Lebensdaten
um 1465 bis 1540 oder 1541
Geburtsort
Ulm
Sterbeort
Augsburg
Beruf/Funktion
Bildhauer ; Bildschnitzer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118685139 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Erhart, Gregor
  • Meister des Blaubeurer Hochaltars

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Zitierweise

Erhart, Gregor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118685139.html [20.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Michel s. (2);
    Augsburg 1496 Anna ( 1550), T des Tuchmachermeisters Paulus Mair ( 1525);
    2 S, 2 T, u. a. Paulus ( n. 1577), Bildhauer in der väterlichen Werkstatt.

  • Leben

    E. erwirbt 1494, von Ulm kommend, das Augsburger Bürgerrecht. Es ist der Auftakt zu einer vielseitigen Tätigkeit in eigener Werkstatt, von der uns urkundlich bezeugte Aufträge freilich nur ein ungenügendes Bild geben, da keines dieser Werke erhalten blieb: weder der steinerne Kruzifixus für Sankt Ulrich von 1498, noch der Frühmeßaltar für Sankt Moritz in Augsburg (1502-08) oder das Sakramentshaus für die gleiche Kirche (1502-08), auch nicht das Reiterstandbild für Kaiser Maximilian. Die eigentliche Bedeutung E.s und der Umfang seines Schaffens konnten infolgedessen nur über die Stilanalyse erschlossen werden. Ausgangspunkt ist dabei die Schutzmantelmadonna aus Kloster Kaisheim (Berlin, Deutsches Museum). In ihr darf man mit größter Wahrscheinlichkeit die Mittelfigur des großen Altars erblicken, den die Zisterzienser 1502 bei „den besten III maistern zu Augspurg, als sy zu der zeit weit und prait mochten sein“ bestellt haben, dem Schreiner Adolf Dauher, dem Maler H. Holbeindem Älteren und dem Bildhauer E. Durch Stilvergleich mit dieser Kaisheimer Madonna hat die Forschung weitere Werke für E. ermitteln können. Heute ergibt sich, bei Abweichung in Einzelfragen, im wesentlichen folgendes Bild: E. beginnt nach der Wanderzeit seine bildhauerische Tätigkeit in der Werkstatt des Vaters in Ulm, dessen Ruf und wichtige Aufträge dem Jungen schon früh Gelegenheit zu großen Aufgaben bieten. So entsteht unter anderem um 1485 der Altar für Sankt Maria in München-Thalkirchen, 1493/94 unter den Augen des Vaters der Hochaltar für das Kloster Blaubeuren. Mit E.s Niederlassung in Augsburg beginnt 1494 nicht nur das selbständige Schaffen in eigener Werkstatt, wobei er wiederholt Lernknaben vorzustellen hat, sie bedeutet gleichzeitig das frühe Bekanntwerden mit der Kunst der italienischen Renaissance, die allmähliche Aufnahme und Verarbeitung neuer künstlerischer Eindrücke. Als erstes Zeugnis dieser neuen Ziele blieb uns die Kaisheimer Schutzmantelmadonna (1502–04) erhalten, die den Wandel zu einer Klärung und Vereinfachung der Form bekundet. In dieser Richtung werden die weiteren Arbeiten E.s entwickelt, etwa die herrliche Schutzmantelmadonna in Frauenstein (Oberösterreich) aus dem 2. Jahrzehnt und die Heilige Maria Magdalena im Louvre, ein köstliches Spätwerk von völliger Ausgewogenheit der Form. – Außer Holzbildwerken hat E. auch die Steinplastik gepflegt. Die Reliefs am Höchstetter-Erker in Augsburg (Museum Augsburg) und Statuen und Reliefs des Sakramentshauses in Donauwörth von 1503 belegen seine Tätigkeit auf diesem Gebiet. Vor allem aber haben ihn Grab- und Gedächtnismäler immer wieder beschäftigt. (Epitaph des Arztes Occo von 1503 in Augsburg, Grabstein von Philipp von Stain von 1509 in Jettingen, Epitaph für Ulrich von Rechberg in Augsburg, Ulrich von Wolfersdorf in Eichstätt, Marquart Freer in Dinkelsbühl, für Andreas Zierenberger und Vitus Meler in Augsburg, Bartholomäus Welser in Amberg bei Buchloe [W. Braun]). Den Höhepunkt seiner Anerkennung erlebte E. schon 1509, als er von Kaiser Maximilian I. den Auftrag zu einer Reiterstatue für das Kloster Sankt Ulrich erhielt. Sie wurde zwar nach einer Visierung von Burgkmair vom Bildhauer begonnen, ist aber wegen Verwendung der ausgesetzten Gelder zu andern Zwecken nie vollendet worden. Ein kleines Bronzepferd wird als das Modell für diese Statue angesehen (Berlin, Deutsches Museum). Ob auch die um 1500 entstandene dreifigurige Vanitasgruppe in Wien, ein farbig gefaßtes Holzbildwerk von feinster|Nuancierung, auf eine kaiserliche Bestellung zurückgeht, bleibt unbestimmt. Das gleiche allegorische Thema hat der Meister wesentlich später in der feinen Statuette einer alten Frau (London, South Kensington-Museum) noch einmal abgewandelt. Bis 1531 stand E. selber seiner Werkstatt vor. In diesem Jahr übergab er die Meistergerechtigkeit an seinen Sohn Paulus. – In selbständiger Weiterbildung der väterlichen Kunst gelangte E. auf dem Umweg über eine stärkere spätgotische Stilisierung zu früher Aufnahme und Verarbeitung italienischer Formideale, die er mit deutschem Gefühlsgehalt verbunden hat. Darin lag auch seine Wirkung auf andere Meister.

  • Autor/in

    Gertrud Otto
  • Empfohlene Zitierweise

    Otto, Gertrud, "Erhart, Gregor" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 582 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118685139.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA