Lebensdaten
1496 bis 1556
Geburtsort
Augsburg
Sterbeort
Wittenberg
Beruf/Funktion
lutherischer Theologe ; Hebraist
Konfession
katholisch,lutherisch
Normdaten
GND: 11895623X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Forstheim, Johann
  • Förster, Johann
  • Forster, Johann
  • mehr

Objekt/Werk(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der GND - familiäre Beziehungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Forster, Johann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11895623X.html [20.11.2018].

CC0

  • Leben

    Student in Ingolstadt, Leipzig und – nach Tätigkeit als Hebräischlehrer an der Ratsschule in Zwickau seit 1522 – ab 1530 in Wittenberg, wird F. 1535 auf Empfehlung von Luther und Melanchthon Prediger in Augsburg. 1539 nach Tübingen als Professor der hebräischen Sprache berufen, muß aber in beiden Orten wegen seiner Stellungnahme gegen den Zwinglianismus weichen. Ab 1542 ist er Verwalter der Propstei Sankt Lorenz in Nürnberg und führt unter kurzer Beurlaubung von diesem Amt die Reformation in Regensburg ein. 1543 wird er in die Grafschaft Henneberg-Schleusingen berufen, deren Reformator er in 2 Kirchenvisitationen (1544 und 1546) wird, legt jedoch schon im Herbst 1546 sein Amt nieder, weil der Landesherr F.s Gestaltung der Kirchenzucht ablehnt, nimmt aber noch 1547 Ordinationen in Schleusingen vor. 1548 wird er Superintendent in Merseburg, geht aber bereits um Ostern 1549 als Professor für Hebräisch und Prediger an der Schloßkirche nach Wittenberg. – Reuchlins bedeutendster Schüler ist Luthers Helfer bei der Übersetzung des Alten Testaments. Sein hebräisch-lateinisches Lexikon war lange Standardwerk. Ein Mann im Umbruch der Zeiten (Magister in Ingolstadt unter Johann Eck, erster evangelischer Doktor der Theologie von Tübingen), gehört er wohl nicht zu den bedeutendsten, aber zu den charaktervollsten und zielstrebigsten Männern der lutherischen Reformation. In seinen letzten Lebensjahren nähert er sich allerdings stärker Melanchthon. Ihn begleitet er auf den Naumburger Konvent (1554) und bekämpft mit ihm Osiander.

  • Werke

    Dictionarium hebraicum novum…, Basel 1557, 21564.

  • Literatur

    ADB VII;
    H. Zeibich, Lebensbeschreibung d. Stiftssup. in Merseburg, 1732;
    Förster, J. F., e. Bild a. d. Ref.zeit, in: Zs. f. hist. Theol., 1869, S. 210 ff.;
    W. Germann, J. F., d. Henneberg. Reformator, = Neue Btrr. z. Gesch. dt. Altertums 12, 1894 (P);
    F. Roth, Augsburgs Ref.gesch. II, III, 1904 f.;
    R. Herrmann, Thür. KG II, 1947;
    PRE;
    Schottenloher 6444-51.

  • Portraits

    auf Abendmahlbild v. L. Cranach d. J., 1565 (Dessau, Schloßkirche);
    Kupf. v. T. de Bry (Veste Coburg);
    vgl. H. W. Singer, Allg. Bildniskat. IV, 1931.

  • Autor/in

    Reinhold Jauernig
  • Empfohlene Zitierweise

    Jauernig, Reinhold, "Forster, Johann" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 304 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11895623X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Forster: Johann F., auch Förster oder Forstheim, geb. 1495 in Augsburg, am 8. Decbr. 1556 in Wittenberg, einer der starrsten Lutheraner und tüchtigsten Hebraisten seiner Zeit. Er hatte unter Reuchlin studirt, den er auch, nach dessen Weggang von Ingolstadt eine Zeit lang vertreten zu haben scheint, ging dann nach Leipzig und wurde wegen seiner Hinneigung zur Reformation und wegen seiner hebräischen Studien von Luther nach Wittenberg gezogen. Hier trat er Luther sehr nahe, wurde Pathe eines seiner Kinder, wurde von Luther gelobt und ob seiner Zweifel an seiner Predigerbefähigung beruhigt, von Melanchthon wegen mangelnder philosophischer Durchbildung und geringer Eleganz der Rede getadelt. 1535 ging er als Prediger nach Augsburg, kam aber hier ebenso wie in seinen übrigen Stellungen (1538 Professor in Tübingen, 1540 Propst in Nürnberg, 1543 Reformator in der Grafschaft Henneberg) durch seine feindselige Stellung gegen die Zwinglianer, durch die schroffe Wahrung seiner geistlichen Vorrechte, theils mit Genossen, theils mit Vorgesetzten in so heftige Streitigkeiten, daß er die genannten Aemter stets nach kurzer Zeit freiwillig oder gezwungen räumte. In ziemliches Elend gerathen, erhielt er 1548 eine Zufluchtsstätte beim Fürsten Georg von Anhalt, wurde aber noch in demselben Jahre nach Caspar Cruciger's Tode nach Wittenberg als Professor der Theologie berufen und übernahm nach Flacius' Weggang auch die Stelle eines Lehrers der hebräischen Sprache. Hier in Wittenberg wurde er, durch Melanchthon's sänftigenden Einfluß selbst sanfter, betheiligte sich in dessen Gemeinschaft an den theologischen Bewegungen jener Zeit, z. B. an den osiandrischen Streitigkeiten und starb 1556. Das bedeutendste Werk Forster's ist sein hebräisches Lexikon „Dictionarium hebraicum novum“, Basel 1557. Es sollte, wie schon|aus dem ausführlichen Titel desselben ersichtlich, weder die Erklärungen der Rabbiner, noch die Angaben christlicher Erklärer wiedergeben, sondern nur aus der Bibel selbst, aus einer gründlichen Durchforschung der hebräischen Sprache geschöpft sein. Diese wird von F. verehrt, ja für heilig gehalten, die Schriften der Rabbiner, obwol oder weil er sie zu kennen vorgibt, verspottet und verachtet. Aus diesem Grunde erklärt sich die große Einseitigkeit des Buches und viele Fehler im Einzelnen, gegen welche Johann Isaak in einer geharnischten Schrift „Meditationes hebraicae“ (Köln 1558) auftrat. Trotzdem ist das Wörterbuch von hohem Werth, weil es ein fleißig gesammeltes Material zusammenträgt und die vortrefflichste Quelle ist für den Stand der hebräischen Kenntnisse jener Zeit. Man könnte es eine Bibelconcordanz nennen, die alle hebräischen (dreibuchstabigen) Stämme, im Ganzen 1758 angibt, unter den Stämmen alle von ihnen abgeleiteten Wörter, am Ende jedes Buchstabens die mit ihm beginnenden Quadriliterae. Leider sind die Bibelstellen, die bei den einzelnen Wörtern angegeben werden, lateinisch, nicht hebräisch citirt; in lateinischer Sprache sind auch die ausführlichen Erklärungen geschrieben. Trotz aller Mängel gehört das Wörterbuch zu den wichtigsten Werken, welche die Beschäftigung mit der hebräischen Sprache in jener Zeit hervorgerufen hat.

    • Literatur

      Strobel, Vermischte Beiträge zur Geschichte und Litteratur, Nürnberg 1775, S. 128—160. Förster, Joh. Forster in Ztschr. f. hist. Theol. 1869, S. 210—238. L. Geiger, D. Stud. d. hebräischen Sprache, Breslau 1870, S. 97—102, S. 138 ff.

  • Autor/in

    L. Geiger.
  • Empfohlene Zitierweise

    Geiger, Ludwig, "Forster, Johann" in: Allgemeine Deutsche Biographie 7 (1878), S. 165-166 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11895623X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA