Lebensdaten
1744 bis 1834
Geburtsort
Schloß Wallerstein bei Nördlingen
Sterbeort
Jena
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Dichter
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118777505 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Knebel, Carl Ludwig von
  • Knebel, Karl Ludwig (bis 1756)
  • Knebel, Karl Ludwig von
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Knebel, Karl Ludwig von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118777505.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Job. Georg (preuß. Adel 1756, 1697-1787), 1744 oettingen-wallerstein. Kanzler, 1749 brandenburgbayreuth. GR, Reichstagsgesandter, Nürnberger Lehenpropst (s. Dipl. Vertr. II), S d. Kammerrats Johann K. in Ansbach u. d. Anna Magdalena Romig;
    M Elisabetha Magdalena (1720–1805), T d. Martin Gottlob Mayer (1678–1736), aus Zittau, Stadtvogt, dann Kammerkonsulent, zuletzt Hof- u. Justitienrat in Bayreuth, u. d. Magdalena Maria Fleischer;
    Ov Joh. Christian v. K. (Reichsadel 1759, 1701-86), Gen.sup. in Ansbach, Joh. Wilhelm v. K. (Reichsadel 1759, 1710-1788), ansbach. GR u. Kammerpräs.;
    B Wilhelm (1741–99), braunschweig. Gesandter in Stuttgart, Christian (1743–1802), preuß. Gen.-Major u. Kommandant d. Festung Cosel (s. Priesdorff III, S. 87, P) (Stamm-V d. Fam. v. Knebel Doeberitz; zu ihr gehört Hugo, 1849–1915, preuß. Beamter, Versicherungsfachmann, s. L);
    Schw Henriette (1755–1815), Erzieherin am Weimarer Hof, später Gesellschafterin d. Erbghzgn. Karoline Luise v. Mecklenburg-Schwerin (s. L);
    Vt Carl Heinrich (1726–99), Dekan in Schwabach, Schriftsteller (s. Meusel, Verstarb. Schriftst.), Christian Friedrich (1729–1804), Archivar, Reg.- u. Konsistorialrat in Ansbach, Sammler;
    - Ilmenau 1798 Luise (1777–1852), Kammersängerin, Geliebte d. Hzg. Carl August v. Sachsen-Weimar, T d. Friedrich Wilhelm Rudorff, preuß. Rittmeister im Bellingschen Husaren-Rgt., u. d. Cath. Charlotte v. Britzke;
    1 S, 1 Adoptiv-S Carl v. K. (1796-1861), Major u. Polizeidir. in Ebersdorf (s. L).

  • Leben

    Mit fünf Geschwistern wuchs K. in Regensburg und Ansbach auf. Neben dem von Privatlehrern erteilten Unterricht beschäftigte er sich mit religiösem und schöngeistigem Schrifttum der Zeit. Die ersten poetischen Anregungen empfing er von dem in Ansbach als Sekretär beim Justizkollegium lebenden Dichter Johann Peter Uz. Sein Wunsch, Theologie zu studieren, stieß auf den Widerstand des Vaters. Demzufolge immatrikulierte sich K. Ostern 1764 an der juristischen Fakultät der Universität Halle. Unzufriedenheit mit den Studieninhalten und dem studentischen Leben ließ ihn jedoch schon am Beginn des folgenden Jahres die Offizierslaufbahn ergreifen. Er trat in Potsdam in das Regiment des Prinzen von Preußen ein und wurde 1766 zum Fähnrich befördert. Gegenüber der Eintönigkeit des Garnisondienstes fand er einen Ausgleich in der Pflege literarischer Interessen, die durch den Umgang mit Friedrich Nicolai und K. W. Ramler in Berlin Förderung erfuhren. Nur für kurze Zeit stand er mit Gleim, der ihn seinen „zweiten Kleist“ nannte, in freundschaftlichem Verhältnis, während er die Gedichte des Anakreontikers Johann Nikolaus Götz auch später noch hochschätzte, sie sammeln und, im Gegensatz zu Ramler, unverfälscht herausgeben wollte. Ein Besuch H. Chr. Boies in Potsdam (März 1770) verschaffte ihm Zugang zu den literarischen Bestrebungen der jungen Generation. Seine ersten Gedichte erschienen in Ramlers „Liedern der Deutschen“ und im Göttinger Musenalmanach. Weil ihm jede weitere militärische Beförderung versagt blieb, nahm er im Juli 1773 seinen Abschied. Nach einem ersten Besuch in Weimar verbrachte er den Winter in Ansbach und Nürnberg. Dort erreichte ihn das Angebot, Erzieher des weimarer Prinzen Konstantin zu werden. Seinem Amtsantritt im Herbst 1774 folgte alsbald die Teilnahme an der Bildungsreise Karl Augusts und Konstantins nach Straßburg und Paris, die durch den in „Dichtung und Wahrheit“ (15. Buch) geschilderten Besuch K.s bei Goethe in Frankfurt am 12.12.1774 und die von ihm sogleich herbeigeführte Bekanntschaft zwischen Goethe und Erbprinz Karl August schicksalhafte Bedeutung gewann. Goethes schnell gefaßtes Zutrauen zu dem neuen Freund fand Ausdruck in einem gemeinsamen Brief an K.s Schwester Henriette, in der unbefangenen Mitteilung dichterischer Fragmente und in der durch K. vermittelten Aussöhnung mit Wieland. Schon auf der Reise erschwerten Mißhelligkeiten mit Graf Goertz, dem bisherigen Prinzenerzieher, K.s Bemühungen um eine erfolgreiche Einflußnahme auf Konstantins Entwicklung;|in der folgenden Zeit wurden sie noch weit mehr beeinträchtigt durch die immer stärker hervortretenden ungünstigen Charaktereigenschaften seines Zöglings. Während des ersten Weimarer Winters 1775/76 wohnte K. im Wittumspalais Anna Amalias. Im folgenden Frühjahr wurde das Landgut Tiefurt für Konstantin als Wohnsitz eingerichtet, und K. schuf dort am Ufer der Ilm die erste englische Parkanlage Weimars. Eng schloß er sich an den Freundeskreis um den jungen Herzog an und teilte dessen Lebensweise, wie sie Goethe in dem Gedicht „Ilmenau“ vergegenwärtigt hat. Bei der Uraufführung der Prosa-„Iphigenie“ in Ettersburg spielte er die Rolle des Thoas. Der Freundschaft zu Goethe trat bald die zu Herder an die Seite, dem er sich in vielem noch näher verwandt fühlte.

    Als Konstantin 1780 für seine „Kavalierstour“ einen anderen Reisebegleiter wählte, mußte K. seine Erziehungsaufgabe als gescheitert betrachten. Tief verletzt wollte er sich für immer von Weimar trennen. Goethe und vor allem Karl August hatte er es zu verdanken, daß eine übereilte Entscheidung unterblieb. Der Herzog ermöglichte ihm eine Reise in die Schweiz. Weil er ihm jedoch danach, in richtiger Einschätzung seiner Fähigkeiten, ein Amt im Staatsdienst vorenthielt, verließ K. Ende 1781 abermals Weimar und kehrte erst 1784 dorthin zurück. Vom Herzog zum Major ernannt, aber frei von dienstlichen Pflichten führte er fortan, meist der stilleren Universitätsstadt Jena gegenüber der Weimarer Hofgesellschaft den Vorzug gebend, ein ganz seinen literarischen Neigungen gewidmetes Leben. Zeitweilig ließ ihn der Herzog an seinen politischen Unternehmungen zugunsten des deutschen Fürstenbundes teilhaben; Goethe suchte ihn zu zielstrebiger naturwissenschaftlicher Arbeit zu führen. Auf sein Verhältnis zu Karl August fiel ein tiefer Schatten, als er sich 1798 zu einer späten Heirat mit der um 33 Jahre jüngeren Sängerin Luise Rudorff entschloß und durch die Anerkennung ihres Kindes eine leichtfertige Verschuldung des Herzogs an ihr wiedergutzumachen suchte. Daß er weiterhin von der Gnade des Herzogs abhängig blieb, machte ihm das Leben in der Nähe des Hofes unerträglich. Auf Herders Anraten zog er sich nach Ilmenau zurück, wo er abgesondert seine ersten, wenig glücklichen Ehejahre verbrachte. Von 1804 bis zu seinem Tode lebte er wieder in Jena, seit 1807 in jenem Haus am „Paradies“ mit dem freien Ausblick aus seinem Studierzimmer auf die Berge jenseits der Saale, den Goethe in einer seiner bekanntesten Handzeichnungen festgehalten hat.

    K. war sich der eng gezogenen Grenzen seiner produktiven Begabung deutlich bewußt, so daß ihm ein Scheitern an größeren Entwürfen erspart blieb. Seine Gelegenheitsgedichte verdankten persönlichen Anlässen innerhalb des Weimarer Kreises ihr Entstehen und wollten nur als Freundesgabe aufgenommen werden. In der Behandlung anspruchsvollerer Themen, wie sie ihm aus der geistigen Gemeinschaft mit Herder erwuchsen, gelang ihm mit homerischen Hymnen, elegischen Distichen und gnomischen Epigrammen die Nachbildung antiker lyrischer Formen. Vornehmlich seine Naturhymnen verdienen geistesgeschichtliches Interesse; mit ihnen hätte er nach Herders Wunsch als ein neuer Lukrez und deutscher Shaftesbury „Sänger der uns gegebenen Naturoffenbarung“ werden sollen. Herder gab ihm auch die Anregungen zu geschichtsphilosophischen und anthropologischen Aufsätzen, in denen er dessen Ideen paraphrasiert, weitergedacht, zum Teil auch verdeutlicht und systematisiert hat. Die meisten von ihnen wurden erst durch Theodor Mundt im 3. Band des „Literarischen Nachlasses“ veröffentlicht. Für Frau von Staël verfaßte er im Winter 1803/04 eine Übersicht über die Entwicklung der deutschen Literatur im 18. Jahrhunderts

    Sein Bestes gab K. in Übersetzungen. Hierbei beschäftigte er sich nur vorübergehend mit zeitgenössischer Literatur (Byron und Alfieri, dessen Tragödie „Saul“ in K.s Übersetzung 1811 in Weimar aufgeführt wurde), während seine jahrzehntelangen Bemühungen der klassischen lateinischen Literatur, vornehmlich Properz und Lukrez, galten. Er begann 1788-90 mit Versuchen, die Elegien des Properz in rhythmisierte Prosa zu übertragen, von denen zwar unmittelbare thematische Einflüsse auf Goethes „Erotica Romana“ ausgingen, die jedoch formal weder ihn selber noch Schiller, der 1789 von ihnen Kenntnis erhielt, zu befriedigen vermochten. Umgekehrt erleichterte ihm 1795 das Erscheinen von Goethes „Römischen Elegien“ den Entschluß zur formgetreuen Nachgestaltung in klassischen Distichen. In Goethes Elegien fand er nach Form und Geist das zeitgenössische Vorbild, dem er nachfolgen konnte. Goethe begleitete die Arbeit mit Anteilnahme und bessernder Hilfe, der K. vorbehaltlos zustimmte. Das Angebot einer periodischen Veröffentlichung in Schillers „Horen“ bedingte, wenngleich widerwillig, auch das Eingehen auf dessen Kritik. Im 2. Jahrgang der „Horen“ (1796) erschienen 18 Übertragungen, die für die Buchausgabe (1798) unter Mitwirkung Herders und K. A. Böttigers noch einmal redigiert, um die gleiche Anzahl vermehrt, mit|einer rechtfertigenden Vorrede eröffnet und mit kommentierenden Anmerkungen K.s versehen wurden. K. suchte dem Originaltext in Wortlaut und Versbau so nahe wie möglich zu kommen, verwarf jedoch die zeitmessenden metrischen Forderungen von A. W. Schlegel und J. H. Voß. Schon 1784 hatte ihm Herder eine lateinische Ausgabe des Lukrezischen Lehrgedichts „De rerum natura“ geschickt K. entschloß sich zu einer vollständigen Übersetzung, die jedoch nur sehr langsam fortschritt. Während der Ilmenauer Jahre war sie seine Hauptbeschäftigung. 1798/99 stand er darüber in regem Briefwechsel mit Goethe, bei dem die übersandten Proben die Idee geweckt hatten, seine eigenen naturwissenschaftlichen Erkenntnisse in einem großen beschreibenden und philosophischen Naturgedicht in der Art des Lukrez zusammenzufassen. Als K.s Übersetzung 1821 endlich in Druck ging, entwarf Goethe eine Vorrede, zu der stichwortartige Aufzeichnungen vorliegen. In „Kunst und Altertum“ veröffentlichte er eine charakterisierende Anzeige des Werkes und würdigte das Verdienst des Übersetzers. K. verzichtete auf eine ursprünglich geplante durchgehende Kommentierung, stellte jedoch jedem Buch eine erläuternde Inhaltsübersicht voran und schrieb für die 2. Auflage (1831) einen Aufsatz über Leben und Lehre des Epikur. Herders Aufforderung „Seien Sie nicht bloß ein stiller Meßpriester der großen Natur, sondern auch für Andere ein Organista und Cantor“ hat K. zeitüberdauernd nur mit seiner sprachlich ausgereiften Lukrez-Übersetzung erfüllt.

  • Werke

    Properz, Elegien, Übers., 1798, 21882;
    Slg. kleiner Gedichte, 1815;
    T. Lucretius Carus, Von d. Natur d. Dinge, Übers., 1821, 21831, neu hrsg. v. O. Güthling, 1901 (mit Nachwort v. J. Bollack), 1960;
    Jahresblüthen v. u. f. K., 1825;
    Lebensblüthen, 1. H. (mehr nicht ersch.), 1826;
    Saul. Trauerspiel in 5 Akten n. Alfieri, 1829;
    Literar. Nachlaß u. Briefwechsel, hrsg. v. K. A. Varnhagen von Ense u. Th. Mundt, 3 Bde., 1835 f., 21840;
    Eine Denkschr. K.s üb. d. dt. Lit., mitget. v. K. E. Franzos, in: Goethe-Jb. 10, 1889, S. 117-38, wieder in: Goethe-Alm. auf d. J. 1968, hrsg. v. H. Holtzhauer u. H. Henning, S. 208-21;
    Gedichte K.s an Goethe, hrsg. v. H. G. Gräf, in: Jb. d. Goethe-Ges. 7, 1920, S. 169-74. -
    Ausw.: Lyriker u. Epiker d. klass. Periode II, hrsg. v. M. Mendheim, o. J., S. 168-71;
    Hymn. Dichtung im Umkreis Hölderlins, mit Einl. u. Erll., hrsg. v. P. Böckmann, 1965, S. 291-302 (Texte), S. 358-62 (Erll.). - Briefe v. u. an K.:
    Briefwechsel zw. Goethe u. K., 2 Bde., hrsg. v. G. E. Guhrauer, 1851;
    Aus K.s Briefwechsel mit s. Schwester Henriette, hrsg. v. H. Düntzer, 1858;
    Aus d. Briefwechsel zw. K. u. Herder, in: Von u. an Herder, Ungedr. Briefe aus Herders Nachlaß, hrsg. v. dems. u. F. G. v. Herder, 3. Bd., 1862, S. 1-244;
    Zur dt. Lit. u. Gesch., ungedr. Briefe aus K.s Nachlaß, 2 Bde., hrsg. v. H. Düntzer, 1858;
    Briefe v. Schillers Gattin an e. vertrauten Freund, hrsg. v. dems., 1856;
    Briefe d. Hzg. Karl August v. Sachsen-Weimar an K. u. Herder, hrsg. v. dems., 1883;
    Zum „Urfaust“, Ein Brief K.s an F. H. v. Einsiedel, mitget. v. W. Deetjen, in: Jb. d. Goethe-Ges. 14, 1928, S. 80 f. - Hs. Nachlaß:
    Weimar, Goethe- u. -
    Schiller-Archiv;
    Berlin, Dt. Staatsbibl. u. Marbach, Dt. Lit.archiv.

  • Literatur

    ADB 16;
    Goedeke IV, 1;
    Goethe-Hdb. II, 1917;
    Th. Stettner, in: Ll. aus Franken IV, 1930, S. 247-59 (W, L);
    H. Düntzer, Freundesbilder aus Goethes Leben, 1853, S. 414-623;
    H. v. Knebel Doeberitz, K. L. v. K., ein Lb., 1890;
    ders., Gesch. d. Geschl. v. K., 1896;
    H. Frhr. v. Maltzahn, K. L. v. K., Goethes Freund, 1929 (P);
    K. Bapp, Goethe u. Lukrez, in: Jb. d. Goethe-Ges. 12, 1926, S. 47-67;
    F. J. Schneider, Zu K.s Übers. d. Elegien d. Properz, in: Festgabe f. Ph. Strauch, 1932, S. 123-36;
    A. Leitzmann, Aus d. Frühzeit d. Byron-Eindeutschung, K. als Übersetzer Byrons, in: Goethe, Viermonatsschrr. d. Goethe-Ges. 5, 1940, S. 274-86;
    H. Tümmler, K. u. Carl August, ebd. 9, 1944, S. 109-39;
    ders., Knebeliana, in: Goethe, NF d. Jb. d. Goethe-Ges. 16, 1954, S. 182-97;
    F. Ernst, Essais II, 1946, S. 166-74;
    L. Blumenthal, Schillers u. Goethes Anteil an K.s Properz-Übertragung, in: Jb. d. Dt. Schiller-Ges. 3, 1959, S. 71-93;
    F. Kühnlenz. Weimarer Porträts, 1961, S. 69-86;
    R. Otto, K. L. v. K., Entwürfe zu e. Monogr., Diss. Jena 1968 (ungedr.);
    O. Mühlmann, K.s Gartenpavillon in Jena, in: Goothe-Jb. 89, 1972, S. 295 f. - Zu Schw Henriette:
    O. Taxis-Bordogna, Frauen v. Weimar, 1948, S. 97-123;
    - zu Adoptiv-S Carl Wilhelm:
    W. Huschke, Unebenbürtige Nachkommen Carl Augusts v. Weimar, in: Fam. u. Volk 6, 1957, S. 260 f.;
    - zu Hugo:
    Wallmanns Versicherungs-Zs. 50, 1916, I, S. 388.

  • Portraits

    Gipsbüste v. M. G. Klauer, 1781 (Weimar, Goethe-Nat.mus.), Abb. in: H. Holtzhauer, Goethe-Mus., 1969, S. 255, u. b. Maltzahn, s. L;
    Kreidezeichnungen v. J. Schmeller, um 1820 (ebd.), Abb. in: Rave u. b. Maltzahn, s. L, u. v. F. Ries, 1833 (ebd.), Abb. b. Maltzahn, s. L;
    Marmorrelief v. Ch. F. Tieck, 1834 n. e. Modell v. 1820 (Weimar, Landesbibl.), Abb. ebd.

  • Autor/in

    Adalbert Elschenbroich
  • Empfohlene Zitierweise

    Elschenbroich, Adalbert, "Knebel, Karl Ludwig von" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 169-171 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118777505.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Knebel: Karl Ludwig v. K., ist mehr durch seine Stellung am Weimaraner Musenhofe, als durch seine eigenen Dichtungen und höchst verdienstlichen Uebersetzungen lateinischer Dichter bekannt geworden. Er gehörte einer aus den Niederlanden nach Schwaben eingewanderten Familie an und wurde am 30. Novbr. 1744 auf dem Schlosse Wallerstein im Oettingenschen geboren. Als Comitialgesandter des markgräflich ansbachischen Hofes ging Knebel's Vater mit seiner Familie bald darauf zu dem Reichstage nach Regensburg und wurde 8 Jahre später als Geheimrath in das Ministerialcollegium zu Ansbach versetzt, wo Karl Ludwig den Dichter Uz kennen lernte. Ostern 1764 ging der junge K. nach Halle, um wider seinen Willen Jurisprudenz zu studiren. Aber weder Halle noch das Collegienlaufen wollten ihm gefallen; Bekanntschaften hinderten ihn am Studium und vertheuerten ihm das Leben. Er wollte seinem Vater, der noch für fünf andere Kinder zu sorgen hatte, nicht zur Last fallen und ging auf Empfehlung eines jüngeren Bruders Anfang 1765 nach Potsdam, um die militärische Carriere einzuschlagen. Wirklich wurde er im Regimente des Prinzen von Preußen bald zum Offizier befördert. Während ein Decennium vorher Ewald v. Kleist im Kreise seiner Collegen keine Theilnahme für seine Dichtung hatte finden können, bildete sich jetzt um K. ein Kreis von Offizieren, welche die Muße des Friedens zu poetischer Thätigkeit und schriftstellerischen Bestrebungen verwendeten. In Berlin leinte K. auf wiederholten Besuchen Ramler, die Karschin, Mendelssohn und Nicolai kennen; auch mit Boie trat er in Verbindung und lieferte in dessen Musenalmanach seine ersten Gedichte. Des Militärdienstes im Frieden müde, verließ K. September 1773 Potsdam. Mit einer Empfehlung des Kronprinzen von Preußen an die Herzogin Amalie besuchte er auf der Rückreise in seine Heimath, hauptsächlich um Wieland kennen zu lernen, den Hof von Weimar. Dort suchte man eben nach einem passenden Gouverneur für den jüngeren Prinzen Constantin, der seinen Zögling auch zugleich auf den für ihn gewählten militärischen Beruf vorbereiten könnte. K. schien die geeignetste Persönlichkeit; als er nach 14 Tagen nach Nürnberg weiter gereist war, wo sein Vater als Kreisgesandter weilte, erhielt er wiederholte Einladungen als Erzieher des Prinzen Constantin nach Weimar zu kommen. Nachdem die Intriguen der Hofpartei (hauptsächlich des Grafen Görz Bd. IX S. 393) beseitigt waren, traf K. im Juli 1774 in Weimar ein und übernahm unter dem Titel eines Hauptmanns die Erziehung des Prinzen. Schon im December desselben Jahres begleitete er beide Prinzen, den nachmaligen Herzog Karl August von Weimar und seinen Zögling, auf einer Reise nach Paris, wo er in Frankfurt die Bekanntschaft mit Goethe vermittelte (vgl. Goethe's Dichtung und Wahrheit, XV. Buch). Nach der Rückkehr zog er sich mit dem Prinzen Constantin nach Tiefurt bei Weimar zurück und leitete hier durch 3 Jahre die Ausbildung des Prinzen. Als dieser dann auf Reisen ging, wurde K. mit Gehalt und Titel eines Majors pensionirt. Von einer Reise in die Schweiz, welche er 1780 unternahm, haben sich interessante Berichte an den Herzog Karl August erhalten. In den folgenden Jahren lebte K. abwechselnd in seiner Heimath Ansbach oder in Jena, nur selten und ungern in Weimar. Beschäftigung mit den Naturwissenschaften, für welche er durch Goethe gewonnen war, besonders aber mit schöner Litteratur, füllten seine Zeit und Muße aus. Im J. 1798 verheirathete er sich mit Luise v. Rudorf, einer geborenen Berlinerin, welche als Kammersängerin am weimarischen Hofe sehr beliebt war und Knebeln schon ein Jahr früher einen Sohn geboren hatte. Das Verhältniß darf in mancher Hinsicht mit Goethe's Liebe zur Vulpius in Parallele gebracht werden; wenigstens äußert K. 8 Tage nach seiner Hochzeit gerade gegen Goethe, daß er ein zartes gutes Gefühl und einen guten Sinn bei einem Weibe immer für das angesehen habe, was zum Glück eines Mannes durch sie hinlänglich sei, und daß er das eigentlich Moralische der weiblichen Natur ganz absprechen möchte. Auch an Differenzen scheint es dieser Ehe,|welche von Knebel's Verwandten als Mesalliance betrachtet, von der Herzogin Amalie aber befördert wurde, nicht gefehlt zu haben. Jetzt nahm K. bis zum J. 1805 seinen beständigen Aufenthalt im sogenannten Paradiese bei Ilmenau. 1805 zog er nach Jena zurück. K. hat, als der älteste von Goethe's Freunden, Goethe noch überlebt, und starb als der letzte aus dem Kreise derer, welche die Glanzzeit des Weimaraner Musenhofes mit durchlebt hatten, am 23. Febr. 1834. Seine Gattin folgte ihm am 4. Januar 1852. K. hat sich frühzeitig als Dichter versucht und bis in seine letzten Jahre hinein als Dilettant gedichtet und geschriftstellert. Eine mehr genießende und anempfindende, als produktive Natur, hat er es nie über den Dilettantismus hinausgebracht. Seine Gedichte erschienen in verschiedenen Musenalmanachen; 1815 gab er eine „Sammlung kleiner Gedichte“ bei Göschen in Leipzig heraus; die Herausgeber seines Nachlasses theilen andere aus den Handschriften mit. Am besten gelangen ihm ohne Zweifel Dichtungen im elegischen Versmaß, wobei er deutlich das Muster der Goethe'sche Elegien (z. B. Euphrosyne) und der Schiller'schen Ideendichtungen vor Augen hat. Eine begrenzte, dabei wenig originelle Gedankenwelt spricht sich hier in korrekter, geglätteter, zwangloser Form aus. Nach dem Beispiele der Goethe'schen Oden dichtet er auch, mit wenigem Erfolg, in freien Silbenmaßen; gänzlich versagt ist seinem Gehöre die Musik des Reimes geblieben, was seine strophischen Dichtungen entstellt. Auch das Epigramm hat er nach dem Muster der Schiller-Goethe'schen Distichen mit Erfolg gepflegt; Wilhelm Schlegel lobt an ihnen die Einfachheit und Wahrheit des Gedankens. Eine Reihe solcher Gnomen und Distichen hat K. 1826 unter dem Titel: „Lebensblüthen“ (erster Theil; ein zweiter ist nicht erschienen) in Jena herausgegeben; die Herausgeber des Nachlasses haben auch diese Sammlung vermehrt. Bedeutender als in seinen eigenen Productionen ist K. als Uebersetzer. Schon frühzeitig hat er sich mit Uebersetzungen aus alten und modernen Dichtern beschäftigt. Unermüdlich, wie er seine eigenen Dichtungen zu korrigiren und ins Reine zu schreiben pflegte, war er auch in Umarbeitung seiner Uebersetzungen. Er war der erste metrische Uebersetzer des Properz. Eine prosaische Uebersetzung, welche er früher fertig gemacht hatte, genügte ihm nach dem Erscheinen von Goethe's römischen Elegien in Schiller's Horen nicht mehr. Er nimmt sich die Goethe'schen Distichen zum Muster und liefert noch in den Horen 1796 (I., III., IX., XI. Stück) Proben einer metrischen Uebersetzung des Properz, welche von Goethe überarbeitet und von Herder und Schiller vor dem Drucke bekrittelt wurde (vgl. Briefe Schiller's und Goethe's an A. W. Schlegel, S. 8; Schnorr, Archiv für Litteraturgesch., VIII. 116 ff.). 1798 erschien dann die Uebersetzung des Properz bei Göschen in Leipzig, worin die aus den Horen aufgenommenen Elegien wieder vollständig umgearbeitet waren und eine reichere Auswahl aus Properz geliefert wurde (vgl. die eingehende Recension von A. W. Schlegel in dessen sämmtlichen Werken, XI. 337 ff.). K. ist kein Uebersetzer in der Art Vossens oder A. W. Schlegel's: er bereichert nicht die Sprache oder die Metrik der Deutschen, indem er sich an ein fremdes Muster anschließt. Er hält die Freiheiten, welche sich die Klassiker mit dem Hexameter und Pentameter erlaubt hatten, aufrecht und bleibt auch in allem, was die Sprache betrifft, innerhalb der Grenzen des geltenden Sprachgebrauches. Aber gerade deshalb wird seine Uebersetzung auch niemals oder nur selten hart und steif; sie gibt uns vielleicht mehr den Charakter des deutschen Properz (Goethe), als den des lateinischen wieder, aber sie liest sich darum nur um so besser. Eine Lebensaufgabe Knebel's war auch die Uebersetzung des Lukrez, welche er früh begann und erst 1821 (bei Göschen in Leipzig) drucken ließ (zweite Auflage 1831). Von seinen sonstigen Uebersetzungen und Uebersetzungsversuchen, welche sich über die antike und moderne Litteratur von Pindar bis Lord Byron erstreckten, ist nur die Uebersetzung von Alfieris Saul (Ilmenau 1829) gedruckt worden. Aus Knebel's Nachlasse sind uns die reichhaltigsten Mittheilungen über die Blüthezeit des Weimaraner Musenhofes gemacht worden. Zuerst erschien: K. L. v. Knebel's literarischer Nachlaß und Briefwechsel; herausgegeben von K. A. Varnhagen von Ense und Th. Mundt, 3 Bde., Leipzig 1840. Darauf folgte: Briefwechsel Zwischen Goethe und K. (1774—1832), 2 Thle., Leipzig 1857 (herausgegeben von Guhrauer). Endlich drei Publicationen von Düntzer: Briefe von Schiller's Gattin an einen vertrauten Freund, Leipzig 1856; Aus Karl Ludwig v. Knebel's Briefwechsel mit seiner Schwester Henriette (1774—1813). Ein Beitrag zur deutschen Hof- und Literaturgeschichte, Jena 1858; Zur deutschen Litteratur und Geschichte. Ungedruckte Briefe aus Knebel's Nachlaß, 2 Bde., Nürnberg 1858. Briefe Knebel's finden sich in verschiedenen Sammlungen zerstreut, besonders in den von Wagner aus Merck's Nachlasse herausgegebenen Briefsammlungen; ein für die Goetheforschung wichtiger Brief Knebel's an Bertuch vom 23. Decbr. 1774 ist in der Deutschen Rundschau von Rodenberg, 1877, September, S. 517—20, abgedruckt.

    • Literatur

      Knebel's Nekrolog von Lina Reinhard im Neuen Nekrolog d. Deutschen, XII. 156 ff. — Die Einleitung von Mundt zum Nachlasse (s. oben). —
      Düntzer in den Freundesbildern aus Goethe's Leben. Studien zum Leben des Dichters. Zweite wohlfeile Ausgabe. Leipzig, Dyk'sche Buchhandlung, o. J., S. 414—623. —
      Ueber Knebel's Anstellung in Weimar vgl. Karl Frhr. v. Beaulieu-Marconnay: Anna Amalie, Karl August und der Minister v. Frisch, Beitrag zur deutschen Kultur- u. Literaturgeschichte d. 18. Jahrhunderts, Weimar 1874, S. 109—140. — Knebel's Kalender mit Tagesnotizen von 1780—1834 ist derzeit im Besitze des Geheimraths Dr. Gustav v. Loeper in Berlin, der das Manuscript den Erben von Knebel's Sohne käuflich aberworben hat. Derselbe ist zur Controllirung synchronistischer Daten wiederholt benutzt worden; besonders von v. Loeper selbst in seinen Commentaren zu Goethe'schen Schriften, von Düntzer (besonders in dem Artikel: Zur Kritik und Erklärung von Goethe's Tagebuch. Archiv f. Litt. gesch. V), von Burkhardt (Das herzogt. Liebhabertheater. Grenzboten 1873, Nr. 27, S. 15), und neuestens von Arndt (Jeri u. Bätely in der ursprünglichen Gestalt zum ersten Male herausgegeben, Leipzig 1881). (Nach gefälligen Mittheilungen von Loepers.)

  • Autor/in

    Jakob Minor.
  • Empfohlene Zitierweise

    Minor, Jakob, "Knebel, Karl Ludwig von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 275-278 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118777505.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA