Lebensdaten
1582 bis 1625
Geburtsort
Hohenzollern
Sterbeort
Iburg bei Osnabrück
Beruf/Funktion
Graf von Hohenzollern-Sigmaringen ; Kardinal ; Bischof von Osnabrück
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118064479 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Eitel Friedrich von Hohenzollern-Sigmaringen
  • Eitel Friedrich
  • Eitel Friedrich von Hohenzollern-Sigmaringen
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Eitel Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118064479.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gf. Karl II. v. Hohenzollern-Sigmaringen (1547–1606), S des Gf. Karl I. v. Hohenzollern (1516–76) u. der Mgfn. Anna v. Baden-Durlach;
    M Euphrosyne (1552–90), T des Gf. Friedrich IV. zu Oettingen-Wallerstein (1516–79) u. der Gfn. Euphrosyne zu Oettingen-Flochberg.

  • Leben

    E., Geistlicher und Diplomat der deutschen Gegenreformation, war bereits der Herkunft nach kaiserlich gesinnt und bewußt katholisch. Seine schon dadurch in ihrer Richtung bestimmte Wirksamkeit erhielt ihre besondere Prägung durch einen Studienaufenthalt in Rom (circa 1599-1604), wo er 1600 päpstlicher Geheimkämmerer wurde. Im Wesen fromm, zurückhaltend, taktvoll, klug, gewann er sich hier das Vertrauen Papst Clemens' VIII. und der Kurie, ein Kapital, das er sich über allen Wechsel der Päpste hinweg sein Leben lang zu erhalten wußte. Dies sowie seine familiären und persönlichen Beziehungen zum kaiserlichen und zum bayerischen. Hof und der Besitz einer Vielzahl von Kanonikaten verliehen ihm in der folgenden Zeit der sich zuspitzenden religionspolitischen Auseinandersetzungen eine über seine öffentlichen Funktionen hinausreichende Bedeutung. Als Kölner Domscholaster (circa 1604), Chorbischof (vor 1610), Dompropst (circa 1612) und kurkölnischer Obersthofmeister (bis 1621) war E. nicht nur Verfechter der katholischen Restauration in Köln (Beteiligung an der Gründung des Priesterseminars, des Kapuzinerklosters, der Erzbruderschaft zum heiligen Kreuz, Veranlassung einer Bibelübersetzung) sowie Vertreter der kölnischen Politik nach außen, sondern zugleich inoffizieller päpstlicher Vertrauensmann im Reich und Mittelsmann der katholischen Liga zur Kurie. In dieser Tätigkeit, die sonst in ihrer Bedeutung schwer abschätzbar ist, wird eine gewisse Einwirkung auf den Gang der Ereignisse sichtbar, als E., auf kaiserlichen Vorschlag am 15.1.1621 zum Kardinal ernannt, nach Rom übersiedelte (Mitglied der Congregatio de propaganda fide) und dort die päpstliche Unterstützung der Liga im pfälzischen Krieg sicherte. Seine Wahl zum Bischof von Osnabrück am 28.4.1623 war die bewußte Ansetzung eines bewährten Gegenreformators in einem Bistum, das – vorwiegend protestantisch oder religiös indifferent – nur noch im Domkapitel eine aktiv katholische Majorität besaß. Durch Berufung der Jesuiten an die Domschule und vor allem durch die des energischen Albert Lucenius als Generalvikar sowie durch die friedliche oder gewaltsame Reform des Klerus (Verpflichtung auf das Tridentinum, Ausweisung von Bekennern der Augustana) legte E. hier in seinem letzten Lebensjahr noch den Grund zur katholischen Restauration.

  • Literatur

    ADB 48;
    C. Stüve, Gesch. d. Hochstifts Osnabrück 1624-47, in: Mitt. d. Ver. f. Gesch. u. Landeskde, v. Osnabrück 12, 1882, S. 15-52;
    H. Forst, Urkundl. Btr. z. Lebensgesch. d. Cardinais E. v. H.-S. …, ebd. 19, 1894, S. 95-154 (P);
    F. Runge, Die Wahl d. Kardinals E. v. H. z. Bischof v. Osnabrück, ebd. 24, 1899, S. 156-99;
    H. Forst, Cardinal E. F. …, in: Mitt. d. Ver. f. Gesch. u. Altertumskde. in Hohenzollern 27, 1893/94, S. 116-31 (P);
    B. Albers, E. Kardinal v. H.-S., ebd. 31, 1897/98, S. 1-63, u. 32, 1898/99, S. 161-76;
    G. Hebeisen, Die Bedeutung d. ersten Fürsten v. Hohenzollern u. d. Kardinals E. v. H. f. d. kath. Bewegung ihrer Zeit, ebd. 54/57, 1920/23, S. 1-180;
    W. J. Grosse Kracht, Das Bistum Osnabrück unter d. Einwirkung d. Trienter Konzilbeschlüsse bis z. Großen Synode v. J. 1628, Diss. Freiburg i. Br., 1944 (ungedr.), S. 80 ff. (L);
    H. Hoberg, Das Konzil v. Trient u. d. Osnabrücker Synodaldekrete d. 17. Jh., in: Das Weltkonzil v. Trient, Sein Werden u. Wirken, hrsg. v. G. Schreiber, II, 1951, S. 373 f.

  • Portraits

    Ölgem. im Rathaus (Abb. b. Forst, s. L) u. Bischöfl. Palais Osnabrück; Kupf., 1621, Abb. in: Acta Synodalia Osnabrugensis Eccl. ab a. Chr. 1628, Köln 1653 (Osnabrück, Städt. Mus.).

  • Autor/in

    Theodor Penners
  • Empfohlene Zitierweise

    Penners, Theodor, "Eitel Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 424 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118064479.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Eitel Friedrich, zweiter Sohn des Grafen Karl II. von Hohenzollern-Sigmaringen, war am 26. September 1582 geboren. Zum geistlichen Stande bestimmt, studirte er in dem bischöflichen Seminar zu Pruntrut, erhielt im J. 1599 eine Pfründe im Kölner Domcapitel, wurde aber gleichzeitig zu seiner weiteren Ausbildung nach Rom gesandt und von Papst Clemens VIII. unter die Geheimkämmerer des heiligen Stuhles aufgenommen. Während der folgenden Jahre erwarb sein Vater für ihn noch Pfründen in den Domstiftern zu Eichstätt, Salzburg, Straßburg, Mainz und Magdeburg; dagegen zerschlug sich der von Johann Pistorius angeregte Plan, E. F. auf den bischöflichen Stuhl von Paderborn zu erheben. Nach dem Tode des Papstes Clemens VIII. verließ E. F. Rom und nahm seinen Wohnsitz in Köln; einige Briefe, die er von dort aus in den Jahren 1605—1607 an den Cardinal Scipio Borghese, den Nepoten des neuen Papstes Paul V., richtete, sind kürzlich bekannt geworden. Im J. 1609 reiste er im Auftrage des Kurfürsten Ernst und des Coadjutors Ferdinand nach Rom, um dem Papste über das zwischen den geistlichen Kurfürsten geschlossene Bündniß Bericht zu erstatten. Der Papst verlieh ihm damals die Anwartschaft auf die Dompropstei zu Magdeburg, welche Kurfürst Ernst besaß. Nach Ernst's Tode im J. 1612 wurde E. F. Dompropst in Magdeburg, erhielt aber zugleich dieselbe Würde in Köln und wurde außerdem Obersthofmeister des neuen Kurfürsten Ferdinand. Er nahm somit eine Doppelstellung ein: als Obersthofmeister leitete er die Politik des Kurstaates, als Dompropst war er das Haupt und der Vertreter der ersten ständischen Körperschaft des Landes. Leider sind gerade aus den ersten Regierungsjahren Ferdinand's noch wenige Actenstücke bekannt; wir können daher Eitel Friedrich's Thätigkeit im einzelnen nicht verfolgen. Wir wissen nur, daß er sich an der Errichtung mehrerer kirchlicher Institute betheiligte, daß die zur Bekehrung der Protestanten gegründete Erzbruderschaft zum heiligen Kreuze einen Hauptgegenstand seiner Fürsorge bildete, und endlich, daß der Kurfürst ihn mehrfach mit wichtigen politischen Sendungen betraute. So mußte E. F. im J. 1613 das Domcapitel von Münster zum Anschlusse an die Liga auffordern. Mit dem päpstlichen Hofe stand er fortdauernd in guten Beziehungen; schon im J. 1612 erließ der Papst ein Breve an das Domcapitel zu Osnabrück mit der Aufforderung, E. F. an Stelle des protestantischen Administrators Philipp Sigismund von Braunschweig zum Bischofe zu wählen; doch blieb dieses Schreiben zunächst ohne Erfolg. Dagegen erhielt E. F. im J. 1618 noch die Dompropstei zu Straßburg. Die durch den Aufstand der Böhmen und den Tod des Kaisers Matthias hervorgerufenen Verwicklungen stellten der kurkölnischen Politik neue Aufgaben; E. F. begleitete im Sommer 1619 den neugewählten Kaiser Ferdinand II. von Frankfurt nach München, woselbst das Bündniß zwischen dem Kaiser und der Liga geschlossen wurde. Im folgenden Jahre sandte der Kurfürst seinen Oberhofmeister nach Brüssel, um den geplanten Angriff der Spanier auf die rheinische Pfalz zu beschleunigen. Zum Danke für die Verdienste, die E. F. sich um die Sache des Kaisers erworben hatte, schlug letzterer ihn dem Papste zur Aufnahme in das Cardinalscollegium vor. Papst Paul V. willfahrte diesem Wunsche im Januar 1621. Die politischen Verhältnisse hielten E. F. noch längere Zeit in Deutschland fest; erst im Spätherbste begab er sich nach Rom; dort regierte jetzt Gregor XV. E. F. wurde, wie aus den neuerdings veröffentlichten päpstlichen Schreiben hervorgeht, hauptsächlich über die Angelegenheiten der deutschen|Liga zu Rathe gezogen; außerdem führte er, wie wir aus anderen Quellen wissen, die Unterhandlungen mit dem kaiserlichen Hofe über die Freilassung des Cardinals Khlesl. Als nun im März 1623 der Administrator von Osnabrück gestorben war, wählte das Domcapitel, vielleicht auf Grund der Aufforderung vom Jahre 1612, E. F. zum Bischofe. Der Cardinal nahm die Wahl an, mußte jedoch zunächst in Rom bleiben, da auch Gregor XV. starb; erst dessen Nachfolger Urban VIII. ertheilte E. F. die erforderliche Bestätigung und erlaubte ihm zugleich, seine bisherigen Pfründen beizubehalten. Weiteren Aufschub verursachte Eitel Friedrich's Verlangen, von den Osnabrücker Landständen anstatt der sogenannten Willkommgelder, die man ihm nicht gewähren wollte, einen Vorschuß für die Reise zu erhalten. Außerdem mußte das Stift erst durch die ligistischen Waffen gegen einen von Norden drohenden Angriff gesichert werden; endlich bedurfte der Cardinal, um in jenen Gegenden einen den Forderungen der Curie entsprechenden kirchlichen Zustand herzustellen, ausgedehnter geistlicher Vollmachten. So blieb er bis in den Sommer des Jahres 1624 in Rom. Während dieser Zeit kam Galilei dorthin, um bei dem Papste die Aufhebung eines früher von der Index-Congregation gegen die Lehre des Copernicus erlassenenen Verbotes zu erwirken. E. F. befürwortete den Wunsch des Naturforschers; der Papst wich jedoch einer Entscheidung aus. Dem Cardinal selbst gab er einen neuen Beweis seines Wohlwollens, indem er ihm die Dompropstei von Trier verlieh; doch das Domcapitel protestirte hiergegen und behauptete seine Wahlfreiheit; der Proceß ist bis zum Tode Eitel Friedrich's nicht beendet worden. Im Hochsommer endlich verließ der Cardinal die heilige Stadt, reiste zuerst nach Sigmaringen und traf gegen Ende October im Schlosse Iburg bei Osnabrück ein. Zu seinen ersten Regierungshandlungen gehörte die Einführung des gregorianischen Kalenders. Dann ließ er durch seinen Generalvicar die Pfarrkirchen des Landes visitiren; es stellte sich heraus, daß nur wenige Pfarrer entschieden katholisch oder protestantisch waren, die meisten zwischen beiden Bekenntnissen schwankten. Der neue Bischof berief nun eine Diöcesansynode und verkündete den Geistlichen die Beschlüsse des Tridentiner Concils; ferner errichtete er in der Stadt Osnabrück ein Jesuitencollegium. In politischer Hinsicht bemühte er sich zunächst die Neutralität seines Landes zu wahren; doch konnte er nicht verhindern, daß beim Ausbruch des niedersächsisch-dänischen Krieges das Stift von Truppen beider Theile heimgesucht wurde. Er selbst mußte sich für einige Zeit nach Lingen in den Schutz der Spanier flüchten. Wol konnte er bald nach Iburg zurückkehren; aber seine Gesundheit war erschüttert. Nach etwa sechswöchentlicher Krankheit verschied er zu Iburg am 19. September 1625. Der frühe Tod war für ihn vielleicht ein Glück; denn um das Ziel zu erreichen, welches ihm vorschwebte, hätte er schließlich doch zu Maßregeln greifen müssen, die seiner mehr auf friedliche Vermittlung und Ueberwindung der Gegensätze neigenden Natur widerstrebten.

    • Literatur

      Vgl. die Aufsätze des Unterzeichneten in Band XIX der Mittheilungen d. Vereins f. Gesch. u. Landeskunde von Osnabrück (Osnabrück 1894) und Jahrg. XXVII der Mittheilungen d. Vereins f. Gesch. u. Alterthumskunde in Hohenzollern (Sigmaringen 1894), sowie diejenigen von P. Bruno Albers in Jahrg. XXXI und XXXII der letztgenannten Zeitschrift (hier ist das im vaticanischen Archive vorhandene Material ausführlich mitgetheilt) u. von F. Runge in Bd. 24 d. Mitth. d. Osnabr. Ver. (1900). — Weitere Notizen über Eitel Friedrich finden sich in Band 62 und 68 der Publicationen aus den K. Preußischen Staatsarchiven, ferner bei Hammer-Purgstall, Khlesls des Cardinals Leben, Bd. IV (Wien 1851), S. 187 und bei|K. v. Gebler, Galileo Galilei und die römische Curie (Stuttgart 1876), S. 146.

  • Autor/in

    H. Forst.
  • Empfohlene Zitierweise

    Forst, Hermann, "Eitel Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 48 (1904), S. 327-329 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118064479.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA