Lebensdaten
1858 bis 1928
Geburtsort
Hildesheim
Sterbeort
Halle/Saale
Beruf/Funktion
lutherischer Kirchenhistoriker
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 117213381 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Loofs, Friedrich
  • Loofs
  • Loofs, Friedr.
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Zitierweise

Loofs, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117213381.html [23.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (1825–93), Pastor in H. u. Bevensen, Sup. in Burgwedel u. Jeinsen, S d. Friedrich, Steuerdir. in Hannover, u. d. Auguste Hansing;
    M Auguste (1831–1918), T d. Oberamtmanns Friedrich August Günther in Lauenau u. d. Sophie Mügge; Vorfahre Peter Loofs (1674–1726), Hofbaumeister in Kassel;
    - Leipzig 1884 Helene (1863–1942), T d. Fabr. Otto Steche in Leipzig u. d. Johanne Habenicht;
    3 S, 2 T, u. a. Friedrich (1886–1930), Nervenarzt u. Psychoanalytiker, Schriftsteller (Ps. Armin Steinart);
    E Sigrid Maria (geboren 1916), Psychologe, Helmut Loofs-Wissowa (geboren 1927), Professor(in) f. Asiatisch Studien an d. Austral. Nat.univ., Canberra; Urenkel(in) Jean-Jacques Thomas (geboren 1963), Rechtsanwalt, Rechtsanwältin in Sydney..

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasium Andreanum in Hildesheim begann L. 1877 das Theologiestudium in Leipzig bei A. Harnack. Während eines Tübinger Semesters von J. T. Beck mehr praktisch-religiös als wissenschaftlich angetan, ging er nach Göttingen, wo die Theologie A. Ritschls einen starken Eindruck bei ihm hinterließ. 1881 promovierte er in Leipzig mit einer Arbeit über die Chronologie der Bonifatiusbriefe zum Dr. phil. Nach seiner Habilitation aufgrund der Arbeit „De antiqua Britonum Scotorumque ecclesia“ (1882) und einer vierjährigen Dozententätigkeit in Leipzig wurde er 1886 zum Extraordinarius ernannt und 1887 als solcher nach Halle berufen. 1888 übernahm er dort das Ordinariat für Kirchengeschichte, das er bis zu seiner Emeritierung 1926 innehatte. Rufe nach Leipzig und Göttingen beschied er ebenso abschlägig wie einen Vorschlag A. v. Harnacks, dessen Nachfolger in Berlin zu werden. Mehrmals bekleidete er das Amt des Dekans der Theol. Fakultät, 1907/08 war er Rektor der Univ. Halle. Zusammen mit M. Rade und W. Bornemann gründete L. 1886 die Zeitschrift „Die Christliche Welt“, an der er bis 1901 mitwirkte. Neben seiner umfangreichen akademischen Lehr- und Forschungstätigkeit, die sich in einer großen Zahl von Lehrbüchern, Monographien, Artikeln, Lexikonbeiträgen und Rezensionen niederschlug, fand er immer auch Zeit für öffentliche Vorträge und praktisch-kirchliche Tätigkeiten: Er war Universitätsprediger und städtischer Armenpfleger; der sächs. Landeskirche diente er als Synodale auf allen Ebenen, als Konsistorialrat mit Dezernatsfunktionen und als Mitglied der theologischen Prüfungskommissionen. Ferner war er Mitglied des Spruchkollegiums für Lehrirrungen der Geistlichen in der preuß. Landeskirche. Selbst ein kenntnisreicher, durch umfassendes Quellenstudium gebildeter Spezialist der alten Kirchengeschichte, vermochte L. dennoch als akademischer Lehrer den Überblick über das Gesamtgebiet der Kirchengeschichte zu wahren und mit Bezug auf die kirchliche Praxis zu vermitteln. Seine nachhaltigste Wirksamkeit erreichte er jedoch auf dem Gebiet der Dogmengeschichte mit seinem vielgelesenen „Leitfaden zum Studium der Dogmengeschichte“ (1889, 71968 hrsg. v. K. Aland). Das trinitarisch-christologische Dogma der frühen Kirche und Luthers Rechtfertigungslehre standen zeit seines Lebens im Zentrum seines wissenschaftlichen Bemühens; eine Fülle von überlieferungsgeschichtlichen Studien sowie literarischen und theologischen Analysen gibt davon Zeugnis. In der Bestimmung des Ansatzpunktes der Dogmengeschichte, als deren Aufgabe er die Darstellung der Entstehung, Entwicklung und Umprägung des „kirchlichen Lehrbegriffs“ sah, ging er weit über Harnack hinaus, indem er bei der Glaubensreflexion und Kirchenbildung des unmittelbar nachapostolischen Zeitalters ansetzte. Als sein bleibendes Verdienst gilt die Entdeckung der sogenannten „kleinasiatischen Tradition“ einer „Geistchristologie“. Darin sieht er aufgrund der festgestellten Anknüpfungspunkte im paulinischen und Johanneischen Schrifttum eine Entwicklungslinie christologisch-trinitarischer Glaubensüberzeugungen, die dem Neuen Testament viel näher steht als die unter neuplatonischem Einfluß erfolgte Dogmenbildung niceaenischer Theologie. Mit seiner Überzeugung von der Richtigkeit und Wichtigkeit der historisch-kritischen Methode und seiner Skepsis in bezug auf das historische Jesusbild seiner Zeit (weshalb er fälschlich immer wieder zum Lager der liberalen Theologie gezählt wird) in Verbindung mit einer tiefen Frömmigkeit und Offenbarungsgläubigkeit neuluth. Prägung (den Kulturprotestantismus lehnte er für sich ab) stand L. zwischen den theologischen Fronten seiner Zeit|.

  • Auszeichnungen

    D. theol. Marburg (1888), Dr. iur. h. c. Leipzig (1917); Korr. Mitgl. d. Ak. d. Wiss. Berlin (1904).

  • Werke

    Weitere W Leontius v. Byzanz, 1887;
    Eustathius v. Sebaste u. d. Chronol. d. Basiliusbrlefe, 1898;
    Grundlinien d. KG, 1901, 21910;
    Symbolik od. christl. Konfessionskde. I, 1901;
    Die Trinitätslehre Marcells v. Ancyra, in: SB d. Preuß. Ak. d. Wiss. 33, 1902, S. 764-81;
    Nestoriana, 1905;
    Das Glaubensbekenntnis d. Homousianer v. Sardika, in: Abhh. d. Preuß. Ak. d. Wiss., 1909, S. 1-39;
    Nestorius and his place in the hist. of christian doctrine, 1914;
    Wer war Jesus Christus?, 1916, 21922;
    Der articulus stantis et cadentis ecclesiae, in: Theol. Studien u. Kritiken 90, 1917, S. 323-420;
    Paulus v. Samosata, 1924;
    Theophilus' v. Antiochien Adversus Marcionem u. d. anderen theol. Qu. b. Irenäus, 1930. -
    Über 50 Artikel in RE, 1896-1913. -
    Autobiogrr.: Hallesches ak. Vademecum 1, 1910, S. 12-16 (W);
    Die Rel.wiss. d. Gegenwart in Selbstdarst. II, 1926, S. 119-60 (W, P).|

  • Nachlaß

    Nachlaß: Univ.bibl. Halle/Saale.

  • Literatur

    W. Bodenstein, Ein liberaler Lutheraner, in: Freies Christentum 10, 1958, S. 155-58;
    J. Konrad, F. L.s Btr. z. Christol., in: Ev. Theol. 18, 1958, S. 324-33;
    R. Stöwesand, Bekenntnis zu F. L., in: Zeichen d. Zeit 12, 1958, S. 208-14;
    F. W. Kantzenbach, Evangelium u. Dogma, 1959, S. 187-93;
    P. Meinhold, Zur Grundlegung d. Dogmengesch., in: Saeculum X, 1959, S. 6 f.;
    ders., Gesch. d. kirchl. Historiogr. II, 1967, S. 331-39;
    E. Barnikol, Theologisches u. Kirchliches aus d. Briefwechsel L. -
    Harnack, in: Theol. Lit.-Ztg. 85, 1960, Sp. 217-22;
    K. Beyschlag, Grundriß d. Dogmengesch. 1, 1982, S. 37 ff., 74 f., 178, 223;
    DBJ X, S. 161-67 (u. Tl.);
    RGG;
    Ev. Kirchenlex. IV (Biogr. Anhang), 1961, Sp. 618 f.;
    LThK.

  • Portraits

    Rektoratsphoto, in: Hallescher Univ.kal., SS 1908;
    Phot., 1894 (Archiv d. Univ. Halle);
    Plakette, 1931 (Bibl. d. Theol. Fak. d. Univ. Halle).

  • Autor/in

    Georg Fritz
  • Empfohlene Zitierweise

    Fritz, Georg, "Loofs, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 148 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117213381.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA