Lebensdaten
vermutlich 1616 bis 1656
Geburtsort
Meißen
Sterbeort
Kitzingen
Beruf/Funktion
Dichter
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118723324 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Klaj, Johann
  • Claius, Johann
  • Claius, Johann der Jüngere
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Zitierweise

Klaj, Johann der Jüngere, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118723324.html [23.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Dietrich, Tuchbereiter in M.;
    M N. N.;
    Nürnberg 1648 Maria Elisabeth, T d. Dr. med. Johann Rhumelius, Stadtphysikus in Neumarkt/Oberpfalz.

  • Leben

    Jugend und Studienzeit liegen weitgehend im Dunkel. Die entscheidenden literarischen Anregungen erhält K. als Theologiestudent in Wittenberg (Matrikeleintrag 1634) durch den Opitzianer Augustus Buchner. Er debütiert mit der Übersetzung eines lateinischen Gedichts seines Lehrers (Joas, Wittenberg 1642). – Seit 1643 lebt K. in Nürnberg, wo er in den folgenden Jahren mit dem öffentlichen Vortrag geistlicher Festtagsdichtungen (sogenannter Redeoratorien) hervortritt und 1644 gemeinsam mit Georg Philipp Harsdörffer den „Pegnesischen Blumenorden“ begründet, die bedeutendste deutsche Sprachgesellschaft des Barockjahrhunderts nach der „Fruchtbringenden Gesellschaft“. Trotz literarischer Anerkennung und der Krönung zum „poeta laureatus“ (1645) findet er, vermutlich infolge seiner Neigung zur Trunksucht, erst 1647 eine bescheidene Bestallung als collega tertius einer Nürnberger Lateinschule. 1650 erfolgt seine Ordination als Pfarrer der Diasporagemeinde Kitzingen. 1649/50 erlebt K. noch einmal eine dichterisch produktive Phase, in welcher weltliche Festspiele aus Anlaß des Nürnberger Friedenskongresses entstehen. – Bereits nach sechsjähriger Dienstzeit in Kitzingen erliegt er einem Schlaganfall.

    K. gehört zu den großen Formbegabungen des deutschen Literaturbarock und dürfte in der Kunst der Klangmalerei in seiner Epoche unübertroffen sein. Die von ihm selbst am Rednerpult rezitierten sechs geistlichen Redeoratorien (Aufferstehung 1644, Höllen- und Himmelfahrt 1644, Herodes 1645, Leidender Christus 1645, Geburt Christi 1650, Engel- und Drachen-Streit 1649 oder 1650), sein Hauptwerk, stellen eine schwierig zu definierende Sondergattung dar, da in ihnen lyrische, epische und dramatische Elemente nur wenig integriert nebeneinander stehen. Primär dienten sie wohl dazu, in einem für das protestantische Stadtbürgertum angemessenen kulturellen Rahmen die neue Opitzsche Dichtkunst und damit die Eignung der deutschen Sprache für eine gelehrte, humanistische, übernationale Hochliteratur zu demonstrieren. Sie enthalten deshalb nicht nur alle in den Poetiken der Zeit empfohlenen Gedichtarten, metrischen Techniken und Bildformen, sondern sind auch mit umfänglichen gelehrten Anmerkungsapparaten ausgestattet, in denen der Bezug der gesamten humanistischen Tradition hergestellt wird (Bibel, Antike, Kirchenväter, zeitgenössische Autoritäten). Ein besonderer dogmatischer Standpunkt ist nicht erkennbar, dafür überrascht die unbekümmerte Anlehnung an jesuitische Dichter (Balde, Sarbievius). – Die poetologische Schrift „Lobrede der Teutschen Poeterey“ (1645) zeigt, daß K.s klangmalerische Ambitionen auf die Auffassung von der besonderen Naturnähe der deutschen Sprache (J. Böhmes u. J. G. Schottels Natursprachenlehre) zurückgehen. Die weltlichen Dichtungen schließen sich formal an die geistlichen an (Irene, 1650; Geburtstag Deß Friedens, 1650). Seine gemeinschaftlich mit Harsdörffer und Sigmund von Birken verfaßten Arbeiten (Pegnesisches Schäfergedicht, 1644/45) begründeten einen eigenen Formtypus, die Nürnberger Gesellschaftsschäferei.

  • Werke

    Ausgg.: Redeoratorien u. „Lobrede d. Teutschen Poeterey“, hrsg. v. C. Wiedemann, 1965;
    Friedensdichtungen u. kleinere poet. Schrr., hrsg. v. dems., 1968;
    Pegnes. Schäfergedicht (mit G. Ph. Harsdörffer u. S. v. Birken), hrsg. v. K. Garber, 1966.

  • Literatur

    ADB 16;
    C. Wiedemann, J. K. u. s. Redeoratorien, 1966;
    M. Keller, J. K.s Weihnachtsdichtung, 1971 (Abhh. u. krit. Text).

  • Autor/in

    Conrad Wiedemann
  • Empfohlene Zitierweise

    Wiedemann, Conrad, "Klaj, Johann der Jüngere" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 703 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118723324.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Klaj: Johann K., bekannt durch seine Theilnahme an den litterarischen Bestrebungen der Nürnberger Pegnitzschäfer, wurde 1616 zu Meißen geboren. Er studirte zu Wittenberg, wo damals Buchner seine Wirksamkeit im Sinne der Opitz'schen Reform entfaltete: dort wurde ihm auch die Ehre der Dichterkrönung zu Theil. 1644 kam er nach Nürnberg, er beschäftigte sich mit Ertheilung von Privatunterricht und kam durch seine Neigung zur Poesie mit Harsdörfer in Verbindung. Beide gründeten zusammen den Blumenorden an der Pegnitz, in welchem K. den Namen des Schäfers Clajus aus Sidney's Roman Arcadia annahm (vgl. hierüber auch Bd. X S. 644 v. Harsdörfer). In dem Pegnesischen Schäfergedichte, welches Clajus noch in dem ersten Jahre seines Nürnberger Aufenthalts in Gemeinschaft mit Harsdörfer (Strephon) entwarf, ist auch die Geschichte seiner Uebersiedelung nach Nürnberg in der damals für schön gehaltenen Pastoralen Einkleidung dargestellt: es wird dort erzählt, wie er, aus Sesemin (Meißen) durch die Kriegsnoth verjagt, nach der alten Neronsburg an der Pegnitz (Nürnberg) kommt und am seiner Wanderung sich mit dem Schäfer Strephon vereinigt. Eine eigenthümliche Stellung unter den Nürnberger Dichtern geben ihm seine geistlichen Dramen, unter denen die bekanntesten: „Hüllen- und Himmelfahrt Jesu Christi", „Der leidende Christus", „Herodes der Kindermörder" in die J. 1644 und 45 fallen. Er zeigt sich hier von der dramatischen Dichtung der Holländer stark beeinflußt; daß er aus seinen Vorbildern manches wirklich entlehnt hat, that seinem Ruhme nach den Anschauungen der Zeit keinen Eintrag. Harsdörfer in den Bemerkungen, die er der Ausgabe des Herodes beifügte, lobt ihn ausdrücklich, weil er „schöne Gedanken aus fremden Poeten schicklich angebracht“ habe. Diese oratorienartigen Dramen kamen in der Weise zur Aufführung, daß nach dem Gottesdienst in der Kirche der Dichter selbst den verbindenden Text vortrug und auch die einzelnen Rollen sprach; so heißt es z. B. im Herodes: „Herodes, als derselbe vergewissert worden, wie ein neuer Stern erschienen und von den Weisen erlernet, wie ein neugeborener König der Juden sich eingestellet, ist sonder Zweifel in zornige Worte heraus gebrochen“ und nun folgen die Worte des Herodes in Versen. Den Versen Klaj's rühmt Harsdörfer nach, daß in ihnen durch den Wechsel des Metrums die verschiedenartigen Gemüthsstimmungen treffend ausgedrückt seien; K. hat besonders durch die von seinem Lehrer Buchner empfohlenen daktylischen Verse Abwechselung in den Ausdruck zu bringen gesucht; dabei wimmeln seine Dramen, wie seine anderen Dichtungen von abenteuerlichen Wortbildungen und Klangspielereien in der bekannten Manier der Nürnberger. In die meisten seiner geistlichen Dramen sind Gesänge eingelegt, die von einem Chor vorgetragen wurden. Dilherr (Bd. V S. 225) hat diese wunderlichen Produkte, wie überhaupt alles, was die Nürnberger auf dem Gebiete der geistlichen Poesie hervorbrachten, unter seinen Schutz genommen. 1647 wurde K. Lehrer an der Sebalder Schule. Die Festlichkeiten, die nach der glücklichen Beendigung des Krieges in Nürnberg gefeiert wurden, hals er mit den übrigen Genossen des Blumenordens verherrlichen, nicht lange nachher (1650) wurde er Pfarrer in Kitzingen, wo er 1656, 40 Jahre alt, starb. Von 1651 ab scheint er dichterisch unthätig geblieben zu sein. Die Nürnberger Cameraderie war in Anpreisung seines Dichterruhmes nicht sparsam; Birken nennt ihn einen hurtigen und tiefsinnigen Poeten; große Freude hat es ihm gewiß bereitet, daß man aus seinem Namen Johannes Claius durch anagrammatische Umstellung die Worte: En hic alius Naso herausbrachte. Aber bald genug hat man auch seine Gedichte in die allgemeine Verurtheilung der Pegnitzschäferlichen Manier mit einbegriffen; Erdmann Neumeister kann ihn nicht unbedingt loben, weil er ab illa Germanicae linguae germana sinceritate longius recederet; Johann Ellas Schlegel schulmeisterte in Gottschedischem Sinne an ihm herum in den Beiträgen zur kritischen Historie der Deutschen Sprache, Poesie und Beredsamkeit. Bd. VII, S. 355 ff. Dieser Aufsatz ist auch später mehrmals zur Charakteristik Klaj's verwerthet worden. Wer sich von seiner Sprachgewandtheit, seiner originellen, barocken Manier einen genaueren Begriff machen will, findet Belehrung bei Tittmann, die Nürnberger Dichterschule, Göttingen 1847, bes. S. 84 ff., S. 161 ff. Außerdem ist noch Bouterwek, Bd. X und namentlich für die dramatischen Dichtungen, Gewinns, Bd. III, zu vergleichen. Das Biographische und Bibliographische bei Herdegen (Amarantes), historische Nachricht etc. (bes. S. 234 ff.), Will-Nopitsch, Goedeke.

  • Autor/in

    Wilhelm Creizenach.
  • Empfohlene Zitierweise

    Creizenach, Wilhelm, "Klaj, Johann der Jüngere" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 50-51 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118723324.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA