Lebensdaten
1893 bis 1962
Geburtsort
Dillenburg (Nassau)
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118761706 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schreiner, Helmuth

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Zitierweise

Schreiner, Helmuth, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118761706.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ferdinand (1860–1941), Seminaroberlehrer in D.;
    M Dorothea Klingelhöffer (1863–1951);
    1921 Anna (1899–1990), Sportlehrerin, T d. Heinrich Palmer (1864–1945) u. d. Marie Sellschopp (1871–1953);
    4 S u. a. Baldung (* 1924), Reg.angest. im Bundespatentamt in München, Lothar (* 1925), Prof. f. Missions- u. Rel.wiss. an d. Univ. Wuppertal (s. Kürschner. Gel.-Kal. 2005), Ludwig (1928–84), Min.rat, Hauptkonservator im Niedersächs. Ministerium f. Wiss. u. Kunst.

  • Leben

    Nach dem Abitur in Dillenburg studierte S. seit 1911 Theologie und Philosophie in Halle, Berlin und Bonn. 1914 legte er das Erste Theol. Examen ab und nahm als Freiwilliger am 1. Weltkrieg teil. Nach längerer Kriegsgefangenschaft studierte er seit 1919 Philosophie in Erlangen, bestand hier 1920 das Zweite Theol. Examen und wurde 1921 bei Paul Hensel (1860–1930) mit einer religionsphilosophischen Studie zum Dr. phil. promoviert Als Pfarrer und Leiter der Stadtmission in Hamburg (Ordination 1921) veranstaltete S. seit Herbst 1922 „Weltanschauungswochen“ zur kritischen Diskussion politischer Fragen. Diese Arbeit mündete in die von Friedrich Brunstäd (1883–1944) betreute Rostocker Dissertation über „Aufgabe und Methode einer praktischen Apologetik“ (1926), in der S. Sprache, Theorie und Praxis einer neuen prot. Apologetik im Licht des konservativen Luthertums reflektierte. Als Vorsteher des Johannesstifts der Inneren Mission in Berlin-Spandau seit 1926 kritisierte der publizistisch engagierte S. von jungkonservativem Standpunkt aus die moderne säkularisierte Gesellschaft und setzte sich mit der völkischen Bewegung auseinander (Der Nationalsozialismus vor d. Gottesfrage, 1931). Hier, wie auch später, zeigte S. partielle Sympathien für politische Ziele des Nationalsozialismus. Dessen quasireligiöse Blut- und Bodenideologie, die er allein auf Alfred Rosenberg (1893–1946) zurückführte, lehnte er jedoch ab.

    1931 wurde S. als Ordinarius für Praktische Theologie an die Univ. Rostock berufen, wo er sich v. a. mit der Predigt befaßte, die für ihn nicht nur Kanzelrede war, sondern sich auch im diakonischen Handeln der Kirche manifestierte (Die Verkündigung d. Wortes Gottes, 1936, 51949). Im Mai 1933 gehörte er zu den Mitbegründern der „Jungreformatorischen Bewegung“, die das NS-Regime begrüßten, aber eine Kirchenreform frei von politischen Einflüssen anstrebten. Ende 1937 wurde S., der aufgrund seiner Kontakte zum Lutherrat Distanz zum radikalen Flüge) der Bekennenden Kirche hielt, aus kirchenpolitischen Gründen und als Kritiker der NS-Rassenpolitik des Amtes enthohen. Seit 1938 war er Pfarrer in Münster und Vorsteher der Westfäl. Diakonissenanstalt (bis Juni 1955). Auf der Kirchenführerkonferenz von Treysa (Aug. 1945) wirkte S. bei der Entstehung des Hilfswerks der Ev. Kirche in Deutschland mit. Als Beauftragter der Landeskirche trug er maßgeblich zum Wiederaufbau der Theol. Fakultät in Münster bei, wo er, seit Sept. 1945 als Dekan amtierend, 1946 zum o. Professor für Praktische Theologie berufen wurde (em. 1957).

    Gegen die theologischen Schulen der 1920er und 1930er Jahre betonte der viel gehörte Prediger S. auf der Grundlage der neoidealistischen Religionsphilosophie Brunstäds und in der Nachfolge Adolf Stoeckers (1835–1909) und Johann Hinrich Wicherns (1808–81) die Verbindung diakonischer, praxisbezogener und theoretischer Aspekte der Praktischen Theologie sowie ihre Verbindung zur Systematischen Theologie. Anders als in der Kirchenpolitik ließ der Protagonist einer betont kirchlichen Katechetik in der Begrifflichkeit seiner aktualitätsbezogenen Schriften z. T. die Distanz zur extremen politischen Rechten vermissen.

  • Auszeichnungen

    D. theol. h. c. (Berlin 1932).

  • Werke

    Geist u. Gestalt, Vom Ringen um e. neue Verkündigung, 1926, 31934;
    Vom Recht z. Vernichtung unterwertigen Menschenlebens, 1928;
    Pädagogik aus Glauben, 1930, 21931;
    Ethos u. Dämonie d. Liebe, Grundlinien e. ev. Ethik d. Ehe, 1933, 31950;
    Vom Recht d. Kirche, Grundsätzliches u. Praktisches z. Neuordnung d. ev. Kirchentums, 1947;
    Adolf Stoeckers Kampf um d. Freiheit d. Kirche, 1951;
    Ev. Päd. u. Katechetik, 1959;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Univ.bibl. Münster.

  • Literatur

    T. Poptodorow, Der päd. Realismus H. S.s, Diss. Jena 1942;
    K. Janssen u. a. (Hg.), Dienst unter d. Wort, FS H. Schreiner, 1953 (Bibliogr. v. L. Schreiner, S. 341-47);
    H. S., Gedenkreden v. E. Gerstenmaier, C. H. Ratschow u. W. Schütz, 1963;
    S. Pauli, Gesch. d. theol. Institute an d. Univ. Rostock, in: Wiss. Zs. d. Univ. Rostock 17, 1968, S. 309-65;
    W.-D. Hauschild, Der Wiederaufbau d. Ev.-Theol. Fak. Münster nach 1945, in: W. H. Neuser (Hg.), Die Ev.-Theol. Fak. Münster 1914 bis 1989, 1991, S. 95-130;
    Biogr. Lex. Mecklenburg IV (Qu, W, L, P);
    BBKL (W, L);
    RGG.

  • Autor/in

    Karl-Heinz Fix
  • Empfohlene Zitierweise

    Fix, Karl-Heinz, "Schreiner, Helmuth" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 538-539 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118761706.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA