Lebensdaten
1888 bis 1954
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Regisseur ; Schauspieler
Konfession
-
Normdaten
GND: 118892223 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Scheer, Richard
  • Schuenzel, Reinhold

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Zitierweise

Schünzel, Reinhold, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118892223.html [24.10.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Bernhard Theodor Hermann (1856–1924), aus d. Hzgt. Sachsen-Meiningen, Kaufm. in H.; M Dorothea Israel (jüd.); 1) 1919 1928 Hanne Brinkmann (* um 1890), Schausp., 2) Eleonore Erath, 3) Lena Peters; T aus 1) Marianne (eigtl. Annemarie) Stewart ( 1946-55 Carl Henry Vogt, Ps. Louis Calhern, 1895–1956, aus Brooklyn, New York, Schausp. in d. USA), Schausp. in d. USA.

  • Leben

    In Hamburg aufgewachsen, siedelte S. 1898 mit der Familie nach Berlin über. Dem Abschluß an der Höheren Bürgerschule folgte dort eine Kaufmannsausbildung im Verlagshaus Scherl; daneben war er seit 1905 Mitglied der Statisterie des Kgl. Schauspielhauses. Zu Anfang der 1910er Jahre leitete S. Filialen Scherls in Bremen und Hamburg. Nach einer Regieübernahme in der von Richard Ohnsorg geführten „Gesellschaft für dramatische Kunst“ entschied er sich endgültig für die Bühne. 1912-14 reiste er mit einem Varieté durch Deutschland und die Schweiz, in der Winterspielzeit 1914/15 war er als jugendlicher Komiker am Stadttheater Bern engagiert. Vom Kriegsdienst befreit, erhielt S. Ende 1915 eine Verpflichtung am Berliner Theater. Im Dez. 1916 debütierte er als Regisseur mit dem zusammen mit Hans Behrendt (1889–1942) verfaßten Weihnachtsstück „Lisl's Märchenreise“. Im selben Jahr erhielt er seine erste Filmrolle als charakterloser Fabrikantensohn in „Werner Krafft – Der Roman eines Erfinders“ (Regie: Carl Froelich). In diese Zeit fällt auch der Beginn seiner Zusammenarbeit mit dem Regisseur Richard Oswald (1880–1963), in dessen Kriminal-, Sitten- und Aufklärungsfilmen (Freitag, der 13., 1916; Das Tagebuch einer Verlorenen, 1918; Die Prostitution, 1919,|u. a.) S.s Rollenbild des zügellosen Lebemanns, Verführers und Ganoven geprägt wurde. Darüber hinaus überzeugte er als Schauspieler auch in ambitionierten Produktionen wie Ernst Lubitschs „Madame Dubarry“ (1919) und der Literaturverfilmung von Schillers „Luise Millerin“ (Regie: Carl Froelich, 1922). 1918 übernahm S. zum ersten Mal die Filmregie in den humoristischen Zweiaktern „Hannes Millionengründung“ und „Hanne entlobt sich“ mit seiner späteren Frau Hanne Brinkmann als Hauptdarstellerin. Als ernsthafter Regisseur etablierte er sich endgültig 1919 mit dem Lichtspiel „Maria Magdalene“ nach Hebbel und dem Drama „Das Mädchen aus der Ackermannstraße“.

    Nachdem er 1920 mit dem aufwendigen Historienfilm „Katharina die Große“ auch Geschick für eine umfangreiche Produktion bewiesen hatte, gründete er im selben Jahr die „Lichtbildfabrikation Schünzel-Film“. Zunächst als selbständiger Produzent, dann in Zusammenarbeit mit der Ufa wurde S. in den 20er Jahren mit Stummfilmkomödien zum Star, in denen er z. T. selbst Regie führte, die Hauptrolle übernahm und als Co-Autor fungierte (Der dumme August d. Zirkus Romanelli, 1926; Hallo Caesar, 1926; Aus dem Tagebuch eines Junggesellen, 1928). In der Tonfilmära fielen S.s schwungvolle musikalische Komödien, meist angesiedelt zwischen Bürgertum und Halbwelt, durch ihre intelligente Unterhaltung und ironische Distanz auf (Saison in Kairo: Viktor u. Viktoria, beide 1933). Der kritische Unterton in seinen Werken, so etwa in der berühmten Komödie „Amphitryon“ (1935), brachte S. bei den nationalsozialistischen Machthabern zunehmend in Bedrängnis, zumal er als sog. „Halbjude“ nur aufgrund seines großen Erfolges beim Publikum mit einer Sondergenehmigung Goebbels' weiterarbeiten durfte. Nach seiner satirischen Persiflage „Land der Liebe“ 1937 von der Ufa entlassen, gelang es S., in die USA zu emigrieren. Dort inszenierte er im Auftrag der Metro-Goldwyn-Meyer drei Filme (u. a. Rich Man, Poor Girl, 1938; The Ice Follies of 1939, 1938/39), die nur z. T. erfolgreich waren. Zudem wirkte er als plakativer Nazi-Schurke in Filmen wie „Notorious“ (Regie: Alfred Hitchcock, 1946) oder „Berlin Express“ (Regie: Jacques Tourneur, 1947/48) mit. 1949 kehrte S. nach Deutschland zurück und trat im Film und im Theater auf. Für die Rolle des Konsul Rittinghaus in „Meines Vaters Pferde“ (2. T., Regie: G. Lamprecht, 1953/54) erhielt er im Sommer 1954 den Deutschen Filmpreis. Wenige Monate später erlag er einem Herzversagen.

  • Auszeichnungen

    Reinhold-Schünzel-Preis f. Verdienste um d. dt. Filmerbe (seit 2004).

  • Werke

    Weitere W u. a. Filmrollen: Kriminalrat Anheim, in: Der Fall Grehn, 1916 (Regie: W. Kahn); Das Mädel v. Ballett, 1918 (Regie: E. Lubitsch); Max, e. Vorstadtlebemann, in: Lumpen u. Seide, 1924 (Regie: R. Oswald); Tiger Brown, in: Die 3-Groschen-Oper, 1930/31 (Regie: G. W. Pabst); Insp. Ritter, in: Hangmen Also Die!, USA 1942 (Regie: F. Lang); Gen. Ludendorff, in: The Hitler Gang, USA 1944 (Regie: J. Farrow); – Regie: Der Graf v. Cagliostro, 1920; Der Roman e. Dienstmädchens, 1921; Alles f. Geld, 1923; Die Frau f. vierundzwanzig Stunden, 1925; Phantome d. Glücks, 1929; Der kl. Seitensprung (Le pétit écart, franz. Version), 1931; Saison in Kairo (Idylle au Caire, franz. Version), 1933; Viktor u. Viktoria (George et Georgette, franz. Version), 1933; Die engl. Heirat, 1934; Amphitryon, Aus den Wolken kommt d. Glück (Les Dieux s'amusent, franz. Version), 1935; Das Mädchen Irene, 1936; Balalaika, USA 1939; New Wine, USA 1941.

  • Literatur

    L. H. M. Bock, W. Jacobsen, J. Schöning (Hg.), R. S. Schausp. u. Regisseur, 1989; S. Barron, Entartete Kunst, 1992; K. Kreimeier, Die Ufa-Story, 1992; H.-Ch. Blumenberg, Zum 100. Geb.tag d. Films, Die erstaunl. Lebensgesch. d. dt. Schausp. u. Regisseurs R. S., Eine Serie in drei Teilen, in: Focus v. 31.10., 7.11. u. 14.11.1994; H. M. Bock (Hg.), Lex. Filmschausp. Internat., 1995; H.-D. Seidel, Herrschaftsspiele, Im Kino: Blumenberg porträtiert R. S., FAZ v. 11.4.1996; G. Hermer, Von Theben zur Ufa, R. S.s Filmsatire Amphitryon (1935) u. ihre Ursprünge in d. westl. Kulturgesch., in: F. Stern u. M. Gierlinger (Hg.), Die dt.-jüd. Erfahrung, Btrr. z. kulturellen Dialog, 2003; Das Jüd. Hamburg, hg. v. Inst. f. Gesch. d. dt. Juden, 2006 (P); BHdE II; CineGraph (P).

  • Autor

    Ulrike Krone-Balcke
  • Empfohlene Zitierweise

    Krone-Balcke, Ulrike, "Schünzel, Reinhold" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 640-641 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118892223.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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