780 (Alte Nat.gal. Berlin), Abb. in: Mosler (s. L), S. 50.

  • Autor/in

    Gerhard Kölsch
  • Empfohlene Zitierweise

    Kölsch, Gerhard, "Schütz, Christian Georg" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 656-657 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119015056.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA