Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Freiherren
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 138360871 | OGND | VIAF: 89913063
Namensvarianten
  • Meijendorff von Yxkull (seit 1679)
  • Meyendorff von Uexküll
  • Uexküll, von
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Zitierweise

Meyendorff, Freiherren von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138360871.html [14.07.2024].

CC0

  • Biographie

    Das Geschlecht ging aus einem Zweig der wohl seit dem Hochmittelalter im Deutschordensland ansässigen Familie v. Uexküll hervor, führte seit 1679 durch die schwed. Krone den Freiherrntitel (Meijendorff v. Yxkull), besaß seit 1746 das estländ., seit 1747 das livländ. und seit 1793 das kurländ. Indigenat und wurde seit 1856 als rußländ. Barone geführt. Die Familie besaß Herrschaften u. a. über Klein Roop, Haynasch, Ramkau, Sellin, Alt-Bewersdorf und Kumna. In der deutschen Kultur der „Ostseeprovinzen“ verbleibend, stellte sie deren ritterschaftlicher Selbstverwaltung wie auch dem kaiserl. russ.|Militär- und Staatsdienst eine ganze Reihe bedeutender Persönlichkeiten.

    Reinhold Johann (1706–76), russ. Generalleutnant, wurde 1752 Kommandant, 1762 Vizegouverneur von Riga. Kasimir (1749–1813) wurde 1789 Oberkommandant von Riga und war seit 1795 Zivilgouverneur von Russ. Finnland; sein Sohn Peter (1796–1863) war Diplomat in russ. Diensten (s. u.). Gottlieb (1763–1844) war 1810-44 estländ. Landrat. Georg (1794–1879), General der Kavallerie, war an den Kriegen gegen Napoleon und der Niederwerfung der poln. Erhebung 1832 beteiligt; 1845-79 präsidierte er dem Ev.-Luth. Generalkonsistorium. Friedrich (1839–1911) erlangte große Bedeutung als deutschbalt. „Landespolitiker“, besonders in der Funktion des Livländ. Landmarschalls (1884–1908). Er erstrebte vergeblich eine Reform der Landesverfassung, dagegen gelang es ihm, die schwebenden Prozesse gegen eine Reihe deutscher Pastoren (wegen „Amtshandlungen an Konvertiten“ aus der russ. Orthodoxie) niederzuschlagen. Erfolge beim Ausbau der livländ. Steuerverfassung waren wesentlich seiner Amtsführung zuzuschreiben, ebenso die 1905 bedingt bewilligte Wiederzulassung des deutschen, estn. und lett. Schulunterrichts. Dagegen blieb die von ihm mit durchgesetzte, im Sinn der Einheit der drei Provinzen wichtige Wiederherstellung des Generalgouvernements der Ostseeprovinzen von nur vorübergehender Wirkung. Ergenoßbei allen Ständen außerordentliches Vertrauen. Felix (1834–71), Enkel von Kasimir, heiratete die russ. Prinzessin Olga Michajlovna Gorčakova. Im diplomatischen Dienst war er Legationssekretär in Stuttgart und Rom, 1867-70 Geschäftsträger in Weimar und 1870-71 in Karlsruhe. Alexander (1869–1964), Sohn von Felix, heiratete nacheinander zwei Georgierinnen aus Fürstengeschlechtern. Nach Absolvierung der Kaiserl. Rechtsschule in St. Petersburg war er im Innenministerium tätig und lehrte gleichzeitig als Privatdozent an der Petersburger Universität. Nach der Revolution von 1905-07 wählte ihn die livländ. Grundbesitzerkurie in das neugeschaffene gesamtrußländ. Parlament. In der III. Reichsduma (1907–12) erlangte er, obwohl nach eigenem Zeugnis „allen als Deutscher erscheinend“, so hohes Ansehen, daß er zu einem der beiden Stellvertreter des Parlamentspräsidenten gewählt wurde; so leitete er in den folgenden Jahren oftmals Sitzungen der Duma. International bekannt wurde er durch parlamentarische Proteste gegen den russ. Regierungsnationalismus gegenüber den „Westprovinzen“ und Finnland, damit auch gegen seinen Vetter, den Ministerpräsidenten P. A. Stolypin. Er wurde in die IV. Duma wiedergewählt, blieb hier jedoch im Hintergrund. Nach Krieg, Revolution und Emigration war er vorübergehend am Rande der Pariser Friedenskonferenz tätig und wirkte seit 1919 als Lektor, dann als Hochschullehrer in Großbritannien.

  • Werke

    zu Alexander: The Background of the Russian Revolution, 1928;
    The Cost of the War to Russia, The Vital Statistics of European Russia During the World War, 1914–1917, 1932 (mit St. Kohn).– Persönl. Archivreposituren: Reichsarchiv Helsinki;
    Zentrales Staatsarchiv d. Oktoberrevolution Moskau;
    J. G. Herder-Institut Marburg (Archivalienabt.);
    Archive of Russian and East European History and Culture (New York, Columbia University);
    Lettländ. Staatsarchiv Riga.

  • Literatur

    Enciklopedičeskij Slovar' 18 A, 1896, S. 946;
    Novyj Enciklopedičeskij Slovar' 26, Petrograd o. J., S. 154;
    E. Amburger, Gesch. d. Behördenorganisation Rußlands v. Peter d. Großen bis 1917, 1966;
    Dt.balt. Biogr. Lex.Zu Friedrich: J. v. Hehn in: Balt. Mhh. 1939;
    H. Baron Rosen, in: Nachrr.bll. 10, 1968;
    G. v. Pistohlkors, Ritterschaftl. Reformpol. zw. Russifizierung u. Rev., 1978. – Zu Alexander: C. v. Kügelgen, in: Dt. Mschr. f. Rußland 1, 1912 (P);
    P. Schiemann in: Balt. Hh. 1, 1954/55;
    R. Wittram, in: Balt. Briefe 17, 1964;
    I. Auerbach, A. v. M. u. d. Nationalitätenproblem im Baltikum, in: U. Liszkowski (Hrsg.), Rußland u. Dtld., FS f. Georg v. Rauch, 1974, S. 257-64;
    M. Hagen, Zw. Nationalitäten u. Fraktionen – A. Baron M. (1869-1964), in: Zs. f. Ostforschung 27, 1978.

  • Porträts

    Zu Friedrich: Rigascher Alm. 1909;
    A. v. Tobien, Die Livländ. Ritterschaft in ihrem Verhältnis z. Zarismus u. russ. Nationalismus I, 1925. – Zu Alexander: Jb. d. balt. Deutschtums 2, 1955;
    Nachrr.bll. 5, 1963.

  • Autor/in

    Manfred Hagen
  • Familienmitglieder

  • Zitierweise

    Hagen, Manfred, "Meyendorff, Freiherren von" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 287-288 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138360871.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA