Lebensdaten
1763 bis 1834
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
österreichischer Diplomat ; Staatsmann
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117160504 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Buol-Schauenstein, Johann Rudolf Freiherr von (bis 1802)
  • Buol Schauenstein, Johann Rudolf von
  • Schauenstein, Johann Rudolf von Buol-

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Zitierweise

Buol-Schauenstein, Johann Rudolf Graf, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd117160504.html [26.07.2016].

CC0

Buol-Schauenstein Johann Rudolf Freiherr von, Graf| (seit 1802)

österreichischer Diplomat, * 21.11.1763 Wien, 12.3.1834 Wien. ((römisch)-katholisch)

  • Genealogie

    V Joh. Bapt. Frhr. v. B.-Schauenstein (durch Adoption [s. Einl.], 1729-96), Domherr zu Chur, S des Rud. Ant. (1705–63), beide kaiserliche Gesandte an d. 3 Bünden, u. der Maria Jos. Wenser v. u. z. Freyenthurn; M Johanna (1730–93), T des Joh. Gottfr. Gf. v. Sarnthein, k. k. WGR u. vorderösterreichischer Revisionspräsident, u. der Veron. Secunda Gfn. v. Thun-Hohenstein; B Karl Rud. (s. 6); 1795 Alexandrine (1769–1851), T des bayerischen Gesandten am Reichstag Phil. Gf. Lerchenfeld (1736–1800, S des Phil. Ernst u. der Maria Walpurga Gfn. Trauttmansdorff, Aya der Kgn. Marie Caroline v. Neapel u. der Kgn. Marie Antoinette v. Frankreich) u. der Maria Ther., T des Franz Carl Gf. v. Nesselrode-Ereshofen (1713–98), kurpfälzischer Min. u. jülich-bergischer Kanzler; S Karl s. (5), T Marie, kaiserliche Hofdame, Sophie ( Peter Baron v. Meyendorff [1796–1863], russischer WGR, 1832 Gesandter in Stuttgart, 1839 Botschafter in Berlin, 1850-54 in Wien).

  • Leben

    B. begann seine diplomatische Laufbahn als österreichischer Gesandtschaftssekretär in Mainz und kam 1789 in derselben Eigenschaft nach Den Haag, wo er dem österreichischen Staatskanzler Fürsten Kaunitz durch seine Geschicklichkeit auffiel. 1792 wurde er Nachfolger seines Vaters als Gesandter bei den drei Bünden und 1794 kaiserlicher Direktorialgesandter am Reichstag. Im folgenden Jahr, als die Einleitung des Reichsfriedensgeschäftes besondere Erfahrung verlangte, wurde er als kaiserlicher Gesandter nach Hamburg an die Reichsstände des Niedersächsischen Kreises versetzt, wo er sich bewährte. 1801 kam er als Gesandter nach München. In seinen Berichten stellte B. die Haltung Bayerns als zu österreichfreundlich hin und blieb 1805, kurz vor Ausbruch des Krieges, selbst dann noch bei dieser Meinung, als der bayerische Kurfürst mit seiner Armee bereits nach Würzburg Napoleon entgegengezogen war. Durch diese optimistische Berichterstattung hat B. den Wiener Hof gefährlich irregeführt und auch später in Wien zu der nachhaltigen Verärgerung über die „Doppelzüngigkeit Bayerns“ und der Rheinbundstaaten beigetragen. 1807-14 war er Gesandter und habsburgischer Familienminister im Großherzogtum Würzburg und kam 1814 nach Kassel und Hannover. Nach dem Tode des österreichischen Präsidialgesandten F. J. von Albini, noch vor Eröffnung des Bundestages, wurde er dessen Nachfolger. Er zeigte sich bestrebt, dem Bundestag Souveränitätsrechte zu erringen und diesen über den Status eines Gesandtenkongresses zu erheben. Durch seine Eitelkeit verführt, trieb er eigene Politik und geriet zwischen die Aretin-Wangenheimsche Opposition, der er sich nicht gewachsen zeigte, und die Anweisungen Metternichs, die oft nicht seinen Ansichten entsprachen. In seinen vielbeachteten verfassungsfreundlichen Reden handelte er jedoch in Übereinstimmung mit dem Staatskanzler. Als es ihm 1818 nicht gelang, den österreichisch-preußischen Militärplan durchzusetzen, verlor er das Vertrauen Metternichs. B. widersetzte sich der Entwicklung, die unter Ausschaltung des Bundestages 1819/20 die Lösung der Probleme den Kongressen von Karlsbad und Wien vorbehielt und damit dem Ansehen des Bundestages einen schweren Stoß versetzte. B. wurde 1823 seines Postens enthoben, auf dem er sich bei aller Ungeschicklichkeit doch als ein Verfechter der Bundesversammlung als „selbständiger Institution der deutschen Nation“ (Buol) erwiesen hatte. Er ging als Gesandter nach Karlsruhe, 1833 nach Stuttgart und erhielt als Präsident der Hofkommission später den Titel eines Staatsministers.

  • Literatur

    ADB III; L. F. Ilse, Gesch. d. dt. Bundesversammlung, 1860; H. v. Treitschke, Dt. Gesch. im 19. Jh. II, III, Neudr. 1927; A. Chroust, Gesch. d. Ghzgt. Würzburg (1806–14), Die äußere Politik d. Ghzgt., = Veröff. d. Ges. f. fränk. Gesch. IX, R. I, 1932; Vorgesch. u. Begründung d. dt. Zollver. 1815-34, hrsg. v. H. Oncken u. F. Saemisch, bearb. v. W. v. Eisenhart Rothe u. A. Ritthaler, Bd. 1, 1934; H. K. v. Zwehl, Bayern 1805, 1938; K. O. v. Aretin, Die dt. Pol. Bayerns z. Zt. d. staatl. Entwicklung d. Dt. Bundes 1815 bis 1820, Diss. München 1954 (ungedr.); ders., Metternichs Vfg.pläne 1817/18, in: HJb. 74, 1955.

  • Autor

    Karl Otmar Freiherr von Aretin
  • Empfohlene Zitierweise

    Aretin, Karl Otmar Freiherr von, "Buol-Schauenstein, Johann Rudolf Graf" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 22 f. [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd117160504.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Buol-Schauenstein, Johann Rudolf

  • Leben

    Buol-Schauenstein: Johann Rudolf Graf v. B.-Sch., zu Rindtberg, Straßberg und Ehrenfels, geb. 21. Nov. 1763, aus einer schon 1398 urkundlich erwähnten, 1649 geadelten und 1690 in den Reichsfreiherrnstand erhobenen Familie Graubündtens. Er selbst wurde Graf 1805 nach Aussterben der von seinem Vaterbruder Johann Anton gegründeten jüngeren Linie, deren eben genannter Stifter durch Adoption (1742) die Güter und Grafenwürde seines Oheims, des 1739 gegraften kaiserl. Feldmarschalls Franz Thomas v. Schauenstein geerbt hatte. Johann Rudolf war Gesandter im Haag 1790 und in Basel 1792, Directorialminister in Regensburg 1794, dann Gesandter in Dresden, endlich der erste Präsidialgesandte bei dem am 5. Nov. 1816 eröffneten deutschen Bundestag, als welcher er sich in großartiger Würde hielt, die Seite des deutschen Patrioten auffällig herauskehrte und die Vollziehung des die ständischen Rechte betreffenden Bundesartikels verlangte; als aber Metternich den Absolutismus immer entschiedener zum rettenden Staatsprincip erhob, gerieth er mit ihm in Conflict, wurde am 20. März 1823 zurückberufen und durch ein gefügigeres Werkzeug ersetzt. Er starb, mit dem Titel eines Staats- und Conferenzministers bekleidet, am 12. Febr. 1834 in Wien.

    • Literatur

      Vgl. Gervinus, Gesch. d. 19. Jahrh. II. 501 u. VII. 134 u. 144.

  • Autor

    v. Hoffinger.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hoffinger, von, "Buol-Schauenstein, Johann Rudolf Graf" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 553-554 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd117160504.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA