Lebensdaten
1886 bis 1970
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Architekt
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118732218 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • May, Ernst

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Zitierweise

May, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118732218.html [21.06.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Adam (1855–1936), Lederfabr. in F., S d. Gerbereibes. Joh. Martin (1825–1919) in F. u. d. Anne Späth;
    M Clara Pollitz (1857–1923) aus Düsseldorf;
    Breslau 1918 Ilse (1899–1974), T d. Bildhauers Gustav Hartmann u. d. Malerin Luise Follmann;
    2 S, u. a. Klaus (* 1920), Architekt.

  • Leben

    M. begann 1908 das Studium der Architektur in Darmstadt, danach ging er nach München und lernte bei Friedrich v. Thiersch und Theodor Fischer. In die städtebauliche Praxis wurde er durch seine Mitarbeit bei Raimond Unwin in London eingeführt. Seit 1914 war er selbständiger Architekt in Frankfurt. 1919-21 leitete er die schles. Landgesellschaft in Breslau, 1921 wurde er technischer Direktor der gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft „Schles. Heim“ und Herausgeber der gleichnamigen Zeitschrift. In dieser Zeit lernte er Otto Bartning, Max Berg, Hans Poelzig und Hans Scharoun kennen, die ebenfalls in Schlesien wirkten. 1925 wurde M. zum Baurat und Leiter des Hochbau- und Siedlungsamtes der Stadt Frankfurt/Main berufen. Mit einem großen Planungsstab (Adolf Meyer, Herbert Böhm, Werner Hebebrand, Ferdinand Kramer, Martin Elsaesser, Bernhard Hermkes u. a.) erstellte er ein Zehn-Jahres-Programm zur Behebung der Wohnungsnot. Er leitete damit jene große Bauepoche der Stadt ein, die in erster Linie der konsequenten Lösung der Siedlungsprobleme galt, aber auch auf eine Umstrukturierung der gesamten urbanen Kultur zielte. In den Frankfurter Trabantensiedlungen Römerstadt, Praunheim, Westhausen, Riedhof-West und den zahlreichen kleineren Mischbebauungen wie Bornheimer Hang, Riederwald und Höhenblick wurden durch eine neuartige Finanzierungsmethode (Hauszinssteuer) und weitgehende Rationalisierung des Bauprozesses auf der Grundlage eines typisierten Kleinwohnungsbaus erträgliche Mieten erreicht. Der ästhetische Ausdruck des Neuen Bauens, die unkonventionellen Grundrisse, der angemessene Komfort sowie die reiche Durchgrünung und farbige Belebung befriedigten humanitäre Bedürfnisse des sozialen Wohnungsbaus und machten M. als Städteplaner weithin bekannt. Das „Neue Frankfurt“ von 1925-30 gilt seitdem geradezu als Synonym für die praktische Verwirklichung des sozialen Anspruchs im Neuen Bauen der Weimarer Republik. – Seit 1925 war M. Mitglied des Deutschen Werkbundes, seit 1926 in der Architektenvereinigung „Der Ring“ tätig und neben Fritz Wiehert Mitherausgeber der avantgardistischen Zeitschrift „Das neue Frankfurt“. Zusammen mit Le Corbusier, Walter Gropius, Hugo Häring und Victor Bourgeois gründete er 1928 den Congrès International d'Architecture Moderne (CIAM), den CIAM-Kongreß 1929 hielt er unter dem Thema „Die Wohnung für das Existenzminimum“ in Frankfurt ab. 1930 folgte M. einem Ruf der sowjetischen Regierung in die UdSSR, um mit seinem Mitarbeiterstab Planungsaufgaben für russ. Städte und für den Wohnungsbau zu übernehmen. 1934 ging er für fast 20 Jahre als Farmer, Architekt und Städteplaner nach Tansania. Dort baute er zahlreiche Privathäuser, Hotels und Schulen, außerdem eine Residenz für den Aga Khan sowie das Landesmuseum für Uganda in Kampala und das Afrikan. Kulturzentrum in Moshi. Erst 1954 kehrte er nach Deutschland zurück und nahm städtebauliche Aufgaben im Rahmen der Neugestaltung von Großstädten der Bundesrepublik wahr. Er fand zunächst als Leiter der Planungsabteilung der Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft Neue Heimat Hamburg und seit 1957 als selbständiger Architekt und Städteplaner und Berater der Neuen Heimat ein breites|Betätigungsfeld (Neu-Altona b. Hamburg, Alte Vahr b. Bremen, Großbebauungspläne von Mainz, Bremerhaven, Wiesbaden und Neue Vahr). – Dr. phil. h. c., Dr.-Ing. E. h.

  • Werke

    Das soz. Moment in d. neuen Baukunst, in: Das Neue Frankfurt 5/2, 1928;
    Die Wohnung f. d. Existenzminimum, ebd. 11, 1930;
    Wohnungswesen d. Stadt Frankfurt/M., in: Publikation 2 d. Internat. Verbandes f. Wohnungswesen, 1929.

  • Literatur

    H. Fries, Moderne Villen u. Landhäuser, 1925;
    ders., Junge Baukunst in Dtld., 1926;
    G. A. Platz, Baukunst d. neuesten Zeit, 1927;
    R. Höpfner, W. Prigge u. a., E. M. u. d. Neue Frankfurt 1925–30, 1986;
    Ch. Mohr u. M. Müller, Funktionalität u. Moderne, Das Neue Frankfurt u. s. Bauten 1925–33, 1984;
    H. Risse, Frühe Moderne in Frankfurt am Main 1920–33, 1984;
    G. Kahler, Wohnung u. Stadt – Hamburg, Frankfurt, Wien – Modelle soz. Wohnens in den 20er J., 1985;
    Vollmer;
    BHdE II.

  • Autor/in

    Rosemarie Höpfner
  • Empfohlene Zitierweise

    Höpfner, Rosemarie, "May, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 518-519 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118732218.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA