Dates of Life
1863 bis 1919
Place of birth
Allenstein (Ostpreußen)
Place of death
Berlin
Occupation
sozialistischer Politiker
Religious Denomination
jüdisch
Authority Data
GND: 11854411X | OGND | VIAF
Alternate Names
  • Haase, Hugo

Objects/Works

Relations

Inbound Links to this Person

The links to other persons were taken from the printed Index of NDB and ADB and additionally extracted by computational analysis and identification. The articles are linked in full-text version where possible. Otherwise the digital image is linked instead.

Places

Map Icons
Marker Geburtsort Place of birth
Marker Wirkungsort Place of activity
Marker Sterbeort Place of death
Marker Begräbnisort Place of interment

Localized places could be overlay each other depending on the zoo m level. In this case the shadow of the symbol is darker and the individual place symbols will fold up by clicking upon. A click on an individual place symbol opens a popup providing a link to search for other references to this place in the database.

Citation

Haase, Hugo, Index entry in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11854411X.html [17.09.2019].

CC0

  • Genealogy

    V Nathan, Schuhmacher, später Flachshändler in Wormditt/Ostpr., zuletzt Kleinhändler;
    M Pauline N. N.; 9 Geschw.;
    1890/1900 Thea Lichtenstein;
    1 S.

  • Life

    H.s erste Bekanntschaft mit marxistischen Schriften fällt in seine Studienzeit, in seine Referendarzeit Ende der 80er Jahre sein Beitritt zur SPD. Nachdem er sich in Königsberg als einziger sozialistischer Rechtsanwalt Ostpreußens niedergelassen hatte, wurde er in seiner Heimat als Verteidiger von Arbeitern, Bauern, sozialdemokratischen Funktionären und Journalisten, in ganz Deutschland als einer der Anwälte im Königsberger Geheimbundprozeß 1904 und durch seine Verteidigung Karl Liebknechts 1907 rasch bekannt. Ein Versuch der Oberstaatsanwaltschaft, den ihr mißliebigen Strafverteidiger durch ein Ehrengerichtsverfahren wegen seiner politischen Einstellung auszuschalten, scheiterte Ende der 90er Jahre.

    In der Partei gelang ihm der Aufstieg vom ersten Sozialdemokraten in der Königsberger Stadtverordnetenversammlung 1894 über ein 1897 durch Ersatzwahl errungenes Reichstagsmandat zum Parteivorsitzenden 1911. Nach dem Tode Bebels 1913 leitete er mit Ebert zusammen die Partei, und mit Scheidemann zusammen war er Vorsitzender der Fraktion. Neben dieser von ihm ehrenamtlich ausgeübten Tätigkeit führte H. seine Anwaltspraxis – jetzt in Berlin – weiter. Als einziger der Genannten war er kein Mann des Parteiapparates, sondern Angehöriger der radikalen Intelligenz. So weisen ihn auch seine Parteitagsreferate über Imperialismus in den letzten Jahren vor dem Krieg sowie seine Stellungnahme gegen die süddeutschen Sozialdemokraten als Vertreter des radikalen Flügels der Partei aus; dazu kommt eine starke pazifistische Komponente. In den entscheidenden Tagen vor der Mobilmachung lenkte H. beinahe allein die Protestkundgebungen der Partei und verfaßte die Aufrufe, durch die der Eindruck einer radikalen Haltung der SPD auch für die Reichsleitung entstand. Persönlich hielt H. mit seiner oppositionellen Haltung zurück und verlas auch als Fraktionsvorsitzender die zustimmende Erklärung der Fraktion zu den Kriegskrediten am 4.8.1914 im Reichstag, womit er sich der Fraktionsdisziplin unterwarf. In der entscheidenden Fraktionssitzung vom 3.8. hatte er mit 13 anderen gegen diese Erklärung gestimmt und gehörte so vom ersten Tag des Krieges an zur Parteiopposition, der er dann später als Wortführer – „Das Gebot der Stunde“ vom 19.6.1915 –, als Leiter der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft, die sich am 24.3.1916 bildete, und als Vorsitzender der Unabhängigen SPD seit Ostern 1917 das moralische Ansehen seiner Persönlichkeit und das Prestige seines Namens lieh. Dies mag einer der positiven Integrationsfaktoren der sich in der USPD sammelnden, aber in ihren Zielen weit auseinanderstrebenden oppositionellen Gruppen gewesen sein. Der Haß, mit dem viele seiner früheren Parteigenossen ihn verfolgten, wird vielleicht dadurch verständlich, daß die SPD durch die linke Opposition gezwungen wurde, sich zunehmend nach links zu orientieren, um die Massen ihrer Anhänger nicht zu verlieren, wodurch ihr politischer Spielraum sehr eingeengt wurde.

    Nach der Novemberrevolution bestimmte die von H. befürwortete Zusammenarbeit mit der SPD sein Verhalten. So saß er mit Ebert zusammen in dem am 10.11.1918 gebildeten Rat der Volksbeauftragten, so trat er innerhalb seiner Partei gegen den radikalen Flügel für ein Zusammengehen mit der SPD und für die Nationalversammlung – auch noch nach dem Ausscheiden der USPD aus der Regierung am 29.12.1918 – und 1919 nach der Gründung der KPD für eine Wiedervereinigung von SPD und USPD ein. Er starb an den Folgen eines Revolverattentates, das ein Geisteskranker auf ihn verübt hatte.

  • Works

    Strafrecht, Strafprozeß u. Strafvollzug, Referat auf d. Parteitag d. SPD 1906, 1906 (Broschüre);
    Reichstagsreden gegen d. dt. Kriegspol., 1919.

  • Literature

    H. H., Sein Leben u. Wirken, hrsg. v. E. Haase (S), o. J. [1929] (Auszüge aus Briefen u. Reden, ausführl. Biogr.);
    J. Fischart, Das alte u. d. neue Dtld., Die pol. Köpfe Dtld.s, 1919, S. 275-82;
    K. R. Calkins, H. H., Diss. Univ. of Chicago (in Vorbereitung);
    DBJ II (Tl. 1919, L);
    F. Osterroth, Biogr. Lex. d. Sozialismus I, 1960, S. 109-11. - Eigene Archivstud.

  • Portraits

    in: Hillgers Hdb. d. vfg.-gebenden Nat.verslg. 1919, u. F. Zinner-Biberach, Volk u. Tat, 1934.

  • Author

    Dieter Groh
  • Citation

    Groh, Dieter, "Haase, Hugo" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 381 f. [online version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11854411X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA