Lebensdaten
1623 bis 1680
Geburtsort
Linz
Sterbeort
Sarospatak (Ungarn)
Beruf/Funktion
Jesuit ; Forschungsreisender
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118698354 | OGND | VIAF: 57409250
Namensvarianten
  • Grueber, Johann
  • Gruber, Johann
  • Grubere, Jean
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Zitierweise

Grueber, Johann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118698354.html [28.09.2020].

CC0

  • Leben

    G. besuchte das Jesuitengymnasium in Linz und trat 1641 in Wien in die Gesellschaft Jesu ein. Nach Studien in Wien und Leoben absolvierte er 1644-47 den philosophischen Kurs in Graz, studierte anschließend noch Mathematik und wirkte dann als Gymnasialprofessor (Magister artium) in Graz, Ödenburg und Leoben. 1651-55 studierte er in Graz Theologie und wurde im gleichen Jahr zum Priester geweiht. Am 20.2.1656 erteilte ihm der Jesuitengeneral Goswin Nickel den Auftrag, zusammen mit P. Bernhard Diestel einen Landweg nach China zu erforschen. Diestel und G.|segelten durch das östliche Mittelmeer, landeten in Smyrna und erreichten vor Weihnachten 1656 Isfahan. Wegen drohender Kriegsgefahr konnten sie ihre Reise nicht auftragsgemäß quer durch Asien fortsetzen. Sie begaben sich daher nach Indien und segelten dann weiter nach Macao, wo sie im Juli 1658 ankamen. Dort gab ihnen der Vizeprovinzial Simon da Cunha am 22.4.1659 die Weisung, sich nach Peking zu begeben und dann in umgekehrter Richtung den Landweg zu erforschen. In Peking wurden sie in das kaiserliche astronomische Amt berufen. Neben ihrer amtlichen und seelsorglichen Tätigkeit trafen nun die beiden Jesuiten eifrig Vorbereitungen zur Rückreise auf dem Landwege nach Europa. Da Diestel 1660 in Tsinanfu starb, wurde der belgische Jesuit Albert d'Orville zu G.s Begleiter für diese Reise bestimmt. Am 13.4.1661 brachen die beiden auf und durchzogen zunächst China in westlicher Richtung. In Hsi-ning schlossen sie sich einer Karawane an und verließen das chinesische Reich am 13.7. Damit betraten sie nunmehr völlig unbekanntes Gebiet. Die Karawane zog am Südufer des Kukunor entlang und durchquerte das tibetanische Hochland in dreimonatigem Zuge in südwestlicher Richtung. Am 8.10.1661 betraten sie als erste Europäer die Stadt Lhasa. Nach einmonatigem Aufenthalt zogen sie mit einer Karawane weiter, überschritten mitten im Winter den Himalaja, durchzogen Nepal und Indien und langten Ende März 1662 im Jesuitenkolleg zu Agra an. Wenige Tage später starb hier d'Orville. An seine Stelle trat P. Heinrich Roth von der Agra-Mission. Am 4.9.1662 brachen G. und Roth von Agra auf, durchquerten Indien, Persien, Kleinasien und erreichten Rom am 20.2.1664. Das kühne Projekt eines Landweges nach Ostasien wurde jedoch mit Rücksicht auf den Widerstand Portugals fallengelassen, obwohl sich Kaiser Leopold I. nachdrücklich dafür einsetzte. G. und Roth erhielten zwar die Erlaubnis, auf dem Landwege mit ihren Begleitern in ihre Missionen zurückzukehren, doch erkrankte G. 1665 in Skutari schwer. Nach seiner Genesung wurde er für die ungarische Mission bestimmt, wo er noch 1½ Jahrzehnte wirkte. Die moderne Forschung hat G.s Expedition einen Ehrenplatz in den Annalen der geographischen Entdeckungsreisen eingeräumt. G. war nicht nur der erste Europäer, der ganz Tibet durchquerte, sondern auch der größte Landreisende des 17. Jahrhunderts und einer der kühnsten Reisenden der Weltgeschichte überhaupt.

  • Werke

    W G. selbst hat nichts veröffentlicht ; noch zu s. Lebzeiten wurden e. kleinerer Teil s. Reiseberr. u. 4 Briefe publiziert:
    M. Thevenot, Relations de divers voyages curieux 4, Paris 1666;
    A. Kircher, China illustrata, Amsterdam 1667;
    ders., La Chine illustrée, ebd. 1670, S. 316-23;
    1 weiderer Brief, der sog. 1. Brief (Surat 7.3.1658) in dt. Übers. in: J. Stöcklein, Der neue Welt-Bott I, Augsburg 1726, S. 111 f.;
    G.s Originalber. an d. Ordensgen. üb. s. Asienreise sowie 3 Denkschrr. veröff. C. Wessels, in: Archivum historicum S. J. 9, Rom 1940, S. 293-304; Ein großer T. d. erhaltenen Schrr. u. Briefe G.s ist noch unveröff.

  • Literatur

    R. Tronnier, Die Durchquerung Tibets seitens d. Jesuiten J. G. u. Albert de Dorville im J. 1661, in: Zs. d. Ges. f. Erdkde. zu Berlin 39, 1904, S. 328-61;
    C. Wessels, Early Jesuit Travellers in Central Asia 1603-1721, Den Haag 1924, S. 164-204;
    ders., New Documents relating to the journey of Fr. J. G., in: Archivum historicum S. J. 9, Rom 1940, S. 281-302;
    A. Väth, Joh. Ad. Schall v. Bell, 1933;
    B. Zimmel, J. G. in Lhasa, 1953;
    ders., in: Österr. Naturforscher, Ärzte u. Techniker, 1957, S. 11-14;
    ders., J. G.s letzte Missionsreise, in: Oberösterr. Heimatbll. 11, 1957, S. 161-80.

  • Autor/in

    Bruno Zimmel
  • Empfohlene Zitierweise

    Zimmel, Bruno, "Grueber, Johann" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 183 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118698354.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA