Lebensdaten
1735 bis 1810
Geburtsort
München
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
bayerischer Justiz- und Kultusminister
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117136638 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Morawitzky, Theodor Heinrich Graf von
  • Topor-Morawitzky, Theodor Heinrich Graf von
  • Topor, Theodor Morawitzky Graf von
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Zitierweise

Morawitzky, Theodor Graf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117136638.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Die Fam. stammt aus Polen. V Joseph Clemens (1711–88), v. Tenczin u. Rudniz, Herr auf Moosen, Arnstorf u. Ramlesreuth, zuletzt Vizestatthalter in Amberg u. WGR, S d. Benedict Heinrich (Gf. 1742, 1680-1770), kaiserl. Geh. Rat u. FZM, bayer. GFMlt., u. d. Maria Josepha Monika Caroline le Danois Comtesse de Cernay;
    M Maria Elisabeth (1709–88), T d. Alois Clemens Ernst Bero Gf. v. Rechberg u. Rothenlöwen, Hofrat, Kämmerer u. Pfleger in Erding, u. d.Anna Maria Josepha Gfn. Fugger;
    B Maximilian (1744–1817), Dir. d. Hofgerichtsrats u. Vizestatthalter in Ingolstadt; – ledig.

  • Leben

    Nach dem Schulbesuch in Frankfurt/Main und Amberg studierte M. an der Univ. Ingolstadt 1754-56 Rechtswissenschaften. 1758 trat er als frequentierender Hofrat in bayer. Dienste. 1759-65 war er bei der Regierung in Amberg tätig, dann als Hofrat in München. Es folgte eine steile Beamtenkarriere: 1766 Ernennung zum Revisionsrat, Hofratsvizepräsidenten und Wirklichen Geh. Rat, 1778 zum Präsidenten der Hofkammer und 1779 zum Präsidenten der neugeschaffenen Oberen Landesregierung. Es gelang M. nicht, sich in letzterer Position gegen die anderen „klassischen“ Oberbehörden durchzusetzen. Nachdem ihm Kf. Karl Theodor das Vertrauen entzogen hatte, quittierte er 1791 den Dienst.

    Vor allem während seiner frühen Jahre in München spielte M. im geistigen Leben der Hauptstadt eine bedeutende Rolle. Nachdem er bereits 1765 zum Mitglied der Bayer. Akademie der Wissenschaften gewählt worden war, wurde er 1769 deren Vizepräsident. Als christlicher Aufklärer wandte er sich der Philosophie zu. Er war aber auch literarisch tätig: 1773 und 1774 erschien je eine Komödie von ihm, 1780 eine Ballade. Seine Theaterstücke erfreuten sich in München großer Beliebtheit. Sein Aufklärertum manifestierte M. auch durch die Mitgliedschaft in der ersten Münchner Freimaurerloge, der sog. Pögner'schen Loge, aus der er aber 1775 austrat, um eine eigene Loge mit dem Namen „Zur Behutsamkeit“ zu gründen, in der besonders die Ideen der Rosenkreuzer gepflegt wurden Allerdings trat er den Illuminaten nicht bei. Als Mitglied des Bücher-Censur-Kollegiums 1774-76 war M. bemüht, der aufklärerischen Literatur in Bayern Eingang zu verschaffen.

    M., dessen Karriere 1791 beendet schien, wurde in schwerer Stunde von Kf. Karl Theodor wieder in bayer. Dienste zurückgeholt: Im Februar 1798 ernannte dieser ihn zum bevollmächtigten Minister beim Rastatter Kongreß. M. agierte auf diesem schwierigen Posten sehr selbständig und überlegt und zur vollen Zufriedenheit des zukünftigen bayer. Kf. Max Joseph und dessen Ministers Montgelas. Als Max Joseph 1799 die Regierung in Bayern übernahm, berief er M. zum Minister für geistliche Angelegenheiten. In der Verfassungsdiskussion 1800 spielte M. eine bedeutsame Rolle. Als es ihm in der zweiten Jahreshälfte 1800 nicht gelang, den Kurfürsten zu einem rechtzeitigen Frontwechsel von der österr. zur franz. Seite zu bewegen, schien er sich innerlich von der großen Politik abgewandt zu haben. Zwar übte er nach wie vor seine hohen Ämter aus, doch engagierte er sich nicht mehr politisch im nächsten Umkreis des Kurfürsten. In Vorbereitung des neuen bayer. Zivilgesetzbuches legte M. 1808 einen Entwurf zur Ablösung der Feudallasten und künftigen Gestaltung der grundherrlichen Verhältnisse vor. Das entsprechende Edikt vom 28.7.1808 kündigte tatsächlich einige Reformen im Bereich der Emphyteuse an, hielt jedoch auf Betreiben Montgelas' im Prinzip an der bestehenden Verteilung des Landeigentums fest. Als Montgelas 1810 in Paris weilte, mußte M. in München die Leitung der gesamten Regierung in Vertretung Montgelas' übernehmen. Diese Bürde scheint den inzwischen Fünfundsiebzigjährigen überfordert zu haben: Er erlitt einen Zusammenbruch und starb am darauffolgenden Tag.

  • Werke

    Akadem. Rede v. Nutzen d. Wiss. in Rücksicht auf d. Bildung d. Herzens gehalten an d. höchsterfreulichen Namensfeste Seiner churfürstl. Durchleucht in Baiern… Bey d. churfürstl. Ak. d. Wiss., 1769.

  • Literatur

    H. Wanderwitz, Th. H. Gf. v. Topor M. (1735-1810), in: ZBLG 46, 1983, S. 139-55;
    W. Demel, Der bayer. Staatsabsolutismus 1806/08-1817, 1983.

  • Portraits

    Ölgem. v. M. Franck (München, Bayer. Ak. d. Wiss.), Abb. in: Geist u. Gestalt III, 1959;
    Miniatur, Aquarell u. Gouache, wahrsch. um 1780/90, Künstler unbekannt (Schloß Amerang Lkr. Rosenheim);
    Medaillon-Stammbaum d. Gf. Th. H. v. Topor M. mit Porträtmedaillon, wahrsch. 1792 v. M. Klotz(e) (ebd.).

  • Autor/in

    Heinrich Wanderwitz
  • Empfohlene Zitierweise

    Wanderwitz, Heinrich, "Morawitzky, Theodor Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 89 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117136638.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA