Lebensdaten
um 1440 bis 1497
Beruf/Funktion
Palästinapilger ; Mainzer Domdekan
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118660047 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Breydenbach, Bernhard von
  • Breidenbach, Bernhard von
  • Breydenbach, Bernhard von
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Zitierweise

Breidenbach, Bernhard von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118660047.html [21.09.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus dem oberhessischen Rittergeschlecht Breidenbach zu Breidenstein (Ministerialen, Erzdiözese Mainz);
    V Gerlach der Jüngere (1439 Ritter, 1497), S des Gerlach dem Älteren und der Leickel von Erfortshausen;
    M Lysa, T des Grafen Gerlach von Wied-Isenburg und der Agnes Herrin von Büdingen.

  • Leben

    B., der sich 1456 in Erfurt immatrikulierte, war Stiftsherr zu St. Alban, Liebfrauen und St. Viktor in Mainz. Als Jurist (Dr. jur. utr. et art.) war er Amtmann des Mainzer Domkapitels in Bingen und 1477-1491/92 Kämmerer des weltlichen Stadtgerichts. 1484 wirkte er als Domdekan und Anführer der Palliumsgesandtschaft des Erzbischofs Berthold von Henneberg. - B. stand in enger Verbindung zu Buchdruck und bildender Kunst seiner Zeit in Mainz. Seine Berühmtheit verdankt er der gedruckten Beschreibung seiner Pilgerreise, die er zusammen mit dem unterwegs gestorbenen Graf Johann zu Solms-Lich, dessen Begleiter Ritter Philipp von Bicken und dem Mainzer Maler Erhard Reuwich von Utrecht unternommen hatte (25.4.1483-2.2.1484). Das Werk - entsprechend den beiden Reisezielen Jerusalem und Sinai in zwei Abschnitte geteilt - erschien in drei Originalausgaben und war mit vorzüglichen Holzschnitten und Stadtansichten von der Hand Reuwichs ausgestattet. Als Verfasser des Buches, das 1485 niedergeschrieben wurde, ist B. selbst anzusehen, auch wenn einige historische und theologische Zufügungen auf seinen Wunsch hin von dem gelehrten Dominikaner Martin Roth gemacht wurden. Nach seiner Rückkehr verfaßte B. im Frühjahr 1484 eine handschriftliche Reiseinstruktion für den Grafen Ludwig von Hanau-Lichtenberg (Darmstadt, Staatsarchiv). Ferner vollendete er den „Gart der Gesuntheit“, das berühmte erste gedruckte Kräuterbuch in deutscher Sprache. Er war der Herausgeber dieses noch im 15. Jahrhundert vielfach nachgedruckten Volksarzneibuches; er verfaßte die Vorrede, während der Text von dem späteren Frankfurter Stadtarzt Johann Wonnecke von Cube in B.s Auftrag aus älteren handschriftlichen Quellen kompiliert und übersetzt wurde. Reuwich schuf auch den größten Teil der Illustrationen des Kräuterbuches. Die beiden Druckwerke von 1485 und 1486, die ihre Entstehung der Initiative B.s verdanken, sind die hervorragendsten Leistungen unter den illustrierten Mainzer Frühdrucken; die Holzschnitte Reuwichs vergegenwärtigen den künstlerischen Höhepunkt der mittelrheinischen Buchillustration des 15. Jahrhunderts.

  • Werke

    Peregrinationes in Terram Sanctam …, Mainz 11.2.1488 (lat.), 21.6.1486 (dt.), 24.5.1488 (holländ.), GW, Nr. 5075, 5077, 5081;
    Gart d. Gesuntheit, Mainz 28.3.1485 (Faks.: Hortus sanitatis, 1924).

  • Literatur

    ADB III;
    R. Röhricht, Bibl. geogr. Palaestinae, 1890, S. 132-36 u. ö.;
    ders., Dt. Pilgerreisen, Innsbruck 21900, S. 164-65;
    W. Kisky, Die Domkapitel d. geistl. Kurfürsten, 1906, S. 120;
    H. W. Davies. B. v. B. and his journey to the Holy Land 1483 to 1484, A Bibliogr., 1911;
    A. Schramm, Bilderschmuck d. Frühdrucke XIV. 1931, Nr. 37, 189 bis 569, XV, 1932, Nr. 1-24;
    F. Uhlhorn, Zur Gesch. d. B.schen Pilgerfahrt, in: Gutenberg-Jb., 1934, S. 107 bis 111;
    R. Oehme, Die Palästinakarte aus B. v. B.s Reise ins Hl. Land 1486, in: Zbl. f. Bibl.-wesen, Beih.75, 1950, S. 70-83;
    Die Dt. Inschrr. II, Heidelberger Reihe II/l (Mainzer Dom), 1951/52, Nr. 206, 243, 244, 265;
    LThK (unter Bernhard);
    E. Brodführer, in: Vf.-Lex. d. MA I, Sp. 200 ff. (L);
    eigene Stud.

  • Portraits

    Plastik, Grabdenkmal (Mainzer Dom), Abb. in: R. Kautzsch, Der Mainzer Dom u. s. Denkmäler I, 1925, Tafel 82 u. 99.

  • Autor/in

    Reimar Fuchs
  • Empfohlene Zitierweise

    Fuchs, Reimar, "Breidenbach, Bernhard von" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 571 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118660047.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Breidenbach: Bernhard v. B. (Breydenbach), Sohn des hessischen Ritters Gerlach des Jüngern v. B., seit 1450 Mitglied des Domcapitels, von 1484 an Domdecan zu Mainz, 5. Mai 1497 (laut seiner Grabschrist bei Werner, Der Dom von Mainz 1, 294), machte sich bekannt durch ein Reisewerk, das seinen Namen trägt. Er ergriff nämlich in Gemeinschaft mit einem jungen Grafen Johann v. Solms und einem Ritter Philipp v. Bicken den Pilgerstab im Frühjahr 1483, besuchte Palästina und den Sinai und kehrte über Aegypten Anfangs 1484 in die Heimath zurück. Die Beschreibung der Reise erschien im J. 1486 zuerst in lateinischer, dann einige Monate darauf in deutscher Sprache und machte so großes Aufsehen, daß sie binnen kurzem ins Niederländische, Französische und Spanische übertragen wurde. Diesen Ruf verdankte sie wol nicht so sehr den Mittheilungen, welche sie über Palästina bringt; denn hier sah B. wenig mehr als die meisten andern Pilger; was über Jerusalem und seine nächste Umgebung hinausgeht, wird dem zwei Jahrhunderte ältern Burchardus de Monte Sion entlehnt. Aber das Interesse des Buches steigt mit den Schilderungen aus der Sinaihalbinsel und namentlich aus Aegypten. Von dem Domherrn selbst, der sich nur als principalis auctor (im deutschen Text: Angeber) bezeichnet, rührt wahrscheinlich blos die Erzählung der Reiseerlebnisse im engsten Sinn, während der stilistische und oratorische Aufputz wie die theologischen und historischen Beigaben (namentlich die Darstellung der Lehrsätze der orientalischen Religionsparteien) das Werk des Pforzheimer Dominicaners Martin Roth oder Röth, Schulrectors in Heidelberg, sind (s. Fel. Fabri Evagatorium ed. Hassler 1, 347. 353. 2, 18), welcher nicht zur Reisegesellschaft gehörte. Einen ganz besonderen Werth verleihen dem Buch die Holzschnitte, darstellend eine Reihe von Städten, welche die Reisenden von Venedig bis Jerusalem berührten, auch Trachten von Orientalen, exotische Thiere, alles nach der Natur aufgenommen von dem geschickten Maler Erhard Rewich aus Utrecht, welcher die ganze Reise auf Kosten Breidenbach's mitmachte. Die ausgezeichnete Treue dieser Bilder hebt Felix Fabri, Breidenbach's Reisegenosse von Jerusalem ab, wiederholt hervor (Evagat. 1, 329. 344. 353. 3, 436); ihre Auffassung und Gruppirung verräth ein geübtes Künstlerauge; ihre Ausführung in Holzschnitt preist Rumohr (Zur Geschichte und Theorie der Formschneidekunst S. 77 f.) als eine für jene Zeit ganz ungewöhnliche technische Leistung. Auffallend, aber unbestreitbar ist, daß dieser Maler und Formschneider Rewich, obwol sonst nicht als Drucker bekannt, im J. 1486 auch den Druck der beiden ältesten Ausgaben des Reisewerks, sowie im J. 1488 den der holländischen Uebersetzung „zu Mainz in seinem Haus“, doch vielleicht mit geborgten Schöffer'schen Lettern ausführte. Wenn so nicht geläugnet werden kann, daß B. von seinen reichen Mitteln einen für Erd- und Völkerkunde fruchtbaren Gebrauch machte, so ist ihm dagegen nur durch eine gewagte Hypothese (von Schaab, Gesch. der Erf. der Buchdruckerkunst 1, 528 und Stricker in der medicinischen Zeitschrift Janus, Bd. 1. 1846, S. 779 ff.) das Verdienst zugeschrieben worden, die naturgetreue Beschreibung und Zeichnung orientalischer Pflanzen durch seine Reisebegleiter angeordnet und das Resultat davon im sogen. Ortus sanitatis niedergelegt zu haben (s. dagegen Pritzel in der Botan. Zeitung v. 13. Nov. 1846 und Ernst Meyer im Janus Bd. 3. 1848, S. 91 ff.).

    • Literatur

      Ueber Breidenbach's Lebensumstände s. Schaab, Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst 1, 530 ff., über seine Abstammung Kneschke, Allg. deutsches Adelslexikon 2, 43. Die ältesten Ausgaben des Reisewerks beschreibt sehr genau Moser im Serapeum Bd. 3 (1842), S. 56 ff., 65 ff., 81 ff., im Uebrigen vgl. Tobler, Biblioth. geograph. Palestinae, p. 55—57 und die dort weiter citirten Bibliographen, endlich Dibdin, Biblioth. Spencer. III, 216 ss.

  • Autor/in

    Heyd.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heyd, Wilhelm von, "Breidenbach, Bernhard von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 285 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118660047.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA