Lebensdaten
1918 bis 2005
Geburtsort
Würzburg
Sterbeort
New York
Beruf/Funktion
Historiker
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118823140 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Strauss, Herbert Arthur
  • Strauss, Herbert A.
  • Strauss, Herbert
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Zitierweise

Strauss, Herbert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118823140.html [20.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Benno (1876–1942 ermordet, vermutl. in Treblinka), Kaufm., S d. Leopold (1826–98, Handelsmann, Privatier, u. d. Ernestine (Dina) Uhlfelder (um 1841–1922);
    M Magdalena Hinterneder (1890–1981);
    1 B (früh †), 1 Schw Edith (1923–93, Shimon Nasanov, * 1918, Landwirt), landwirtschaftl. Hausfrau im Kibbuz Chulatha;
    Bern 1944 Lotte F. (* 1913), Sekr. d. New York State League of Women Voters, Dir. d. Leo Baeck Inst. (s. L), T d. Louis Schloß (1881–1942 ermordet, vermutl. in Riga) u. d. Johanna Bildesheim (1885–1942 ermordet, vermutl. in Riga);
    1 T Jane Helen Jones (* 1946), Lehrerin in Yardley (Pennsylvania).

  • Leben

    S. beendete den Gymnasiumsbesuch in Würzburg 1935 mit der Mittleren Reife, da ein Studium für Juden in Deutschland nicht mehr möglich war. Nach einer kaufmännischen Lehre ging er 1936 nach Berlin, wo er an der Hochschule (Lehranstalt) für die Wissenschaft des Judentums bis zu deren zwangsweiser Schließung im Juni 1942 Judaistik und Geisteswissenschaften studierte, u. a. bei Leo Baeck, Ismar Elbogen, Ernst Grumach und Eugen Täubler. 1941/42 legte er hier sein Examen als Rabbiner und Religionslehrer ab. 1936–38 war S. Jugendführer des zionistischen Beth Hamadrichim-Habonim/Hechaluz. Der Kriegsausbruch verhinderte S.s Emigration nach England. Als Hilfsrabbiner, Zwangsarbeiter und Straßenfeger in Berlin-Lankwitz war er der Judenverfolgung ausgesetzt. Gemeinsam mit seiner späteren Ehefrau Lotte konnte er sich der Deportation im Okt. 1942 durch Abtauchen in den Untergrund und Flucht in die Schweiz im Juni 1943 entziehen. Hier nahm er ein Geschichtsstudium auf und wurde 1946 mit der Arbeit „Staat, Bürger, Mensch, Die Grundrechtsdebatte der Deutschen Nationalversammlung zu Frankfurt 1848/49“ (gedr. 1947) bei Werner Näf in Bern promoviert. Noch im selben Jahr emigrierte er in die USA (US-Staatsbürger 1952) und arbeitete 1949–51 an der „New School of Social Research“ in New York an einer Studie über KZ-Erfahrungen der „Buchenwaldkinder“ mit. 1954 wurde er Professor an der Juilliard School in New York, bevor er 1960 Assistant Professor, seit 1971 o. Professor für Geschichte am City College New York wurde. 1971 trat S. mit einer Pionierstudie zur Einwanderung und Akkulturation dt.sprachiger Juden in den USA hervor; 1972 gründete er die „Research Foundation for Jewish Immigration“, die unter seiner Leitung zur Emigrationsgeschichte forschte und mit dem Institut für Zeitgeschichte, München, das „Biographische Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933“ (3 Bde., 1980–83, Nachdr. 1999) erarbeitete. 1982 berief ihn die TU Berlin als Gründungsdirektor des „Zentrums für Antisemitismusforschung“, das er bis 1990 leitete. Seine Forschungsschwerpunkte hier waren die Emigrations- und Wissenschaftsgeschichte, die Emanzipationsgeschichte der Juden sowie die Geschichte jüd. Verfolgung in der NS-Zeit. Sein letztes großes Arbeitsvorhaben, die „Hostages of Modernization“ (2 T., 1993), nahmen den modernen Antisemitismus in Europa vergleichend in den Blick. Nach seiner Rückkehr nach New York 1990 schrieb S. seine Autobiographie (Über d. Abgrund, Eine jüd. Jugend in Dtld. 1918–1943, 1997, engl. 1999). S. engagierte sich früh in der Bürgerrechtsbewegung und in der „American Federation of Jews from Central Europe“, deren Executive Director und späterer Vizepräsident (1964–70) er war.

  • Auszeichnungen

    A Präsidiumsmitgl. d. Council of Jews from Germany; Mitgl. d. Leo Baeck Inst., New York, später London (seit 1964), d. Nat. Association for the Advancement of Colored People, v. Amnesty Internat., d. American Jewish Historical Soc.; korr. Mitgl. d. Hist. Komm. zu Berlin (1979); Ehrenmitgl. d. TU Berlin (1991); Walter-Meckauer-Plakette (1986).

  • Werke

    Pre-Emancipation Prussian Policies Toward the Jews 1815–1847, in: Leo Baeck Inst. Year Book 11, 1966, S. 107–36;
    The Immigration and Acculturation of the German Jew in the United States of America, ebd. 16, 1971, S. 63–95;
    Jewish Emigration from Germany, Nazi Policies and Jewish Response, ebd. 25, 1980, S. 313–61, u. 26, 1981, S. 343–409;
    Jewish Immigrants of the Nazi Period in the USA, 6. Bde., 1978–92 (Hg.);
    Antisemitismus, Von d. Judenfeindschaft z. Holocaust, 1984 (Hg. mit N. Kampe);
    Eine Analyse autobiogr. Aufzeichnungen z. KZ-Erfahrung ungar.-jüd. Überlebender, 1991 (mit J. Goldstein u. I. Lukoff);
    Die Emigration d. Wiss. nach 1933, 1991 (Hg. mit K. Fischer, Ch. Hoffmann u. A. Söllner);
    Bibliogr.
    (bis 1987): Antisemitismus u. jüd. Gesch. (s. L),1987, S. 545–52;
    Nachlaß:
    Leo Baeck Inst. New York.

  • Literatur

    Antisemitismus u. jüd. Gesch., Studien zu Ehren v. H. A. S., hg. v. R. Erb u. M. Schmidt, 1987;
    Lotte Strauss, Über d. grünen Hügel, Erinnerungen an Dtld., 1997;
    W. Bergmann, „Über dem Abgrund“, Zum Tode v. H. A. S., in: Tribüne, Zs. z. Verständnis d. Judentums 44, H. 174, 2005, S. 86–88;
    H. Möller, Emigration u. Akkulturation, Zum Gedenken an H. A. S., in: VfZ 53, 2005, S. 501–09;
    The H. A. S. Memorial Seminar at the Leo Baeck Inst. New York, March 29, 2006, hg. v. W. Bergmann, Ch. Hoffmann u. D. E. Rohrbaugh, 2006 (P);
    J. Picard, Gebrochene Zeit, Jüd. Paare im Exil, 2009, S. 219–86;
    BHdE II;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Film:
    We were German Jews, dt. u. d. T. H. S., Flüchtling, Regie: M. Blackwood im Auftr. d. Bayer. Rundfunks, 1981.

  • Autor/in

    Werner Bergmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Bergmann, Werner, "Strauss, Herbert" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 510 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118823140.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA