Lebensdaten
gestorben 1039 oder 1056
Sterbeort
(?)
Beruf/Funktion
Einsiedler ; Heiliger
Konfession
-
Normdaten
GND: 118795910 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sebaldus
  • Sebald
  • Sebaldus

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Zitierweise

Sebald, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118795910.html [19.08.2019].

CC0

  • Leben

    S.s historische Existenz wird durch drei salierzeitliche Quellen zu den Jahren 1070 und 1072 bezeugt. Offenbar erfüllt von den religiös-asketischen Idealen der kirchlichen Reformbewegung führte er ein Leben als Eremit (und Prediger?) im Nürnberger Reichswald. S.s Herkunft und früherer Lebensweg liegen jedoch völlig im Dunkeln. Erst spätmittelalterliche Legenden sprechen ihn als dän. Königssohn an, der in der Hochzeitsnacht mit einer franz. Prinzessin der Welt entsagte. Wann und unter welchen Umständen S.s sterbliche Überreste in der Peterskapelle von Nürnberg beigesetzt wurden, ist unbekannt. Schon bald nach seinem Tod setzte seine Verehrung als Volksheiliger und Wundertäter ein; viele suchten an seinem Grab Heilung von Krankheiten und körperlichen Gebrechen (vgl. Lampert v. Hersfeld 1072).

    Die nächsten Zeugnisse für den sich ausbildenden S.-Kult stammen erst aus dem 13. Jh. Schnell stieg er zum zweiten und baldigen Hauptpatron (1250) der Peterskapelle auf, an deren Stelle der Nürnberger Rat zwischen 1230/40 und 1274/75 eine neue doppelchörige, spätroman. Pfeilerbasilika errichten und zur Pfarrkirche (1255 belegt) erheben ließ. Mit den (spät bezeugten) Reliquienschenkungen der Andechs-Meranier, Bf. Ekberts von Bamberg ( 1237) und Äbtissin Mechtilds von Kitzingen ( 1254), an die Klöster Andechs und Kitzingen strahlte sein Kult erstmals über Nürnberg hinaus. Um 1250 verfaßte ein unbekannter Geistlicher die älteste S.-Messe „Os iusti“ für S.s Festtag am 19. August. 1256 verlieh der zuständige Bischof von Bamberg, Heinrich I. v. Bilversheim ( 1257), allen Gläubigen erstmals einen Ablaß für den Besuch des S.-Grabes an drei festgelegten Tagen.

    In der Folgezeit intensivierten Rat und Bürgerschaft von Nürnberg den S.-Kult – in Literatur, Kunst, Architektur und religiöser Praxis. S. wurde zum Stadtpatron und wichtigsten Repräsentanten der reichsstädtischen Freiheit erhoben, in dem sich das bürgerliche Selbstverständnis in einzigartiger Weise manifestierte. Mit den in Auftrag gegebenen Legenden (Nürnberg 1377, 1380/85, 1484/88 Sigmund Meisterlin, Legenda nova St. Sebaldi, lat. u. dt.) und einer lat. Vita (Venedig 1400/10) suchte der Rat den Kult für politische (Kampf gegen die hohenzollerschen Burggrafen) und religiöse (Heiligsprechung) Zwecke zu instrumentalisieren und S.s Ruhm zu verbreiten. Die erste, stark rezipierte dt.sprachige S.-Legende „Es war ain kunek“ (1380/85) von Konrad Sauer ( 1394), Stadtschreiber und Pfarrer von St. Sebald, erreichte auch breite Kreise der nichtpatrizischen Bevölkerung Nürnbergs. Der wachsende Pilgerstrom zum Grab S.s erforderte 1361–79 den Neubau des Ostchores. S.s Reliquien wurden in einem – zeremoniell bei bischöflichen Antrittsbesuchen und königlichen Einzügen verwendeten – Kopfreliquiar eingefaßt und den Gläubigen seit 1391/97 in einem Silberschrein präsentiert, den Peter Vischer d. Ä. in sein 1519 fertiggestelltes, prächtiges Hochgrab (als Reliquiengehäuse) einfügte. Aus einem Umgang des Klerus des 14. Jh. erwuchs vor 1401/02 eine große, am Festtag inszenierte Prozession der gesamten Stadt, bei der die Ratsherren den Schrein um die S.-Kirche trugen.

    Die jahrelangen, energischen Bemühungen des Nürnberger Rats um eine offizielle Anerkennung ihres Patrons und seines Kults gipfelten schließlich in der Kanonisation am 26.3.1425, die in Nürnberg mit einer achttägigen Prozession gefeiert wurde. Papst Martin V. verlieh den Besuchern von S.s Grab am festgesetzten Tag (19. Aug.) einen Ablaß von sieben Jahren und sieben Quadragenen. Die Heiligsprechung verstärkte die Institutionalisierung der S.-Verehrung, die sich in vielfältigen Formen (in Altären, Altarbildern, Statuen, Wandteppichen, Münzen, Taufnamen) niederschlug, und trug seinen Kult über Bayern (Regensburg, Egling b. Wolfratshausen) hinaus nach Sachsen (Wittenberg) und Österreich (Wien, Gaflenz) bis nach Italien (Venedig) und Dänemark (1517). Nach der Reformation kam die Heiligenverehrung zwar zum Erliegen, doch pflegten und pflegen die Nürnberger das Andenken und den Kult ihres Stadtpatrons bis heute.

  • Literatur

    A. Borst, Die S.legenden in d. ma. Gesch. Nürnbergs, in: Jb. f. fränk. Landesforsch. 26, 1966, S. 19–178 (grundlegend);
    Der hl. S., seine Kirche u. seine Stadt, Ausst.kat. d. Landeskirchl. Archivs in Nürnberg, 1979;
    S. Sprusansky, Das Haupt d. hl. S., Zur Gesch. d. Nürnberger Stadthl. u. seiner Verehrung, in: Mitt. d. Ver. f. Gesch. d. Stadt Nürnberg 68, 1981, S. 109–21;
    G. Stolz, Dok. z. Öffnung d. S.schreines 19. 8. 1993, 1993;
    A. Löther, Prozessionen in spätma. Städten, 1999, S. 147–53;
    D. J. Weiß, Reichsstadt u. Kult im Spätma., in: Die oberdt. Reichsstädte u. ihre Hl.kulte, hg. v. K. Herbers, 2005, bes. S. 13–22;
    G. Weilandt, Die S.kirche in Nürnberg, 2007;
    LThK1–3;
    LCI;
    BBKL IX (ältere L);
    LexMA;
    Stadtlex. Nürnberg;
    Vf.-Lex. MA2 VI, 1987, Sp. 362 f. u. XI, 2004, Sp. 988.

  • Autor/in

    Hubertus Seibert
  • Empfohlene Zitierweise

    Seibert, Hubertus, "Sebald" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 105-106 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118795910.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA