Lebensdaten
1903 bis 1977
Geburtsort
Leipzig
Sterbeort
Berlin (Ost)
Beruf/Funktion
Wirtschaftswissenschaftler ; SED-Politiker
Konfession
konfessionslos
Normdaten
GND: 118589474 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kühn, Fritz (Pseudonym)
  • Larew, Fritz (Pseudonym)
  • Kitzel, Fritz (Pseudonym)
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Zitierweise

Oelßner, Fred, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118589474.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Alfred (1879–1962), Buchbinder, Funktionär d. SPD, seit 1920 d. KPD;
    M Anna N. N. (1877–1948), Falzerin, SPD, dann KPD;
    1) 1929 (⚮) Tatjana Nikolajewna Tschewskaja, Bibliothekarin, 2) Dora Langbecker (* 1909), KPD, 3) Frieda N. N. (* 1925), SED;
    1 S aus 1), 1 T aus 2).

  • Leben

    Nach dem Besuch der Volksschule in Leipzig und Weißenfels/Saale begann O. Lehren als Kaufmann und Müller und besuchte Abendkurse in einer Handelsfortbildungsschule. 1918-21 leitete er die Sozialistische Proletarierjugend bzw. den Kommunistischen Jugendverband Deutschlands in Weißenfels und Halle-Merseburg. Wegen dieser politischen Tätigkeit brach er die Lehre ab, arbeitete kurze Zeit als Kontorist und war seit 1921 Angestellter der Partei. 1919/20 noch Mitglied der USPD in Weißenfels, wurde O. im Dezember 1920 KPD-Mitglied. In Berlin arbeitete er 1921 kurze Zeit beim ZK der KPD unter Wilhelm Koenen und Walter Stoecker, dann als Volontär, später als Redakteur bei verschiedenen KPD-Zeitungen. Zwischen Herbst 1921 und Ende 1923 schrieb und redigierte er u. a. bei der „Hamburger Volkszeitung“, bei der „Schles. Arbeiterzeitung“ in Breslau sowie bei Parteizeitungen in Chemnitz, Aachen und Stuttgart. In Stuttgart wurde O. im Dezember 1923 verhaftet und zu einem Jahr Gefängnis wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ verurteilt. Seit Anfang 1925 wirkte er wieder als Redakteur in Remscheid und Aachen. Im April 1926 schickte ihn das ZK der KPD nach Moskau an die Leninschule (eine Parteischule), die er 1928 beendete. Nach einer einjährigen Aspirantur absolvierte O. 1929-32 ein Hochschulstudium der Politischen Ökonomie am Moskauer Institut der „Roten Professur“. Während dieser Zeit (1926) wurde er Mitglied der KPdSU(B). Im Sommer 1932 kehrte O. nach Deutschland zurück und arbeitete in der Propagandaabteilung des ZK der KPD in Berlin unter Ernst Schneller auf dem Gebiet der Parteischulung und als Lehrer an der Reichsparteischule „Rosa Luxemburg“ in Schöneiche-Fichtenau. Nach der Machtübernahme Hitlers blieb O. bis Dezember 1933 illegal in Berlin. Das ZK schickte ihn vorübergehend zu politischen Schulungen nach Saarbrücken. Dann emigrierte er nach Paris, wo er Mitarbeiter Walter Ulbrichts war, nach Amsterdam und Prag. Auf ZK-Beschluß kehrte O. im März 1935 als Dozent an die Leninschule der „Kommunistischen Universität der Jugend des Auslands“ nach Moskau zurück. In Verbindung mit der Auflösung dieser „Universität“ wurde O. am 1.10.1936 „aus politischen Gründen“ entlassen. Die schlimmsten Jahre der Stalinschen Säuberungen (1936–38) überlebte er als Arbeitsloser halbwegs glimpflich. Im September 1938 erhielt er eine Anstellung im ökonomischen Planungskomitee einer Papierverarbeitungsfabrik in Moskau; 1938-41 war er dort Leiter der Planungsabteilung. Im März 1940 erhielt O., der mit einer Bürgerin der Sowjetunion verheiratet war, einen Sowjet. Paß auf den Namen „Fritz Larew“ und seinen Wehrpaß. Von Juni 1941 bis Herbst 1944 arbeitete er in Kuibyschew als Redakteur der Deutschland-Abteilung beim Moskauer Rundfunk, von Ende 1944 an als Lehrer in Moskau an einer Schule für deutsche Kriegsgefangene.

    O. kehrte am 1.5.1945 nach Deutschland zurück; er gehörte bis Juni 1945 zur „Gruppe Ackermann“. Beim ZK der KPD in Berlin baute er die Abteilung Agitation und Propaganda auf, dann leitete er die Parteischulung im Parteivorstand (PV) der SED. 1947-58 war er Mitglied des PV bzw. des ZK der SED und 1950-58 Mitglied des höchsten SED-Gremiums, des Politbüros des ZK der SED. 1950-55 amtierte O. als Sekretär für Propaganda beim ZK und bis 1956 als Chefredakteur des theoretischen SED-Organs „Einheit“ Berlin (Ost). Bis 1958 galt O. als Chefideologe der SED. Dank seiner hervorragenden Kenntnisse der russ. Sprache und seiner politischen Funktionen fungierte er bis in die erste Hälfte der 50er Jahre bei wichtigen Gesprächen zwischen der Führung in Moskau (Stalin) bzw. der Sowjet. Militäradministration (Wladimir Semjonow) in Berlin-Karlshorst und der|SED-Spitze (Wilhelm Pieck/Walter Ulbricht) als Dolmetscher. 1949-58 war O. Abgeordneter der Volkskammer, 1955-58 auch Stellv. Vorsitzender des Ministerrates der DDR. Als Mitglied der Deutschen Akademie der Wissenschaften (seit 1953) wurde er 1956 auch zum Professor für Politische Ökonomie an das Institut für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED (IfG) berufen. Als Kritiker der Pläne des Ulbricht-Flügels zur „vollständigen Kollektivierung der Landwirtschaft“ unter dem Vorwurf „wiederholter Verletzung der Disziplin des Politbüros“ (im Zusammenhang mit der Wollweber-Schirdewan-Affäre“) wurde O. im Februar/März 1958 aus dem Politbüro, dem ZK der SED und allen staatlichen Führungsgremien ausgeschlossen. 1958-69 leitete er als Direktor das Institut für Wirtschaftswissenschaften bei der Deutschen Akademie der Wissenschaften in Berlin, 1961-68 war er dort Sekretär der Klasse für Philosophie, Staats-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. – O. zählte nach 1945 zu den ersten Dozenten für Wissenschaftlichen Sozialismus und Politische Ökonomie an der SED-Parteihochschule und der Humboldt-Universität; er galt als Mitbegründer der politisch-ökomischen Lehre und Forschung in der DDR.|

  • Auszeichnungen

    Nat.preis der DDR (1949), Vaterländ. Verdienstorden in Gold (1955 u. 1965), Karl-Marx-Orden (1973), Dr. h. c. (Humboldt-Univ. Berlin 1968).

  • Werke

    u. a. Der Marxismus d. Gegenwart u. seine Kritiker, 1948;
    Die Wirtschaftskrisen, 1. Bd., 1949;
    Rosa Luxemburg, Eine krit. biogr. Skizze, 1952;
    Probleme d. Krisenforsch., 1959;
    Ein Btr. z. Monopoltheorie, 1960;
    Die Arbeitswerttheorie als wiss. Grundlage d. Marx'schen pol. Ökonomie, 1967.

  • Literatur

    Hermann Weber, DDR, Grundriß d. Gesch. 1945-1990, 1991, S. 275;
    BHdE I;
    Wer war Wer in der DDR, Ein biogr. Hdb., hg. v. B.-R. Barth u. a. 31995;
    – Eigene Archivstud. (BA Berlin, Stiftung Archiv d. Parteien u. Massenorganisationen: Kaderakte u. Nachlaß, P).

  • Autor/in

    Heike Amos
  • Empfohlene Zitierweise

    Amos, Heike, "Oelßner, Fred" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 444 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118589474.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA