Lebensdaten
1816 bis 1889
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Psychiater
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117626546 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Leidesdorfer, Maximilian
  • Leidesdorfer, Max
  • Leidesdorf, Max
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Zitierweise

Leidesdorf, Maximilian, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd117626546.html [01.05.2017].

CC0

Leidesdorf(er), Maximilian

Psychiater, * 26.(27.?) 6.1816 Wien, 9.10.1889 Wien. (katholisch)

  • Genealogie

    V Max Joseph (s. 1); - Amalie Selss (1826–1915) aus Aachen; T Helene ( Heinrich Obersteiner, 1847–1922, Prof. d. Anatomie u. Pathol. d. Nervensystems in W., s. BLÄ; ÖBL).

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums in Wien absolvierte L. seine medizinischen Studien an ital. Universitäten und wurde 1845 in Bonn zum Dr. med. promoviert. Anschließend ging er als Spitalsarzt nach Moskau und erhielt 1848 die Leitung einer Privatirrenanstalt in St. Petersburg. 1856, vier Jahre nach seiner Rückkehr nach Wien, habilitierte sich L. für das Fach Psychiatrie an der Wiener medizinischen Fakultät. 1860 übernahm er zusammen mit Heinrich Obersteiner sen. die Leitung der Goergenschen Privatirrenanstalt in Wien-Döbling; 1866 wurde er zum ao. Professor für Psychiatrie und 1872 zum Primararzt der Irrenabteilung im Allgemeinen Krankenhaus ernannt. Erst 1875 ging L.s langgehegter Wunsch, klinischer Lehrer der Psychiatrie zu werden, mit der Ernennung zum Leiter der 1870 errichteten Psychiatrischen Klinik der niederösterr. Landesirrenanstalt in Wien als Nachfolger von Th. Meynert, dem Vertreter der naturwissenschaftlich ausgerichteten Universitätspsychiatrie, in Erfüllung. 1886 wurde L. Mitglied des Obersten Sanitätsrates, zwei Jahre später mußte er aus gesundheitlichen Gründen vom Lehramt zurücktreten.

    Schon in seinen ersten Arbeiten zeigte sich L. jener psychiatrischen Richtung verpflichtet, die in ihren Zielsetzungen das gehirnanatomische Prinzip für sehr relevant erachtete. L.s Lehre ging dahin, daß die Phänomene psychischer Störungen bei den Geisteskranken nicht die Krankheit selbst seien, sondern nur deren Symptome. Aus diesem Grunde schätzte L. besonders den Psychiater Wilhelm Griesinger; seine 1860 erschienene „Pathologie und Therapie der psychischen Krankheiten“ führt nicht nur denselben Titel wie Griesingers 1845 publiziertes Lehrbuch, sondern folgt jenem auch in der Gesamtanlage sowie in der Klassifizierung der Geisteskrankheiten in Depressions-, Exaltations- und psychische Schwächezustände mit nur wenigen Modifikationen. Griesinger war Somatiker und stand im Gegensatz zu den moralphilosophischen Anschauungen von Ärzten wie J. Ch. Heinroth und K. W. Ideler. In der zweiten, vermehrten Auflage des Lehrbuches folgt L. im psychologischen Abschnitt bereits Wilhelm Wundt, dessen Psychologie dem inzwischen aufkommenden mechanistischen Zeitgeist entsprach; völlig neue Aspekte boten die Kapitel über Anatomie und Physiologie, bei deren Bearbeitung sich L. von Theodor Meynert und Salomon Stricker leiten ließ.

    Die eigentliche Bedeutung L.s liegt in der Begründung des klinisch-psychiatrischen Universitätsunterrichtes in Österreich. Unter widrigen Bedingungen, ohne Anschauungsmaterial übte L. mit unermüdlichem Einsatz seine Lehrtätigkeit aus. Im Obersten Sanitätsrat plädierte L. für die Errichtung von Trinkerasylen mit zwangsweiser Internierung der Trunksüchtigen. Seit 1868 war L. viele Jahre im Vorstand des „Vereins für Psychiatrie und forensische Psychologie“ tätig, den er mit Meynert und Joseph G. Riedel begründet hatte.

  • Werke

    Weitere W Pathol. u. Therapie d. psych. Krankheiten, 1860, 2u. d. T. Lehrb. d. psych. Krankheiten, 1865; Stud. üb. d. Histol. d. Entzündungsherde, 1866 (mit S. Stricker); Psychiatr. Stud. aus d. Klinik d. Prof. L., 1877. - Hrsg.: Vj.schr. f. Psychiatrie (mit Th. Meynert), 1867-68 (mehr nicht ersch.); Psychiatr. Cbl., 1871-78.

  • Literatur

    ADB 51; Wiener med. Wschr. 39, 1899, Sp. 1583 f.; J. V. Wagner v. Jauregg, in: Wiener klin. Wschr. 2, 1889, S. 828-29; ders., in: Allg. Zs. f. Psychiatrie 46, 1890, S. 713-17; ders., in: Th. Kirchhoff, Dt. Irrenärzte II, 1924, S. 15-18 (P); ders., Die Wiener psychiatr. Kliniken 1870-1935, in: Wiener med. Wschr. 86, 1936, S. 481 f.; L. Schönbauer, Das med. Wien, 21947; E. Lesky, Die Wiener med. Schule im 19. Jh., 21978, S. 184-86; ÖBL; BLÄ; unvollst. W-Verz. in: Psychiatr.-neurolog. Wschr. 9, 1907/08, S. 248 f.

  • Portraits

    Lith. v. F. Würbel (Inst. f. Gesch. d. Med. d. Univ. Wien); Lichtdr. (ebd.).

  • Autor

    Helmut Leitner
  • Empfohlene Zitierweise

    Leitner, Helmut, "Leidesdorf, Maximilian" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 137 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd117626546.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Leidesdorf, Max

  • Leben

    Leidesdorf: Max L. war 1816 in Wien geboren; sein Vater war später Hofcapellmeister in einem kleinen italienischen Fürstenthum, daher vollzog L. einen Theil seiner medicinischen Studien an italienischen Facultäten; auch reiste er nach Frankreich und England zum Besuch von Kliniken, war in Moskau und übernahm 1848 die Leitung einer Privatirrenanstalt in St. Petersburg; 1856 habilitirte er sich in Wien als Docent für Psychiatrie ohne Klinik. Mit Obersteiner zusammen gewann er sich in der Privatirrenanstalt Döbling bald europäischen Ruf. Er wurde Vorstand des psychiatrischen Vereins in Wien, mit Meynert gab er 1867—1871 eine Vierteljahrsschrift heraus für Psychiatrie in ihren Beziehungen zur Morphologie und Pathologie des Centralnervensystems etc., dann gründete er 1872 mit Beer und Meynert das "Psychiatrische Centralblatt für Psychiatrie und forensische Psychologie". Nach mehreren monographischen Arbeiten erschien 1865 sein Lehrbuch der psychischen Krankheiten, welches einen längeren geschichtlichen Abschnitt enthält. Ueberall trat er für die Errichtung psychiatrischer Kliniken ein; aber obwol er 1866 zum außerordentlichen Professor für Psychiatrie ernannt worden war, so erhielt er doch nicht die 1871 endlich in Wien errichtete psychiatrische Klinik. Erst 1875 wurde er klinischer Lehrer in der niederösterreichischen Landesirrenanstalt, an welcher er 13 Jahre wirkte. Berühmt wurde er durch ein Gutachten über den Geisteszustand des Sultans Murad auch in weiteren Kreisen, sowie durch die Behandlung und Heilung der Prinzessin Thyra von Cumberland. Er starb am 9. October 1889 in Wien.

    • Literatur

      cf. Laehr, Gedenktage der Psychiatrie 1893, S. 300 auch Litteraturangaben; noch eingehender im Nekrolog von Wagner in Allgem. Zeitschrift f. Psych. u. psych.-ger. Medicin 1890, Bd. 46, S. 713—717.

  • Autor

    Th. Kirchhoff.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kirchhoff, Theodor, "Leidesdorf, Maximilian" in: Allgemeine Deutsche Biographie 51 (1906), S. 625 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd117626546.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA