Lebensdaten
1766 – 1826
Geburtsort
Karlsruhe
Sterbeort
Karlsruhe
Beruf/Funktion
Architekt ; Maler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118630229 | OGND | VIAF: 73928379
Namensvarianten
  • Weinbrenner, Johann Jakob Friedrich
  • Weinbrenner, Friedrich
  • Weinbrenner, Johann Jakob Friedrich
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Zitierweise

Weinbrenner, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118630229.html [23.05.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Ludwig (1729–76), aus Untermünkheim b. Schwäb. Hall, Hofzimmermeister in K. (s. ThB), S d. Johann Friedrich (1697–1772), Zimmermeister, hohenlohe-waldenburg. Schultheiß;
    M Anna Rebekka (1737–82), T d. Johann Erhardt Arnold (erw. 1736 / 44), Bau- u. Hofzimmermeister in K.;
    Ur-Gvv Markus (um 1667–1725), Zimmermeister in Haagen b. Untermünkheim;
    Om Philipp Jacob Paul Arnold (1736–1814), Hofzimmermeister in K., städt. Baumeister in Straßburg (s. u.);
    B Johann Ludwig (1764–1832), Zimmermeister in K., Schw Maria Catharina (1762–90), Catharina Friederike (1769–1806, Karl Drechsler, Blechner in K.);
    Straßburg 1798 Margaretha Salomé (1774–1815, Cousine), T d. Philipp Jacob Paul Arnold (1736–1814), Hofzimmermeister in K., städt. Baumeister in Straßburg (s. o.), u. d. Margaretha Salomé Zimmer, aus Straßburg;
    1 S (früh †), 3 T (1 früh †) Friederike (1799–1861, Ernst Friedrich Holtz, Hptm. in K.), Julie Dorothea (1801–75, Adolph Walz, Assessor in K.);
    Schwager Johann Christoph Arnold (um 1750–89), Zimmermeister u. Ratsverwandter in K., Friedrich Jakob Arnold (1762–1823), Baumeister in Straßburg, Georg Eckard Arnold (1764–1844), aus Straßburg, Oberbaurat, Kreisbaumeister in Offenbach/ Main, ghzgl. hess. Baudir., Christian Johannes Arnold (1766–1848), Baumeister in Straßburg;
    N Christoph Johann Jakob Arnold (1779–1844), 1797–1805 erster Schüler W.s in K., Architekt, bad. Oberbauinsp., Friedrich Johann Andreas Arnold (1786–1854), besuchte 1802–04 W.s „Bauschule“ in K., Architekt, bad. Mil.dir., Johann Ludwig (1790–1858), besuchte 1802–08 W.s „Bauschule“ in K., Architekt, Bez.baumeister 1819 in Müllheim, später in Lörrach, 1825 in Baden-Baden u. 1835 in Rastatt (s. ThB);
    Gr-N Adolf (1836–1921), Geh. Oberbaurat, Prof. f. Architektur am Polytechnikum in K. (s. BJ III, Tl.; ThB);
    Ur-Gr-N Friedrich (1876–1937), Reichsbahnoberbaurat.

  • Biographie

    Hineingeboren in eine Familie mit langer Tradition im Zimmereihandwerk, erlernte auch W. diesen Beruf. Daneben fiel er durch musische Talente auf und erhielt Zeichen- und Musikunterricht. 1780 begann er seine Zimmermannslehre und nahm gleichzeitig Unterricht bei dem Karlsruher Baumeister Christian Heinrich Fahsold (1728–1807) im technischen und dem Maler Karl Friedrich Autenrieth (1750–1824) im freien Zeichnen. Ab 1782 führte W. den Familienbetrieb, als nach dem frühen Tod des Vaters auch seine Mutter starb und sein Bruder Johann Ludwig die übliche Wanderschaft antrat. Vor allem der Mathematik und Physik wegen besuchte W. zugleich das Karlsruher Lyzeum, wo ihn Johann Lorenz Böckmann (1741–1802) unterrichtete.

    1790 begab sich W. mit dem Jugendfreund Karl Gabriel v. Haller (1766–1814) auf eine Studienreise an die Kunstakademien in Wien, Dresden und Berlin, wo er Ästhetik bei Karl Philipp Moritz (1756–93) und Baukonstruktion bei Friedrich Christian Becherer (1747–1823) belegte. Nachhaltige Eindrücke hinterließen auch die persönlichen Begegnungen, v. a. mit Carl Gotthard Langhans (1732–1808), Hans Christian Genelli (1763–1823) und David Gilly (1748–1808). In Berlin entstanden W.s erste Entwürfe für die neue Stadtmitte Karlsruhes.

    Von Berlin aus brach W. 1792 nach Rom auf, begleitet von den dän. Malern Asmus Jakob Carstens und Johan Herman Cabott. In Rom schloß er sich einem anderen Jugendfreund an, dem Maler Feodor Iwanowitsch (Ivanoff, gen. Kalmück) und trat mit zahlreichen Künstlern in Kontakt, darunter Friedrich Bury, Jacob Philipp Hackert, Johann Erdmann Hummel, Angelika Kauffmann, Christoph Heinrich Kniep, Joseph Anton Koch, Johann Christian Reinhart und Alexander Trippel; auch Gelehrte wie Carl Ludwig Fernow, Aloys Hirt und Johann Georg Zoëga, und Förderer, wie Prinz August Friedrich v. England-Hannover (1773–1843) und Gf. Ernst Friedrich Herbert zu Münster (1766–1839) gehörten zu seinem Bekanntenkreis.

    Einige von ihnen unterrichtete W., v. a. in Perspektive und Archäologie. Fachlichen Respekt erwarb er sich durch die zeichnerische Rekonstruktion von Bauten nach antiken Schriftquellen. Sein „Bad des Hippias“ nach Lukian schickte er Anfang 1794 zusammen mit Entwürfen für ein neues Rathaus seiner Heimatstadt dorthin; für Aloys Hirt fertigte er die Tafeln für dessen Werk „Die Baukunst nach den Grundsätzen der Alten“ (1809). Zu eigenen Entwürfen inspirierten W. die einfachen Wohnhäuser Italiens nach eigener Auskunft mehr als die antiken Monumente.

    Wegen der Feindseligkeit gegenüber Ausländern in Folge der napoleonischen Besetzung verließ W. Rom im Juni 1797, begleitet von Hans Kaspar Escher (1775–1859), dem Maler Alexander Macco (1767–1849) und ab Florenz von Johann Heinrich Meyer (1760–1832), Goethes Ratgeber in Kunstfragen. Anfang Okt.| traf W. nach Aufenthalten in Zürich, wo er mit Johann Caspar Lavater (1741–1801) verkehrte, und Straßburg, wo er sich mit seiner dort ansässigen Cousine Margaretha Arnold verlobte, in Karlsruhe ein. Dort fand er zum 23. Okt. eine Anstellung als Bauinspektor.

    Noch im selben Jahr stellte W. seinen ersten „Generalbauplan“ für das neue Zentrum der Residenzstadt Karlsruhe fertig. In einer neuartigen Geradlinigkeit und Schlüssigkeit ordnete er die Elemente entlang der verlängerten Schloßachse an, der sog. „via triumphalis“: Rathaus, Ev. Stadtkirche, bürgerliche und herrschaftliche Wohn- sowie Geschäftshäuser. Die Fassaden trugen Züge einfacher mediterraner Bauten.

    Im Anschluß konnte W. in Karlsruhe erste Gebäude errichten, 1798–1800 die Synagoge und 1799 / 1800 das Haus Wohnlich am Rondellplatz. Er tat dies bereits in seinem typischen Stil, in dem er kubische Baukörper mithilfe weniger, funktional begründbarer Formen subtil gliederte. Parallel entwarf und leitete er 1798 den Wiederaufbau der abgebrannten Altstadt von Gernsbach, der innerhalb weniger Monate mit Zugeständnissen an die lokalen Bauherren und Baumeister weitgehend abgeschlossen wurde.

    Während dieser Arbeiten heiratete W. im Juli 1798 in Straßburg seine Verlobte, nahm dort seinen Wohnsitz und wurde franz. Staatsbürger. Er bearbeitete auch Entwürfe für die revolutionäre Republik, so 1799 eine große, forumartige Anlage für den Wettbewerb zum nie realisierten Nationaldenkmal in Bordeaux, für die ausgeführten Denkmäler für General Louis Desaix (1800–04, Straßburg, Île d’Epis, seit 1960 Place de la Bourse) und General Michel de Beaupuy (1801, Volgelsheim) sowie für den Wettbewerb zum Denkmal für die Grande Armée auf der Place de la Madeleine in Paris (1806).

    Frankreich hatte W. aber bereits verlassen, nachdem ihm Anfang 1800 die Stellung des Baudirektors im Kg.reich Hannover angeboten worden war. Ab März hielt er sich dort auf und entwarf ein Lyzeum und den Umbau des Kleinen Theaters sowie ein Mustergefängnis, das in Springe, Nienburg und Koldingen realisiert wurde. Ein zweiter Aufenthalt von Jan. bis März 1802 galt u. a. einer neuen Schloßwache für Hannover und dem Umbau der Paulinerkirche in Göttingen in eine Universitätsbibliothek.

    Die angebotene Stelle trat W. jedoch nicht an, sondern kehrte im Aug. 1800 nach Baden zurück; im Juni 1801 wurde er Nachfolger von Wilhelm Jeremias Müller (1725–1801) als Baudirektor, 1807 Oberbaudirektor. Die größten Anstrengungen seines Amtes verlangte der Ausbau der Residenz- und Hauptstadt Karlsruhe. Spät und mit Unterbrechungen entstanden die Kernbauten, die W. durch zusätzliche Funktionen zu mehrteiligen Gebäudekomplexen erweiterte: das Rathaus mit Fleisch-, Korn- und Mehlhalle sowie Gefängnisturm (1805–25), ferner die Ev. Stadtkirche mit Lyzeum und Landeskirchenverwaltung (1807–16). Hingegen entstanden private Bauten rasch und durchbrachen mit individuellen Baukörpern auffällig die Einförmigkeit des ersten Generalbauplans, v. a. das Haus des Generals v. Beck (1800–05), das eigene Wohnhaus am Ettlinger Tor (1801–03) und das Mgfl. Palais (1803–14).

    Insbesondere in seinem „Architektonischen Lehrbuch“ (3 Bde., 1810–25) gab W. eine ausführliche Begründung für seine Entwurfsauffassung und -lehre. Nicht „Gleichförmigkeit“ sei demnach das Ideal in der Architektur, sondern „Formenreichhaltigkeit“. Im Vorbild der antiken Architektur betonte er die Freiheit in der Anwendung der klassischen Formen, lehnte starre Regeln und Nachahmung ab; in Einzelfällen zitierte er auch altägyptische oder mittelalterliche Formen.

    Aus dem Drang, den Entwurfsprozeß deutlich zu erklären und begründen, spricht W.s Nähe zu den Themen der Aufklärung. In seiner universalen Perspektive hoben sich die Unterschiede zwischen funktionalen Bauaufgaben (Rathaus, Kirche, Theater usw.), sozialen Ständen sowie zwischen dem Bauen für Stadt oder Land auf. Als seine eigenen Bezugspunkte offenbarte er u. a. die humanistische Tradition (Andrea Palladio), den modernen Rationalismus (Jean-Nicolas Louis Durand), die aufgeklärte Pädagogik (Johann Heinrich Pestalozzi), eine erneuerte Charakterlehre (Aloys Hirt), eine anthropologisch geprägte Ästhetik (Karl Philipp Moritz) bis hin zu einer bewußt „praktischen Ästhetik“ (Johann August Eberhard). Über Themen der Architektur, aber auch die Entstehung der Farben und der Planeten, stand W. im Austausch etwa mit Karl August Böttiger, Johann Friedrich Cotta, Johann Wolfgang Goethe, Christian Gottlob Heyne, Heinrich Meyer, Christian Ludwig Stieglitz, Johann Ludwig Klüber, Ernst Ludwig Posselt und Johann Heinrich Voß.

    Erst jüngst wurde aufgezeigt, daß sich W. vehement für den Erhalt historischer Denkmale einsetzte; er rettete z. B. die Abteikirche St. Blasien und den gotischen Chor der Em-| mendinger Stadtkirche und setzte 1812 die erste dt. Denkmalschutzverordnung durch (s. Worte u. Werke, 2017).

    W. war der gefragteste Architekturlehrer seiner Generation in den dt. Ländern. Durch seine „Bauschule“, die er im Spätjahr 1800 in seinem Wohnhaus einrichtete, gingen rund 100 Schüler, darunter Georg Moller, Heinrich Hübsch, Alexis de Chateauneuf, Melchior Berri, Friedrich Eisenlohr, Friedrich August Ludwig Hellner, Karl Joseph Berckmüller, Hans Voß, Rudolf Burnitz und Friedrich v. Gärtner.

    Auch wenn seine universale und rationale Architekturauffassung von Strömungen herausgefordert wurde, die einzelne Motive, das Material oder die Konstruktion in den Vordergrund stellten, blieb W. weiterhin geschätzt. 1814 wurde ihm die Leitung des sächs. Bauwesens angeboten, was er ablehnte. 1817 realisierte er den Umbau des Theaters in Leipzig. 1820 wurde er mit dem Bau des Theaters für Düsseldorf beauftragt; im April reiste er dorthin und weiter in die Niederlande. 1825 noch mit einer Fülle von Auszeichnungen bedacht, starb er im Frühjahr des folgenden Jahres in seinem Haus in Karlsruhe an „Wassersucht“.

  • Auszeichnungen

    |Mitgl. d. Ak. d. bildenden Künste in München (1812);
    Mitgl. d. Preuß. Ak. d. Künste in Berlin (1818);
    bad. GR (1825);
    Rr. d. hess. Zivilverdienstordens (1825);
    Dr. phil. h. c. (Heidelberg 1825);
    Ehrenmitgl. d. Preuß. Ak. d. Künste in Berlin u. d. Ak. d. bildenden Künste in München (1825);
    W.-Medaille d. Univ. u. d. Stadt Karlsruhe;
    – F.-W.-Ges. e. V. (Karlsruhe, 2010).

  • Werke

    Weitere W u. a. Bauten: Karlsruhe: Palais d. Mgfn. Amalie (1801–03), Ettlinger Tor (1803–05), Projekt Lange Straße (1806), Hoftheater (1807 / 08), Stephanienbad Beiertheim b. Karlsruhe (1807–11), Haus d. Mus.ges. (1813 / 14), Palais d. Mgfn. Christiane Louise (1817–22), Pyramide (1823–25), Münze (1826 / 27);
    Baden-Baden: Haus Maier/ Palais Hamilton (1808);
    Hotel Bad. Hof (1807–09);
    Konversationshaus (1821–24);
    bei Pforzheim: Gut Bauschlott (1806–09);
    Gut Katharinental (1808 / 09);
    Murgtal: Schloß Eberstein (1803 / 04);
    Gut Rotenfels (1816–18);
    Landkirchen: Kleinsteinbach (1807–17);
    Scherzheim (1810–12);
    Langensteinbach (1826–28);
    Stadtpläne: Kehl (1801 ff.), Lahr (1810–13);
    Schrr.: Ueber d. wesentl. Theile d. Säulen-Ordnungen u. d. jetzige Bauart d. Italiäner, Franzosen u. Deutschen, 1809;
    Ueber Theater in architekton. Hinsicht, mit Beziehung auf Plan u. Ausführung d. neuen Hoftheaters zu Carlsruhe, 1809;
    Architekton. Lehrb., 3 T., 1810–25, neu ed. u. erg. 2015;
    Bemm. d. Baumeisters z. Kritik e. Miniatur-Mahlers über einige baukünstler. Gegenstände, 1817;
    Entwürfe u. Ergg. antiker Gebäude, 3 T., 1822;
    Ausgeführte u. projectirte Gebäude H. 1, 2, 3 u. 7, 1822–35, Nachdr. 1978;
    Worte u. Werke, hg. v. U. M. Schumann, 2017 (Ill.);
    Autobiogr.: Denkwürdigkeiten aus seinem Leben (…), hg. (…) v. A. Schreiber, 1829, weitere Aufll. 1920 u. 1958;
    Nachlaß: Karlsruher Inst. f. Technol., Fachgebiet Baugesch.;
    Univ. of Pennsylvania, Philadelphia, Architectural Archives;
    StadtA Karlsruhe;
    GLA Karlsruhe.

  • Literatur

    |ADB 41;
    A. Schreiber, F. W., Ein Denkmahl d. Freundschaft, 1826 (P);
    A. Valdenaire, F. W., Sein Leben u. seine Bauten, 1919, ²1926 (P), Nachdrr. 1976 u. 1985;
    O. Fiederling, Dimensionierung d. architekton. Glieder, Ein Gesetz, abgeleitet aus d. Bauten F. W.s, 1766–1826, 1930, zugleich Diss. Karlsruhe 1929;
    F. Hirsch, Der Fall Leonelli u. einige baukünstler. Gegenstände, Karlsruhe o. J. [1931];
    A. Tschira, Der sog. Tulla-Plan z. Vergrößerung d. Stadt Karlsruhe, in: Werke u. Wege, FS f. Dr. Eberhard Knittel z. 60. Geb.tag, 1959, S. 31–45;
    K. Lankheit, Btrr. zu seinem Werk, in: Fridericiana, Zs. d. Univ. Karlsruhe, 19, 1976, S. 5–50;
    ders., F. W. u. d. Denkmalskult um 1800, 1979;
    F. W. 1766–1826, Ausst.kat. Karlsruhe 1977 (P);
    F. W., Architect of Karlsruhe, A Cat. of the Drawings in the Architectural Archives of the Univ. of Pennsylvania, Ausst. kat. Philadelphia u. a. 1986;
    C. Elbert, Die Theater F. W.s, Bauten u. Entwürfe, 1988;
    G. Leiber, F. W.s städtebaul. Schaffen f. Karlsruhe, 2 T., 1996–2002 (P);
    B. Fischer, Der Bad. Hof 1807–1830, Cottas Hotel in Baden-Baden, Marbacher Mag., 79, 1997 (P);
    H.-J. Im, Karlsruher Bürgerhäuser z. Zt. F. W.s, F. W. u. d. Weinbrenner-Schule, IV, 2004;
    U. M. Schumann, F. W., Klassizismus u. „praktische Ästhetik“, 2010 (P);
    ders., Promenade d. Klassik – F. W. in Baden-Baden, 2015 (P);
    ThB;
    Killy;
    NDBA (P);
    Pogg. II;
    Dict. of Art.

  • Porträts

    |F. Iwanowitsch (Ivanoff, gen. Kalmück), Öl/ Lwd., um 1800 (Staatl. Kunsthalle Karlsruhe);
    ders., Kupf., 1809;
    ders., Öl/ Lwd., um 1810 (Privatbes.);
    C. Sandhaas, Radierung, 1822;
    Gipsbüste v. A. Raufer, um 1825 (Karlsruher Inst. f. Technol., Südwestdt. Archiv f. Architektur u. Ing.bau);
    Gruppenbild mit Fam., anon., Öl/ Lwd., um 1825 (Staatl. Kunsthalle Karlsruhe).

  • Autor/in

    Ulrich Maximilian Schumann
  • Zitierweise

    Schumann, Ulrich Maximilian, "Weinbrenner, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 632-634 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118630229.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Biographie

    Weinbrenner: Friedrich W., Architekt, geboren 1766 in Karlsruhe, zu einer Zeit, da es in seinem Vaterlande noch keine Bildungsanstalten für Künstler gab. Er sah sich daher auf seinen Vater, einen tüchtigen Zimmermeister, angewiesen. Allein der Vater starb früh und der Jüngling war ohne Führer, bis der Major Lux, dem Baden die erste Einrichtung einer Artillerieschule verdankt, auf das Talent des jungen W. aufmerksam wurde. Dieser ertheilte ihm Unterricht im Zeichnen und in der Mathematik. Daneben beschäftigte er sich mit dem Bauwesen praktisch unter Leitung seines Bruders, eines ausgezeichneten Maurermeisters. Im J. 1787 ging er nach Zürich, um den Bau einiger Gebäude zu leiten und dann zu einem Jahrescurs an die Akademie nach Wien. Auf seiner Rückkehr kam er nach Berlin, und ging dann auf das Zureden des Malers Carstens nach Italien, wo die Werke der alten classischen Architektur einen mächtigen Eindruck auf ihn machten und jetzt sah er seine Richtung klar vorgezeichnet. Er suchte in den Geist der alten Bauwerke einzudringen, was ihm bei seinem Talente in hohem Grade gelang. Das frühere mangelhafte Studium der Baukunst wurde jetzt auf haltbare Grundsätze zurückgeführt und in allen seinen Schöpfungen traten antike Formen dem manierirten Modekram seiner Vorgänger entgegen. In Rom unternahm er mehrere sinnreiche Restaurationen antiker Gebäude. In Sicilien fesselten ihn wol die griechischen Bauten Pästums; er kam aber überhaupt seitdem über den Kreis der alten römischen Kunst nicht hinaus und sie war ihm maßgebend in allen Verhältnissen. Das drückt sich in allen seinen Werken aus, theilweise in großer Nüchternheit, sodaß z. B. seine vielen Bauten in Karlsruhe monoton und leer erscheinen. Die edelste Blüthe griechischer Baukunst blieb ihm fremd. In früheren Werken über Architektur galt er freilich als Wiederhersteller der classischen Kunst, in der erst Schinkel später den lebensvollen Organismus zur Anschauung gebracht. Weinbrenner's Streben war indessen doch von größter Bedeutung, und die Schule, welche er gründete, verwaltete gewissenhaft das anvertraute Gut. W. wies in seinem Unterricht beharrlich auf die Werke der classischen römischen Architektur hin. Soviel er aber auch zur Läuterung des Geschmacks beitrug, für die Werke der mittelalterlichen Kunst hatte er keine Würdigung. Der romanische und gothische Stil blieb unbeachtet. So große Anerkennung auch seine in Italien ausgeführten Pläne und perspectivischen Ansichten bei seiner Rückkehr in Karlsruhe 1797 fanden, wurde ihm doch nur eine geringe Anstellung zu theil. Er ging deshalb nach Straßburg, wo er Gelegenheit fand, sein Talent von der glänzendsten Seite zu zeigen. Er fertigte den Plan zum Monumente des Generals Desaix, des Generals Beaupuy bei Neubreisach und den Entwurf zu dem vom französischen Directorium projectirten Nationaldenkmal der Republik in Bordeaux. Diese Arbeiten gründeten den Ruhm des Meisters und verschafften ihm einen Ruf nach Hannover, doch bewirkte die Gräfin v. Hochberg seine Anstellung als Bauinspector in Karlsruhe. Hier öffnete sich ihm ein glänzender Wirkungskreis und er nahm in der Folge die höchste Stelle seines Faches ein. Nach Müller's Tod ernannte ihn der Großherzog Karl Friedrich zum Oberbaudirector des Landes. Er baute die neue katholische und lutherische Kirche, die Synagoge, das Rathhaus, das Theater, das Ettlinger Thor, das Palais Hochberg, das Gartenpalais der Markgräfin Friedrich, die ältere Kaserne etc. etc. Nach seinen Plänen wurde die Stadt erweitert, aber in ihrer Einförmigkeit nicht verschönert. Auf den Bau des Theaters richtete er sein besonderes Augenmerk und wollte auch hier die alte classische Form angewendet wissen, gab auch 1809 ein Werk heraus über das Theater in architektonischer Hinsicht. Auch die bildenden Künste umfaßte sein reger Sinn, besonders die historische Malerei und die Plastik als selbständige Kunst. Von seinen schriftstellerischen Arbeiten sind zu erwähnen ein architektonisches Lehrbuch in drei Theilen. Nach dem Tode seiner Gattin lebte er einzig in der Kunst und Litteratur. Hochgeschätzt als Künstler und als Mensch war W. und sein gastliches Haus ein von allen Gebildeten gesuchtes.|Er schrieb eine Selbstbiographie, welche nach seinem 1826 erfolgten Tode erschien: Fr. W., Denkwürdigkeiten aus seinem Leben, von ihm selbst geschrieben. Herausgegeben und mit einem Anhange versehen von Dr. A. Schreiber. Heidelberg 1829.

    • Literatur

      Vgl. Nagler.

  • Autor/in

    L. Katzenstein.
  • Zitierweise

    Katzenstein, Louis, "Weinbrenner, Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 41 (1896), S. 500-502 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118630229.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA