Wetzstein, Johann Gottfried
- Dates of Life
- 1815 – 1905
- Place of birth
- Oelsnitz (Vogtland)
- Place of death
- Berlin
- Occupation
- Diplomat ; Orientalist ; preußischer Konsul in Damaskus ; Konsul ; Forschungsreisender
- Religious Denomination
- evangelisch
- Authority Data
- GND: 118897845 | OGND | VIAF: 5729627
- Alternate Names
-
- Wetzstein, Johann Gottfried
- Wetzstein, Johann G.
- Wetzstein, Joannes G.
- Wetzstein, Ioannes Godofredus
- Wetzstein, Johannes Gottfried
- Wetzstein, J. G.
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Wetzstein, Johann Gottfried
| Orientalist, Diplomat, * 19.2.1815 Oelsnitz (Vogtland), † 18.1.1905 Berlin, ⚰Berlin, Sophienkirchhof II. (evangelisch)
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Genealogy
V →Johann Gottlob (1772–1857), Weißgerbermeister in O.;
M Anna Sophie Bauer (1780–1840);
⚭ 1) 1846 Henriette Geigenmüller (1816–1848), aus O., 2) Triest 1853 Ernestine (1827–94), T d. →Samuel Rudolph, Kaufm. in B., u. d. Luise Wiesenthal;
1 S aus 1) (früh †), 3 S aus 2) →Alexander (1857–98, ⚭ Martha Freund,* 1865), Patenkind →Alexander v. Humboldts, Ing. in B., →Ernst (1860–1944), Amtsger.rat in Forst, Ger.assessor in B., →Karl (1866–98), Kaufm. in Charlottenburg b. B., 2 T aus 2) u. a. Luise (1855 – n. 1924, ⚭ N. N. Rust, Kpt.lt.). -
Biography
Nach dem Abitur an der Thomasschule in Leipzig studierte W. ab 1836 ebendort ev. Theologie und semitische Sprachen. Er wurde 1839 bei →Heinrich Leberecht Fleischer (1801–1888), mit dem er in enger Verbindung blieb, mit einer Dissertation über „Die Prophetenlegenden des Islam, Aus dem Arabischen des Abderrehman Bestami übersetzt“ zum Dr. phil. promoviert. 1846 habilitierte er sich in Berlin bei →Friedrich Rückert (1788–1866) für orientalische Literatur und wirkte dort als Privatdozent für Arabisch und Persisch. 1849–61 war W. als erster preuß. Honorarkonsul in Damaskus tätig.
Dort pflegte W. enge Kontakte zu lokalen Persönlichkeiten, investierte in landwirtschaftliche Projekte und unternahm Forschungsreisen, u. a. in den Hauran (1858) und ins Ostjordanland (1860). Die Beschreibung der Reise nach Hauran stellt die erste umfassende Darstellung Südsyriens dar. Seine zahlreichen geographischen, sprachwissenschaftlichen und ethnographischen Berichte in der Zeitschrift der Dt. Morgenländischen Gesellschaft und anderen Periodika erzielten in der Fachwelt große Aufmerksamkeit und belegen W.s gründliche Kenntnisse der Region, der arab. Sprache und der Lebensweise der arab. Stämme. Für mehrere von seinem Studienfreund →Franz Delitzsch (1813–1890) verfaßte|Kommentare zu Büchern des Alten Testaments steuerte W. zwischen 1869 und 1879 Beiträge bei. Seine Annahme, die Dichtung des Hoheliedes stehe in enger Verbindung mit altarab. Hochzeitsliedern, hatte zeitweise Einfluß auf die historische Bibelexegese.
1867–75 lehrte W. erneut als Privatdozent an der Univ. Berlin und zudem an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. Eine weitere wiss. Karriere war ihm nach seiner Rückkehr nach Preußen nicht möglich. Im Herbst 1870 hielt sich W. im Auftrag des Auswärtigen Amtes mit →Gerhard Rohlfs (1831–1896) in politischer Mission in Tunesien auf. W. pflegte enge Kontakte in der Berliner Gesellschaft, u. a. zu →Alexander v. Humboldt (1769–1859) (Pate seines Sohnes Alexander), →Paul Ascherson (1834–1913) und →Heinrich Kiepert (1818–1899).
Zu W.s bleibenden Verdiensten gehört der Aufbau erstrangiger arab. Handschriftensammlungen, die von dt. Bibliotheken angekauft wurden. Die W.-Sammlungen in Berlin (1852 u. 1862) und Tübingen (1864) enthalten Werke von enormem Wert und wiss. Relevanz. Der durch ihn vermittelte Ankauf der Rifāʿīya-Bibliothek durch die Univ. Leipzig (1853) bewahrt die einzige bis heute erhaltene Privatbibliothek aus dem osman. Damaskus. In seinen späteren Forschungen widmete sich W. insbesondere der arab. Volksliteratur. Geplante Veröffentlichungen, etwa ein mehrbändiges Werk zu „Sprache und Leben der Wanderstämme Syriens“ oder eine Edition des ʿAnṭar-Romans konnte er jedoch nicht mehr verwirklichen. Aus seinem wiss. Nachlaß wurden bisher die Übersetzung eines arab. Volksstücks (Die Liebenden v. Amasia, 1906), die Nachdichtung eines arab. Losbuchs (Die Königslose, 1929) sowie eine Teilübersetzung des Koran (Die ersten 11 Suren d. Koran, 2015) herausgegeben.
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Awards
|Rr.kreuz d. sächs. Albrechtsordens (1855), korr. Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1874) u. d. Ak. d. Wiss. zu Göttingen (1886);
– Dr. J. G. W. Stiftung (seit 1990). -
Works
Weitere W u. a. Samachscharii Lexicon arabicum persicum, 1850;
Der Markt in Damaskus, in: Zs. d. Dt. Morgenländ. Ges. 11, 1857, S. 475–525;
Sprachliches aus d. Zeltlagern d. syr. Wüste, ebd. 22, 1868, S. 69–194;
Reiseber. über Hauran u. d. Trachonen, 1860;
Die Prophetenlegenden d. Islam, Aus d. Arabischen d. Abderrahman Bestami übers., in: Der Orient, Berr., Studien u. Kritiken f. jüd. Gesch. u. Lit. 5, 1841, Sp. 54–57, 7, 1841, Sp. 88–92, 9, 1841, Sp. 120–24 u. 10, 1841, Sp. 139–43 (Auszüge aus d. Diss.);
Von d. Zeitrechnung, Aus d. Arabischen d. Abderrahman Bastami übers., ebd. 22, 1841, Sp. 321–26 u. 23, 1841, Sp. 341–45;
– W-Verz.: H.-J. Zobel, in: Zs. d. Dt. Palästina-Ver. 82, 1966, S. 233–38;
– Nachlaß: Staatsbibl. Preuß. Kulturbes. zu Berlin (hierzu Kat. v. I. Huhn, 2006, s. L). -
Literature
|H.-J. Zobel, Zum Gedenken an J. G. W., in: Orientalist. Lit.ztg., 11/12, 1965, Sp. 541–45;
I. Huhn, Der Nachlass d. Orientalisten J. G. W. in d. Hss.abtlg. d. Staatsbibl. zu Berlin, 2006;
dies., J. G. W., Orientalist u. preuß. Konsul im osman. Syrien (1849–1861), 2016;
B. Liebrenz u. Ch. Rauch (Hg.), Manuscripts, Politics and Oriental Studies, Life and Collections of J. G. W. (1815–1905) in Context, 2019 (P);
Henze, Entdecker. -
Portraits
|Photogrr. v. E. Bieber, 1884 u. um 1890 (Staatsbibl. Preuß. Kulturbes. zu Berlin);
Ölgem., um 1890 (ebd.);
Photogr. v. C. Grust, o. J. (Univ.bibl. Tübingen);
Ölgem. v. B. Fiedler, „Konsul W. besucht im J. 1855 d. Scheich e. ihm befreundeten Beduinen-Stammes in d. Ruinen v. Baalbeck“, o. J. (Berlin, Ethnol. Mus.). -
Author
Christoph Rauch -
Citation
Rauch, Christoph, "Wetzstein, Johann Gottfried" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 3-4 [online version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118897845.html#ndbcontent