Lebensdaten
1749 bis 1812
Geburtsort
Bresnitz bei Radmannsdorf (Oberkrain)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Landschaftsmaler ; Vedutenzeichner ; Radierer ; Kupferstecher
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118556967 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Janscha, Lorenz
  • Janscha, Lovro
  • Jantscha, Laurenz
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Zitierweise

Janscha, Laurenz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118556967.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Matthias (1683–1752), Bauer u. Bienenzüchter in B.;
    M Lucia Debellak (1705–81);
    B Anton (1734–73), Imker, später Lehrer d. Bienenzucht in W., Vf. d. „Abh. v. Schwärmen d. Bienen“ (1774) (s. Wurzbach X), Valentin (1747–1818), Maler, Radierer, Lehrer a. d. Wiener Ak. d. bildenden Künste (s. ADB 13; ThB);
    Wien 1786 Theresia (1760–1806), T d. Uhrgehäusemachers Joh. Michael Rindfleisch in W. u. d. Maria Ursula N. N.;
    N Franz (1784–1860), Porzellanmaler in W. (s. ThB).

  • Leben

    J. wurde um 1770 in die Wiener Kupferstecherakademie aufgenommen und bildete sich in der Landschaftszeichnung bei Joh. Christian Brand aus. 1780 versuchte er sich erstmals als Radierer. Die später nach eigenen und fremden Vorlagen geschaffenen Radierungen entsprechen dem bereits zur Formel gewordenen Typus der „hollandistischen“ Landschaft. Auch seine Studienblätter und die wenigen Ölgemälde zeigen routinierte Beherrschung der spätbarocken Formensprache. 1785 wurde J. neben Carl Schütz (1745–1800, s. ADB 23; ThB) und Johann Ziegler (um 1750–1812, s. ADB 45; ThB) Mitarbeiter an der berühmten „Collection de 50 vues de la ville de Vienne“; von ihm stammen die Aquarellvorlagen für 7 überwiegend landschaftliche Blätter. J. wandte sich nun entschieden der Vedute zu und zeichnete Ansichten der Wiener Umgebung und von anderen Gegenden, die meist von Ziegler gestochen und bei Artaria, Cappi und Stöckl in Wien verlegt wurden. 1803 malte er nach einer Aufnahme des Engländers William Barthou ein großes Panorama von Wien, das in einer Schaubude im Prater und später in anderen Städten gezeigt wurde. Seit 1790 zählte J. zu den Hofpensionären, 1797 wurde er als Nachfolger von Carl Philipp Schallhas (1767–1797, s. ThB) Corrector an der Landschaftzeichnungsschule der Wiener Akademie und 1806, nach dem Tode Friedrich August Brands, deren Leiter; der Professortitel wurde ihm erst 1811 zuerkannt.

    J. und Schallhas wurden als typische Vertreter einer Übergangskunst bis in die Gegenwart wenig geschätzt. August Schäffer bezeichnete sie 1877 als die „schlimmsten Manieristen“, in deren Werken „ein fast gänzliches Abirren von der Natur“ zu spüren sei. Beide sind indes wichtige Mittler zwischen spätbarocker und biedermeierlicher Wiener Landschaftskunst, insbesondere J., in dessen Werk und Lehre erstmals die zukunftsträchtige Verbindung von hollandistischer Landschaftsstudie und herkömmlicher Prospektzeichnung festzustellen ist.

  • Werke

    Verz. d. Ansichten v. Wien u. Umgebung b. I. Schwarz, Wiener Straßenbilder im Za. d. Rokoko, 1914. -
    Gem. in: Wien, Hist. Mus. d. Stadt Wien, Laibach, Narodna Gal. -
    Graphiken u. a. in. Wien, Albertina, Österr. Nat.bibl., Hist. Mus. d. Stadt Wien, u. Laibach, Narodni Muzej.

  • Literatur

    ADB 13;
    L'art baroque en Slovenie (Führer d. Narodna Gal.), 1957, S. 37;
    P. Pötschner, Genesis d. Wiener Biedermeierlandschaft, 1964;
    Wurzbach X (auch f. Fam.);
    Nagler-Andresen, Monogrammisten IV, 1871;
    ThB;
    Słovenski biografski leks. I, 1925;
    H. Schöny, Wiener Künstler-Ahnen I, 1970, Nr. 154.

  • Autor/in

    Peter Pötschner
  • Empfohlene Zitierweise

    Pötschner, Peter, "Janscha, Laurenz" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 339 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118556967.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Jantscha: Lorenz J., geb. 1746 zu Proßnitze in Krain, am 1. April 1812 in Wien, Maler und Kupferstecher. — Die oberkrainische Familie J. war in mehreren Gliedern hervorragend; sie Zählte außer den beiden Malern und Gebrüdern Lorenz und Valentin (s. u.), die sich beide an der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien in ihrem künstlerischen Berufe herangebildet, auch den Autodidakten in der Malerei und in der Bienenzucht, Anton J., der in letzterem Fache seiner Zeit eine Autorität ward, so daß ihn Maria Theresia als Lehrer der Bienenzucht nach Wien berief, und der zu den in den schönen Künsten berühmt gewordenen Gebrüdern in dem verwandtschaftlichen Verhältnisse eines Oheims stand. — Der Maler und Kupferstecher Lorenz J. begann seine Studien an der Wiener Akademie schon in sehr jungen Jahren unter der Leitung des Professors Weirotter. Schon seine ersten Zeichnungen von Landschaften zeigten den „geschickten Kopf“ und sein schönes Talent entwickelte sich dann in glücklichster Weise unter der Leitung des in der Kunstgeschichte bekannten Ch. Brand. Das Jahr 1771 brachte ihm den zweiten Preis und im J. 1790 ward er unter die k. k. Pensionäre aufgenommen. Sechs Jahre später finden wir ihn als Vorstand der Erzschneide- und Handarbeitsschule; von 1801 an bekleidete er neben dem berühmten Brand an der Akademie die Stelle eines Correctors für das Handzeichnen und ward 1806 an dessen Statt Professor dieses Faches. Später erhielt er den Titel eines kaiserlichen Rathes und starb 1812. J. hat sich durch seine eigenen Arbeiten den Namen eines tüchtigen Malers und Zeichners erworben, abgesehen davon, daß er auch ein trefflicher Lehrer war. Seine Landschaften sind reich staffirt und von gefälliger Wirkung, da er der Natur immer ihre schöne Seite|abzulauschen wußte. Von ihm haben sich viele landschaftliche Gemälde, auch Conversationsstücke und Zeichnungen erhalten. Großes Aussehen erregte das von seiner Hand gemalte „Panorama von Wien“, das mit Recht auch großen Beifall der Kunstkenner erntete. Von lokal-kulturhistorischem Interesse für Wien sind ferner seine Wiener Bilder: „Die Brigittenau um 1790“, gezeichnet von J., gestochen von J. Ziegler, 40,8 cm. breit, 26,3 cm. hoch, — Eigenthum der k. k. Familienbibliothek — mit der Ansicht der Brigittenkapelle und des Forsthauses; „Versammlung der schönen Welt bei den Kaffeehäusern in der großen Praterallee um 1790“, gezeichnet von J., gestochen von J. Ziegler, 40,8 cm. breit, 27 cm. hoch, Eigenthum der Stadtbibliothek in Wien; „Das neue Wiener Ringelspiel im Prater um 1790“, gezeichnet von J., gestochen von C. Postl, 41,5 cm. breit, 26,3 cm. hoch, Eigenthum des Aug. Artaria. Das bedeutendste dieser Wiener Bilder ist aber seine „Aussicht gegen die Landstraße“ (Originalzeichnung von J.) um 1780, 42 cm. breit, 27,5 cm. hoch, Eigenthum des Aug. Artaria. Man hat ferner von J. auch geätzte Landschaften nach Ch. Brand in 8° mit L. J. gezeichnet. Mit L. J. F. bezeichnet ist von ihm eine Landschaft erhalten, ein Dorf am Flusse, voran zwei Kinder auf dem Boden, klein Quer-Fol. und 11 Gartenprospekte geätzt. Der am Anfang unseres Jahrhunderts vielgereiste krainer Cavalier und Kunstmäcen Baron Erberg erwähnt in einer handschriftlich hinterlassenen Kunstgeschichte Krains, daß er in vielen ausländischen Galerien Stücke von Jantscha's Hand gefunden habe, wo sie überall in großem Ansehen ständen.

    Valentin J., geb. 1743 zu Proßnitze, 1811 in Wien, Zeichner und Kupferstecher, wie sein jüngerer, jedoch weitaus bedeutenderer Bruder in Wien herangebildet, wurde 1788 Adjunct des Lehrers der Zeichnungs- und Erzverschneidungsschule an der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien und trat 1801 als zweiter Assistent an die Seite des berühmten Professors der Historienmalerei Maurer. Gräffer setzt seinen Tod in das Jahr 1818; Kukuljevic, dem wir folgen, in das Jahr 1811. Auch die, wenngleich wenigen Werke Valentin Jantscha's sind von geschätztem Werthe.

    • Literatur

      Carl v. Lützow, Geschichte der k. k. Akademie der bildenden Kunst, Wien 1877. — Letopis Matice Slovenske za Ceto 1880.

  • Autor/in

    P. v. Radics.
  • Empfohlene Zitierweise

    Radics, Peter von, "Janscha, Laurenz" in: Allgemeine Deutsche Biographie 13 (1881), S. 709-710 unter Jantscha, Lorenz [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118556967.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA