Lebensdaten
1882 bis 1951
Geburtsort
Mark beiHamm (Westfalen)
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Pädagogin ; Politikerin ; Sozialistin
Konfession
evangelisch,konfessionslos
Normdaten
GND: 11895783X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Siemsen, Anna Marie Emma Henni
  • Vollenweider, Anna (verheiratete)
  • Mark, Friedrich (Pseudonym)
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Zitierweise

Siemsen, Anna, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11895783X.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V August Hermann (1839–1910), ev. Pfarrer in M., S d. August (1797–1839), aus H., ev. Pfarrer in Leeden b. Tecklenburg, Erweckungsprediger (s. NND 17);
    M Anna (1854–1931), T d. Christian Friedrich Lürßen, Korkfabr. in Delmenhorst;
    3 B August (1884–1958), Dr. phil., Päd., Pol., Chefred. d. Zs. „Sozialist. Erziehung u. Sozialist. Kultur“, RT.abg. f. d. SPD (1930–32), Vorstandsmitgl. mehrerer Organisationen, u. a. d. „Arbeitsgemeinschaft sozialdemokrat. Lehrer u. Lehrerinnen Dtlds.“, emigrierte 1933 in d. Schweiz, 1936 n. Argentinien, 1938–45 Red. d. Exil-Zs. „Das andere Dtld.“, Lehrer an d. Pestalozzi-Schule in Buenos Aires (Argentinien), 1952 Rückkehr nach Dtld., lebte seit 1955 in d. DDR (s. BHdE I; Kosch, Lit.-Lex.; Sozialdemokrat. Parlamentarier; W, L), Karl (1887–1968), Jur., RA in Düsseldorf, Pol., 1956–58 Min. f. Bundesratsangelegenheiten in NRW (s. Nordrhein-Westfalen), Hans (s. 2), 1 Schw Paula (1880–1965, ⚭ Karl Eskuchen, 1885–1955, Dr. med., Internist, Neurol., 1923 Leiter d. inneren Abt. d. Krankenstifts Zwickau, 1926 Ärztl. Dir. d. Gesamtklinikums, Vorstandsmitgl. d. „Liga f. Menschenrechte“, 1933 wegen „nichtarischer Abstammung“ aus d. Leitungsfunktion d. Zwickauer Krankenstifts entlassen, s. L);
    1934 Walter (1903–71), Sekr. d. „Sozialist. Arbeiterjugend“ u. Redakteur v. deren Zs. „Die Frau in Leben u. Arbeit“ (s. Qu), S d. Johann Samuel Vollenweider (1858–1915), Spinner, Textilarb. in Mülhausen; kinderlos;
    N Pieter (1914–2004), emigrierte n. Argentinien, Schriftsetzer in Buenos Aires (Argentinien), Mitarb. d. ExilZs. „Das andere Dtld.“, seit 1952 Übers. u. Dolmetscher in Ost-Berlin (s. W).

  • Leben

    S. besuchte die Höhere Töchterschule in Hamm, absolvierte 1901 das Lehrerinnenexamen und 1905 die externe Abiturprüfung am humanistischen Gymnasium in Hameln. Ihr Studium der Germanistik, Philosophie und Altphilologie in München, Münster, Göttingen und Bonn schloß sie 1909/10 mit der Promotion zum Dr. phil. auf der Grundlage einer von Wilhelm Wilmanns betreuten Dissertation über „Die Wörter der Form in den Versen Hartmanns von Aue“ und dem Staatsexamen ab. Bis 1918 unterrichtete sie an Mädchenschulen in Bremen und Düsseldorf. Vor dem Hintergrund des 1. Weltkriegs entwickelte S. ein politisches und pazifistisches Engagement, das ihren weiteren Lebensweg als Sozialistin bestimmte (Mitgl. d. USPD 1919–22, d. SPD 1923–31, d. SAPD 1931–33, seit 1945/46 d. SPD). 1919 war sie zunächst Mitarbeiterin am Preuß. Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung in Berlin, 1920–23 wirkte sie am Aufbau des Fach- und Berufsschulwesens in Düsseldorf und Berlin mit. 1923 folgte sie einem Ruf der sozialistischen Regierung Thüringens und übernahm im Rahmen der dort angestrebten Schulreform eine Stelle als Oberschulrätin für das mittlere Schulwesen sowie eine Honorarprofessur an der Univ. Jena. 1928–30 hatte S., die Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher und politischer Verbände war, ein Mandat als Reichstagsabgeordnete der SPD inne. War sie schon nach dem politischen Umbruch in Thüringen (Einmarsch der Reichswehr) 1924 in den einstweiligen Wartestand versetzt worden, so entzog ihr der nationalsozialistische Innenminister Thüringens, Wilhelm Frick, 1932 auch die Professur.

    S. emigrierte am 15.3.1933 in die Schweiz, wo sie eine Ehe mit einem Genossen einging, um arbeiten und politisch tätig sein zu können. Daneben bereitete sie sich auf ihre Rückkehr und den Aufbau einer an demokratischen und pazifistischen Zielen orientierten Lehrerbildung vor. In Hamburg leitete sie seit Jan. 1947 den „Notausbildungslehrgang“ für Volksschullehrer, der aus finanziellen Gründen Anfang 1948 wieder eingestellt wurde. Die ihr vom Hamburger Schulsenator Heinrich Landahl 1946 in Aussicht gestellte Planstelle einer Oberstudiendirektorin wurde nicht eingerichtet. Vermutlich waren es nicht nur verwaltungsbürokratische und finanzielle Gründe, die einer Ernennung und wissenschaftlichen Reintegration im Wege standen, sondern auch politische. In ihren letzten Lebensjahren widmete sich S. der Idee eines einheitlichen, förderalistischen Europas unter sozialistischer Perspektive.

    S.s Werk umfaßt bildungspolitische, schulreformerische, erziehungstheoretische und frauenpolitische Schriften, zudem literarische Arbeiten und Jugendbücher. Ihre schulpolitischen Bestrebungen galten dem Aufbau eines demokratischen und einheitlichen Schulwesens, in das die Berufs- und Fachschulbildung integriert sein sollten. Daneben engagierte sie sich in der Bildungsarbeit der „Sozialistischen Arbeiterjugend“ und in der Erwachsenenbildung. Zu ihren bedeutendsten Werken zählen „Beruf und Erziehung“ (1926) sowie die kriegsbedingt erst 1948 publizierte Schrift „Die gesellschaftlichen Grundlagen der Erziehung“. Ihre kritische Auseinandersetzung mit der modernen Berufsproblematik berücksichtigte auch die besondere Situation der erwerbstätigen Frau und die ungleichen Berufsausbildungsmöglichkeiten von Mädchen und Jungen. Mit ihrem Anliegen, Pädagogen zum Studium gesellschaftlicher Zusammenhänge zu führen, setzte sich S. von der weitgehend ideen- und geisteswissenschaftlich geprägten Pädagogik|der Weimarer Republik ab und warf pädagogische und gesellschaftspolitische Grundfragen auf, die unter der Perspektive einer demokratischen (Berufs-)Bildungsreform nach wie vor diskutiert werden.

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Bundes Neues Vaterland (1917, 1922 umbenannt in Liga f. Menschenrechte), d. Arb.gemeinschaft soz.demokrat. Lehrer u. Lehrerinnen (1923–31), d. Bunds entschiedener Schulreformer (um 1919–23/24), d. Verbands sozialist. Lehrer u. Lehrerinnen Dtld.s (1919–33, 1920 umbenannt in Freie Lehrergewerkschaft Dtlds., 1928 in Allg. Freie Lehrergewerkschaft Dtlds.), d. Dt. Friedensges. (seit d. 1920er J., Mitgl. d. Präsidiums bis 1929, seit 1949 Vors. d. Kuratoriums), d. Union des Instituteurs Allemands Emigrés (1933–39), d. Ges. f. Europ. Zusammenarbeit (nach 1945, Vors.) u. d. Sozialist. Bewegung f. d. Einigung Europas (1946, 1947 umbenannt in Soz. Bewegung f. d. Vereinigten Staaten v. Europa, Mitbegründerin, 1950 Vors. d. dt. Sektion); – A.-S.-Hörsaal d. Fachbereichs Erziehungswiss. an d. Univ. Hamburg (seit 2005); A.S.-Schulen (u. a. in Berlin Neukölln, Hannover, Hamburg, Herford, Lübeck); A.-S.-Kindertagesstätte in Düsseldorf u. A.-S.-Straßen (u. a. in Berlin Neukölln, Jena, Hamburg).

  • Werke

    Weitere W u. a. Erziehung im Gemeinschaftsgeist 1921;
    Literar. Streifzüge durch d. Entwicklung d. europ. Ges. 1925, 31948;
    Buch der Mädel, 1926, 31927;
    Daheim in Europa, Unliterar. Streifzüge, 1928;
    Menschen u. Menschenkinder aus aller Welt, 1929;
    Die soz. Funktion d. Berufsschule, [1929];
    Selbsterziehung d. Jugend, 1929;
    Dtld. zw. gestern u. morgen, 1932;
    Span. Bilderbuch, 1937, 21947;
    Frau u. Sozialismus, 1946;
    Zehn J. Weltkrieg, 1947;
    Briefe aus d. Schweiz, 1947;
    Frauenleben in drei J.tausenden, 1948;
    – Mein Leben in Dtld., unveröff. Ms. (um 1938/39), Privatarchiv H. Schmid-Opl, Bern u. Harvard Library, Cambridge, Mass. (USA);
    Bibliogr.:
    V. R. Schmölders, Personalbibliogr. A. S. (1882–1951), hg. v. Archiv d. Arbeiterjugendbewegung, 1992;
    Tondok.:
    21. Juli 1947, A. S. z. Thema „Frau u. Beruf“, in: „Hier spricht Hamburg“, Hamburg in d. Nachkriegszeit, CD, hg. u. bearb. v. R. Bake, 2007;
    Qu:
    Schweizer. Sozialarchiv Zürich (auch zu Walter Vollenweider);
    Archiv d. Arbeiterjugendbewegung, Oer-Erkenschwick (Slg. A. S.);
    zu August ( 1958):
    Preußen, Die Gefahr Europas, Nachgelassenes Ms. hg. v. A. S., 1937;
    zu Pieter:
    Der Lebensanfänger, Erinnerungen e. anderen Deutschen, Stationen e. pol. Lebens, Weimarer Republik – Nazi-Dtld. – Argentinien – DDRBRD, 2000 (Autobiogr.).

  • Literatur

    August Siemsen, A. S., Leben u. Werk, 1951 (P);
    O. Essig, Berufs- u. Gemeinschaftserziehung im Lebenswerk v. A. S., in: Schola, Lebendige Schule 6, 1951, S. 563–81;
    I. Neuner, Der Bund entschiedener Schulreformer 1919–1933, 1980, S. 175–97;
    R. Schmölders, A. S. (1882–1951), Zwischen d. Stühlen, Eine soz.demokrat. Pädagogin, in: Vor d. Vergessen bewahren, Lebenswege Weimarer Sozialdemokraten, hg. v. P. Lösche u. a., 1988, S. 332–60;
    B. Schmidt, Frauen u. Berufserziehung, Zum Problem d. gemeinsamen Erziehung d. Geschlechter b. A. S. u. Olga Essig, in: Der Bund d. Entschiedenen Schulreformer, hg. v. A. Bernhard u. J. Eierdanz, 1990, S. 117–33;
    I. Hansen-Schaberg, Rückkehr u. Neuanfang, Die Wirkungsmöglichkeiten d. Pädagoginnen Olga Essig, Katharina Petersen, A. S. u. Minna Specht im westl. Dtld. d. Nachkriegszeit, in: Jb. f. Hist. Bildungsforsch. 1, 1993, S. 319–38;
    dies., A. S. (1882–1951), Leben u. Werk e. sozialist. Päd., in: Die Töchter d. Alma mater Jenensis, hg. v. G. Horn, 1999, S. 113–36;
    C. Kersting, Erziehungswiss. in Hamburg nach 1945, Zum Umgang d. Disziplin mit Emigranten, in: Zs. f. Päd. 40, 1994, S. 745–64;
    P. Faulstich u. C. Zeuner, Erwachsenenbildung u. soz. Engagement, 2001;
    S. Thielking, Gute Europäerinnen, A. S. u. Ruth Körner im Exil, 2001;
    R. Köpke, A. S., Päd., Individualistin u. Pazifistin, in: Das Ideal d. Mitmenschlichkeit, Frauen u. d. sozialist. Idee, hg. v. E. Pilz, 2005, S. 145–56;
    Lex. Sozialist. Lit. (P);
    Doderer;
    BHdE I;
    Biogr. Hdwb. Erwachsenenbildung;
    Sozialdemokrat. Parlamentarier;
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L);
    Westfäl. Autorenlex. III (W, L, P);
    Hamburg. Biogr. I (P);
    Internat. Germanistenlex. (W, L);
    R. Wall, Lex. dt.sprachiger Schriftstellerinnen im Exil 1933–1945, 2004 (P);
    zu Karl Eskuchen:
    F.-M. Loebe, K. E., e. fast vergessener Pionier d. Liquorforsch., in: Psychiatrie, Neurol. u. med. Psychol. 35, 1983, S. 561–65.

  • Autor/in

    Christine Mayer
  • Empfohlene Zitierweise

    Mayer, Christine, "Siemsen, Anna" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 381-383 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11895783X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA