Lebensdaten
1802 bis 1875
Sterbeort
Kiesen (Kanton Bern)
Beruf/Funktion
Religionsphilosoph
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 131362798 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Romang, Johann Peter
  • Romang, J. P.
  • Romang, Peter

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Zitierweise

Romang, Johann Peter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd131362798.html [22.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Christian (1756–1822), Landwirt, Schmied, Agent;
    M Anna Maria Mösching (1766–1824), aus pol. einflußreichem Saanergeschlecht;
    2 B Christian (1789–1869), Notar, Ger.präs., Reg.statthalter (s. Bern. Biogrr. II, 1898), Johann Jakob (1792–1857), Landwirt, 5 J. als „Schweizer“ in Rußland tätig;
    1838 Margaritha, T d. Pfarrers Samuel Ziegler;
    1 S, 1 T.

  • Leben

    R. besuchte 1818-22 das Gymnasium in Biel, studierte 1822-27 Theologie an der Berner Akademie und wurde 1828 ordiniert. 1826/27 lernte er als Hauslehrer bei Sigmund Karl Ludwig v. Steiger (1787–1863) die Philosophie Johann Friedrich Herbarts (1776–1841) kennen. 1829/30 studierte R. in Berlin, wo ihn neben Hegel v. a. Schleiermacher beeindruckte. Danach versah er in Bern, seit 1832 als Professor, den vakanten Lehrstuhl für Philosophie, wurde aber 1834 bei der Umwandlung der Akademie zur Universität von der liberalen Regierung übergangen. 1837-50 war R. Pfarrer in Därstetten im Simmental, 1851 Gymnasialrektor in Biel, 1852-64 Pfarrer in Niederbipp. Seinen Ruhestand verbrachte er in Kiesen.

    1835 erschien „Über Willensfreiheit und Determinismus“, in dem R. Welt und Geschichte als durch ein vernünftiges moralisches Gesetz bestimmt auffaßt, dessen Endzweck die Vollkommenheit des Ganzen ist, in dem letztlich auch das Böse aufgeht. Das Werk fand weithin Beachtung, u. a. bei Christian Hermann Weisse, Isaak August Dorner, Karl Philipp Fischer, Friedrich Eduard Beneke sowie bei Herbart, den es nebst einer Rezension von R.s Buch zu der R.s vermeintlichen Spinozismus kritisierenden Schrift „Zur Lehre von der Freiheit des menschlichen Willens“ (1836) anregte. 1841 legte R. in seinem Hauptwerk „System der natürlichen Religionslehre“ in kritischer Auseinandersetzung v. a. mit Schleiermacher, Kant und Spinoza dar, daß natürliche und positive Religionen einander näher stünden als meist angenommen. Damit widersprach er der christentums- bzw. religionskritischen Tendenz seiner Zeit (David Friedrich Strauß, Ludwig Feuerbach), während er bei Bernard Bolzano, Richard Rothe und Alexander Schweizer Zustimmung fand.

    In der zweiten Hälfte der 40er Jahre ergriff R. an der Seite seines liberalen Freundes Eduard Bloesch (1807–66) gegen den politischen Radikalismus Partei. Vor Pfarrern sprach er in dieser Umbruchszeit über brisante Themen wie „Die Bedeutung des Kommunismus“ (1847) und „Einheit und Trennung von Kirche und Staat“ (1849). R. sah in der Sozialen Frage das Hauptproblem seiner Zeit; den revolutionär-atheistischen Kommunismus lehnte er ab, forderte aber gesellschaftliche Solidarität sowie politische Reformen. Angesichts der raschen Individualisierung, Säkularisierung und der Marginalisierung von Religion und Kirche befürwortete er statt der Trennung von Kirche und Staat eine Emanzipation der Kirche vom Staat. Der Frage, wie Kirche unter Berücksichtigung des außer und in ihr wachsenden Pluralismus bekennende Kirche sein könne, sind zahlreiche Publikationen aus R.s letztem Lebensdrittel gewidmet. Für seine Leistungen auf den Gebieten der Religionsphilosophie, der Theologie und der Politik in einer Zeit revolutionären Umbruchs fand R. in Fachkreisen allgemeine Anerkennung und wurde von seinem theol. liberalen Antipoden Alois Emanuel Biedermann als „ungewöhnlich feiner, scharfer Geist“ und „tief ethische Natur“ gelobt. Eine längerfristige Wirkung blieb R.s Philosophie indes versagt.

  • Literatur

    ADB 53;
    R. Dellsperger, J. P. R. im Spiegel seines Briefwechsels, in: Humanität u. Glaube, Gedenkschr. f. Kurt Guggisberg, 1973, S. 147-70;
    ders., J. P. R. (1802-1875), Philos., Theol., christl. Glaube u. pol. Verantwortung in rev. Zeit, 1975 (W, L);
    ders., J. P. R.s Fragen, in: Saaner Jb. 6, 1984, S. 9-67 (P);
    ders., Kirche in d. „Springflut d. Zeit“. Vier Reden v. Albert Bitzius u. J. P. R. aus d. J. 1844/45 u. 1849, in: H. P. Holl u. J. H. Wäber (Hg.), „… zu schreien in d. Zeit hinein …“, Btrr. zu Jeremias Gotthelf/Albert Bitzius (1797–1854), 1997, S. 195-234 (P);
    Bern. Biogr. III, 1898, S. 24-27;
    Ziegenfuß;
    BBKL.

  • Portraits

    Lith. v. K. Durheim nach e. Porträt v. Heinrich Fischer, Abb. in: R. Dellsperger, J. P. R.s Fragen. S. 63, u. in: ders., Kirche in d. „Springflut d. Zeit“, S. 217 (s. L).

  • Autor/in

    Rudolf Dellsperger
  • Empfohlene Zitierweise

    Dellsperger, Rudolf, "Romang, Johann Peter" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 16 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd131362798.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA