Lebensdaten
1796 bis 1863
Geburtsort
Riga
Sterbeort
Sankt Petersburg
Beruf/Funktion
russischer Diplomat
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 118783599 | OGND | VIAF: 20476565
Namensvarianten
  • Meyendorff, Peter Baron von
  • Meyendorff, Peter von
  • Meyendorf, Peter Kasimirowitsch
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Meyendorff, Peter Baron von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118783599.html [25.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Kasimir (s. Einl.), S d. livländ. Landmarschalls Georg u. d. Augusta Sophie Charlotte v. Stackelberg;
    M Anna Katharina v. Vegesack ( 1840), Erbin v. Suddenbach u. Kaltenbrunn;
    B Georg (1795–1863), Wirkl. Staatsrat, Vizedir. d. Dep. f. auswärtigen Handel, Dirigent d. Reichsschuldentilgungskomm., livländ. Landrat 1837–47, Mitgl. d. Konseils d. Kaiserl. Geogr. Ges., Alexander (1796–1865), GR, Wirkl. Staatsrat, Vorsitzender d. Moskauer Abt. d. Kommerz- u. Manufakturrats;
    Wien 1830 Sophie (* 1800), T d. Johann Rudolf Gf. v. Buol-Schauenstein (1763–1834), österr. Diplomat (s. NDB III); Schwager Karl Gf. v. Buol-Schauenstein (1797–1865), österr. Staatsmin. (s. NDB III);
    3 K, u. a. Alexander (1830–55), als russ. Stabskapitän gefallen b. Sewastopol, Ernst (1836–1902), Diplomat, Legationssekr. in Berlin u. Rom, Kammerherr, Wirkl. Staatsrat, Gesandter in Lissabon, Hofmeister d. kaiserl. Hofs.

  • Leben

    Seine Erziehung erhielt M. auf dem Stammgut der Familie in Roop, dann seit 1808 mit seinen drei Brüdern in einem von Napoleon gegründeten „Lycée Impérial“ in Metz. Im November 1811 trat er in das Militär-Ingenieur-Institut in St. Petersburg ein und nahm 1813/14 an den Kämpfen gegen die Franzosen teil. 1816 studierte er zwei Semester in Göttingen und befaßte sich dort u. a. mit Naturrecht. Experimentalphysik und Geschichte. Daran schlossen sich mehrere Reisen in Deutschland an, das er als sein „Vaterland dem Geiste nach“ bezeichnete. 1817 begann M. seine diplomatische Karriere im Kollegium der auswärtigen Angelegenheiten in St. Petersburg, wo er mit innerdeutschen Fragen befaßt war. Im Juli 1820 wurde er zum Gesandtschaftssekretär in Brüssel ernannt, im April 1824 zum Kollegienrat an der russ. Gesandtschaft in Madrid, im Juli 1827 zum Botschaftsrat in Wien, wo er mit verschiedenen selbständigen Aufgaben betraut wurde und sich vor allem mit der griech. Frage befaßte. Durch seine Heirat mit Sophie Gfn. v. Buol-Schauenstein fand er Eingang in die führenden österr. Adelskreise. An die Wiener Zeit schloß sich Ende 1832 ein siebenjähriger Aufenthalt am württ. Hof in Stuttgart an, wo M. als Gesandter großen Einfluß auf die königliche Familie ausübte und den Forderungen der konstitutionellen Bewegung und des dritten Standes entgegentrat. 1839 als Gesandter nach Berlin berufen, setzte er sich für die Verbesserung der preuß.-russ. Beziehungen ein. Im Winter 1845/46 begleitete M. die Zarin Alexandra, eine Tochter des preuß. Königs Friedrich Wilhelm III., als Berater in diplomatischen Angelegenheiten nach Palermo. Nach seiner Rückkehr nach Berlin im Juni 1846 sah er sich wegen seiner konservativen Haltung einer zunehmenden Kritik seitens der liberalen Kreise ausgesetzt. Eingehend beschäftigte sich M. mit der konstitutionellen Bewegung in Preußen, die er vor allem unter dem Gesichtspunkt ihrer Auswirkungen auf die preuß.-russ. Allianz betrachtete. Als überzeugter Anhänger der restaurativen Politik von Zar Nikolaus I. stand er der Revolution von 1848 ablehnend gegenüber und beklagte wiederholt den schlechten Zustand Preußens und Deutschlands. Für ihn waren eine monarchisch-konservative Allianz der drei Ostmächte unter russ. Führung und ein konservativ regiertes Deutschland im Dualismus zwischen Preußen und Österreich die außenpolitischen Ziele.

    Im Herbst 1850 wurde M. zum russ. Botschafter in Wien ernannt. Er bemühte sich um den Abbau der Spannungen zwischen Berlin und Wien, die nicht ins Konzept des Petersburger Hofes paßten, und betätigte sich als Vermittler zwischen dem preuß. Ministerpräsidenten Manteuffel und dessen österr. Amtskollegen Schwarzenberg. Bei den preuß.-österr. Verhandlungen in Olmütz trat seine Vermittlerrolle besonders klar hervor. Er befürwortete den Abschluß eines Handelsvertrags zwischen dem von Preußen geführten Zollbund und Österreich, um letzteres „nicht ganz aus Deutschland herauszusetzen“. Nach der Berufung seines Schwagers, Karl Gf. v. Buol-Schauenstein, zum österr. Ministerpräsidenten, der am Vorabend des Krimkriegs eine Abkehr vom politischen Kurs Rußlands vollzog, geriet M. zunehmend in eine kritische Lage. In St. Petersburg warf man ihm vor, er habe sich zu lange in Sicherheit wiegen lassen und sei von seinem Schwager getäuscht worden. Im Sommer 1854 führte die Unmöglichkeit, Österreichs Haltung im russ. Sinne zu bestimmen, zu seiner Verabschiedung in Wien. Seinen Lebensabend verbrachte M. hauptsächlich in St. Petersburg, wo er, wiederholt vom Zaren Alexander II. ausgezeichnet, großen Anteil an den Staatsangelegenheiten hatte. So arbeitete er im Komitee für die Bauernfrage und im Reichsrat mit. Sein Hauptinteresse galt jedoch weiterhin außenpolitischen Fragen.

  • Werke

    Pol. u. privater Briefwechsel aus d. J. 1826-63;
    versch. Denkschrr., u. a. „Quelques idées sur la pacification de la Pologne“, 1831;
    Entwürfe zu „Portraits“ v. pol. Persönlichkeiten, 1829 ff.

  • Literatur

    Th. Schiemann, Vertraul. Briefe d. Frhr. P. v. M. an seine Brüder Georg u. Alexander 1840–50, in: HZ, NF 50, 1901, S. 445-63;
    A. Baron Meyendorff, „Porträts“ aus d. literar. Nachlaß Baron P. M.s, in: Balt. Mschr. 70, 1910, S. 290-304;
    ders., Aus d. Papieren Baron P. v. M.s, ebd. 71, 1911, S. 552-59;
    L. v. Ledebur, Zur Gesch. d. Geschl. v. Meyendorff, in: Märk. Forschungen IV, 1850, S. 258-73;
    K. v. Schlözer, Petersburger Briefe, 1921;
    O. Hoetzsch, P. v. M., e. russ. Diplomat an d. Höfen v. Berlin u. Wien, pol. u. privater Briefwechsel 1826–63, I-III, 1923 (P);
    W. Andreas, Die russ. Diplomatie u. d. Pol. Friedrich Wilhelms IV. v. Preußen, 1926;
    Dt.balt. Biogr. Lex.

  • Portraits

    Ölgem. (?), Bildarchiv Foto Marburg, Marburg/Lahn, Kunstinst.;
    Phot. (?), in: 200-letie Kabineta Ego Imperatorskago Veličestva 1704-1904, 1911.

  • Autor/in

    Stefan Hartmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Hartmann, Stefan, "Meyendorff, Peter Baron von" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 288 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118783599.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA