Lebensdaten
1558 bis 1614
Geburtsort
Zürich
Sterbeort
Winterthur
Beruf/Funktion
Glasmaler ; Radierer ; Formschneider ; Kupferstecher ; Dramatiker ; Topograph
Konfession
reformierte Familie
Normdaten
GND: 11885254X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Maurer, Christoph
  • Maurer, Christoph
  • Murer, Christoff
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Zitierweise

Murer, Christoph, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd11885254X.html [30.07.2016].

CC0

Murer, Christoph

Glasmaler, Radierer, Dramatiker, * Februar 1558 Zürich, 27.3.1614 Winterthur.

  • Genealogie

    V Jos (s. 1); M Barbara Schön (* 1535); B Josias (s. Gen. 1), Maler in M.s Werkstatt; – Zürich 1586 Margareth od. Marina Schmid.

  • Leben

    M. wuchs in einem geistig regen Milieu auf. Die Lehrzeit verbrachte er wohl in der Werkstatt seines Vaters. Um 1579/80 war er in Basel tätig, wo er von dem Arzt und Alchemisten Leonhard Thurneysser mit einem Zyklus von Glasgemälden zur Verherrlichung von dessen Gelehrtenleben beauftragt wurde. 1580 entstand eine mehrteilige Radierung mit der Darstellung der eidgenöss. Gründungssage. Seit 1583 ist M. in Straßburg nachweisbar, wo er sich intensiv mit den Holzschnitten von Tobias Stimmer, seinem wichtigsten Vorbild, auseinandersetzte. Mit ihm entwarf er Illustrationsfolgen, die teilweise erst nach dessen Tod (1584) erschienen. Für Mgf. Philipp II. von Baden führte M. um 1586/90 einen Zyklus von Glasmalereien aus. Seit 1586 hielt er sich wieder in Zürich auf, wo er in die Saffranzunft aufgenommen wurde und heiratete. Seine Werkstatt, in die 1588 auch sein Bruder Josias eintrat, erhielt zahlreiche Aufträge für Glasmalereien; M. bemühte sich aber auch um Aufträge für Buchillustrationen bzw. führte Vorhaben der Stimmer-Werkstatt zu Ende. Seit 1587 erschienen bei Bernhard Jobin in Straßburg die Vitenwerke des Nicolaus Reusner mit zahlreichen Holzschnittbildnissen meist deutscher Gelehrter und Reformatoren. 1588 wurden Holzschnitte mit Stadtansichten von Zürich, Straßburg, Lissabon und Wien publiziert, 1590 das „New Jägerbuch“ von Jakob von Fouilloux, beide ebenfalls bei Jobin. 1591 brachte Georg Gruppenbach in Tübingen eine Lutherbibel heraus, deren zahlreiche Holzschnitte größtenteils von M. stammen. Bei Johannes Wolf erschien 1597 eine weitere deutsche Bibel. Zudem enstanden Zierleisten, Titelblätter und Druckerzeichen. Hauptsächlich aber unterhielt M. eine florierende Glasmalerwerkstatt, die auch Aufträge von kath. Seite erhielt, so 1591 für mehrere Visierungen zu Fenstern des Kreuzganges des Zisterzienserinnenklosters Rathausen. 1597/98 entstanden vier Scheiben für den Nürnberger Rat, weitere für Speyer und St. Gallen. 1606 erhielt er den Auftrag, für das Rathaus in Luzern Scheiben zu visieren und auszuführen. Acht Jahre nach seinem Tod erschien 1622 das Büchlein „XL Emblemata miscella nova“ mit seinen Radierungen. Mit dem Historienspiel „Scipio Africanus“, das er 1596 zur Hochzeit von Caspar Nürenberger schrieb, trat M. auch als Schriftsteller hervor. Ende der 90er Jahre schrieb er das monumentale Drama „Edessa“, das die Christenverfolgung zum Thema hat. 1600 wurde M. zum Mitglied des Zwölfer Rates, bzw. des Großen Rates der Stadt Zürich gewählt. Als er, wie Jahrzehnte vorher sein Vater, Amtmann von Winterthur wurde, gab er seine künstlerische Tätigkeit weitgehend auf.

    M. ist vor allem durch seine Zeichnungen für Glasgemälde und Holzschnitte im Gedächtnis geblieben. Sie zeichnen sich durch einen reichen allegorischen Apparat aus. Die runde und klare Figurenbildung, wie er sie bei Stimmer kennengelernt hatte, wich im Laufe der Jahre einer manieristischen Bewegtheit. Details wurden zunehmend wichtiger und zu einem ornamentalen Teppich verwoben. Außer den Buchillustrationen sind die Holzschnittfolgen zu erwähnen, so jene zur Fabel „Vom Bauer und seinem Esel“ (mit einer Maurerkelle signiert), die „Dorfhochzeit“, der „Ball“, die „kirchliche“ und die „weltliche Hierarchie“. Im Gegensatz zu Stimmer, der nur für Holzschnitte gezeichnet hat, schuf M. auch Radierungen.

  • Literatur

    ADB 23; Schweizer. Künstler-Lex. II, 1908, S. 453-55; F. Thöne, Ch. M.s Holzschnitte, in: Kunst- u. Antiquitäten Rdsch., 43, 1935, S. 25-31; P. H. Boerlin, Leonhard Thurneysser als Auftraggeber, in: Öff. Kunstslg. Basel. Jb. 1967–73, S. 219-429; W. Strauss, The German Single-Leaf Woodcut 1550-1600, II, 1974, S. 772-92; Th. Vignau-Wilberg, Ch. M. u. d. „XL Emblemata Miscella Nova“, 1982; Spätrenaissance am Oberrhein, Tobias Stimmer, Ausst.kat. Kunstmus. Basel 1984, S. 483-88; Hollstein's German Engravings, Etchings and Woodcuts, 29, 1990, S. 115-202 (W-Verz. d. Druckgraphik v. T. Falk); HBLS; ThB; Kosch, Lit.-Lex.3; Killy; Schweizer Lex.

  • Autor

    Paul Tanner
  • Empfohlene Zitierweise

    Tanner, Paul, "Murer, Christoph" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 608 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd11885254X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Murer, Christoph

  • Leben

    Murer: Christoph M., Formschneider, Kupferätzer, Maler, Glasmaler und Topograph (mit eigner Unterschrift auch Maurer gen.), geb. in Zürich 1558 in Winterthur 1614. 1600 Mitglied des großen Rathes, 1611 Amtmann in Winterthur. Zu dem oben Bd. XX. p. 697 enthaltenen Artikel ist folgendes nachzutragen: Murer's Vater hieß nicht Josias, sondern Jos oder Jost (s. u.) 1576 mag M. seine Wanderung angetreten haben, von der er 1586 in die|Vaterstadt zurückkehrte. Nach Sandrart hätte er die Lehre bei dem Vater gemacht und sich dann bei Tobias Stimmer in Straßburg bethätigt. Murer's Anwesenheit daselbst im J. 1584 ist officiell beglaubigt, daß dagegen diese beiden Künstler sich zuweilen desselben Monogrammes bedient haben sollen, muß ebenso bestimmt zurückgewiesen werden, wie Rettbergs Angabe von Beziehungen Murer's zu Christoph Stimmer durch den Umstand widerlegt wird, daß beide höchst unwahrscheinlich zu gleicher Zeit in Straßburg weilten. Auch Beweise für Murer's Aufenthalt in Nürnberg und Augsburg lassen sich nicht erbringen. Vielleicht sind die bezüglichen Angaben auf die Verwechselung mit einem gleichnamigen Glasmaler zurückzuführen, der 1618—23 in Reutlingen lebte. Immerhin ergiebt sich, daß M. auch fremde Auftraggeber hatte. In einem erst neuerdings veröffentlichten Briese von 1604, ist von Bestellungen aus Nürnberg und Speyer die Rede. Glasgemälde von M. sind in geringer Zahl erhalten. Seine Productivität auf diesem Gebiete scheint überhaupt keine große gewesen zu sein, was ohne Zweifel mit der überaus sorgsamen Art seines Betriebes zusammenhing. Solche Werke, die bald das Monogramm, bald den vollen Namen des Meisters tragen, sind Perlen der Cabinetmalerei. Zu den schönsten gehören die 1597 und 1598 datirten Glasgemälde mit Allegorien und dem Stadtwappen von Nürnberg, welche das germanische Museum daselbst besitzt und eine Folge von Standesscheiben im Rathhause von Luzern. In der Auffassung des Figürlichen neigt M. schon stark dem Barock zu, wozu noch eine dem Meister eigenthümliche Manier in der Zeichnung der Köpfe, der Draperien und die besondere Auswahl der Töne kommt, an der man seine Werke auf den ersten Blick erkennt. Von der strengen Richtung der älteren Technik ist M. als einer der ersten abgegangen, indem er erfolgreich den Wetteifer mit der opaken Malerei begann. Manche seiner Glasgemälde sind sogenannte Monolithminiaturen, d. h. auf einer Platte ausschließlich mit Schmelzfarben gemalt. M. hat diese Technik mit außerordentlicher Virtuosität geübt, die sich namentlich in der seinen Durchbildung des Nackten und der ausführlichen Behandlung der landschaftlichen Hintergründe bewährt. Daß der Meister im Uebrigen auch handwerkliche Aufträge nicht verschmähte, geht aus dem eigenen Berichte über seine Thätigkeit als Flachmaler hervor. Außerdem weiß Sandrart von Façadenmalereien zu berichten, die M. an Zürcherischen Häusern ausgeführt hatte. Von Oelgemälden sind bekannt die Bildnisse Hospinians in der Stadtbibliothek zu Zürich, des Bürgermeisters Bernhard v. Cham und Hans Ulrich Wolfs im Privatbesitze zu Basel. Unter seinen Radirungen sind die bedeutendsten die große aus mehreren Blättern zusammengesetzte Tafel von 1580 mit Scenen aus der Gründungsgeschichte der Eidgenossenschaft, darüber die Wappen der 13 alten und der zugewandten Orte, eine Hirschjagd von 1605 und die Sammlung von 40 emblematischen Blättern, die 1622 nach seinem Hinschiede in Zürich erschien. Von Holzschnitten wird außer den oben Bd. XX, p. 698 angeführten Blättern eine Karte der Schweiz und eine Darstellung der Flucht nach Aegypten genannt. Wie sein Vater Jos oder Jost so hat sich auch M. gelegentlich mit der dramatischen Dichtkunst abgegeben. Im Drucke erschienen: "Scipio Africanus, spilsweyß beschriben", Zürich 1596, und nach seinem Tode von Heinrich Murer herausgegeben, die Comödie "Ecclesia Edessaena Mesopotamica afflicta". Außerdem ist er Verfasser eines unbedeutenden Gedichtes über die Entstehung der Eidgenossenschaft.

    • Literatur

      Bartsch. Peintre-Graveur IX, 383—391. Passavant, Peintre-Graveur III, 665—668. Weigel, Kunstkatalog Nr. 21, 149. Deutsches Kunstblatt 1853, 417. Nagler, Künstlerlexikon VIII, 472—474 und dessen Monogrammisten I, Nr. 2412.

    • Literatur

      Sandrart, Teutsche Academie, Bd. I, 1675. Th. II. 3. Buch, S. 253. Leu, Allg. Helvet. Lexikon, Bd. XII, Zürich 1757. S. 574 ff. J. C. Füßli, Geschichte der besten Künstler in der Schweiz, Bd. I, Zürich 1769. S. 68 ff. J. R. Füßli, Allg. Künstlerlexikon, Zürich 1779. u. Suppl. 1809. Neujahrsblatt der Künstlergesellschaft in Zürich auf das Jahr 1845.|S. 7. Anzeiger für schweizerische Alterthumskunde, 1880. S. 56. 1883. S. 465. 1885. S. 151 ff. H. Meyer, Die schweizerische Sitte der Fenster- und Wappenschenkung, Frauenfeld 1884, besonders S. 215 ff., 274 ff.

  • Autor

    J. R. Rahn.
  • Empfohlene Zitierweise

    Franck, Jakob; Rahn, Johann Rudolf, "Murer, Christoph" in: Allgemeine Deutsche Biographie 23 (1886), S. 58-60 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd11885254X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA