Lebensdaten
1871 bis 1952
Geburtsort
Hannover
Sterbeort
Berlin-Dahlem
Beruf/Funktion
Historiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118659715 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Brackmann, Albert Theodor Johann Karl Ferdinand
  • Brackmann, Albert
  • Brackmann, Albert Theodor Johann Karl Ferdinand
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Zitierweise

Brackmann, Albert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118659715.html [23.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus altem Braunschweiger Stadtgeschlecht, im 18. Jahrhundert Beamten- und Pastorenfamilie;
    V Albert (1835–1878), Oberlehrer in Hannover, S des Superintendenten Johann David in Dungelbeck und der Louise Fabricius;
    Ur-Gvv August Friedrich (1753–1828), Konsistorialrat und letzter hildesheimischer General-Superintendent in Alfeld, Herausgeber des „Hildesheimer Gesangbuchs“, leistete durch Schaffung einer neuen Kirchen- und Gottesdienstordnung und Gründung eines Lehrerseminars in Alfeld wichtige Kirchen- und Schulreformarbeit;
    M Wilhelmine (1848-1933), T des Fabrikanten Theodor Mirow in Hannover, aus alter Pastorenfamilie, und der Wilh. Georgine, T des Industriellen Johann Heinrich Egestorff ( 1834) in Hannover-Linden;
    Irmgard, T des Carl Jaehnigen, Präsident der Oberzolldirektion Hannover;
    1 S, 1 T.

  • Leben

    B. studierte seit 1889 in Tübingen, Leipzig und Göttingen Theologie, insbesondere Kirchengeschichte, wandte sich aber nach bestandener 2. Prüfung endgültig dem Studium der Geschichte und der geschichtlichen Hilfswissenschaften zu. Als Schüler von P. F. Kehr eröffnete er die lange Reihe seiner wissenschaftlichen Publikationen mit einer methodisch beispielgebenden Untersuchung der Geschichte des Halberstädter Domkapitels (1898) und begann dann als Mitarbeiter der Monumenta Germaniae Historica für die Ausgabe des Liber Pontificalis die Papstviten des 8. und 9. Jahrhunderts zu bearbeiten. 1901 wurde ihm im Rahmen der von Kehr geleiteten Regesta pontificum Romanorum die Ausgabe der Germania pontificia, der Sammlung und kritischen Regestierung der Papsturkunden für deutsche Empfänger bis 1198, übertragen. Das Material der bis heute vorliegenden fünf Bände wurde größtenteils von ihm selbst gesammelt, die ersten beiden Bände auch von ihm bearbeitet und von mustergültigen Untersuchungen diplomatischer und verfassungsgeschichtlicher Probleme begleitet (Studien und Vorarbeiten zur Germ. pont. I, 1912). Inzwischen war B. 1902 als Oberlehrer nach Hannover zurückgekehrt, ging aber 1905 als außerordentlicher Professor nach Marburg, 1913 als ordentlicher Professor nach Königsberg, 1920 nach Marburg zurück. 1922 folgte er einem Ruf nach Berlin.

    Die Beschäftigung mit den Papsturkunden führte B. schon bald auf die Frage nach deren Wirkung auf die deutschen kirchlichen Verhältnisse und weiter zur Untersuchung der für die politische Geschichte des Mittelalters grundlegenden Beziehungen zwischen Kaisertum und Papsttum und deren geistigen Voraussetzungen. In zahlreichen Arbeiten über den Investiturstreit, seine Vorgeschichte und seine Folgen behandelte er die Ursachen der geistigen und politischen Wandlungen im 11. und 12. Jahrhundert, versuchte aber auch die Grundlagen der Beziehungen zwischen Kaisertum und römischer Kirche seit 800 zu klären. B.s Untersuchung der päpstlichen Privilegien für das Erzbistum Magdeburg führte zu einer ganz neuen Wertung der Ostpolitik des Reiches seit den Karolingern. Es ist sein bleibendes Verdienst, den jahrzehntelangen Streit um die Kaiserpolitik des Mittelalters durch den Nachweis der wechselseitigen Abhängigkeit von Italienpolitik und Ostpolitik entschieden|zu haben. Die für seine weiteren Arbeiten entscheidende Hinwendung zur Geschichte des deutschen Ostens im Rahmen der Kaisergeschichte wurde noch gefördert, als er als Nachfolger Kehrs 1929 zum Generaldirektor der Preußischen Staatsarchive, 1935 auch zum Kommissarischen Leiter des Reichsarchivs ernannt wurde. In dieser Stellung konnte B. der deutschen Ostforschung wertvolle wissenschaftliche und organisatorische Impulse geben. Mit der Gründung der sog. Publikationsstelle am Preußischen Geheimen Staatsarchiv als Forschungsinstitut und der Herausgabe des Sammelwerks „Deutschland und Polen“ (1933) anläßlich des Internationalen Historikerkongresses in Warschau trat B. auf wissenschaftlicher Grundlage unberechtigten polnischen Gebietsansprüchen entgegen. An der Gründung der Nord- und Ostdeutschen Forschungsgemeinschaft, der Vereinigung der maßgebenden deutschen Ostforscher, und an der Herausgabe der Schriftenreihe „Deutschland und der Osten“ (1936 ff.) war er maßgeblich beteiligt.

    Das staatliche Archivwesen verdankt B.s Wirksamkeit eine grundlegende Neuordnung der Fachausbildung durch Errichtung des „Instituts für Archivwissenschaft und geschichtswissenschaftliche Fortbildung“ am Preußischen Geheimen Staatsarchiv (1931). Auch nach seiner Versetzung in den Ruhestand (1936) war B. als wissenschaftlicher Organisator außer in den genannten Gremien an leitender Stelle in der Zentraldirektion der Monumenta Germaniae Historica, der Historischen Reichskommission, der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Zentralstelle für Nachkriegsgeschichte tätig.

  • Werke

    Bibliogr. (149 Nummern), in: Ges. Aufsätze v. A. B., … Festgabe … 1941, S. 529 ff.

  • Literatur

    W. Ohnsorge, in: HZ 166, 1952, S. 580-86;
    ders., in: Bll. f. dt. Landesgesch. 89, 1952, S. 348;
    ders., in: Niedersächs. Jb. 24, 1952, S. 252-54;
    F. Baethgen, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1952, S. 169-74 (P);
    H. Büttner, in: HJb. 73, 1953.

  • Autor/in

    Hans Goetting
  • Empfohlene Zitierweise

    Goetting, Hans, "Brackmann, Albert" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 504-505 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118659715.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA