Lebensdaten
zwischen 1750 und 1765 bis 1795
Geburtsort
Horzin
Sterbeort
Bückeburg (Niedersachsen)
Beruf/Funktion
Komponist ; Musiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116945818 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Neubauer, Christian
  • Neubauer, Franz Christoph
  • Neubauer, Christian
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Zitierweise

Neubauer, Franz Christoph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116945818.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V N. N.;
    M N. N. ;
    1795 (?) N. N. aus B.

  • Leben

    N., der aus einfachen Verhältnissen stammte, wurde durch einen Schulrektor gefördert. Auf seiner Wanderschaft erreichte er im August 1780 das oberbayer. Kloster Au am Inn und reiste von dort weiter in die Klöster Gars, Dießen, Andechs, Schäftlarn und Fürstenfeld. Im Herbst 1781 ist er in München bezeugt. Es folgten Aufenthalte u. a. in Weissenau, Schussenried, Weingarten und an den Fürstenhöfen Hohenlohe-Bartenstein und Fürstenberg zu Donaueschingen. Für einige Zeit war N. Musiklehrer und Komponist im Dienst der Reichsabtei Ottobeuren, danach besuchte er Schönthal und St. Blasien (1786) und wohl auch mehrere Klöster in der Schweiz (Autograph eines theoret. Traktats 1783 in Einsiedeln). Konzerte gab er 1784 in Speyer, 1786 in Winterthur, 1788 in Zürich und 1789 in Heilbronn, wo er seine Schlachtsymphonie „La Bataille“ aufführte. Ein angeblicher Aufenthalt in Wien ist bisher nicht nachgewiesen. 1790 wurde N. Kapellmeister des Fürsten Friedrich Wilhelm von Nassau-Weilburg. Im franz. Revolutionskrieg floh er 1794 nach Preußisch-Minden, konzertierte in Hannover und trat im selben Jahr in die Dienste der Regentin Juliane Wilhelmine von Schaumburg-Lippe in Bückeburg. Hier geriet er in Rivalität mit dem dortigen Kapellmeister, Johann Christoph Friedrich Bach. Als dieser im Januar 1795 starb, wurde N. zum Nachfolger bestellt, starb jedoch, seit langem trunksüchtig, nach wenigen Monaten. N. war ein hochbegabter, vielseitiger und temperamentvoller Musiker. Er arbeitete leicht und schnell und hinterließ ein reiches, jedoch qualitativ unterschiedliches Schaffen. Seine gelungensten Werke, etwa die Symphonien und Konzerte zeigen N.s besondere Fähigkeit zu klarer Formbewältigung und einfallsreicher melodischer Gestaltung. Sein kirchenmusikalisches Œuvre, das lange als verschollen galt, wurde erst in den vergangenen Jahrzehnten in süddeutschen und schweizerischen Kirchen und Klöstern wiederentdeckt. Eine genaue Untersuchung dieser Werke steht jedoch noch aus.

  • Werke

    u. a. Drucke: 3 Streichquartette, Speyer 1785;
    Hymne an d. Natur, f. Chor u. Orch., Zürich 1787;
    Fernando u. Yariko, Zürich 1788, Reprint New York 1986 (Singspiel);
    33 Gesänge f. Singstimme u. Pianoforte, Zürich 1788 u. 1795;
    Kantaten: Über d. Lage d. teutschen Vaterlands, Rinteln 1795;
    Der Herr ist würdig;
    ca. 20 Sinfonien;
    Konzerte f. Flöte, Violoncello, Klavier;
    Kompositionen f. Gambetta u. Streicher;
    7 Serenaden u. Partiten;
    19 Streichquartette;
    53 Duos u. 17 Trios f. Streichinstrument(e) u./od. Flöte(n);
    Kirchenmusik u. a.: ca. 40 Messen, 3 Requien, 11 Litaneien, 1 Weihnachtskantate, ca. 40 Offertorien.

  • Literatur

    ADB 23;
    F. v. Schlichtegroll, Nekr. auf d. J. 1795, 11, 1798 (Neudr. in: Schlichtegroll, Musiker-Nekrologe, hg. v. R. Schaal, 1954);
    W. H. Riehl, Musikal. Charakterköpfe I, 1864;
    R. D. Sjoerdsma, The instrumental works of F. Ch. N., Diss. Ohio State Univ. 1970 (mit themat. W-Verz.);
    Kataloge bayer. Musikslgg. (mit themat. W-Verz.), 1 ff., 1971 ff.;
    R. Münster, F. Ch. N., Ein böhm. Komp. in süddt. Klöstern, in: Musik Mitteleuropas in d. 2. H. d. 18. Jh., 1994, S. 47-55;
    E. L. Gerber, Neues histor.-biogr. Lex. d. Tonkünstler, 1790-92;
    G. J. Dlabacz, Allg. hist. Künstlerlex. f. Böhmen, 1815-18;
    Wurzbach;
    MGG;
    Riemann mit Erg.bd.;
    New Grove;
    Biogr. Lex. Böhmen;
    Sudetendt. Musiklex., hg. v. K.-P. Koch (mit ausführl. W-Verz., im Druck).

  • Autor/in

    Robert Münster
  • Empfohlene Zitierweise

    Münster, Robert, "Neubauer, Franz Christoph" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 95 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116945818.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Neubauer: Franz Christoph N., fälschlich auch Christian in den Lexicis genannt, besaß ein Genie von Gottes Gnaden, aber ohne Fleiß, Kritik und geordneten Lebenswandel. Schade daß wir keine Memoiren von ihm besitzen, sie würden den interessantesten Roman bilden, so aber kennen wir nur stückweise seinen Lebenswandel, der besonders von Gerber niedergeschrieben ist. Ein Böhme von Geburt und aus niederem Stande entsprossen (c. 1760), genoß er bei einem Schulrector eine gute wissenschaftliche Bildung, so daß ihm noch in späterer Zeit die lateinische Sprache geläufig war, auch muß er dort schon Musikstudien gemacht haben, denn wir treffen ihn dann in Prag, später in Wien, wo er bereits als Componist auftritt. Abt Vogler, der nicht so leicht zu befriedigen war, hörte einige seiner Werke und konnte ihnen nicht seine Bewunderung versagen. Zeitgenossen erzählen, daß sie ihn oft in Hausfluren und Tabagien componirend gefunden haben und in letzteren meist in angetrunkenem Zustande. 1785 erschienen zu Speier drei Violinquartette, 1788 in Zürich eine Hymne auf die Natur, für Chor und Orchester, ebendort eine Operette „Fernando und Yariko“ und 24 Gesänge „Beym Klaviere"; 1789 führte er zu Heilbronn „Coburgs Sieg über die Türken, in einem malenden Concert“ mit vielem Beifall auf, 1790 die Trauermusik auf den Tod Kaiser Josephs II. zu Coblenz und Speier, die ebenfalls von den Zeitgenossen sehr gerühmt wird. In demselben Jahre trat er als Capellmeister in die Dienste des Fürsten von Weilburg und als die Capelle durch den französischen Revolutionskrieg aufgelöst wurde, ging er nach Minden in Westfalen; auch beim Fürsten von Fürstenberg war er eine zeitlang Capellmeister. Nach mannigfachen Irrfahrten kam er endlich nach Bückeburg und führte unter dem Protectorate des Fürsten seine Compositionen auf; da aber Johann Christoph Friedrich Bach, der neunte Sohn Sebastian Bach's, Capellmeister dort war, so entstanden zwischen ihnen arge Reibereien, weil sich Bach in seiner Stellung gefährdet sah und N. in nicht allzu zarter Weise Bach seine Ueberlegenheit zeigte. Vielleicht infolge der Kränkungen starb Bach bald darauf und N. rückte in dessen Stellung ein. Lange sollte er jedoch sich derselben nicht erfreuen, denn schon nach 9 Monaten folgte er Bach nach, nachdem er sich noch kurz vorher mit einer Bückeburgerin verheirathet hatte. Sein Todestag ist der 11. Octbr. 1795. — Gerber führt in seinem Lexikon 32 gedruckte Werke aus allen Fächern der Musik an, doch waren ihm schon damals, um 1810, nur einige wenige selbst zu Gesicht gekommen. Er urtheilt über dieselben: Genie, Feuer und Erfindungskraft kann man seinen Werken nicht absprechen. Wenn aber behauptet wird, in seinen Sinfonien solle seine größte Stärke liegen, so möchten diejenigen diesem Urtheile schwerlich beistimmen, deren Ohr und Herz durch die Haydn'schen erhabenen Meisterstücke dieser Art genährt sind, indem Neubauer's Sinfonien gegen die Haydn'schen mehr im Divertissementstone und mehr des „Joli als des Beau“ gearbeitet zu sein scheinen. Darauf gesteht Gerber ein, daß er nur einige wenige seiner Sinfonien kennt und die übrigen Werke ihm ganz unbekannt sind. Heute sind seine Werke so selten, daß man deren Bekanntschaft nur einem glücklichen Zufalle zu danken hätte.

  • Autor/in

    Rob. Eitner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Eitner, Robert, "Neubauer, Franz Christoph" in: Allgemeine Deutsche Biographie 23 (1886), S. 469 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116945818.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA