Lebensdaten
1867 – 1935
Geburtsort
Preßburg
Sterbeort
Graz
Beruf/Funktion
Gynäkologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117524468 | OGND | VIAF: 37695848
Namensvarianten
  • Knauer, Emil

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Zitierweise

Knauer, Emil, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117524468.html [16.04.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Georg (1822–78). Bäckermeister, S d. Gastwirts Joh. Heinrich u. d. Maria Magdalena Stahl aus P.;
    M Karoline (1829–1905), T d. Weißbäckermeisters Georg Karl Heszler in P. u. d. Susanne Karoline v. Hoffmann;
    Bad Aussee 1903 Angela Kugler (1883–1954, kath.), T d. Fabr. Joh. Zacherl (1857–1936) in Wien u. d. Theresia Kugler; Tante d. Ehefrau Hermine Zacherl ( Heinrich v. Peham, 1871–1930, Prof. d. Geburtshilfe u. Gynäkol. in Wien, s. Fischer); Schwäger Hans Zacherl (1889–1968), Prof. d. Geburtshilfe u. Gynäkol. in G. u. Wien, Michael Zacherl (* 1905), Prof. d. Med. Chemie a. d. Tierärztl. Hochschule Wien;
    5 S (1 früh †, 1 ⚔), 3 T;
    N Siegfried Theiß (1882–1963), Prof. a. d. TH Wien, Architekt.

  • Biographie

    Nach Beendigung der Schulzeit in Preßburg studierte K. seit Herbst 1885 Medizin in Wien, wo er nach Ausbildung (1889–91) in pathologischer Anatomie unter H. Kundrat und in Innerer Medizin unter H. Nothnagel 1891 promoviert wurde. Seit Oktober 1891 Operationszögling in der Klinik von Th. Billroth, trat er April 1893 in die Frauenklinik unter R. Chrobak ein, wo er 1894 Assistent wurde und sich Juli 1901 für Geburtshilfe und Gynäkologie habilitierte. Nach 10jähriger Tätigkeit in dieser Klinik wurde er April 1903 in der Nachfolge A. von Rosthorns als ordentlicher Professor nach Graz berufen. Hier wirkte er trotz ehrenvoller Rufe bis zu seinem Tode.

    Bereits in die Assistenzjahre fallen die von Chroback angeregten ersten experimentellen Arbeiten zur hormonalen Steuerung der Sexualfunktionen, mit denen K. den Anstoß zur Revision der bisherigen Theorien gab und sein Ansehen auf dem Gebiet der gynäkologischen Endokrinologie begründete. Durch Ovarientransplantationen an Kaninchen legte er die Existenz eines im Eierstock produzierten chemischen Stoffes nahe und gelangte zu der Annahme einer inneren Sekretion des Organs. Auf gleiche Weise stellte|er das Ausbleiben der mit der Kastration verbundenen Uterusatrophie fest. Die Befunde, die besonders durch J. Halbans Tierversuche bestätigt wurden, erschütterten Pflügers Hypothese (1865) von der nervösen Reflexwirkung zwischen Ovulation und Menstruation und bildeten zugleich die Grundlage zum späteren Verständnis des Ovarium als innersekretorisches Organ. Mit diesen experimentellen Arbeiten, zu denen neben Fallberichten unter anderem über Ovarialzysten, Metrorrhagien, Adnexoperationen und Totalexstirpationen bei Gebärmutterkrebs besonders Beiträge über Tumoren bei Eileitertuberkulose und über plexiforme Venenmyome des Uterus traten, erreichte K. seine Habilitation und Berufung nach Graz. Hier widmete er sich ganz der ihm anvertrauten Klinik, die 1912 nach seinen Plänen neu erbaut wurde und sorgte als rastloser Lehrer für Ärzte- und Hebammenausbildung. Aus dieser Zeit stammen die Mitteilungen über die seit Oktober 1919 von ihm in der Grazer Klinik als Antisepticum eingeführte Pregl’sche Jodlösung sowie die umfassenden Handbuchbeiträge „Verletzungen, Fremdkörper und deren Folgen (Fisteln) ausschließlich Verlagerungen“ (in: K. Menge und E. Opitz, Handbuch der Frauenheilkunde, 1913, ⁵1927) und „Der plötzliche Tod in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett“ (in: J. Halban und L. Seitz, Biologie und Pathologie des Weibes VIII, 1, 1927). Selbst glänzender Operateur, vertrat er als Geburtshelfer im Vertrauen auf die Naturkräfte eine exspektative Haltung und blieb Neuerungen gegenüber kritisch. Der Strahlentherapie richtete er aber von Anfang an aus eigenen Mitteln ein Institut ein. – Von hohem beruflichen Ethos getragen, war er 17 Jahre lang Senator der Universität. Starken Einfluß übte er auf seine Schüler aus, von denen sich acht habilitierten und P. Mathes, H. Zacherl und H. Knaus auf Lehrstühle berufen wurden.

  • Literatur

    R. Birnbaum, Ovarium u. innere Sekretion, in: Zs. f. allg. Physiol. 8, 1908, Sammelreferate S. 25-50;
    Lehrer d. Heilkde. u. ihre Wirkungsstätten, Jubiläums-Beil. z. Münchener Med. Wschr. 1934, S. 1 (P);
    H. Knaus, in: Archiv f. Gynäkol. 159, 1935, S. 429-31 (P);
    W. Schaunstein, in: Wiener Med. Wschr. 85, 1935. S. 701-03 (P);
    H. Sigmund, in: Zbl. f. Gynäkol. 59, 1935, S. 1570-73 (P);
    H. Zacherl, in: Mschr. f. Geburtshilfe u. Gynäkol. 99, 1935, S. 379 f. (P);
    ders., in: Wiener Klin. Wschr. 48, 1935, S. 783;
    C. J. Gauß u. B. Wilde, Die dt. Geburtshelferschulen, 1956;
    H. Heiss, Zur Gesch. d. Univ.-Frauenklinik Graz, in: Wiener Med. Wschr. 112, 1962, S. 742-45;
    Dt. Gynäkologenkal., 1928, S. 144 f., (W);
    Fischer;
    ÖBL (W).

  • Autor/in

    Jost Benedum
  • Zitierweise

    Benedum, Jost, "Knauer, Emil" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1980), S. 159-160 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117524468.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA