Lebensdaten
1765 bis 1814
Geburtsort
Treuenbrietzen
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Komponist ; Klaviervirtuose
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118980025 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Himmel, Friedrich Heinrich

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Himmel, Friedrich Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118980025.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Christian Friedrich (1724–1801/04), aus Eisenach, markgräfl. Kammerdiener, später Gastwirt u. Bierbrauer;
    M Joh. Christiane Elisabeth Ebel (1730–87), aus Strausberg; ledig.

  • Leben

    Nach frühem Klavier- und Orgelunterricht bezog H. 1785 die theologische Fakultät der Universität Halle. 1787-92 studierte er als Stipendiat Friedrich Wilhelms II. von Preußen Komposition bei J. G. Naumann in Dresden; hier wie auch in Pillnitz erregte er Aufsehen als Klaviervirtuose. 1792 zum königlichen Kammerkomponisten ernannt, reiste er 1793 zu Studienzwecken nach Italien, wo er in Venedig und Neapel als Opernkomponist debütierte; nach seiner Ernennung zum Nachfolger des Hofkapellmeisters J. F. Reichardt kehrte er im April 1795 nach Berlin zurück. Trotz seines verschwenderischen und leichtfertigen Lebenswandels erfreute sich H. der besonderen Gunst des preußischen Königspaares und des Geheimkämmerers Rietz sowie der Freundschaft des Prinzen Louis Ferdinand, der ihm später sein Opus 1 widmete; er schrieb eine ganze Anzahl geistlicher, teils auch weltlicher Gelegenheits- und Auftragswerke für höfische Anlässe, veranstaltete mehrfach Konzerte und hatte als Virtuose viel Erfolg. 1798/99 unternahm er eine Konzertreise nach Petersburg, Moskau und Riga, von der er über Stockholm und Kopenhagen zurückkehrte; 1802 reiste er nach Paris, London und Wien. Das Singspiel „Fanchon das Leyermädchen“ (1804) wurde ein Erfolgsstück. Nach der Uraufführung der Oper „Die Sylphen“ (1806) begleitete H. die Königin Louise nach Pyrmont; anschließend begab er sich auf Reisen (Tiefurt, Leipzig, Gotha, Villach, Rom, München, Eger). Erst im Herbst 1808 folgte er dem preußischen Hof nach Königsberg. Im August 1810 war er in Dresden; anschließend kehrte er nach Berlin zurück, das er nur 1811 noch einmal zugunsten einer längeren Reise nach Wien und Prag verließ.

    H.s kaum über die Grenzen Deutschlands hinausgedrungenes Schaffen ist von jenem sozialen und kulturellen Umschichtungsvorgang um die Jahrhundertwende bestimmt, innerhalb dessen das musikbeflissene Bürgertum der von Adelskreisen gepflegten italienischen Oper und Instrumentalmusik das weitgehend neuhumanistisch und patriotisch inspirierte, spezifisch bürgerliche Lied als die ihm am meisten gemäße musikalische Gattung entgegenstellt; diesem Prozeß ist H. nach beiden Seiten hin verbunden. Seinem Lebenskreis und -umgang gemäß folgte er, dessen Bedeutung auf einzelnen seiner Opern sowie auf seinem umfangreichen Liedschaffen beruht, anfangs ganz dem älteren italienischen Geschmack, um nach der Jahrhundertwende in beiden Gattungen in neue Ausdrucksbereiche vorzustoßen. Seine ersten 4 Opern sind neu-neapolitanische „opere serie“; nach dem in der Nachfolge J. F. Reichardts stehenden Liederspiel „Frohsinn und Schwärmerey“ (1801) und dem Erfolgsschlager „Fanchon“ bieten „Die Sylphen“ einen mehr als andeutungsweisen Vorgriff auf die romantische Ausdruckswelt C. M. von Webers. In seinen bei den Zeitgenossen ungemein beliebten Liedern überwiegen zwar volkstümliche, auch galant-empfindsame Strophenlieder auf anakreontische, klassizistische oder auch „pseudoromantische“ Texte, doch stehen daneben vereinzelt auch durchkomponierte Gesänge (Wunderhorn-Lieder op. 27, 1808) und Vertonungen, die um Wortausdeutung und musikalische Nachempfindung der Dichtung bemüht sind. Gelegentlich bietet H. Beispiele für die der Frühromantik eigene Tendenz zu zyklischer Zusammenfassung („Die Blumen und der Schmetterling“, 1808 ?, „Gesänge aus. Urania'“ op. 18, um 1800?); einen echten, nicht mehr in Einzellieder auflösbaren Zyklus stellt jedoch nur „Alexis und Ida“ op. 43 dar. Durch sein Bemühen, Volkstümlichkeit durch Volksliedhaftigkeit und scheinhaften Affekt durch Nacherleben des Textes zu ersetzen, erscheint H. in seinen besten Liedern als einer der eigenständigsten Vorläufer des Kunstliedes Schubertscher Prägung im norddeutschen Bereich.

  • Werke

    Weitere W Opern: II primo navigatore, 1794 (Venedig);
    La morte di Semiramide, 1795 (Neapel);
    Alessandro, 1799 (Petersburg);
    Vasco di Gama, 1801;
    Der Kobold, 1813 (Wien);
    - 20 geistl. Chorwerke, u. a. Isacco figura del redentore (Oratorium), 1792, Trauer-Cantate (auf d. Tod Friedrich Wilhelms II.), 1797;
    7 weltl. Chorwerke;
    Sinfonie;
    3 Klavierkonzerte, u. a. D-dur op. 25;
    Ouvertüre c-moll;
    2 Militärmärsche;
    Klavier-Flötensonate;
    Klavier-Violoncell-Variationen;
    9 [?] Klaviertrios;
    2 Klavierquartette;
    Klaviersextett op. 19, um 1800;
    Sonate f. 2 Klaviere;
    mehrere Klavier-Variationszyklen;
    zahlr. Klavierstücke, auch in Serien;
    über 300 vorwiegend klavierbegleitete Lieder und Gesänge (teils mehrstg.), auch in Serien.

  • Literatur

    ADB XII;
    J. E. F. Arnold, F. H. H., 1810, 21816;
    W. Neumann, F. H. H., 1852;
    Die Jugend d. Kg. Friedrich Wilhelm IV. u. … Wilhelm I., Tagebuchbll. ihres Erziehers F. Delbrück, hrsg.|v. G. Schuster, 1907;
    L. Odendahl, F. H. H., Bemerkungen z. Gesch. d. Berliner Oper um d. Wende d. 18. u. 19. Jh., Diss. Bonn 1914, Teildr. 1917;
    L. Gelber, Die Liederkomponisten A. Harder, F. H. H., F. F. Hurka, C. G. Hering, Diss. Berlin 1936, Teildr. 1936;
    K. v. Ledebur, Tonkünstler-Lex. Berlins, 1861;
    MGG VI (W, L, P: Kupf. v. J. F. Bolt nach N. Lauer, 1803).

  • Autor/in

    Wilhelm Pfannkuch
  • Empfohlene Zitierweise

    Pfannkuch, Wilhelm, "Himmel, Friedrich Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 170 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118980025.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Himmel: Friedrich Heinrich H., königl. preußischer Kapellmeister; ein talentvoller Musiker, der sich die Gunst des Hofes, wie des Publicums in so hohem Maße zu erwerben wußte, daß er während fast zweier Jahrzehnte den Berliner Geschmack völlig beherrschte. In Treuenbriezen als Sohn unbemittelter Eltern am 20. Nov. 1765) geboren, studirte er in Halle Theologie (er liebte es später, diesen ersten Theil seines Lebens in Dunkel zu hüllen). Bei einer gelegentlichen Anwesenheit in Potsdam hatte er aber das Glück, durch sein Clavierspiel die Aufmerksamkeit des Königspaares zu ecregen. Er erhielt nun die Mittel zur Ausbildung seines Talentes beim Kapellmeister Naumann, der ihn später gelegentlich als seinen „besten Schüler“ bezeichnete (Zelter an Goethe d. d. 7. Juli 1831). Nachdem er sich 1792 in Berlin durch das Oratorium Isacco (Text von Metastasio) bei Hofe eingeführt und durch sein Clavierspiel und seinen Gesang auch die Gunst des Publicums erobert hatte, ward er vom König zum Kammercomponisten mit einem ansehnlichen Gehalte ernannt und erhielt die Mittel zu einer Studienreise nach Italien. Hier wurde 1794 zu Venedig seine erste Oper „Il primo navigatore“ und 1795 in Neapel die „Semiramide“ aufgeführt. Im selben Jahre ward er vom Könige zurückberufen, um den abgesetzten Reichardt, mit dem er später noch manche musikalische, litterarische und persönliche Fehde auszufechten hatte, als Kapellmeister zu ersetzen. Damit betrat er das Feld seiner Hauptwirksamkeit. In Berlin, wie in Potsdam, bei Hofe, wie|im Publicum ward er alsbald der Leiter des musikalischen Treibens, der durch seine Compositionen den Geschmack des Tages bestimmte. Daß soeben Mozart sein Leben und Schaffen abgeschlossen hatte, daß Haydn noch auf der Mittagshöhe seines Ruhmes stand, daß Beethoven neue Bahnen der Kunst betreten hatte, davon merkt man in dem damaligen Musikleben der norddeutschen Hauptstadt gar wenig. Hier ward H., der sich mit jenen Heroen nicht entfernt messen kann und nur Alltagsmusik, wenn auch recht gefällige, machte, mit höchstem Lobe gefeiert und während die Throne Europa's zusammenbrachen und die Völker niedergetreten wurden, ergötzte man sich in Berlin an Himmel's tändelnder „Fanchon“. Unter dem Aufmarsch der Armeen vor der Katastrophe von Jena war H. in Tiefurt bei der Herzogin Amalie zum Besuche (vgl. Henriette Knebel an ihren Bruder d. d. 27. Septbr. 1806), man musicirte dort „mit schwerem Herzen“, wie Goethe schreibt. Während der folgenden Unglücksjahre lebte H. in Begleitung des Hofes in Königsberg, von wo dir Berichte der Leipziger Allgemeinen musikalischen Zeitung (1809 und 10) begeisterte Berichte über seine musikalische Thätigkeit, sein Clavierspiel, seine Direction bringen. Seine wol durch zu großes Wohlleben angegriffene Gesundheit (Zelter, der sein Talent sehr hoch schätzt, schildert ihn als einen jovialen, dem Wein- und Lebensgenuß ergebenen Künstler) nöthigte mehrfach zu Reisen. 1808 kam aus Rom die irrige Nachricht seines Todes (Zelter an Goethe d. d. Anf. April 1808) und ebenso 1811 aus Karlsbad, wo Goethe sich seines Umgangs erfreute, wenn er gleich „wegen seiner lustigen Lebensart nicht viel mit ihm zusammen kam"; obgleich leidend, sei er doch immer der alte, lustig, mittheilend und durch sein Spiel auch die rohsten Instrumente verbessernd (Goethe an Zelter d. d. 26. Juni 1811). Die Wassersucht führte denn auch mitten im Genuß seines sonnigen Lebens zu Berlin am 8. Juni 1814 seinen Tod herbei.

    Als sich auch in Berlin der deutsche Geist zu regen anfing und man einig bemüht war, der italienischen Oper eine deutsche entgegenzustellen, lieh auch H. bereitwillig der neuen Richtung seine schlagfertige Feder. Unter Bernh. Anselm Webers Leitung wurde am Nationaltheater neben kleineren Sachen, wie „Frohsinn und Schwärmerei" (1802), „Der Kobolt" (1804). auch Himmel's „Fanchon oder das Leiermädchen“, Text nach Bouilly von Kotzebue, komische Oper mit Schäfermusik (1804) und seine größere Zauberoper „Die Sylphen“ (1806), Text von Robert, d. i. Levin) gegeben. Ueber die letztere äußert sich Zelter (an Goethe d. d. 21. April 1806) auf interessante Weise mit großem Lobe; doch schien ihm die Musik „bis zur Unausführbarkeit schwer“. — H. schrieb übrigens eine große Menge anderer, auch ernsterer Musiken, doch auch letztere nicht, ohne daß daraus sein leichter Sinn und sein mehr gefälliges als tiefes Talent hervorlächelte: Cantaten, darunter die Cantate auf den Tod Friedrich Wilhelms II., Psalmen, Vespern, das Vaterunser in Mahlmann's poetischer Umschreibung, Concerte, große Claviersonaten und andere Kammermusik. Am glücklichsten aber ist er in seinen Liedern, deren er zahllose schrieb, darunter die Gesänge zu Tiedge's Urania. Im Liede wußte er oft den naiven Ton des Volksliedes glücklich zu treffen, darum wurden denn auch seine Lieder sehr viel gesungen und manche derselben haben sich, z. B. unter den Schulliedern, bis heute erhalten.

  • Autor/in

    Rob. , Eitner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Eitner, Robert, "Himmel, Friedrich Heinrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 435-436 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118980025.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA