Lebensdaten
1843 bis 1925
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Köfering bei Regensburg
Beruf/Funktion
bayerischer Diplomat
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118896865 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lerchenfeld, Hugo Graf von
  • Lerchenfeld-Köfering, Hugo Graf von und zu
  • Lerchenfeld, Hugo Graf von

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Zitierweise

Lerchenfeld-Köfering, Hugo Graf von und zu, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118896865.html [17.01.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Maximilian (1799–1859), Fideikommißherr auf K., bayer. Gesandter 1832 in St. Petersburg, 1839 in B., 1849 in Wien (s. Schärl), S d. Maximilian Emanuel (1772–1809), bayer. Gesandter 1801 in Dresden, 1808 in Kassel (s. Schärl), u. d. Maria Anna Freiin v. Groschlag zu Dieburg;
    M Isabella (1817–89), T d. Friedrich Gf. Waldbott v. Bassenheim u. d. Charlotte Freiin v. Wamboldt zu Umstadt; ledig;
    N Hugo (s. 2).

  • Leben

    L. verbrachte seine Kinder- und Jugendzeit in Berlin und Wien, den Wirkungsstätten seines Vaters. In München legte er 1861 am Wilhelmsgymnasium das Abitur ab und nahm das Studium der Rechte auf, wechselte aber bald an die Bonner Universität. Hier trat er dem Corps Borussia bei, zu dessen Mitgliedern zahlreiche Angehörige des preuß. Adels gehörten – von Herbert Gf. Bismarck bis zum späteren Kaiser Wilhelm II. Auf die erste juristische Staatsprüfung 1865 in München folgte eine Praktikantenzeit am Landgericht Traunstein. 1867 wurde L. in den bayer. Staatsdienst übernommen und im folgenden Jahr dem Außenministerium zugeteilt. 1869 ging er nach bestandenem Diplomatenexamen als Eleve für einige Monate an die Gesandtschaft in Paris. Im Herbst 1870 begleitete er Gf. Bray-Steinburg als Sekretär zu den Verhandlungen über den Beitritt Bayerns zum Norddeutschen Bund. In Versailles begegnete er zum ersten Male Bismarck, der auf ihn einen nachhaltigen Eindruck machte.

    1871-76 war L. Geschäftsträger an der Gesandtschaft in St. Petersburg, danach an jener in Wien, seit 1880 bayer. Gesandter in Berlin. Der 37jährige Diplomat, mit Problemen der Reichspolitik bisher kaum befaßt, betrat die Berliner Bühne in einem Zeitpunkt äußerst angespannter bayer.-preuß. Beziehungen. Dank familiärer Bande, der Verbindungen durch seine Zugehörigkeit zum Corps Borussia und seiner angenehmen Umgangsformen wurde ihm der Zugang zu Regierungsstellen und zur Berliner Gesellschaft jedoch erleichtert. Im Laufe der Jahre erwarb sich L. enorme Erfahrungen und politische Sachkompetenz, die ihm allgemein hohes Ansehen eintrugen und ihn zum gesuchten Gesprächspartner werden ließen. Als Parteigänger Bismarcks sah er nach dessen Sturz seine Position gefährdet. Eine Aussprache mit Wilhelm II. erneuerte jedoch die Vertrauensbasis. L. wuchs zunehmend in die Rolle eines „verschwiegenen und hilfsbereiten Gesprächspartners auch mit den amtierenden Reichskanzlern“ (Deuerlein). Seine Verdienste wurden durch die Ernennung zum ao. bayer. Staatsrat (1890) und durch die Verleihung des Prädikats „Exzellenz“ (1892) honoriert. Während seiner 38jährigen Wirksamkeit in Berlin hat L. an etwa 2000 Bundesratssitzungen und 6000 Ausschußsitzungen teilgenommen und mehr als 14 000 Berichte nach München geschickt. Die Analyse dieser Berichte weist ihn als ausgezeichneten stets bestens informierten Beobachter des politischen Geschehens aus und bescheinigt ihm nüchterne, treffsichere Urteilskraft und hervorragende Menschenkenntnis. Dies wird vor allem im Vorfeld der Julikrise 1914 deutlich, aber auch während des Weltkriegs. – Nach der Revolution vom Nov. 1918 lebte der kränkelnde L. zurückgezogen in Köfering, schreibend, nur noch selten seiner Jagdleidenschaft frönend. Für die Demokratie in der Republik vermochte er, der jedweder Parteipolitik ablehnend gegenüberstand, sich nicht zu erwärmen.

    Gerhard Ritter hat L. „einen der klügsten Staatsmänner und Zeitbeobachter in den Kriegsjahren“ genannt. Die Zeitgenossen rühmen ihn, der jahrelang „persona gratissima“ bei Hofe gewesen ist, als weltgewandten, kritisch beobachtenden Diplomaten und klugen Interessenvertreter seines Landes.

  • Werke

    Aus meinem Jägerleben. 1928;
    Erinnerungen u. Denkwürdigkeiten, 1935 (P);
    Briefwechsel Hertling-Lerchenfeld 1912-1917, hrsg. v. E. Deuerlein, 2 T., 1973.

  • Literatur

    K. A. v. Müller, Die Entlassung, Nach d. bayer. Gesandtschaftsberr., in: Süddt. Mhh. 19, 1921/22, S. 138 ff.;
    M. Gf. Montgelas, in: Dt. Gedanke II, 1925, S. 851 ff.;
    Bayer. Dokumente z. Kriegsausbruch u. z. Versailler Schuldspruch, 31925;
    Aus d. Leben zweier Herrenjäger, hrsg. v. G. Escherich, 1928;
    E. Deuerlein, Der Bundesratsausschuß f. d. auswärtigen Angelegenheiten 1870-1918, 1955;
    G. Ritter, Staatskunst u. Kriegshandwerk III, 1964;
    Das Tagebuch d. Baronin Spitzemberg, hrsg. v. R. Vierhaus, 1960;
    Schärl.

  • Autor/in

    Wolf Dieter Gruner
  • Empfohlene Zitierweise

    Gruner, Wolf Dieter, "Lerchenfeld-Köfering, Hugo Graf von und zu" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 313-314 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118896865.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA