Lebensdaten
1835 bis 1882
Geburtsort
Lützelflüh (Kanton Bern)
Sterbeort
Bern
Beruf/Funktion
reformierter Theologe ; Politiker
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 118663607 | OGND | VIAF: 77109606
Namensvarianten
  • Bitzius, Albert Berhard
  • Bitzius, Albert
  • Bitzius, Albert Berhard
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Zitierweise

Bitzius, Albert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118663607.html [14.04.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Albert (siehe Jeremias Gotthelf, 1797–1854), Pfarrer und Schriftsteller, S des Pfarrers Sigmund Friedrich Bitzius (1757–1824), aus Berner Bürgerfamilie;
    M Heinrica (Henriette) Elisabeth (1805–72), T des Professors Jakob Emanuel Zeender (1772–1807);
    1867 Ida Urania Ammann, Arzttochter aus dem Thurgau;
    1 S, 5 T.

  • Leben

    B. studierte in Bern und Berlin und wirkte seit 1863 als Pfarrer in Courtelary, seit 1868 in Twann; 1874-78 war er Synodalrat der bernischen Landeskirche. Als Führer des religiösen Liberalismus im Kanton Bern betätigte er sich 1866-82 als Mitarbeiter (1869–78 Redaktor) der „Reformblätter aus der bernischen Kirche“, als liberaler Politiker wurde er 1878 in die bernische Regierung und 1881 in den eidgenössischen Ständerat gewählt. B. war auch, sozial stark interessiert, als Vorkämpfer des eidgenössischen Fabrikgesetzes von 1877 und als Befürworter der Verfassungsrevision von 1874 tätig. Vor allem aber wirkte er weit über sein Land und seinen Tod hinaus als origineller und sprachgewaltiger Prediger.

  • Werke

    Sieben Bände Predigten, 1883-1903 (in Ausw. ins Ungar, übers, v. Nagy Béla, Egyhazi Beszedek Bitzius Alberttöl, 1906);
    R. Handschin, A. B., Nach d. Kirchenj. ausgew. Predigten, 1925;
    400 unveröflentl. Predigtmss. (Stadtbibl. Bern);
    Die Todesstrafe v. Standpunkt d. Religion u. d. theol. Wiss., 1870;
    Berr. „Aus d. Schweiz“, in: Grenzboten 1871–77;
    Zur Verbesserung unserer Strafrechtspflege, 1877.

  • Literatur

    ADB XLVII;
    H. Balmer, A. B., Lb. eines Republikaners, Bern 1888 (P);
    A. Altherr, A. B., Zürich 1913;
    K. Guggisberg, A. B., Wesen u. Werk, Bern 1935 (P);
    W. Nigg, Gesch. d. religösen Liberalismus, Zürich 1937, S. 231 f. u. ö.;
    HBLS II, 1924;
    RGG.

  • Autor/in

    Kurt Guggisberg
  • Empfohlene Zitierweise

    Guggisberg, Kurt, "Bitzius, Albert" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 282 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118663607.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Bitzius: Albert B., Theologe, Regierungsrath im Kanton Bern, geboren am 6. November 1835 im Pfarrhaus Lützelflüh, in Bern am 20. September 1882. Der einzige Sohn des als Volksschriftsteller unter dem Namen Jeremias|Gotthelf berühmt gewordenen Pfarrers Albert B., zu Lützelflüh im bernischen Emmenthal (s. A. D. B. II, 685 u. 686), erinnert er, so verschieden die später von ihm eingeschlagenen Wege sich gegenüber denjenigen des Vaters zeigten — „Vertreter und Wortführer einer alten und einer neuen Zeit im Berner Volksleben“ — „in wunderbarer Wesensübereinstimmung“ an den Vater. Nach der in Burgdorf und in Bern empfangenen Gymnasialbildung begann B. das Studium der Theologie in Bern, worauf er noch Reisen an deutsche Universitäten folgen ließ. Schon hier zeigte er — 1854 war der Vater gestorben — die ausgesprochene Hinneigung zur entschieden fortschrittlich radicalen Richtung, auch in politischen Fragen. Auf das erste seit 1863 an der Grenze des deutschen Sprachgebietes, in Courtelary, bekleidete, anstrengende Pfarramt folgte 1867 die in jeder Hinsicht befriedigende Thätigkeit in dem Pfarrdorfe Twann am Bielersee. Aber schon 1866 war B. als Führer einer ausgeprägten theologischen Richtung innerhalb der Berner Landeskirche hervorgetreten. Um die beiden Brüder Ernst Friedrich ( 1880) und Eduard ( 1891) Langhans, Verfasser des Buches: „Pietismus und Christenthum im Spiegel der äußern Mission“ (Leipzig 1864) und der Schrift: „Die heilige Schrift, ein Leitfaden für den Religionsunterricht an höheren Lehranstalten, wie auch zum Privatgebrauch für denkende Christen“ (Bern 1865), sammelte sich im Pfarrhause des Vaters derselben, Friedrich Langhans ( 1875), in Münchenbuchsee, ein Verein, der alsbald mit dem October 1866 die „Reformblätter aus der bernischen Kirche“ herauszugeben begann; als die hauptsächlich belebende Kraft erprobte sich sogleich der geniale B., der sehr bald durch Anknüpfungen in anderen Kantonen seiner Auffassung einen immer ausgedehnteren Boden zu schaffen wußte. Von seiner Bedeutung als Kanzelredner geben die von 1883 an in fünf Bänden erschienenen „Predigten“ (Bern) glänzendes Zeugniß, ihr Deutsch erinnert an die durch Jakob Grimm an Jeremias Gotthelf gerühmte „Sprachgewalt und Eindruckskraft“. 1878 als Mitglied des Regierungsrathes erwählt, zeigte B. als Erziehungsdirector, als welcher er eine Reorganisation des gesammten Schulwesens plante, die gleiche Hingebung und Arbeitskraft. Außerdem vertrat er den Kanton Bern als Ständerathsmitglied. Ueber seinen politischen Standpunkt schrieb der patriotische Idealist an einen Freund: „Meine Demokratie ist kein absichtliches Demagogenthum, sondern natürliches Bedürfniß“. Mitten in der anstrengendsten Thätigkeit erlag B. einem Herzleiden.

    • Literatur

      Vgl. Balmer, Albert Bitzius, Lebensbild eines Republikaners, Bern 1888 (über Eduard Langhans vgl. R. Steck, Eduard Langhans, ein Zeuge der Geistesfreiheit, Bern 1891), sowie über Bitzius den Artikel Hans Blum's, Sammlung bernischer Biographien, Bd. III, S. 48—60.

  • Autor/in

    ***
  • Empfohlene Zitierweise

    ***, "Bitzius, Albert" in: Allgemeine Deutsche Biographie 47 (1903), S. 5-6 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118663607.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA