Lebensdaten
1547 bis 1606
Geburtsort
Leisnitz bei Wittenberg
Sterbeort
Görlitz
Beruf/Funktion
lutherischer Kirchenlieddichter
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118870874 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Möller, Martin
  • Moller, Martin, aus Kropstädt
  • Moller, Martin, aus Kropstödt
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Zitierweise

Moller, Martin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118870874.html [25.05.2017].

CC0

Moller, Martin

evangelischer Kirchenlieddichter, * 9.11.1547 Leisnitz bei Wittenberg, 2.3.1606 Görlitz.

  • Genealogie

    V Dionysius, Landmann u. Maurer; M N. N.; N. N.; K, u. a. Martin (1594–1649), Mag., Rektor in G. (s. L).

  • Leben

    Seit 1560 besuchte M. in Wittenberg die Stadtschule. Sein Lehrer M. Frentzel nahm ihn, als er 1566 ans Gymnasium nach Görlitz berufen wurde, dorthin mit. M. machte solche Fortschritte beim Musikstudium, daß er bereits 1568 in Löwenberg (Schlesien) eine Anstellung als Kantor finden konnte. Ohne theologische Bildung erhalten zu haben, wurde er 1572 Pfarrer in Kesselsdorf (Schlesien), bald darauf in Löwenberg und 1575 in Sprottau (Niederschlesien), wo er 25 Jahre lang wirkte. 1600 wurde er als Pastor primarius an die Petrikirche in Görlitz vom Stadtrat berufen. 1602 erwarb er hier das Bürgerrecht. Als er am grauen Star erblindete, ließ er sich in der Kirche den Predigttext vorlesen und meditierte darüber.

    M. widmete sich dem Kirchenlied und der erbaulichen Schriftstellerei. 1584 erschienen seine „Meditationes sacrae, Schöne andächtige Gebete etc.“, denen drei Auflagen folgten. 1593 veröffentlichte er sein „Manuale de Praeparatione ad Mortem“, das zu seinen Lebzeiten vier Auflagen erlebte. Zugleich erschien es in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Selige Sterbekunst der Gläubigen“, von der bis 1910 zahlreiche Nachdrucke erschienen. In Görlitz gab M. außerdem das Gebetbüchlein „Thesaurus precationum“ (1602) heraus. Sein aufsehenerregendes Werk war aber die vierbändige „Postilla Evangelia, Praxis Evangeliorum, d. i. praktische Erklärung der sonn- und festtäglichen Evangelien“ (1601-05). Gegen diese polemisierte Salomo Gesner in Wittenberg, der M. Kryptokalvinismus vorwarf. M. fand aber in Görlitz in Rektor Samuel Großer einen Verteidiger. Er war überzeugt, seiner bei der Berufung nach Görlitz übernommenen Verpflichtung, nach dem Corpus doctrinae Philippicum zu lehren, entsprochen zu haben. Durch seine Lieder war M. weit bekannt geworden. Einige von diesen sind altlat. Hymnen und Sequenzen nachgedichtet. Seinen Übersetzungen besonders der Hymnen Bernhards von Clairvaux wurde sprachliche Feinfühligkeit nachgerühmt. Noch heute finden sich einige seiner Dichtungen im Evangelischen Kirchengesangbuch (Nr. 101, 119, 286, 287).

  • Werke

    Weitere W Soliloquia de Passione Christi, Wie jeder Christenmensch das allerheiligste Leiden u. Sterben J. C. in seinem Herzen betrachten soll, 1587; Mysterium Magnum, Fleißige u. andächtige Betrachtung d. Himmlisch geistl. Hochzeit u. Verbündnis unsers Herrn J. C. mit d. christgläubigen Gemeine seiner Braut, 1597; Natalitia Christi, Die vornehmsten Weinachtslehren u. Trost, in Frag u. Antwort, 1603.

  • Literatur

    ADB 22; (Giese), Leben u. Schrr. M. M.s, Görlitz 1768; G. F. Otto. Lex. d. seit d. 15. Jh. verstorbenen u. jetztlebenden Oberlausiz. Schriftst. u. Künstler II, 1802, S. 624-28 (auch zu Martin d. f.); E. E. Koch. Gesch. d. Kirchenliedes u. d. Kirchengesangs I-IV, 31866 ff.; H. Beck, Die Erbauungslit. d. ev. Kirche Dtld.s v. Dr. Martin Luther bis M. M., 1883, S. 258-68; H. Groß, Die alten Tröster, 1900; F. Sputa, Der Dichter d. Liedes „Ach Gott, wie manches Herze-Leid“, in: Mschr. f. Gottesdienst u. kirchl. Kunst, hrsg. v. F. Spitta u. J. Smend, 7, 1902, S. 12-18, 57-62, 82-91 (P); P. Althaus, Forschungen z. ev. Gebetslit. 1927, S. 134-42, 251 f.; Hdb. z. Ev. Kirchengesangbuch, hrsg. v. Ch. Mahrenholz u. O. Söhngen, II, 1, Lb. d. Liederdichter u. Melodisten, 1957; J. Kulp, A. Büchner, S. Fornaçon, Die Lieder unserer Kirche, 1958, S. 168 ff., 190 f., 445 ff.; A. Dürr u. W. Killy, Das prot. Kirchenlied im 16. u. 17. Jh., 1986; E. Axmacher, Theol. u. Frömmigkeit b. M. M. (1547-1606), 1989; M. Brecht, Neue Frömmigkeit u. Gemeindesituation b. M. M., in: FS H.-C. Rublack, 1992, S. 217-30; Zedier 22; Jöcher III; Jöcher-Adelung IV; Kosch, Lit.-Lex. 3; Killy; BBKL.

  • Portraits

    Ölgem. (Görlitz, Sakristei d. Petrikirche), Abb. in: Spitta (s. L), S. 14.

  • Autor

    Robert Stupperich
  • Empfohlene Zitierweise

    Stupperich, Robert, "Moller, Martin" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 1 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118870874.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Moller, Martin

  • Leben

    Moller: Martin M., auch mitunter Möller genannt, lutherischer Prediger und bekannter Dichter geistlicher Lieder, wurde am 9. November 1547 zu Kropstädt bei Wittenberg geboren; sein Vater, Dionysius M., war Bauer. M. besuchte die Stadtschule zu Wittenberg bis in sein neunzehntes Jahr und kam dann nach Görlitz; im J. 1568 ward er Cantor zu Löwenberg. Ohne auf einer Universität studirt zu haben ward er im J. 1572 zum Pfarrer in Kesselsdorf ernannt und kam bald darauf als Diakonus wieder nach Löwenberg; im J. 1575 ward er Pfarrer zu Sprottau. Hier kam er in Folge seines Umganges mit reformirten Geistlichen in den Verdacht, ein heimlicher Calvinist zu sein. Im J. 1600 ward er als Pastor primarius nach Görlitz berufen. Hier gab er eine Postille unter dem Titel: "Praxis Evangeliorum" heraus in 4 Banden, 1601 f., welche dem Wittenberger Professor Salomon Geßner (vgl. Bd. IX, S. 121 f.) Veranlassung gab, gegen den Cryptocalvinismus in der Oberlausitz zu eifern und M. auf alle Weise schonungslos anzugreifen, obschon M. ihn über seine lutherische Orthodoxie in einer eingehenden brieflichen Mittheilung zu beruhigen versucht hatte. Als darauf M. seine Postille diesen Angriffen gegenüber zu vertheidigen suchte, ward die Erbitterung gegen ihn nur noch schlimmer. Doch ließ der Stadtrath sich nicht dazu bewegen, gegen ihn einzuschreiten. Im J. 1605 bekam er ein Augenleiden, in Folge dessen er das Gesicht verlor. Dazu kamen dann noch Steinschmerzen, die seine Kraft vollends aufzehrten; er starb am 2. März 1606. Seine geistlichen Lieder finden sich in folgenden Werken: "Meditationes sacrae" (1. Theil 1584, 2. Theil 1591, beide mehrfach aufgelegt), "Manuale de praeparatione ad mortem" (1593 und mehrfach wieder abgedruckt) und "Thesaurus precationum" (1602). Alle diese Werke enthalten Betrachtungen und Gebete, denen Lieder oder einzelne Verse hinzugefügt sind. Die Lieder sind zum Theil Uebersetzungen alter lateinischer Hymnen, im Uebrigen Moller's eigne Dichtung; sie zeichnen sich durch einfaches, warmes Gefühl und richtige Behandlung des Verses aus, und gehören, von einzelnen Provincialismen abgesehen, zu den besten jener Zeit.

    Jöcher III, Sp. 574. Rotermund zum Jöcher IV, Sp. 1871. Koch, Geschichte des Kirchenliedes u. s. f., 3. Aufl., II, S. 211 ff., IV, S. 552. Zöllner, Das deutsche Kirchenlied in der Oberlausitz, 1871, S. 36 ff.

  • Autor

    l. u.
  • Empfohlene Zitierweise

    l. u., "Moller, Martin" in: Allgemeine Deutsche Biographie 22 (1885), S. 128 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118870874.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA