Lebensdaten
1872 bis 1956
Geburtsort
Krems/Donau
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
österreichischer Bundespräsident
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118783882 | OGND | VIAF

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Zitierweise

Miklas, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118783882.html [30.03.2017].

CC0

Miklas, Wilhelm

österreichischer Bundespräsident, * 15.10.1872 Krems/Donau, 20.3.1956 Wien. (katholisch)

  • Genealogie

    Aus altösterr. Fam.; V Wilhelm (1844–1927), k. k. Postdirektionszablmeister in W., S d. Jakob (1811–90) aus Čertenice u. d. Barbara Czizek (1811–64) aus Kolin (Böhmen); M Anna (1842–1914) aus K., T d. Leopold Wiedermann aus Leobendorf b. Kornneuburg u. d. Rosalia Hopferwieser aus Wallsee (Niederösterreich); Wien-Liechtental 1900 Leopoldine (1880–1960), T d. Gastwirts Josef Heidinger (1845–1924) u. d. Maria König (1857–1931), beide aus Frauenhofen, später in Horn (Niederösterreich); 7 S, (1 früh †. 2 ⚔), 5 T, u. a. Wilhelm (1903–45), Dr. iur., Reg.rat im österr. Finanzmin., Josef (1907–90), Dr. iur., Min.rat im österr. Finanzmin., Karl (1910–83), Amtsrat d. Polizeidirektion in W., Otto (* 1911), Wirkl. Amtsrat im Bundesvermessungsamt, Robert (* 1918), Min.rat im österr. Handelsmin., Marianne (1902–77, Dr. Erich Forstreiter, 1897–1963, Archivrat am niederösterr. Landesarchiv in W.), Hauptschuldir. in W., Hilda (1904–83), Hauptschullehrerin in W., Leopoldine (* 1908), Wirkl. Amtsrat in d. Gen.postdirektion.

  • Leben

    M. absolvierte 1882-90 das Stiftsgymnasium in Seitenstetten und studierte anschließend Geschichte, Germanistik und Geographie in Wien. 1895 trat er – nach Ablegung der Lehramtsprüfung für Gymnasien und Realschulen – in den Schuldienst ein (Triest, Proßnitz/Mähren und Horn/Niederösterreich). 1905 wurde M., der sich inzwischen der Christlichsozialen Partei angeschlossen und vor allem im Waldviertel politisch betätigt hatte, Direktor des Gymnasiums in Horn. Nach den Reichsratswahlen 1907 zog er als Vertreter der Christlichsozialen in das Abgeordnetenhaus ein und gehörte seit 1908 auch dem Niederösterr. Landtag an. Nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie war M. 1918/19 Mitglied der Provisorischen Landesversammlung von Niederösterreich und des (gesamtösterr.) Staatsrates. Der Beschluß des Vollzugsausschusses der Provisorischen Nationalversammlung vom 31.10.1918, als Staatsfarben des entstehenden neuen Österreich die Farben des babenberg. Bindenschilds (rot-weiß-rot) zu nehmen, geht auf seinen Antrag zurück. M., der damals noch grundsätzlich für die Beibehaltung der bisherigen Staatsform als einer „demokratischen Monarchie“ eintrat, anerkannte jedoch die Realität der veränderten Verhältnisse und ordnete sich dem Mehrheitsbeschluß seiner Partei für die Ausrufung der Republik unter. Nach den Wahlen in die Konstituierende Nationalversammlung vom Februar 1919 gehörte M. als Unterstaatssekretär für Kultus im Staatsamt für Inneres und Unterricht der christlichsozial-sozialdemokratischen Koalitionsregierung Renner und dann bis 1920 dem Kabinett Mayr an. Er war Mitglied der Konstituierenden Nationalversammlung (1918/19) bzw. des Nationalrats (1919–28), in dem er 1923-28 auch die Funktion des Ersten Präsidenten innehatte.

    1928 wurde M. von der Bundesversammlung zum Bundespräsidenten gewählt und 1931 neuerlich für die Dauer von vier Jahren in seinem Amt bestätigt. In der Geschäftsordnungskrise des Parlaments vom März 1933, die von der Regierung als „Parlamentskrise“ interpretiert und zur Beseitigung des Parlaments und zur Zurückdrängung der politischen Opposition ausgenutzt wurde, bat M. durch die Nichtannahme des Rücktritts der Regierung Dollfuß deren Maßnahme indirekt bestätigt und seine Möglichkeiten zur Aktivierung des Nationalrats nicht ergriffen. Im Zwiespalt zwischen der Einsicht, daß die Bundesregierung sich eines Verfassungsbruchs schuldig gemacht hatte, und der grundsätzlich positiven Einschätzung einer Neugestaltung des Staates im Sinne der Enzyklika „Quadragesimo Anno“ ist wohl der Hintergrund für die ambivalente Haltung M.s zu den Aktionen der Regierung Dollfuß zu sehen: So hat M. (der es z. B. ablehnte, der „Vaterländischen Front“ beizutreten) zwar die „ständestaatliche“ Verfassung vom Mai 1934 nicht unterschrieben, sie aber durch seine Zustimmung zum sog. Ermächtigungsgesetz formal-rechtlich möglich gemacht. Trotz Rücktrittsabsichten schon im November 1933 blieb er allerdings auch nach 1935 weiterhin im Amt, ohne der faschistischen Entwicklung ernsthaft Widerstand entgegenzusetzen Am 11.3.1938 zeigte er sich erst unter massivem deutschen Druck nach dem erzwungenen Rücktritt Schuschniggs bereit, den Nationalsozialisten Arthur Seyss-Inquart mit der Funktion des Bundeskanzlers zu betrauen, weigerte sich jedoch, das „Anschlußgesetz“ zu unterzeichnen, da er dem „deutsch-österr.“ Volk einen Eid für einen „unabhängigen Staat Österreich“ geleistet habe. Am 13.3.1938 übertrug er Seyss-Inquart mit Rückgriff auf Überlegungen aus dem Jahre 1935 die Funktionen des Bundespräsidenten. Damit war auch formal sein Rücktritt vollzogen. Nach 1945 übte er keine politischen Funktionen mehr aus.

  • Werke

    N. Hovorka (Hrsg.), „Der Bundespräsident spricht“, Von Österreichs Wesensart u. Sendung, 1934; F. Loidl (Hrsg.), Bundespräs. W. M. (1872-1956), Tatkatholik u. Österreicher, Aus Reden u. Schrr., 1974. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Inst. f. Zeitgesch., Wien.

  • Literatur

    Viator Austriacus (Ps.), Unser Bundespräs., 1929 (P); J. Neumair, W. M., d. österr. Bundespräs., 1932 (P); W. v. Hartlieb, Parole: Das Reich, Eine hist. Darst. d. pol. Entwicklung in Österreich v. März 1938, 1939; L. Jedlicka, Bundespräs. M. u. d. 13. März 1938, in: MIÖG 71, 1963, S. 492 ff.; T. Schmitz, Dr. W. M., in: Die österr. Bundespräsidenten, 1963, S. 39 ff. (P); A. Harasek, Bundespräs. W. M., Diss. Wien 1967; H. V. Lang, Bundespräs. M. u. d. autoritäre Regime 1933–38, Diss. Wien 1972; dies., W. M., in: Vom Justizpalast z. Heldenplatz, Stud. u. Dokumentationen 1927–38, 1975, S. 192 ff.; W. Goldinger, W. M. 1872-1956, in: F. Weissensteiner (Hrsg.), Die österr. Bundespräsidenten, Leben u. Werk, 1982, S. 82 ff. (P); ders., in: NÖB 21, 1982, S. 9-15 (P); R. Neck, W. M. u. d. „Anschluß“ 1938, in: Arbeiterbewegung, Faschismus, Nat.-bewußtsein, hrsg. v. H. Konrad u. W. Neugebauer, 1983, S. 99-113; M. Welan, Das österr. Staatsoberhaupt, 1986 (P); W. Kleindel, „Gott schütze Österreich!“, Der Anschluß 1938, 1988; Teichl.

  • Autor

    Peter Malina
  • Empfohlene Zitierweise

    Malina, Peter, "Miklas, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 492 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118783882.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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