Lebensdaten
1897 bis 1961
Geburtsort
Straßburg
Sterbeort
Köln
Beruf/Funktion
Kirchenbaumeister ; Architekt
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118612018 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schwarz, Rudolf

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Zitierweise

Schwarz, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118612018.html [25.06.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hilar (1858–1919), Dr. phil., Altphilol., Prof., Gymn.dir. d. Bfl. Gymnasiums an St. Stephan in St.;
    S d. Jakob u. d. Sofie Berg;
    M Paula Johanna (1868–1940), T d. Jakob Bayer (1831–77) u. d. Amalie Kranden (1835–89);
    Aachen 1951 Maria (* 1921), aus Aachen, Architektin, Dipl.-Ing., studierte an d. TH Aachen, 1949 Mitarb. an d. Wiederaufbau-Ges. in K., 1949–57 Partnerin v. S., führte n. seinem Tod mehrere Kirchenbauprojekte zu Ende, seit 1961 in Frankfurt/M. u. K., u. a. Kirchenbauten in Soest, Essen, Saarbrücken u. K.-Ehrenfeld, Lehrauftrag f. Sakralbau an d. TU München (s. W. Pehnt in: FAZ v. 2. 10. 2001; L); T d. Josef Lang (1892–1969), aus K., Dipl.-Ing., Architekt, Fabr., Inh. d. ADOS-Apparatebau Aachen, u. d. Else Houben (1895–1967), aus Aachen; kinderlos.

  • Leben

    Nach vorgezogenem Kriegsabitur 1914 und einem Grundstudium der Architektur an der TH Berlin bis 1918 belegte S. an der Univ. Köln kunstwissenschaftliche Kurse bei Albert Erich Brinckmann. Bereits in seiner Dissertation über die „Frühtypen der rhein. Landkirche“ beschäftigte er sich mit der Baugattung, die ihn Zeit seines Lebens begleiten sollte. Prägend war für ihn die Zeit 1923/24 im Atelier von Hans Poelzig (1869–1936). „Die Architektur ist eine freie Kunst“, einer von fünf Leitsätzen, die S. 1953 in einer Streitschrift gegen die Formdoktrin der Bauhausepigonen publizierte, läßt sich auf Poelzig zurückführen. S. vertrat eine Modernität, die sich nicht an kodifizierten Stilmitteln festmachen ließ, vielmehr begriff er die verschiedenartigsten Bauteile und Räume als ausdruckhafte, mit dem Menschen in Beziehung tretende „Gestalten“. Seit 1924 mit Um- und Ausbau von Burg Rothenfels/Main beschäftigt, folgte er 1927 einem Ruf als Leiter der Aachener Kunstgewerbeschule. Mit der vollkommen weiß gehaltenen Fronleichnamskirche in Aachen 1930 erregte er Aufsehen, was ihn nicht daran hinderte, kurz darauf die Kapelle in Leversbach (1931–32) in Bruchstein und Holz auszuführen.

    Während der NS-Herrschaft blieben S. größere Bauvorhaben verwehrt: Er nutzte die Zeit zur Abfassung zweier größerer Theoriewerke. In „Vom Bau der Kirche“ (1938) beschrieb er in sieben abstrakten „Plänen“ die Grundformen des liturgischen Raumes. Diese geistigen Strukturprinzipien der Bauform sollten die Gemeinde zu einem größeren Ganzen zusammenfassen und auf das Ewige ausrichten. „Von der Bebauung der Erde“ (1949) wurde zur Grundlage für S.s spätere Tätigkeit als Stadtplaner beim Wiederaufbau von Köln (Okt. 1946–März 1952). In seinem Masterplan versuchte er, die Hierarchisierungen des historischen Stadtkörpers über den bloßen Verkehrsplan hinaus zu bewahren.

    So vorbereitet setzte seit 1950 die Periode seiner großen Kirchenbauten ein. Wiederaufbauten, etwa die aus den alten Steinen der Kriegsruine gemauerte St. Annakirche in Düren (1951–56), prägen das späte Werk genauso wie kleinere Werke. St. Christoforus in Köln (1954–59) brachte S. mittels aus dem Industriebau übernommenen Konstruktionsprinzipien als streng gefügtes Bauwerk zu höchstem Formausdruck. Immer formte er das Innere seiner Kirchen zu kraftvollen Raumgebilden, welche die Individuen zu einer Gemeinschaft konstituieren sollten. Bei St. Antonius in Essen (1956–59) tat er dies mit der eigenwilligen Schnittfigur eines mit Backstein ausgefachten Betonskelettkörpers, bei St. Maria Königin in Saarbrücken (1954–61) mit vier zusammengestellten, in Naturstein gemauerten, großen Konchenformen.

    S.s Werk zeugt von außergewöhnlich breiter Bildung. Nicht nur aus der Baugeschichte – von der ital. Romanik über den süddt. Barock bis hin zu den überschäumenden Phantasien des Expressionismus – gewann er seine Bilder. Er befaßte sich auch intensiv mit den verschiedenen Themen der Gestalttheorie: mit Goethe und Stifter, mit den gestaltpsychologischen Forschungen und der davon beeinflußten Malerei der Moderne. Variantenreich transformierte er all diese Bezüge in seinen technisch und ökonomisch zeitgemäßen Bauten. Seine abstrakten Entwürfe sind also – obwohl offenkundig der Moderne verpflichtet – auch Bündelungen eines reichen geschichtlichen und geisteswissenschaftlichen Erbes. Neben seiner Tätigkeit als freier Architekt hatte S. seit 1953 den Lehrstuhl für Städtebau an der Staatl. Kunstakademie in Düsseldorf inne. Auch seine Profanbauten, etwa das Festhaus Gürzenich (1949–55) oder das Wallraf-Richartz-Museum (1950–58) in Köln, sind erwähnenswert; trotzdem ist S. in erster Linie als Kirchenbauer bekannt. Seine eigentliche Bedeutung für die zeitgenössische Architektur liegt aber in seiner Methode, auf die schon Mies van der Rohe mit Nachdruck hingewiesen hat (Vorwort z. amerik. Übers. v. „Vom Bau der Kirche“ u. d. T. „The Church Incarnate“, 1958). S. führte die Architekturform auf das zunächst nicht Sichtbare, auf ihre Strukturgesetze zurück und beschritt dabei – frei von jeglicher Stildoktrin – äußerst vielfältige Wege. Sein Schaffen bleibt deshalb auch über den Sakralbau hinaus von allgemeinem und zeitlosem Interesse.

  • Auszeichnungen

    Verdienstkreuz z. Verdienstorden d. Bundesrep. Dtld. (1952); Fritz Schumacher-Preis d. Stiftung F.V.S., Hamburg (1952); Mitgl. d. Berliner Ak. d. Künste (1955); Gr. Kunstpreis d. Landes Nordrhein-Westfalen (1958).

  • Werke

    u. a. Kapelle u. Festsaal, Burg Rothenfels/Main, 1924–28;
    Soziale Frauenschule, Aachen, 1929–30; – mehr als 30 Kirchenbauten:
    Wiederaufbau Paulskirche, Frankfurt/M., 1946–48;
    St. Mechtern, Köln, 1946–54;
    Gnadenkapelle, Köln-Kalk, 1946–50;
    St. Michael, Frankfurt/M., 1952–56, Hl. Kreuz, Bottrop, 1953–57;
    St. Maria Königin, Saarbrücken, 1954–61;
    St. Antonius, Essen, 1956–59;
    St. Theresia, Linz, 1956–63;
    St. Florian, Wien, 1956–63;
    St. Bonifatius, Aachen, 1959–64; – Schrr.:
    Wegweisung d. Technik, 1928 (mit Bildern nach Aufnahmen v. A. Renger-Patzsch), Nachdr. 1. T., erweitert um e. Nachw. v. W. Pehnt, hg. v. Maria Schwarz, 2008;
    Vom Bau d. Kirche, 1938, Neuaufl. 1998;
    Von d. Bebauung d. Erde, 1949, Neuaufl. 2005;
    Das neue Köln, 1950;
    Kirchenbau, Welt vor d. Schwelle, 1960, Nachdr. hg. v. Maria Schwarz, 2007 (W-Verz.);
    Wegweisung d. Technik u. andere Schrr. z. neuen Bauen 1926–1961, 1979.

  • Literatur

    L Nachrufe in d. FAZ v. 5. 4. 1961 u. 6. 4. 1961;
    Maria Schwarz u. a., R. S., Gedächtnisausst. d. BDA Köln, gefördert v. d. Ak. d. Künste Berlin, 1963;
    M. Sundermann u. a., R. S., 1981;
    K. Becker, R. S., Kirchenarchitektur, 1981;
    W. Zahner, R. S., Baumeister d. neuen Gde., 1992;
    W. Zahner, in: Christen zw. Niederrhein u. Eifel, Lb. aus zwei Jhh., III, 1993, S. 53–68 (P);
    U. Conrads, M. Droste, W. Nerdinger u. H. Strohl (Hg.), Die Bauhaus-Debatte 1953, 1994;
    W. Pehnt u. H. Strohl, R. S., 1997;
    C. Lienhardt u. a., R. S., Werk, Theorie, Rezeption, 1997;
    Maßvoll sein heißt sinnvoll ordnen, R. S. u. Albert Renger-Patzsch, d. Architekt, d. Photograph u. d. Aachener Bauten, Ausst.kat. Suermondt-Ludwig-Mus. Aachen 1997;
    R. S. 1897–1961, Architekt e. anderen Moderne, Ausst.kat. Mus. f. Angewandte Kunst, Köln 1997 (Verz. d. W u. Schrr., P);
    R. Stegers, Räume d. Wandlung, Wände u. Wege, 2000;
    T. Hasler, Architektur als Ausdruck, R. S., 2000;
    M.|Steinmann u. a., Quelques Œuvres de R. S., Faces 49, 2001;
    H. Otten, Die kath. Pfarrkirche Hl. Kreuz in Soest v. R. u. Maria S., in: Soester Zs. 113, 2001, S. 82–98;
    W. J. Stock, Architekturführer, Christl. Sakralbauten in Europa seit 1950, 2004 (Abb.);
    J. Macke, Entwurfspraxis im Büro R. S., 2006;
    W. Pehnt, Dt. Architektur seit 1900, 22006;
    Vollmer;
    Klimesch (P);
    Vollmer;
    LThK3;
    NDBA;
    Dict. of Art;
    Kölner Personenlex.

  • Portraits

    Foto, um 1948, Abb. in: R. S. 1897–1961, 1997 (s. L), S. 8.

  • Autor/in

    Thomas Hasler
  • Empfohlene Zitierweise

    Hasler, Thomas, "Schwarz, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 9-11 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118612018.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA