Lebensdaten
um 1450 bis 1512
Geburtsort
Hornberg
Sterbeort
Augsburg
Beruf/Funktion
Baumeister
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118997505 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Engelberger, Burkhard
  • Engelberg, Burkhard
  • Engelberger, Burkhard
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Zitierweise

Engelberg, Burkhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118997505.html [18.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    M Katharina Engelberg;
    B Martin, 1512-14 Stadtwerkmeister in Augsburg;
    N. N.;
    S Hans, erbaute in Augsburg die Augustinerstiftskirche z. Hl. Kreuz (1502–08), die Dominikanerkirche (1513–15) u. die Dominikanerinnenkirche St. Katharinen (1516 f.).

  • Leben

    E. wurde 1477 Baumeister des Reichsstiftes Sankt Ulrich und Afra zu Augsburg, 1495 Werkmeister der Stadt und 1506 Augsburger Stadtbaumeister. Von dem Kirchenbau des Reichsstiftes geht das 1499 vollendete Mittelschiff mit dem reichen Nordportal (1497) und der Simpertusempore (1492–96) auf E. zurück; diese zeigt bereits in früher Zeit das Eindringen barockgotischer Tendenzen und eine virtuose Steinmetztechnik, die wir auch am Turm der Bozener Stadtpfarrkirche bewundern. Der von E. 1499 entworfene Turm wurde 1502-19 durch seinen Schüler Hans Lutz ausgeführt. 1496 lieferte E. einen Entwurf für das Katharinenkloster in Augsburg. Dort war er auch am Dombau (Westchorschranken 1501, Sakramentshaus) und am Nordflügel des Kreuzgangs (1486) tätig. In Verbindung mit dem Bildhauer Gregor Erhart lieferte E. 1502-08 für die Augsburger Moritzkirche ein Sakramentshaus sowie einen Brunnen auf dem Weinmarkt (1508). Als Gutachter und Berater ist der Meister an|vielen Orten nachgewiesen, so 1508 in Heilbronn an der Kilianskirche, 1503 auf Burg Helfenstein bei Geislingen, 1505 an der Wölbung der Nördlinger Georgskirche und 1507 am Berner Münsterbau. Seine bedeutendste und zugleich schwierigste Aufgabe wurde jedoch die Rettung des Ulmer Münsterturmes, der 1492 starke Bauschäden zeigte. E. unterfing den Turm nach 1493 und unterteilte auch bis 1507 in konstruktiv außerordentlich geschickter Weise die Seitenschiffe des Münsters durch Einfügung einer Stützenreihe. Die Inschrift seines Grabsteines in Sankt Ulrich und Afra nennt E. mit Recht „Des Pfarrturms zu Ulm und anderer schadhafter Gezarke großen Wiederbringer“. Zu seinen Schülern gehören neben dem Sohn Hans E. die Meister Hans Lutz, Narziß Leutner, Quirin Knoll und Jakob Zwitzel. In seiner Glanzzeit (1493) beschäftigte E. bis zu 117 Gesellen.

  • Literatur

    A. Weyermann, Nachr. v. Künstlern a. Ulm, 1796;
    A. Klemm, Württ. Baumeister u. Bildhauer, in: Württ. Vj.H., 1882;
    H. Klaiber, in: Zs. f. d. Gesch. d. Architektur, Beih. 4, 1911;
    M. Hartig, Das Benediktinerreichsstift St. Ulrich u. Afra, 1923, S. 36, 40 f., 57, 77, 79, 83, = Germania Sacra, Serie B;
    H. Pfister, Wiederherstellungsarbb. an St. Ulrich u. Afra in Augsburg, in: Dt. Kunst u. Denkmalspflege, 1935, S. 72 ff.;
    O. Kletzl, Titel u. Namen v. Baumeistern d. Gotik, = Schrr. d. Dt. Ak. München 26, 1935, S. 28, 42, 87;
    N. Lieb, in: Lb. aus d. Bayer. Schwaben III, 1954, S. 117-52 (L, P);
    ThB.

  • Portraits

    Zeichnung v. H. Holbein d. Ä. (Kopenhagen, Kupf.kab.), Abb. b. Lieb, s. L.

  • Autor/in

    Hans Koepf
  • Empfohlene Zitierweise

    Koepf, Hans, "Engelberg, Burkhard" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 507 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118997505.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Engelberg: Burkhard E. (auch Engelberger), Baumeister aus Hornberg im würtembergischen Schwarzwalde, zu Augsburg den 11. Febr. 1512, taucht zuerst im J. 1477 in Augsburg auf, wo er von Heinrich Frieß, dem Abte des Benedictinerklosters zu St. Ulrich und Afra, um vier Groschen täglich als Parlier gedungen wurde. Er legte alsbald an einem schlecht gestützten Pfeiler des Chores der Kirche von St. Ulrich und Afra eine Probe jener architektonischen Heilkunst ab, welche in der Folge von den Zeitgenossen als seine Specialität erkannt wurde. Dieselbe fiel so gut aus, daß er zum Werkmeister an diesem seit 1474 begonnenen Gotteshause gemacht wurde, dessen Bau er bis zu seinem Tode trefflich leitete. Der junge Meister wuchs unter dieser Arbeit zu einem solchen „Manne und Künstler“ heran, daß nicht blos sein Abt und der Rath der Stadt Augsburg, in welcher er sich als Bürger und Steinmetz niederließ, sondern auch die Herzoge von Baiern und die freien Reichsstädte weit umher um seine Hülfe baten. So wurde er schon im J. 1480 von dem Rathe der Stadt Heilbronn a. N. verschrieben, um seine Meinung über den Weiterbau der St. Kilianskirche abzugeben, weil man den Fundamenten nicht|mehr recht traute. Seine größte Aufgabe aber bekam er in Ulm zu lösen. Als dort im J. 1494 wegen des seit 1492 von einer Senkung der Grundmauer bedrohten Münsterthurmes 28 Baumeister zu einer Berathung versammelt waren, gewannen Engelberg's Vorschläge die Oberhand. Mit der Ausführung selbst betraut, rettete er den Thurm durch eine Reihe von geschickten Vorkehrungen (s. darüber Mauch a. d. u. g. O.), welche im J. 1500 vollendet waren. Er erhielt dafür vom Rath zu Ulm 400 fl. zum Geschenk und jährlich 50 fl. Gnadengeld bis zu seinem Tode. Sein Gehülfe dabei war der von ihm aus Augsburg mitgebrachte Parlier Leonhard Aeltlin von Kellheim, welcher in den J. 1502—7 unter seiner Leitung auch die Seitenschiffe des Münsters durch schlanke Rundpfeiler stützte und theilte. Die Münster-Kanzel, leider vielleicht schon zur Zeit des Bildersturmes in ihrem figürlichen Theile verstümmelt, wurde von E. mit fünf Gesellen zu Augsburg ausgeführt, ein zierliches Werk spätgothischer Ornamentik. Eine im J. 1503 an ihn ergangene Berufung zum Bau der ulmischen Burg Helfenstein bei Geißlingen beweist, daß man ihm in Ulm auch als Festungsbaumeister Vertrauen schenkte.

    Er entzog sich selbst ziemlich weiten Reisen nicht, obwol ihm schon im J. 1496 einmal auf dem Wege von Augsburg nach Ulm das Unglück begegnet war, daß er von Räubern angefallen, an einen Baum gebunden und gänzlich ausgeplündert wurde. In den J. 1501—19 wurde der nördliche Thurm der Pfarrkirche zu Botzen, welcher im J. 1499 durch Brand gelitten hatte, nach seinem Plane erneuert. Um 1502 oder 1503 bat sich ihn die Stadt Nördlingen von seinen Augsburger Herren zu einer Berathung aus. Das J. 1506 brachte ihm die Bestallung zum Stadtbaumeister von Augsburg, wobei er sich aber die Erlaubniß ausbedang, auch außer der Stadt im Umkreise von 20 Meilen Gebäude aufführen zu dürfen. Im J. 1507 folgte er einer Einladung des Berner Rathes zu einer Consultation über den dortigen Münsterbau. Als Steinmetz zeigte er wieder seine Kunst zu Augsburg an dem (längst nicht mehr vorhandenen) ersten Brunnen dieser Stadt aus gehauenen Steinen, einem Aufbau im Zwölfeck mit 4 Röhren, auf dem Weinmarkt, wofür er 300 fl. zum Lohn erhielt. Ohne Zweifel fänden sich in Augsburg auch im Privatbauwesen Spuren seiner bedeutenden Wirksamkeit, wenn nicht diese Stadt sich später unter den Händen des Elias Holl sozusagen ganz in Renaissance umgekleidet hätte.

    Ein großer Verehrer seiner Kunstthätigkeit, sein Zeitgenosse Wilh. Wittwer ( 1512), der Geschichtschreiber des Klosters zu St. Ulrich und Afra, rühmt ihn mit überaus warmen Worten auch als einen redlichen, biederen, edlen und frommen Mann. Nach seinem Tode wurde ihm am nördlichen Portale von St. Ulrich ein Denkstein gesetzt, worauf er als der „viel kunstreiche Architector, der Statt Augspurg Werke vnd St. Ulrichs Gebäu Maister, auch Pfarrthurns zu Vlm vnd anderer schadhaften Gezarken großer Widerbringer“ gefeiert wird. Die Verwaltung der St. Ulrichskirche ehrte sein Verdienst auch noch durch Einräumung eigener Kirchenstühle an seine Familie, welche noch lange bei seinem Hause blieben.

    Eine Profilzeichnung seines Kopfes von der Hand Hans Holbein d. Ae. findet sich im königl. Kupferstichcabinet zu Kopenhagen.

    • Literatur

      Vgl. E. Mauch, Bausteine etc. in den Verhh. d. Vereins für Kunst und Alterth. in Ulm u. Oberschwaben N. R. H. 2 S. 22 ff. (wo auch sein Steinmetzzeichen); Sighart, Gesch. d. b. Künste im K. R. Baiern, S. 460 u. 461; Woltmann, Holbein u. s. Zeit, 2. Aufl. Bd. I. S. 71 u. sonst; Klemm, Würtemb. Baumeister in d. Schriften d. würtemb. Alterth.-Vereins Bd. II. H. 2. S. 15; Fr. Pressel, Ulm und s. Münster (1877) S. 100—103.

  • Autor/in

    Wintterlin.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wintterlin, "Engelberg, Burkhard" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 119-120 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118997505.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA