Lebensdaten
1877 bis 1942
Geburtsort
Friedrichsthal bei Baiersbronn (Württemberg)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Bankier ; preußischer Staatsrat ; Aufsichtsratsvorsitzender der BMW-AG
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117223751 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stauß, Emil Georg von
  • Stauß, Emil Georg Ritter von
  • Stauß, Emil Georg (bis 1916)
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Zitierweise

Stauß, Emil von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117223751.html [26.03.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus bäuerl. Fam., d. im 18. Jh. auf d. Schwäb. Alb nachweisbar ist;
    V Johann Georg S. (1847–1910), Hauptlehrer in Stuttgart, S d. Johann (1802–83) u. d. Maria Maier (1806–83);
    M Eva Rosina (Rosa) Müller († 1887); seit 1887 Stief-M Lina Hanselmann (* 1861);
    6 Geschw;
    Berlin-Dahlem 1915 Karin (1895–1979), T d. Georg Alexander v. Müller (1854–1940, preuß. Adel 1900), Admiral (s. NDB|18), u. d. Elisabeth v. Monbart (1868-n. 1934), aus Heiligenstadt;
    3 S Georg (* 1916), Landwirt in Reit im Winkl (Oberbayern), Sven Eugen (1918–45 ⚔), Ulf Emil (* 1925), Kaufm. in Stuttgart, 1 T Karin Maria (* 1921), Geschäftsführerin in Hamburg.

  • Leben

    S. verließ 1893 das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium in Stuttgart nach der Obersekunda und absolvierte eine dreijährige Lehrzeit und anschließend ein Jahr als Kommis bei der Kgl. Württ. Hofbank. Wehrdienst leistete er als Einjährig-Freiwilliger im Württ. Grenadier-Regiment Königin Olga. Im Okt. 1898 kam S. zur „Deutschen Bank“. In der Berliner Zentrale arbeitete er ein Jahr in der Kontokorrent- und der Ausrechnungsabteilung, ehe er als Buchhalter in das Sekretariat – Abteilung für das Kapitalmarktgeschäft – wechselte. Dort begann sein rascher Aufstieg. Unter anderem dank guter Stenographiekenntnisse wurde S. 1901 Privatsekretär Georg v. Siemens’, der gerade das Amt des Vorstandssprechers niedergelegt hatte; nach dessen Tod förderte ihn auch Arthur (v.) Gwinner (1856–1931). Seit 1904 wurde S. Spezialist für die Erdölindustrie, in der sich die Bank zu dieser Zeit stark engagierte, und blieb es – mit wachsender Verantwortung – bis in den 1. Weltkrieg hinein. Nachdem er bereits an der Gründung der „Europ. Petroleum-Union GmbH“ 1906 beteiligt gewesen war, wurde er 1907 – ohne seinen Bankposten aufzugeben – Vorstandsmitglied der „Deutschen Petroleum-AG“. Auch in der rumän. „Steaua Romana“ übernahm er eine führende Rolle. Eng mit dem Ölgeschäft verbunden war 1913 die von S. betriebene Gründung des „Bayerischen Lloyd“ unter dem Gesichtspunkt, die dt. Erdölversorgung unter Vermeidung des Seewegs durch das Mittelmeer zu sichern; auch nach dem Krieg war – unter völlig anderen Umständen – sein Mitwirken bei der Gründung der „Rhein-Main-Donau AG“ von ähnlichen Überlegungen bestimmt. Im Febr. 1915 wurde S. Nachfolger Karl Helfferichs im Vorstand der Dt. Bank. S. verstand sich schon früh als ausgesprochen politischer Bankier; seiner Ansicht nach wäre es nicht zum Krieg gekommen, hätten Wirtschaftsvertreter in Deutschland mehr Einfluß auf die Politik gehabt. 1919 gehörte er zeitweilig der Delegation an, die in Versailles über den Friedensvertrag verhandelte. Mit der Neuorientierung des Bankgeschäfts nach dem Krieg geriet er ins Zentrum aussichtsreicher Industriezweige. Zahl und Bedeutung seiner Aufsichtsratsmandate waren bemerkenswert; sein Interesse konzentrierte sich v. a. auf technisch geprägte Branchen wie Film, Automobilindustrie und Luftfahrt (AR-Vors. b. d. Ufa 1917–27, 1937–42, BMW 1926–42, Daimler-Benz AG 1926–32, 1933–42 u. d. Dt. Lufthansa AG 1926–39). Aber nicht immer hatte er eine glückliche Hand: 1927 wurde S. als Kandidat für den Posten des dt. Botschafters in Washington genannt, nachdem er den Aufsichtsratsvorsitz bei der angeschlagenen Ufa hatte aufgeben müssen. Schon 1930 wurde in der Dt. Bank seine mögliche Demission erörtert. Der Skandal um die SchultheissPatzenhofer-Brauerei AG, deren stellv. Aufsichtsratsvorsitzender er war, schwächte 1931 S.s Stellung entscheidend. Auch sein politisches Engagement machte ihn zu einer umstrittenen Figur. Für die DVP (Mitgl. 1918–33) kam er 1930 in den Reichstag und begann Fäden zu den Nationalsozialisten zu spinnen, denen er auf vielfältige Weise zu Diensten war. Ende Febr. 1932 schied S. aus dem Vorstand der Dt. Bank aus, die Hauptversammlung wählte ihn in den Aufsichtsrat. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten änderte sich seine Rolle von Grund auf. Zwar trat er der NSDAP nicht bei, er genoß jedoch Ansehen bei hohen NSFührern und setzte seine politische Betätigung fort. Im Sept. 1933 wurde er Mitglied des Preuß. Staatsrats, im Dez. 1933 Vizepräsident des Reichstags. Sein Einfluß in der dt. Wirtschaft wuchs wieder; er konnte zu Unternehmen zurückkehren, deren Aufsichtsratsvorsitz er zuvor hatte aufgeben müssen. Von April 1933 bis zu seinem Tod gehörte er erneut (zuvor 1925–32) dem Zentralausschuß der Reichsbank an. Auch wenn S. kein fanatischer Nationalsozialist war, so hat doch seine Verflechtung mit der Diktatur sein Bild für die Nachwelt anhaltend beschädigt.

  • Auszeichnungen

    A Dr.-Ing. E. h. (TH Karlsruhe 1917); Dr. rer. pol. h. c. (Tübingen 1923); Ehrensenator d. TH Karlsruhe; Goethe-Medaille f. Kunst u. Wiss. (1942).

  • Werke

    Zu d. finanz- u. wirtsch.pol. Aufgaben d. neuen RT, in: Bank-Archiv 30, 1930/31, S. 19–21;
    Georg v. Siemens, Ein Gedenkbl. zu seinem 100. Geb.tag, 1939.

  • Literatur

    E. Achterberg u. M. Müller-Jabusch, Lb. dt. Bankiers aus fünf Jhh., 1963;
    G. D. Feldman, RightWing Politics and the Film Industry, E. G. S., Alfred Hugenberg, and the UFA, 1917–1933, in: Ch. Jansen, L. Niethammer u. B. Weisbrod (Hg.), Von d. Aufgabe d. Freiheit, Pol. Verantwortung u. bürgerl. Ges. im 19. u. 20. Jh., FS f. Hans Mommsen, 1995, S. 219–30;
    H. James, Die Dt. Bank im Dritten Reich, 2003, S. 85–100 (P);
    Ch. Kopper, Bankiers unterm Hakenkreuz, 2005, S. 135–50;
    H. Wixforth, in: H. Pohl (Hg.), Dt. Bankiers d. 20. Jh., 2008, S. 403–17 (P);
    Rhdb. (P);
    150 J. Promotion an d. Wirtsch.wiss. Fak. d. Univ. Tübingen, bearb. v. I. Eberl u. H. Marcon, 1984 (P);
    Mitgll.verz. KWG;
    Lilla, MdR;
    Qu Teilnachlaß:
    Dt. Bank AG, Hist. Archiv;
    zur Fam.:
    Karl Stauss, Btrr. z. Gesch. d. Geschl. S., 1910–16.

  • Autor/in

    Bernd Kulla
  • Empfohlene Zitierweise

    Kulla, Bernd, "Stauß, Emil von" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 96-97 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117223751.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA