Lebensdaten
1879 bis 1936
Geburtsort
Sankt Petersburg
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
Mediziner
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117601357 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Morawitz, Paul Oskar
  • Morawity, Paul Oskar
  • Morawitz, Paul Oskar

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Zitierweise

Morawitz, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd117601357.html [30.05.2017].

CC0

Morawitz, Paul

Oskar, Mediziner, * 3.4.1879 Sankt Petersburg, 1.7.1936 Leipzig. (evangelisch)

  • Genealogie

    V August (1837–97), Entomologe, russ. Kollegienrat in St. P., Konservator d. Zoolog. Mus. d. Ak. d. Wiss. in St. P., S d. Ferdinand (1796–1844) aus Schweidnitz, Wagenbaumeister in St. P., u. d. Amalie Friederike Wiedemann (1807–59); M Charlotte Bergholz (1858–1939); Greifswald 1919 Erna (1890–1979), T d. Friedrich Benjamin Arnold (* 1840), Hofbes. in Segebadenhau Kr. Grimmen, u. d. Marie Emilie Alwine Gladrow (1864–1954); kinderlos.

  • Leben

    M. kam 1893 mit den Eltern von St. Petersburg nach Blankenburg am Harz. Nach dem Besuch des Gymnasiums, dem Medizinstudium in Jena, München und Leipzig (Promotion 1901 in Jena) und dem Militärdienst wurde er 1903 Assistent Ludolf v. Krehls an der Tübinger Klinik. Auf dessen Empfehlung untersuchte er zunächst am Straßburger Physiologisch-chemischen Institut bei Franz Hofmeister die Physiologie der Blutgerinnung. Er folgte Krehl, seinem ärztlichen Vorbild, nach Straßburg und Heidelberg, wo er sich 1907 habilitierte. Bereits 1909 berief man M. an die Medizinische Poliklinik in Freiburg (Breisgau), 1913 erhielt er das Ordinariat für Innere Medizin an der Univ. Greifswald. Nach dem 1. Weltkrieg, in welchem er als Militärarzt selbst schwer an Typhus erkrankte, kehrte M. zunächst nach Greifswald zurück, wurde 1921 Ordinarius in Würzburg und nahm schließlich 1926 den Ruf nach Leipzig als Nachfolger Adolf v. Strümpells an. Den gleichzeitig erfolgten Ruf an die Freiburger Klinik lehnte er ebenso ab wie spätere Rufe nach Wien und Berlin. 1928 wurde die mustergültige Leipziger Medizinische Klinik fertiggestellt, damals die größte deutsche Universitätsklinik, an deren Planung M. mitgewirkt hatte.

    M. gilt als universeller Forscher, der zu fast allen Teilgebieten der Inneren Medizin wissenschaftliche Beiträge geliefert hat. Vor allem als Hämatologe genoß er internationalen Ruf (Arbeiten zur physiologischen Hämostase und deren Störungen, Beiträge über Fibrinogen und Blutplättchen, zu Gefäßfunktionen und zur Klinik der hämorrhagischen Diathesen). Seine Forschungen zur Physiologie und Pathologie des Blutes, insbesondere zum Blutgasgehalt, waren grundlegend für die Arbeits- und Sportmedizin. Er beschrieb erstmals die agastrische Form der Anämien (Resektionsanämien), erklärte die Rolle der Calciumionen bei der Thrombinbildung, entdeckte die Thrombokinase und zeigte, daß das Gift der Kobra wie eine Antithrombokinase wirkt. M. isolierte als erster Thrombozyten, konstruierte ein Kapillarthrombometer, beschrieb Patienten mit Thrombasthenie (wahrscheinlich von Willebrand-Jürgens-Syndrom) und bestätigte die Hypothese von Sahli, daß es sich bei der Hämophilie um einen Thrombokinasemangel handelt. Mit seinen Vorstellungen über die Blutgerinnung verlieh er der Gerinnungsforschung wesentliche Impulse. M. war auch einer der Begründer des Blutspendewesens in Deutschland.

  • Werke

    u. a. Btrr. z. Kenntnis d. Blutgerinnung, in: Dt. Archiv f. klin. Med. 79, 1904, S. 1-28, 215-33, 432-42; Lehrbuch d. klin. Diagnostik innerer Krankheiten, 1920, 21923; Die Blutkrankheiten in d. Praxis, 1923, 21933; Blutgerinnung, in: Oppenheimers Hdb. d. Biochemie IV, 1925, S. 40-77; Grundsätzliches üb. Blutplättchenagglutination (Blutplättchenagglutinine), in: Naunyn-Schmiedebergs Archiv 172, 1933, S. 657-67 (mit H. Brugsch). – Mithrsg.: Fortschritte d. Therapie; Münchener Med. Wschr.; Archiv f. Verdauungs-Krankheiten; Dt. Archiv f. klin. Med.

  • Literatur

    N. Henning, in: Archiv f. Verdauungs-Krankheiten 60, 1936, H. 1/2; M. Hochrein, in: Dt. Med. Wschr. 62, 1936, S. 1233 f.; L. v. Krehl, in: Münchner Med. Wschr. 83, 1936, S. 1397 f.; W. Nonnenbruch, in: Med. Welt 10, 1936, S. 1131 f.; R. Schoen, in: Med. Klinik 32, 1936, S. 1090 f.; ders., in: Dt. Archiv f. klin. Med. 179, 1936, H. 3, S. I-X; A. Schwenkenbecher, in: Klin. Wschr. 15, 1936, S. 1183; R. Cobet, Die Med. Klinik Greifswald unter P. M. 1913-1921, in: FS z. 500-J.feier d. Univ. Greifswald, II, 1956, S. 381-84; K.-H. Geißler, Personalbibliogrr. von o. u. ao. Professoren d. Med. Klinik an d. Univ. Würzburg im ungefähren Zeitraum v. 1900-1945, Diss. Erlangen-Nürnberg 1971| (W-Verz.); A.-M. Mingers, P. M., Seine Bedeutung f. d. Hämostaseol., in: Würzburger med.hist. Mitt. 8, 1990, S. 53-72; C. Schmidt, Leben u. Werk d. Internisten P. M., Diss. Leipzig 1995; BLÄ; Rhdb.

  • Autor

    Ingrid Kästner
  • Empfohlene Zitierweise

    Kästner, Ingrid, "Morawitz, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 88 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd117601357.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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