Lebensdaten
1882 bis 1946
Geburtsort
Helmscherode bei Gandersheim
Sterbeort
Nürnberg
Beruf/Funktion
Generalfeldmarschall
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118721577 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Keitel, Wilhelm Bodewin Johann Gustav

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Zitierweise

Keitel, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118721577.html [26.09.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Carl (1854–1934), Gutsbes. in H., S d. Wilhelm, Amtsrat, Domänenpächter in Poppenburg, dann Gutsbes. in H., u. d. Marie Grieffenhagen; M Apollonia (1855–88), T d. Bodewin Vissering (1826–85), Ökonomierat, Gutsbes. in Wilhelminenhof b. Dornum/Ostfriesland, Reichstagsabgeordneter 1884/85 (Nat.liberale Partei), u. d. Johanna de Blonay; Ov 2. Grades Paul (1860–1934), Dr. med., preuß. Gen.oberarzt, Leibarzt d. Prinzen Albrecht v. Preußen, Dir. d. Kaiser-Wilhelm-Ak. f. d. Militärärztl. Bildungswesen; B Bodewin (1888–1947), Gen.-Lt., Chef d. Heerespersonalamts 1938–42, dann Kommand. Gen. d. Wehrkreises XX; - Wülfel b. Hannover 1909 Lisa (1887–1958), T d. Armand Fontaine, Rittergutsbes. in Wülfel, u. d. Anna Berge; 3 S, 2 T.

  • Leben

    K. entschloß sich zum Offiziersberuf, obwohl seine Neigungen der Landwirtschaft galten, und begann nach dem Abitur 1901 seine Laufbahn im Niedersächsischen Feldartillerie-Regiment 46 (Wolfenbüttel), mit dem er 1914 als Regimentsadjutant an die Westfront ging. 1915 als Hauptmann ohne die sonst übliche Vorbildung in den Großen Generalstab versetzt, bekleidete er im weiteren Verlaufe des 1. Weltkrieges I a-Stellungen bei der 19. Reserve-Infanterie-Division und beim Generalkommando des Marine-Korps in Flandern. 1919 wurde er in die Reichswehr übernommen und war 1920-22 Taktiklehrer an der Kavallerieschule in Hannover. Geschätzt wegen seiner Arbeitsleistung und starken organisatorischen Befähigung hatte K. zwar auch Truppenkommandos inne (1922-25 Batteriechef, 1927-29 Abteilungskommandeur im Artillerie-Regiment 6), doch wurde seine Verwendung im Truppenamt des Reichswehrministeriums für die weitere Karriere weitaus wichtiger. Hier war er zwischen 1925 und 1927 hauptsächlich mit Fragen des Grenzschutzes Ost befaßt; 1929-33 leitete er (1931 Oberst) die Heeres-Organisationsabteilung (T 2), wo ihm seit 1930 die Vorbereitungen für eine spätere Heeresvermehrung (sogenanntes A[ufstellungs]-Heer), später auch – vorübergehend – Studien zu einer Wehrreform auf Milizbasis sowie die Verbindung zur deutschen Delegation auf der Genfer Abrüstungskonferenz oblagen. In der ersten Phase des Heeresausbaues wurde K. rasch nacheinander Infanterieführer III in Potsdam (1933/34) und Kommandeur der 22. Division in Bremen (1934/35), jedoch bereits am 1.10.1935 zum Chef des Wehrmachtamtes im Reichskriegsministerium ernannt. Bis zu dieser Berufung hatte der Laufbahn K.s nichts Außergewöhnliches angehaftet.

    K., dem die Arbeit in der Zentrale nicht fremd war und der sich spätetens seit 1933 von Hitler „begeistert“ zeigte, wurde nunmehr von der politischen Atmosphäre an der Spitze des nationalsozialistischen Herrschaftssystems erfaßt. Indem er („für mich war es eine Frage des Prinzips“) versuchte, der Stellung des Ministers Blomberg als Oberbefehlshaber „Geltung [zu] verschaffen“, und wegen seiner Vorstellungen von einer einheitlichen Wehrmachtführung (mit einem Wehrmacht-Generalstab) in Konflikt mit dem Generalstab des Heeres und dessen Chef, General Beck, geriet, förderte er zugleich die militärpolitischen Interessen Hitlers. Die vielfach bezeugte negative Beurteilung K.s durch den konservativen Teil der Generalität dürfte von diesem Umstand ihren Ausgang genommen haben.

    Im Zusammenhang mit der Blomberg-Fritsch-Krise Anfang 1938 wurde der Posten des Reichskriegsministers nicht wieder besetzt. Hitler machte sich selbst zum Oberbefehlsbaber der Wehrmacht und berief K. (1937 General der Artillerie) zum Chef des neuen Oberkommandos der Wehrmacht (OKW), das aus dem Rahmen des alten Wehrmachtamtes gebildet wurde und – neben der Zuständigkeit für die „Wehrmachtführung“ – in der Hauptsache ministerielle Funktionen zugewiesen erhielt. K.s neue Position war zwar dem Range nach die eines Reichsministers und ging in der Praxis über eine bloße „militärische Beratung des Führers“ hinaus, doch entbehrte sie jeglicher Befehlsgewalt und verdeutlichte somit von Anfang an eine spezielle Abhängigkeit von der Person Hitlers gerade in militärischen Dingen – trotz ungewöhnlich rascher Beförderungen (1938 Generaloberst, 1940 Generalfeldmarschall). Weder sein administrativer Fleiß noch seine geringe Informiertheit über die Pläne Hitlers bewahrten K. daher vor Verstrickungen in die Aggressionspolitik und später in die Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes. Er pflegte seit 1939 bei Auseinandersetzungen innerhalb der militärischen Führung nicht nur prinzipiell auf der Seite Hitlers zu stehen, dabei oft genug in der Sache die Grenzen soldatischer Loyalität überschreitend, sondern deckte auch in Ausführung von dessen Weisungen völkerrechtswidrige Befehle (zum Beispiel Kommissar-Befehl vom 6.6.1941, Befehl betreffend kommunistische Aufstandsbewegungen in den besetzten Gebieten vom 16.9.1941, Nacht- und-Nebel-Befehl vom 7.12.1941) mit seinem Namen. Gelegentliche Vorstellungen und Widerspruch gegenüber Hitler, selbst Bitten um Enthebung vom Amte fruchteten nie; in Aufzeichnungen, die er im Nürnberger Gefängnis zu Papier brachte, hat K. wiederholt seine Unterlegenheit und ein resignierendes Verhalten bestätigt sowie sein unbefriedigendes Dasein als „Chef de bureau“ und Erfüllungsgehilfe Hitlers beklagt, aus dem sich zu lösen er zu keiner Zeit den Absprung fand, auch wenn er in der Regel über die bessere Einsicht verfügte.

    K. blieb in seiner Stellung als Chef OKW auch nach Hitlers Tode, unterzeichnete am 8.5.1945 im Auftrage Dönitz' die Kapitulation der Wehrmacht vor der Roten Armee in Berlin-Karlshorst und wurde am 13.5.1945 von alliierten Streitkräften in Gefangenschaft übernommen. Im Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärtribunal in Nürnberg wurde er wegen Verschwörung zur Planung und Durchführung eines Angriffskrieges, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gesprochen, zum Tode durch den Strang verurteilt und hingerichtet.

  • Werke

    GFM K., Verbrecher od. Offz.?, Erinnerungen, Briefe, Dokumente d. Chefs OKW, hrsg. v. W. Görlitz, 1961 (P).

  • Literatur

    Hitlers Lagebesprechungen, Die Protokollfragmente s. mil. Konferenzen 1942–45, hrsg. v. H. Heiber, 1962; M. Messerschmidt, Die Wehrmacht im NS-Staat, 1969; K.-J. Müller, Das Heer u. Hitler, Armee u. nat.sozialist. Regime 1933–40, 1969.

  • Autor

    Thilo Vogelsang
  • Empfohlene Zitierweise

    Vogelsang, Thilo, "Keitel, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 412 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118721577.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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