Dates of Life
1879 bis 1953
Place of birth
Gostyn (Gostyń, Posen)
Place of death
Cincinnati (Ohio, USA)
Occupation
Althistoriker ; Wissenschaftler des Judentums ; Professor in Heidelberg, Berlin und Cincinnati
Religious Denomination
jüdisch
Authority Data
GND: 118620495 | OGND | VIAF
Alternate Names
  • Taeubler, Eugene (seit 1941)
  • Täubler, Eugen
  • Taeubler, Eugene (seit 1941)
  • more

Objects/Works

Relations

Outbound Links from this Person

Genealogical Section (NDB)
Personen in der GND - familiäre Beziehungen

The links to other persons were taken from the printed Index of NDB and ADB and additionally extracted by computational analysis and identification. The articles are linked in full-text version where possible. Otherwise the digital image is linked instead.

Places

Map Icons
Marker Geburtsort Place of birth
Marker Wirkungsort Place of activity
Marker Sterbeort Place of death
Marker Begräbnisort Place of interment

Localized places could be overlay each other depending on the zoo m level. In this case the shadow of the symbol is darker and the individual place symbols will fold up by clicking upon. A click on an individual place symbol opens a popup providing a link to search for other references to this place in the database.

Citation

Täubler, Eugen, Index entry in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118620495.html [23.10.2019].

CC0

  • Genealogy

    Aus jüd. Kaufmannsfam.;
    V Julius, Kaufm. in G., S d. Nathan, Talmudgel.;
    M Rosalie Pinkus;
    Berlin 1927 Selma Stern (1890–1981, Hist. (s. NDB 25; L); kinderlos.

  • Life

    Nach dem Abitur am humanistischen Comenius-Gymnasium in Lissa (Posen) studierte T. seit 1898 Geschichte, klassische und oriental. Philologie sowie Archäologie in Berlin, u. a. bei Hans Delbrück (1848–1929), Hermann Diels (1848–1922) und Paul Martin Meyer (1865–1946). Zeitgleich war er an der liberalen Berliner „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums“ und für ein halbes Jahr am orthodoxen Rabbiner-Seminar eingeschrieben. 1901 beschäftigte ihn Theodor Mommsen (1817–1903) als Hilfskraft bei der Erstellung des „Codex Theodosianus“, 1902 arbeitete er zusammen mit Adolf v. Harnack (1851–1930) an der Kirchenväter-Edition. 1904 bei Otto Hirschfeld (1843–1922) mit einer Arbeit über „Die Parthernachrichten bei Josephus“ zum Dr. phil. promoviert, war T. ein Jahr später Mitbegründer und bis Anfang 1919 Leiter des „Gesamtarchivs der dt. Juden“. 1910 übernahm T. an der „Lehranstalt“ eine auf historische und Archivfragen zugeschnittene Dozentur, 1912–18 hatte er dort den Ludwig-Philippson-Lehrstuhl für jüd. Geschichte inne. In dieser Zeit arbeitete er an seinem mehrbändig geplanten Hauptwerk „Imperium Romanum“, von dem er nur den ersten Band (Die Staatsverträge u. Vertragsverhältnisse, 1913) fertigstellen konnte, bevor er 1915/16 am 1. Weltkrieg teilnahm. In diesem Werk vertrat T. die These, daß die frühe röm. Außenpolitik nur mit Hilfe einer genetischen Methode erkannt werde könne und man sich daher von Mommsens an große Persönlichkeiten gebundener Geschichtsvorstellung lösen müsse.

    Nach seiner verletzungsbedingten Rückkehr aus dem Krieg habilitierte sich T. 1918 in Berlin mit der Schrift „Die Vorgeschichte des zweiten punischen Krieges“ (1921). Seine Kompetenzen auch in anderen Zeitabschnitten der antiken Geschichte zeigen u. a. seine „Untersuchungen zur Geschichte des Decemvirats und der Zwölftafel“ (1921, Nachdr. 1965). 1922 nahm T., der seit 1919 dem Forschungsinstitut der neu gegründeten „Akademie für die Wissenschaft des Judentums“ vorgestanden hatte, einen Ruf als ao. Professor für griech. und röm. Geschichte nach Zürich an; 1925 wurde er als Nachfolger Alfred v. Domaszewskis (1856–1927) Ordinarius in Heidelberg.

    Als ehemaliger Frontkämpfer war T. zunächst nicht von den Sanktionen des nationalsozialistischen „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ betroffen. Doch um sich das Recht auf Selbstbestimmung zu erhalten wie auch aus Abscheu vor den judenfeindlichen Maßnahmen der neuen Machthaber, kündigte er bereits im März 1933 den Rücktritt von seinen Ämtern an. Seine formelle Entlassung erhielt er zum 1. 4. 1934. T.s letzte Buchveröffentlichung zu Lebzeiten in Deutschland war sein zweites Hauptwerk „Der röm. Staat“ (1935). Der äußerst verdichtete Band, der erstmals das röm. Verfassungsrecht mit Hilfe moderner Methoden der mittelalterlichen Urkundenforschung untersuchte und sozialwissenschaftliche Fragestellungen aufwarf, wurde bald nach Erscheinen mit einem Auslieferungsverbot belegt. Seit 1937 las T., der sich selbst fortan als „tragische Existenz“ sah, wieder an der „Lehranstalt“; Versuche seiner Freunde und Schüler Judah L. Magnes (1877–1948), Fritz Yitzhak Baer (1888–1980) und Benzion Dinur (1884–1973), ihn an die Hebr. Univ. Jerusalem zu holen, scheiterten letztlich an T.s Unentschlossenheit, nach Palästina zu gehen. Im April 1941 floh T. mit seiner Frau nach Cincinnati (Ohio, USA), wo er am Hebrew Union College als Professor für „Bible and Hellenistic Literature“ unterrichtete und zahlreiche, z. T. unveröffentlichte Studien zur jüd. Frühgeschichte verfaßte. Ein weiterer wichtiger Schüler war sein langjähriger Berliner Assistent Georg Herlitz (1885–1968).

    T.s Werke fanden erst nach seinem Tod Anerkennung, was sich nicht zuletzt in zahlreichen Nachdrucken niederschlug. Postum erschienen seine „Biblischen Studien, Die Epoche der Richter“ (1958, hg. v. H.-J. Zobel) und seine Essaysammlung „Aufsätze zur Problematik jüd. Geschichtsschreibung 1908–1950“ (1977, hg. v. S. Stern-Täubler). 1985 stattete J. v. Ungern-Sternberg die Neuausgabe des „Röm. Staats“ mit einem instruktiven Vorwort aus; 1987 schließlich versammelte Géza Alföldy im Auftrag der Univ. Heidelberg aus Anlaß des 600jährigen Bestehens T.s wichtigste „Ausgewählte Schriften zur Alten Geschichte“. Seit 2008 erinnern die Jüd. Hochschule und die Univ. Heidelberg mit der „Eugen Täubler-Vorlesung“ an T.s Verdienste um eine Erforschung der jüd. Geschichte im Kontext der antiken Geschichte nach modernen methodischen Maßstäben, deren Ergebnisse noch heute Bestand haben.

  • Awards

    A o. Mitgl. d. Heidelberger Ak. d. Wiss. (1929, Austritt 1934); Fellow d. American Ac. for Jewish Research (seit 1945, Vizepräs. 1950–53).

  • Works

    Weitere W Bellum Helveticum, Eine Caesar-Stud., 1924;
    Tyche, Hist. Stud., 1926, 21979;
    Die Archaeol. d. Thukydides, 1927, 21979;
    Die umbr.-sabell. u. d. röm. Tribus, 1930;
    Terremare u. Rom, 1932;
    Die Spruch-Verse über Sebulon, in: Mschr. f. Gesch. u. Wiss. d. Judentums 83, 1939/63, S. 9–46;
    Jerusalem 201 to 199 B. C. E., On the History of a Messianic Movement, in: Jewish Quarterly Review N. S. 37, 1946/47, S. 1–30, 125–37 u. 249–63;
    Bibliogr.:
    J. Hahn, in: C. Hoffmann, Juden u. Judentum im Werk dt. Althistoriker, 1988, S. 201–19;
    Nachlaß:
    Univ.bibl. Basel.

  • Literature

    L. Baeck, Wanderer zw. d. Welten, in: Aufbau v. 28. 8. 1953, S. 9;
    S. Baron u. R. Marcus, in: Proceedings of the American Ac. for Jewish Research 22, 1953, S. XXXI–XXXIV;
    F. Y. Baer u. a., in: Zion 19, 1954, S. 70–83 (hebr.);
    A. Friedlander, Umbra Vitae, The Passing of E. T., in: The Reconstructionist v. 26. 2. 1954, S. 16–22;
    Selma Stern-Täubler, E. T. and the Wiss. d. Judentums, in: Leo Baeck Inst. Year Book 3, 1958, S. 40–59;
    D. N. Myers, E. T., The personification of ,Judaism as Tragic Existence`, ebd. 39, 1994, S. 131–50;
    K. Christ, Röm. Gesch. u. dt. Gesch.wiss., 1982, S. 168–76;
    A. Heuss, in: HZ 248, 1989, S. 265–303;
    R. Jütte, Die Auswanderung jüd. Historiker nach Palästina 1933–1945, 1991, S. 79–86;
    H. Scharbaum, Zwischen zwei Welten, Wiss. u. Lebenswelt am Bsp. d. dt.-jüd. Historikers E. T. (1879–1953, 2000 (P);
    M. Sassenberg, Selma Stern (1890–1981, 2004;
    Die im Dritten Reich entrechteten u. vertriebenen Mitgll. d. Heidelberger Ak. d. Wiss., Biogr. Porträts, hg. v. d. Heidelberger Ak. d. Wiss., 2009, S. 79–83 (P);
    Jüd. Biogr. Lex.;
    BHdE II;
    Biogr. Lex. Gesch.wiss.;
    Kosch., Lit.-Lex. 3 (W, L);
    Drüll, Heidelberger Gel.lex. I;
    Enc. Jud.2;
    HLS.

  • Portraits

    Foto, Anfang d. 1930er J. (Univ.archiv Heidelberg), Abb. in: Der Röm. Staat, 1985, S. II.

  • Author

    Thomas Meyer
  • Citation

    Meyer, Thomas, "Täubler, Eugen" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 759-760 [online version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118620495.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA