Lebensdaten
1906 bis 2000
Geburtsort
Naunhof (Sachsen)
Sterbeort
Freiburg (Breisgau)
Beruf/Funktion
Rechtshistoriker
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 11862198X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Thieme, Hans
  • Rauch, Hans Thieme-
  • Thieme Rauch, Hans
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Zitierweise

Thieme, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11862198X.html [28.02.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Karl (1862–1932), aus Spremberg (Oberlausitz), ao. Prof. f. systemat. Theol. in Leipzig (s. BBKL 14; Professoren Theol. Leipzig);
    M Jenny (* 1874), T d. Wilhelm Respinger (1847–1905), Kaufm. in Basel, u. d. Emma Cécile His (1852–1926);
    B Karl (1902–63), Prof. f. Gesch. u. Staatsbürgerkde. an d. Päd. Ak. Elbing, emigrierte 1935 in d. Schweiz, 1947–53 Gastprof. f. europ. Gesch. an d. Dolmetscher-Hochschule in Germersheim (Pfalz), 1953–63 ao. Prof.an d. Univ. Mainz, 1954–63 Dir. d. Inst. f. Auslandskde. ebd. (s. BHdE II; BBKL XI; Preuß. Pädagogen; HLS);
    um 1937 Ursula (Ursel) Emming, geb. Rauch ( 1997), aus Kulm (Westpreußen), Jur.; 2 S Christian, Gottfried, 3 T Ursula, Ricarda, Jenny.

  • Leben

    Nach dem Abitur 1925 in Leipzig studierte T. Rechtswissenschaft in Basel, München, Berlin und Leipzig, wo er 1929 mit einer völkerrechtlichen Arbeit zur internationalen Schiedsgerichtsbarkeit promoviert wurde. Aufgrund eines Angebots des Rechtshistorikers Franz Beyerle (1885–1977) habilitierte er sich 1931 in Frankfurt/M. für Dt. Rechtsgeschichte und Bürgerliches Recht mit der Arbeit „Naturrecht und historische Schule“, publiziert 1936/37 in zwei Artikeln. Zunächst Privatdozent in Frankfurt, wurde T. 1935 Extraordinarius, 1938 Ordinarius in Breslau und, nach Unterbrechung durch Kriegsdienst 1939/40, 1940 in Leipzig, wo seine Lehrtätigkeit durch erneuten Kriegsdienst 1942–45 als Offizier an der Ostfront beendet wurde. Seit 1937 war T. NSDAP-Mitglied. 1946 nach Göttingen berufen, erhielt er 1953 als Nachfolger seines Lehrers Beyerle den Lehrstuhl für Dt. Rechtsgeschichte in Freiburg (Br.) (Rektor 1960/61, em. 1974). In Göttingen und Freiburg entfaltete T. intensive Aktivität hauptsächlich in der rechtshistorischen Lehre und gewann einen großen Schülerkreis (u. a. Karl Kroeschell, Bernhard Diestelkamp, Wolfgang Leiser, Adolf Laufs, Clausdieter Schott u. Gerhard Schmidt). Durch internationale Kontakte zu Rechtshistorikern bis nach Japan verschaffte er seinem Fach nach 1945 erneut hohes Ansehen.

    T. publizierte fast ausschließlich in Aufsätzen, die meist grundlegende Probleme der Rechtsgeschichte mit geistesgeschichtlicher Orientierung („Ideengeschichte“) behandeln. In seiner ersten, heute zu Unrecht kaum berücksichtigten Studie „Zum hess. Landsiedelrecht“ (in: FS f. A. Schultze, hg. v. W. Merk, 1934, S. 207–50) konnte er ein noch in der Solmser Landesordnung von 1571 geregeltes hess. Rechtsinstitut des Mittelalters auf den Mainzer Ebf. Konrad I. von Wittelsbach (um 1130–1200) zurückführen. Künftige Forschung müßte klären, ob die von T. herangezogenen Urkunden als Zeugnisse der Frührezeption des röm. Rechts unter Friedrich Barbarossa einzustufen sind. T.s für den mittelalterlichen Regalienbegriff wichtige und stark von den Ideen Heinrich Mitteis’ (1889–1952) beeinflußte Arbeit „Die Funktion der Regalien im Mittelalter“ (in: ZSRG G 62, 1942, S. 57–88, Separatdr. Libelli CCIV, 1968) betont, daß die Regalien als Pflichtrechte auch dem „Wohlfahrtszweck“ dienten, so daß der mittelalterliche Staat nicht als bloße „Rechtsbewahranstalt“ definiert werden könne.

    Seit seiner Habilitationsschrift, die eine Fülle innovativer und vielfach für die Forschung bis heute maßgeblicher Ansätze brachte, erforschte T. hauptsächlich das späte Naturrecht des 18. Jh. in seinen wissenschaftlichen Leistungen und im Zusammenhang damit die preuß. Kodifikation des Allgemeinen Landrechts (ALR). Er trennte ein mathematisch orientiertes (more geometrico) älteres Naturrecht (Systematiker) von einem jüngeren philosophisch-empirischen (Analytiker); die Vertreter der zweiten Richtung waren nach T. generell reformorientiert und konnten als Synthetiker den Weg zu innovativer Gesetzgebung finden. Diese Unterscheidungen führten einerseits zur Überwindung des Negativurteils einer angeblichen Geschichtsfremdheit des späten Naturrechts in der Historiographie des 19. Jh. von Savigny bis zu Ernst Landsberg, andererseits zur positiven Heraushebung von Christian Thomasius gegenüber Christian Wolff und zur Annahme eines relativ begrenzten Einflusses von Wolff auf das ALR.|

    Eine weitere Neuorientierung der Forschung leitete * ein, indem er als erster dt. Rechtshistoriker den Einfluß der span. Spätscholastik auf das dt. Privatrecht skizzierte (Natürl. Privatrecht u. Spätscholastik, in: ZSRG G 70, 1953, S. 230–66). Aufgrund dieser Pionierleistung wurde die sog. Seconda scholastica in den letzten Jahren auch zu einem Arbeitsgebiet jüngerer Rechtshistoriker.

    Hauptzeugnis für die nach 1945 besonders deutliche europ. Dimension von T.s privatrechtsgeschichtlicher Forschung ist die Studie „Das Naturrecht und die europ. Privatrechtsgeschichte“ (1947, 2 1954), die auf einem Forschungssemester in Basel 1946/47 beruht. Hier geht T. mit umfassendem Überblick über die europ. Naturrechtsliteratur der frühen Neuzeit über Deutschland hinaus auf Einflüsse des Naturrechts in England, Frankreich und der Schweiz ein. T. nahm in vielem vorweg, was man heute „vergleichende Rechtsgeschichte“ nennt.

  • Auszeichnungen

    A Gr. BVK (1971); Dr. iur. h. c. (Grenada 1973, Montpellier 1974, Basel 1976, Paris 1981); japan. Orden d. Hl. Schatzes (1982); Vizepräs. d. Internat. Vereinigung f. Rechts- u. Vfg.gesch. (1961–70); korr. Mitgl. d. Österr. Ak. d. Wiss. (1968); o. Mitgl. d. Heidelberger Ak. d. Wiss. (1970).

  • Werke

    Weitere W Die Zeit d. späten Naturrechts, in: ZSRG G 56, 1936, S. 202–63;
    Die preuß. Kodifikation, Privatrechtsgeschichtl. Stud. II, ebd. 57, 1937, S. 355–428;
    Letzte Vorkriegsj. an d. Breslauer Univ., in: H. Hupka, Meine schles. J., 1964, S. 199–210 (autobiograph.);
    Ideengesch. u. Rechtsgesch., Ges. Schrr., 2 Bde., 1986 (Slg. d. wichtigsten Arbb.); – Mithg.:
    Zs. f. Rechtsgesch. (1954–77); – Nachlaß: Univ.archiv Freiburg (Br.).

  • Literatur

    L FS Rechtshist. Stud., H. T. z. 70. Geb.tag, 1977 (W-Verz.);
    K. Kroeschell (Hg.), Freiburger Festkolloquium z. 75. Geb.tag v. H. T., 1983;
    ders. (Hg.), FS f. H. T. z. 80. Geb.tag, 1986 (P);
    B. Diestelkamp, in: NJW 54, 2001, S. 45;
    A. Laufs, in: ZSRG G 119, 2002, S. 15–26; W. Ogris, in: Juristas universales IV, 2004, S. 482–84 (P)

  • Autor/in

    Peter Landau
  • Empfohlene Zitierweise

    Landau, Peter, "Thieme, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 124-125 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11862198X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA