Lebensdaten
1741 bis 1807
Geburtsort
Chur (Schweiz)
Sterbeort
Rom
Beruf/Funktion
Malerin
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118721224 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kaufmann, Angelica
  • Kaufmann, Angelika
  • Kauffmann, Angelika
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Zitierweise

Kauffmann, Angelica, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118721224.html [23.04.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joseph Johann (1707–82), Kirchen- u. Porträtmaler (s. ThB), S d. Bauern Hans in Schwarzenberg/Bregenzer Wald u. d. Katharina Mayer;
    M Cleopha (1717–57), T d. Bartholomäus Luz in Ch. u. d. Judith de Canobia;
    Halb-B Joseph (1734–82), Maler (s. ThB);
    - 1) 1768 (?, Ehe annulliert) „Graf Horn“, 2) London 1781 Antonio Zucchi (1726–95), Maler (s. ThB), S d. Kupferstechers Francesco Zucchi (1692–1764) in Venedig (s. ThB); kinderlos; Verwandter Jean (1866–1924), Medailleur, Graveur, Xylograph, Bildhauer, Heraldiker, Miniaturmaler (s. ThB).

  • Leben

    K.s Vater, der 1740-42 in Diensten des Fürstbischofs von Chur stand und 1742-52 als Porträtmaler in Morbegno (Veltlin) tätig war, sah seine Hauptaufgabe in der Ausbildung von K.s frühreifem Talent. Aus diesem Grunde zog er nach Como (1752) und schließlich nach Mailand (1754), wo sich tüchtige Lehrer für seine künstlerisch und musikalisch gleichermaßen begabte Tochter fanden. Bis zu seinem Tode blieb er ihr treuer Begleiter. In Como und Mailand kopierte K. alte Meister und erwarb sich bereits als Porträtistin einen Namen (1752 Bildnis des Bischofs von Como, Nevroni). Nach dem Tode der Mutter (1757) kehrten K. und ihr Vater|in dessen Heimat Schwarzenberg zurück, wo sie die Dorfkirche mit Freskoarbeiten nach der Stichfolge Piazettas ausmalten (12 Apostel; 1800 malte sie die „Krönung Mariens“ für den Hochaltar). Es folgten Aufenthalte in Meersburg und Tettnang, wo man K. auch als Pianistin und Sängerin bewunderte. Während einer Italienreise über Mailand (1762), Parma, Bologna nach Florenz und Rom (1763) fiel die endgültige Entscheidung gegen die Musik und für die Malerei als Lebensberuf. In Florenz kopierte K. Cinquecento-Meister, verfertigte ihr „Selbstbildnis in Bregenzerwäldertracht“ für die Uffizien und wurde Mitglied der Akademie. In Rom kam sie mit den Malern Battoni und A. R. Mengs sowie mit dem Altertumsforscher J. J. Winckelmann in Berührung, die starken Einfluß auf ihren Malstil und ihre Kunstauffassung ausübten; das bekannte Bildnis Winckelmanns entstand 1763. 1763/64 studierte K. in Neapel Architekturmalerei und Perspektivzeichnen bei Clérisseau, wahrscheinlich auch bei Piranesi. 1764 wurde sie Mitglied der „Accademia di San Lucca“ und trat in nähere Verbindung zur britischen Künstlerkolonie in Rom (N. Dance, G. Hamilton und andere). Im folgenden Jahr reiste sie nach Bologna und Venedig; koloristische Einflüsse der alten Venezianer (Tizian, Tintoretto, Veronese, Ricci, Rosalba) und jüngerer Meister (Longhi, A. Zucchi, Novelli, Bartolozzi) auf ihre Malerei lassen sich von hier ab datieren. Die Bekanntschaft mit Lady Wentworth, der Frau des englischen Gesandten in Venedig, setzte einen Markstein in K.s Leben: Zusammen mit ihrem Vater reiste sie 1766 über Paris nach England. Der 15jährige Londoner Aufenthalt brachte ihr nicht nur künstlerischen, sondern auch gesellschaftlichen und materiellen Erfolg. Sie gewann die Freundschaft und Protektion J. Reynolds' und wurde zu einer der avanciertesten Künstlerinnen auf dem neuen Gebiet der Mythologie, daneben zur gesuchten Bildnis- und Historienmalerin. Zahlreiche Radierungen entstanden, außerdem Wand-, Decken- und Kamindekorationen. 1768 verzeichnete sie die Royal Academy of Arts als Gründungsmitglied. Zu ihrer Bekanntschaft gehörten die Spitzen der englischen Kunst, daneben prominente Diplomaten und Exilierte wie der Naturwissenschaftler und spätere französische Revolutionspolitiker J. P. Marat. Mit Klopstock und S. Geßner stand K. in Briefwechsel; Illustrationen zum „Messias“ entstanden.

    1767 saß K. einem Hochstapler und Heiratsschwindler auf, der sich für einen schwedischen Grafen Horn ausgab; nach wenigen Monaten wurde die Ehe wieder geschieden. Im Juli 1781 heiratete sie den venezianischen Historienmaler und Vedutisten Antonio Zucchi und verließ noch im selben Monat mit ihm und ihrem Vater London, um über Schwarzenberg und Venedig nach Rom zu reisen. Dort konnte sie das künstlerische und finanzielle Erbe des gerade verstorbenen Mengs und des gealterten Batoni antreten, nachdem sie im Januar 1782 als Professor in die venezianische Malakademie aufgenommen worden war. Im Sommer 1782 malte sie in Neapel die königliche Familie und unterrichtete 2 Jahre später die königlichen Prinzessinnen; eine feste Anstellung als Hofmalerin schlug sie jedoch selbstbewußt aus („meine umstände erlauben mir meine freyheit zu erhalten“). Mit kaufmännischem Sinn ausgestattet, konnte K. zwischen 1782 und 1790 ihre Bildpreise verdoppeln.

    K.s großer Erfolg beruhte nicht zuletzt auf ihrer Frühreife und Weiblichkeit sowie auf ihrem geistreichen, liebenswürdigen Wesen. Ihre „Residenz auf dem Pincio“ – K. war 1782 in Mengs' ehemalige Wohnung auf Trinità de' Monti eingezogen – wurde zum Mittelpunkt jenes künstlerischen und gesellschaftlichen Lebens, das die klassischen Romfahrer vom Ende des 18. Jahrhunderts genossen und priesen. Kaiser Joseph II. (1784), Karl Theodor (1783) und Ludwig (1805) von Bayern, der englische Gesandte Lord Hamilton, Goethe (der porträtiert wurde und hier zum erstenmal aus „Iphigenie“ vorlas), Herder, Sophie Albertine von Schweden und Amalie von Sachsen-Weimar, die Maler David, Tischbein und Hackert sowie Canova und Giovanni Gherardo Rossi, um nur wenige zu nennen, kehrten ein und verstärkten K.s Renommee als Persönlichkeit und Künstlerin, was sich wiederum für den Verkauf ihrer Bilder finanziell vorteilhaft auswirkte. Hochgeehrt starb der „Raffael unter den Frauen“ 1807, Gellerts Gedichte in der Hand. Bei der Beerdigung in San Andrea delle Fratte hielten die Vorsteher der Akademien das Bahrtuch, mit ihnen Canova.

    K.s Werk fand in unzähligen Stichwerken Verbreitung in ganz Europa. Ihr hoher internationaler Ruhm machte seit der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts sehr rasch einer allgemeinen Geringschätzung Platz. Ihre idealisierten Porträts, so tadelte man, seien zu süßlich, ihre Kunst insgesamt zu wenig originell. Als Epigone des süddeutschen Barock sei es ihr nicht gelungen, den Übergang zum Klassizismus zu vollziehen. K.s künstlerischer Einfluß in Porträt und Mythologie besonders auf englische Künstler wie David Allan, Alexander Runciman und William Brown ist indessen nicht zu leugnen. Wichtig erscheint zudem, daß K. die deutsche Malerei als eine der ersten wieder in internationale Berührung und zusammen mit Mengs und Hackert zu übernationaler Bedeutung geführt hat. Zugleich ist sie ein frühes Beispiel selbstbewußten freischaffenden Künstlertums, da sie – und das wiegt für sie als Frau doppelt schwer – mit menschlicher und künstlerischer Gewandtheit, mit Klugheit und Fleiß sich von Mäzenatentum und Hofdienst freizuhalten wußte.

  • Literatur

    ADB 15;
    G. C. Zucchi, Memorie storice di M. A. K.-Zucchi, 2 Bde., 1788-98;
    G. G. de Rossi, Vita di A. K., pittrice, 1810, dt. Übers. v. A. Weinhart, Leben d. berühmten Mahlerin A. K., 1814 (geht z. T. üb. Rossi hinaus);
    W. Schram, Die Malerin A. K., 1890;
    F. A. Gerard, A. K., 1892;
    E. Engels, A. K., 1903;
    V. Manners u. G. L. Williamson, A. K., Her life and her works, 1924;
    K. Ziegler, Orpheus in Renaissance u. Neuzeit, in: Kunstgeschichtl. Stud., Festschr. f. Otto Schmitt, 1951, S. 239 ff.;
    A. Hartcup, El arte de A. K., in: Goya, 1957, Nr. 18, S. 407;
    W. Hugelshofer, A. K. u. Goethe in Rom, in: Pantheon 20, 1962, S. 109 ff.;
    C. Helbok, Zwei Werke v. A. K., in: Mitt. d. Österr. Gal. 7, 1963, S. 45 ff.;
    dies., Miss Angelica, 1968;
    H. Schöny, Die Herkunft d. Malerin A. K., in: Adler, Zs. f. Geneal. u. Heraldik 8, 1969, S. 81-83. Kat.: Exhibition of Paintings by A. K. (Iveagh Bequest, Kenwood), London 1955;
    A. K. u. ihre Zeitgenossen, Bregenz (Vorarlberger Landesmus.) u. Wien (Österr. Mus. f. angewandte Kunst) 1968/69;
    The Age of Neo-Classicism (The Arts Council of Great-Britain), London 1972. -
    Wurzbach XI (W, L, P-Nachweis);
    ThB (auch f. Fam.).

  • Portraits

    Selbstbildnis (Mus. d. bild. Künste, Budapest), Abb. in: Dt. Barock u. Rokoko v. G. Biermann, 1914;
    Denkmal v. Canova, 1807.

  • Autor

    Hans-Wolf Jäger
  • Empfohlene Zitierweise

    Jäger, Hans-Wolf, "Kauffmann, Angelica" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 340-342 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118721224.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kaufmann (Marie Anna) Angelika K., Malerin, geb. am 30. Ott. 1741 zu Chur, wohin ihr Vater, der Maler Johann Joseph K. (aus Schwarzenberg im Bregenzerwalde) von dem dortigen Bischofe berufen war, um ein Gemälde für dessen Kirche auszuführen. Dort hatte er sich mit Cleopha Luz verheirathet, ging aber schon im September 1742 nach Morbegno im Veltlin, wo er sich beinahe zehn Jahre mit Porträtmalen beschäftigte. Hier unter der|zärtlichen Pflege der Eltern, deren einziges Kind sie blieb und unter dem Einflusse einer schönen und großartigen Natur enwickelte sich Angelika in rascher und erfreulicher Weise. Ohne absichtlich zur Kunst angeleitet zu werden, trat schon früh und gleichsam spielend der Trieb zur Malerei in ihr hervor, welchen der Vater, ganz im Gegensatze zu dem harten Ismael Mengs, ohne alle Strenge so zu leiten wußte, daß ihr die Arbeit stets als Freude und Erholung erschien, die sie allen anderen Vergnügungen vorzog. So kam es, daß sie schon in einem Alter von neun Jahren durch wohlausgeführte Pastellbilder allgemeine Bewunderung erregte, als ihr Vater 1752 nach dem schönen Como übersiedelte, wo zur seitherigen Kunstübung auch noch das Studium der Wissenschaften und die Pflege der Musik und des Gesanges hinzutrat. Einige Zeit mag sie selbst wol innerlich unschlüssig gewesen sein, welchem Kunstberufe sie zu folgen habe, wenigstens stellte sie sich auf einem ihrer späteren Bilder wie zweifelnd und unschlüssig dar zwischen den allegorischen Gestalten der Musik und der Malerei. Letztere trug schließlich den Sieg davon, wozu gewiß der große Erfolg mithalf, den sie in ihrem elften Jahre durch das Bildniß des damaligen Bisthumsverwesers von Como errang, und welches der Anlaß zu zahlreichen anderen Aufträgen wurde. Eine neue Welt ging ihr auf, als der Vater 1754 nach Mailand zog und sie die Werke der besten Meister aus der lombardischen Schule studiren und copiren konnte; auch hier fanden ihre Porträtbilder große Anerkennung, nachdem sogar der Gouverneur Reginald von Este und die Herzogin von Massa-Carrara ihr gesessen waren. Mitten unter diesen Erfolgen überraschte sie der Tod ihrer Mutter (am 1. März 1757) und ein Antrag aus der Heimath, die Pfarrkirche zu Schwarzenberg auszumalen. Vater und Tochter gingen bald an die Arbeit: K. übernahm die Deckengemälde, während Angelika die zwölf Apostel (nach Piazzetta) an den Wänden in Fresco ausführte — ein gewiß seltenes Beispiel, daß zarte Frauenhand in dieser Technik sich bethätigte. Nach Vollendung dieser Arbeit, die eine sehr warme Empfehlung an den Cardinalfürstbischof Roth von Constanz zur Folge hatte, kam eine bewegte Zeit, in welcher häufiger Wechsel des Aufenthaltes und mannigfaltige Bestellungen Hand in Hand gingen, die Malerin aber sehnte sich nach Italien: über Mailand und Parma (wo sie Correggio's Fresken entzückten) wandte sie sich 1762 nach dem kunstreichen Florenz und im folgenden Jahre nach Rom, wo sie bald mit Winkelmann in Berührung und Freundschaft gerieth; sie zeichnete und radirte (1764) den großen Kunstgelehrten: Das Bild ist in Ausdruck und Behandlung so sicher, so charakteristisch, daß man wol glauben möchte, das Blatt sei das Werk eines gereiften Mannes und nicht eines achtzehnjährigen Mädchens. Hier wurde ihr jene schwärmerische Auffassung des klassischen Alterthums eigen, welche Oppermann die "Sentimentalität der Antike" benannte, ihr weich angelegtes Wesen versenkte sich in liebevollster Begeisterung in diese ideale Welt. Bald rief sie der Auftrag, einige Gemälde der königlichen Gallerte in Neapel zu copiren, nach dieser zauberischen Stadt; ihre Stellung war hier ebenfalls eine hochgeachtete, sie wurde mit Aufträgen von hochgestellten Personen und namentlich von reichen Engländern überschüttet. Von Rom ging sie 1765 zum Studium der Carracci's nach Bologna und Venedig, wo sie durch Tizian, Paul Veronese und Tintoretto ihre kunstgeschichtlichen Erfahrungen abschloß. Eingeladen von der Lady Wentworth reiste Angelika 1766 mit dieser Dame nach England, ihre Aufnahme daselbst war über alle Erwartung glänzend; mit der Prinzessin von Wales wetteiferte die stolze Aristokratie, Alles wollte von ihrer Hand gemalt sein. Das von Josua Reynolds gemalte Bildniß (gestochen von Bertalozzi, C. Morace u. A.) zeigt Angeliken in diesem Stadium. Leider fiel sie in die Netze eines Hochstaplers, welcher damals unter dem Namen eines Grafen Horn in den höchsten Kreisen sich bewegte. Angelika schloß eine|Ehe, welche jedoch mit der Entlarvung des Gauners am 10. Febr. 1768 gerichtlich getrennt wurde, nachdem der Betrüger auch ihre Kasse beträchtlich gebrandschatzt hatte. Obwol Angelika nach dieser bittersten Erfahrung sich aus der hohen Gesellschaft zurückziehen wollte, hatte doch das Interesse an ihr und ihrer Kunst sich so wenig verloren, daß ihr sogar nach jenem niederschlagenden Ereignisse noch verschiedene, vortheilhafte Heirathsanträge gemacht wurden, die sie indeß alle zurückwies, mit gleicher Hingabe und gleichem Erfolge ihrer Kunst ausschließlich zugewendet. Erst nach einem fünfzehnjährigen Aufenthalte in England, als die Aerzte dem kränkelnden Vater die Rückkehr nach Italien anriethen, entschloß sie sich auf dessen Wunsch, mit dem Maler Antonio Zucchi (geb. 1728 zu Venedig), welcher schon längere Zeit in London sein Atelier aufgeschlagen hatte, am 14. Juli 1781 eine glückliche und ungetrübte Ehe einzugehen. Alle drei kehrten nun wenige Tage darauf nach dem Festlande zurück, besuchten ihre Angehörigen in Schwarzenberg, wo Angelika den Armen ihrer Heimath große Liebesspenden reichte und ließen sich in Venedig nieder, wo indessen schon am 11. Januar 1782 der Vater in Angelikas Armen starb. Sie nahm mit ihrem Manne dann festen Wohnsitz in Rom, wo ihr Haus bald den Mittelpunkt alles geistig bedeutenden Lebens bildete. Sie verkehrte viel, auch brieflich, mit den größten Männern der Zeit. Während seines Aufenthaltes in Rom 1787 lernte sie Goethe kennen; sie malte dessen Bildniß in ganzer Figur; ebenso später auch noch den baierischen Kronprinz Ludwig (Schleißheimer Galerie). Im J. 1795 starb ihr Gatte. In den bedrängten Zeiten der französischen Revolution erlitt sie an ihrem Vermögen eine nicht unbeträchtliche Einbuße; doch auch hierüber half ihr die gleichmäßige Arbeitslust und die Liebe, mit welcher sie ihrer Kunst oblag, hinweg. Nach einem kurzen Aufenthalte in Florenz und Mailand, wohin sie eine Reise zu ihrer Erholung 1803 gemacht hatte, kehrte sie wieder nach Rom zurück, wo sie am 5. November 1807 verschied, während der Bildhauer Joh. Peter K. (s. u.) welcher ihre Büste nachmals im Pantheon aufstellte, ihr Gellert's "Ode an die Sterbenden" vorlas. — Angelika K. ist eine heitere, anmuthige, liebenswürdige Erscheinung, welche der Wiedergeburt der deutschen Kunst vorherging und selbe nächst A. Raph. Mengs und Asmus Carstens vorbereitete, welche deshalb ebenso sehr überschätzt wie später gegen alles Verdienst verkleinert und vornehm übersehen wurde. Sie stand in ihrer Zeit und theilte mit Klopstock und Geßner den sentimentalen Zug, doch ist ihre Farbe warm und kräftig. Am wenigsten glücklich war sie in eigenen historischen Compositionen, wozu ihre Mittel nicht ausreichten (z. B. Lionardo da Vinci's Tod, Hermanns Rückkehr aus der Varusschlacht, die Mutter der Gracchen, Brutus und seine Söhne, die Nymphe Egeria den König Numa Pompilius berathend, Leander und Hero, Coriolan u. s. w.). Besser gelangen ihr die nur von wenigen Personen belebten Scenen (wie Christus mit der Samariterin, Hagar's Verstoßung, Venus und Amor u. s. w.). Am meisten excellirte sie im Porträt, in stillen Allegorien, desgleichen wurden ihre Copien der Nachraphael'schen Meister vielfach gesucht und bewundert. Auch in Fresco und mit der Radirnadel (34 Blätter) hat sie sich, immer mit Glück versucht und rühmlich hervorgethan. Ihr eigenes Porträt malte sie vielmals, z. B. in Florenz, München, auch in der kleidsamen Tracht ihrer Heimath (Aug. Testa inc.), dann mit Porträtähnlichkeit als Bacchantin, Sappho, Sophonisbe, Juno, Diana, Vestalin u. s. w. Eine Handzeichnung, auf welcher sie sich unschlüssig zwischen Malerei und Musik wählend abbildete, schickte sie ihrer Freundin Schöpfer 1802 nach München, welche das Blatt mit Kreide auf Stein zeichnete und als vervielfältigte Handzeichnung nach Rom sandte, wodurch Senefelder's Erfindung in Italien bekannt wurde. — Die Zahl der nach ihren Bildern und Zeichnungen gelieferten Stiche (von Bartolozzi, Berger,|Boydell, Bryer, Burck, Cataneo, Delatter, Dickinson, Durmer, Facius, Folo, Green, Hauston, Karattoni, Knight, Laurie, Rafael Morghen, Picot, Porporati, Schiavonetti, Scorodomoff, Smith, Taylor, Wrenk, Wynre Ryland, Zucchi u. a.) belauft sich an 600 Blätter.

    • Literatur

      Vgl. Rossi, Vita di Ang. Kauffmann. Firenze 1810. Auszüge im Stuttg. Morgenblatt 1811. Nr. 181—83 u. übers, von A. Weinhart. Bregenz 1814. Stuttg. Morgenblatt 1837. Nr. 75, S. 298 (ein Brief von Klopstock aus Hamburg 14. März 1780). Nagler 1838. VI, 536 ff. E. Guhl, Die Frauen in der Kunstgeschichte. 1858 S. 163. A. Oppermann, Aus dem Bregenzer Wald. 1859 S. 58 ff. (abgedruckt in Stern und Oppermann: Leben der Maler. 1864 S. 257 ff.). Wurzbach. Biogr. Lexikon 1864. XI, 44—58. J. E. Wessely in Dohme's Kunst u. Künstler. II. B. (XXXIX.).

  • Autor

    Hyac. Holland.
  • Empfohlene Zitierweise

    Holland, Hyacinth, "Kauffmann, Angelica" in: Allgemeine Deutsche Biographie 15 (1882), S. 466-469 unter Kaufmann, Angelika [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118721224.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA